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Deir el-ʿAdhrāʾ (Beni Suef)

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Deir el-ʿAdhrāʾ ·دير السيدة العذراء
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Deir el-Adhra, arabisch: ‏دير (السيدة) العذراء‎, Dair (as-Saiyida) al-ʿAḏrāʾ, „Kloster der (hl.) Jungfrau“, ist ein Nonnenkloster in Mittelägypten im Gouvernement Beni Suef auf dem Ostufer des Nils in der Nähe des Dorfs Bayāḍ el-ʿArab.

Hintergrund[Bearbeiten]

Lage[Bearbeiten]

Das Kloster der hl. Jungfrau befindet sich auf dem Ostufer des Nils westlich von Bayāḍ el-ʿArab, ‏بياض العرب‬‎‎, „Bayāḍ der Araber“, etwa gegenüber der Stadt Beni Suef und 115 Kilometer südlich von Kairo. Der ursprüngliche Name des Dorfs war nur Bayāḍ, seit 1815 (1230 AH) nannte man es Bayāḍ en-Naṣārā, ‏بياض النصارى‬‎‎, „Bayāḍ der Christen“, wegen der vielen hier lebenden Christen.[1] Anfang der 1980er-Jahre wurde das Dorf in Bayāḍ el-ʿArab umbenannt.[2] Das Kloster befindet sich zudem etwa im Bereich der Nordspitze einer 16, Kilometer langen Nilinsel und der Südspitze einer etwa zwei Kilometer langen Halbinsel.

Geschichte[Bearbeiten]

Die Anfänge des Klosters liegen im Dunkeln. Kirchen in einem Ort namens Bayāḍ oder Bayāḍīya sind zwar bekannt. So nennt z. B. der arabische Historiker el-Maqrīzī (1364–1442) eine Kirche für den hl. Antonius in seinem Kirchenverzeichnis.[3] Aber man kann nicht mit Bestimmtheit sagen, um welchen der mehrfach vorhandenen Orte es sich dabei handelt. Einer dieser Orte ist auch der Herkunftsort von Markus V., dem 98. Papst von Alexandrien.[4]

Der britische Ägyptologe John Gardner Wilkinson (1797–1875) erwähnte als erster das hiesige Kloster kurz, ohne eine Beschreibung zu geben.[5] Der englische Ägyptologe Somers Clarke (1841–1926) nannte 1912 aber nur eine Kirche der hl. Jungfrau.[6]

Otto F. A. Meinardus (1925–2005) berichtete kurz über den Neubau der Kirche der hl. Jungfrau, die im Januar 1963 durch Bischof Athanasius geweiht wurde. Zwei Jahre später eröffnete Bischof Athanasius auch ein Rückzugshaus für den koptischen Orden der Töchter der hl. Maria. In Bayāḍ en-Naṣārā, heute Bayāḍ el-ʿArab, gibt es auch ein Ausbildungszentrum der örtlichen Diakonie für Kunsthandwerker, Lehrer für Sonntagsschulen und Kantoren.

Vater Martin berichtete über die alte Kirche des Klosters, die dem Neubau weichen musste. Diese [dreischiffige] Kirche besaß eine zentrale Kuppel, die von vier Granitsäulen getragen wurde. Auf der Südseite der Kirche befand sich eine Galerie und an der Stelle des Baptisteriums der neuen Kirche eine Kapelle für die hl. Damyāna (Damiana). Beim Bau der neuen Kirche fand man im Erdreich weitere Granitsäulen, die nun im Baptisterium wieder aufgerichtet wurden. Die Granitsäulen der alten Kirche befinden sich heutzutage an anderer Stelle, und zwar an der Tür der neuen Kirche entlang der Nordwand und am inneren Eingang des Klosters.[2]

Wilfried Van Rengen und Guy Wagner beschrieben eine elfzeilige griechische Inschrift auf dem Schaft einer der Granitsäulen im Baptisterium.[2] Die Säule stammte wohl einst aus Arsinoë/Krokodilopolis, das im heutigen Stadtteil Kīmān Fāris in der Stadt el-Faiyūm lokalisiert wurde. In der Inschrift ehren drei (oder vier) ehemalige Gymnasiarchen, zeitweilige Leiter des örtlichen Gymnasions, den Vater des Valerius Titanianus, der um 217/218 n. Chr. zum Präfekten der Mahnwachen im Rom erhoben wurde und den Titel ἐξοχώτατος, Exzellenz, trug. Offensichtlich war der Geehrte, der wohl wie sein Sohn einer wohlhabenden Familie entstammte, nützlich für das Gymnasion.

Anreise[Bearbeiten]

Auf der Straße[Bearbeiten]

Die Anreise erfolgt meist über Beni Suef. Man überquert den Nil über die Beni-Suef-Nilbrücke und gelangt nach etwa zwei Kilometern in nördlicher Richtung zum Kloster und zum benachbarten Dorf. Eine Anreise aus Kairo kann über die Kairoer Ringautobahn und die Wüstenautobahn auf der Ostseite des Nils erfolgen.

Mit dem Boot[Bearbeiten]

Im Prinzip ist auch eine Anreise mit einem Boot denkbar. Das Kloster besitzt einen eigenen Anlegesteg.

Mobilität[Bearbeiten]

Mit einem PKW kann man unmittelbar bis an das Eingangstor in der Umfassungsmauer fahren. Das Innere des Kloster muss man dann zu Fuß ergründen.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Das Kloster ist von einer hohen Umfassungsmauer umgeben. Die Zellen für die Nonnen befinden sich an dieser Mauer.

Die neue Kirche für die hl. Jungfrau wurde an der Stelle der früheren Kirche errichtet und im Januar 1963 durch Bischof Athanasius geweiht. Aus der alten Kirche stammen noch Granitsockel und vier Granitsäulen.

Die schlicht gehaltenen dreischiffige Kirche besitzt drei Heikale, den für die hl. Jungfrau in der Mitte, für die hl. Damyana auf der linken Seite und für den Erzengel Michael auf der rechten Seite. Die Sanktuare sind mit einer modernen Ikonostase vom Gemeinderaum abgetrennt. Oberhalb der Ikonostase befinden sich die Darstellung des letzten Abendmahls und das Christuskreuz. Auf beiden Seiten der Schirmwand befinden sich Ikonen von je sechs Aposteln, auf der linken Seite zudem die Ikonen für den hl. Markus, Maria und den Heiligen Geist, in der Mitte Ikonen mit Maria mit dem Kinde und Jesus sowie rechts die Ikonen mit der Taufe Christi und dem hl. Georg.

Zu beiden Seiten der Schirmwand gibt es an den Seitenwänden Bleiglasfenster mit Darstellungen aus dem Leben Mariens. Oberhalb des Mittelschiffs mit mehreren Kronleuchtern befinden sich zudem kleine Bleiglasfenster mit den Bildnissen verschiedener ägyptischer Heiliger. An der Rückseite der Kirche befinden sich zwei Reliquienschreine mit Reliquien von Märtyrern und Kirchenvätern.

Aktivitäten[Bearbeiten]

In der Kirche werden täglich Gottesdienste durchgeführt. Alljährlich wird ein großes Mūlid, ein Geburtsfest, zwischen dem 7. und dem 22. August aus Anlass von Mariä Himmelfahrt veranstaltet.

Unterhalb des Klosters befindet sich ein Steg, von dem aus man eine Fahrt mit dem Ruderboot unternehmen kann.

Einkaufen[Bearbeiten]

Küche[Bearbeiten]

Restaurants findet man in Beni Suef.

Unterkunft[Bearbeiten]

Unterkünfte findet man in Beni Suef.

Ausflüge[Bearbeiten]

Der Besuch dieses Klosters lässt sich mit dem Besuch des Dorfs und der Klosterkirchen von Deir el-Meimūn verbinden.

Literatur[Bearbeiten]

  • Timm, Stefan: Bayāḍ. In: Das christlich-koptische Ägypten in arabischer Zeit ; Bd. 1: A - C. Wiesbaden : Reichert, 1984, (Beihefte zum Tübinger Atlas des Vorderen Orients : Reihe B, Geisteswissenschaften ; 41,1), ISBN 978-3-88226-208-7, S. 375 f.
  • Meinardus, Otto F. A.: Christian Egypt, ancient and modern. Cairo : American University in Cairo Press, 1977 (2. Auflage), ISBN 978-977-201-496-5, S. 357 f.
  • Coquin, René-Georges ; Maurice Martin, S. J.: Dayr Al-‘Adhra’. In: Atiya, Aziz Suryal (Hg.): The Coptic Encyclopedia ; Bd. 3: Cros - Ethi. New York : Macmillan, 1991, ISBN 978-0-02-897026-4, S. 714.

Einzelnachweise

  1. Ramzī, Muḥammad: al-Qāmūs al-ǧuġrāfī li-’l-bilād al-miṣrīya min ʿahd qudamāʾ al-miṣrīyīn ilā sanat 1945 ; Bd. 2, Heft 3: Mudīrīyāt al-Ǧīza wa-Banī Suwaif wa-’l-Faiyūm wa-’l-Minyā. Kairo : Maṭbaʿat Dār al-Kutub al-Miṣrīya, 1960, S. 159 (Seitennummern oben).
  2. 2,0 2,1 2,2 Van Rengen, Wilfried ; Wagner, Guy ; [Père M. Martin, S.J.]: Une dédicace à Valerius Titanianus, fils du préfet des vigiles Valerius Titanianus. In: Chronique d’Egypte (CdE), ISSN 0009-6067, Bd. 59,118 (1984), S. 348–353. Im Anhang gibt Vater Martin Zusatzinformationen zum Kloster.
  3. Maqrīzī, Aḥmad Ibn-ʿAlī al- ; Wüstenfeld, Ferdinand [Übers.]: Macrizi’s Geschichte der Copten : aus den Handschriften zu Gotha und Wien. Göttingen : Dieterich, 1845, S. 136. Kirche Nr. 19.
  4. Vansleb, J.M.: Histoire de l’Eglise d’Alexandrie. Paris : Clousier, 1677, S. 329.
  5. Wilkinson, John Gardner: Modern Egypt and Thebes : being a description of Egypt ; including the information required for travellers in that country, Bd. 2. London : Murray, 1843, S. 19.
  6. Clarke, Somers: Christian antiquities in the Nile Valley : a contribution towards the study of the ancient churches. Oxford : Clarendon Pr., 1912, S. 206.
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