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Avdat

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Avdat National Park ist eine Archäologische Stätte in der Negevwüste im südlichen Israel, sie umfasst die Ruinen der Nabatäerstadt Avdat.

Avdat
Avdat, Oboda
Provinz Southern District, Negev
Höhe unbekannt
kein Wert für Höhe auf Wikidata: Höhe nachtragen
keine Touristinfo auf Wikidata: Touristeninfo nachtragen
Lage
Lagekarte von Israel
Reddot.svg
Avdat

Hintergrund[Bearbeiten]

Avdat: Metallskulpturen (Karawane)

Die Stadt Avdat wurde ca. im 4. Jhdt. v.Chr. etwa in der Mitte der durch den Negev führenden Karawanenroute von Petra zum Mittelmeerhafen von Gaza, die hier die Strasse von Jerusalem nach Eilat kreuzt, auf einem Bergrücken errichtet.

Geschichte[Bearbeiten]

Luftansicht von Avdat
Negevwüste bei Avdat

Die Nabatäer waren ein arabischstämmiger Beduinenstamm, sie betrieben neben der Schafs- und Kamelzucht vor allem auch den Transport auf Karawanenwegen zwischen Arabien und der Mittelmeerküste. Die Karawanenstationen wurden zu städtischen gut zu verteidigenden Siedlungen ausgebaut; die Route auf der Weihrauch, Myrrhe und kostbare Gewürze aus Arabien ans Mittelmeer transporiert wurden, wird als Incense Route (Weihrauchstrasse) bezeichnet. Avdat war Station 62 der in Abständen von Tagesetappen von 35 km angelegten Karawanenstationen.

In der Frühzeit der Kultur lebten die im 4. Jhdt. v.Chr. in den Negev eingewanderten Nabatäer in Zelten und verzichteten auf Landbau und den Bau fester Häuser. Erst mit dem Ausbau der Weihrauchstrasse, zwischen Südarabien und Gaza wurden auf 2384 km fünfundsechzig Karawanenstationen eingerichtet und die Nabatäer stiegen zu Wohlstand auf. Die Stadt Avdat wurde wohl gegen Ende des 4. Jhdt. v.Chr. gegründet, der Name stammt von den Nabatäerkönigen Obodas I oder Obodas II her. Nach der Eroberung und Zerstörung der Stadt durch den Hasmonäerkönig Alexander Jannäus im 1. Jhdt. v.Chr. blieb die Stadt ein halbes Jahrhundert verlassen und wurde dann unter Malichus I oder Obodas III wieder besiedelt. Die frühesten der heutigen Ruinen stammen alle aus dieser Siedlungsepoche.

Mit dem Einfall der Römer in den östlichen Mittelmeerraum versuchten diese, auch den Gewürzhandel unter ihre Kontrolle zu bringen und die kostspieligen Karawanentransporte durch Schiffstransporte zu umgehen. Um 105/106 wurde das nabatäische Königreich in die römische Provinz "Arabia" integriert. Avdat als bedeutendste Stadt der Nabatäer im Negev war auch Ort der Verehrung von Gottkönig Obodas, der später als Obodas-Zeus verehrt wurde, der griechischen Göttin Aphrodite-Allat und der ägyptischen Gottheit Apis - Reste der nabatäischen Tempelanlage sind noch erkennbar.

Relativ früh trat die Bevölkerung des Negev zum christlichen Glauben über, in den Nabatäerstädten wurden ab dem 3. Jhdt. zahlreiche Kirchen und Klöster errichtet. Die Wirtschaft wurde in byzantinischer Zeit weiterhin durch den Wein- und Landbau, aber auch durch den Pilgertourismus in den Sinai, dominiert. Mit dem Einfall der Araber im Jahre 636 begann der Niedergang der Region. Die Bevölkerung konnte den sich mehrenden Überfällen von Beduinen nicht mehr standhalten und ab dem zehnten Jahrhundert war der Negev weitgehend entvölkert.

Landschaft[Bearbeiten]

Die grösste Nabatäerstadt im Negev wurde auf einem im Westen steil abfallenden Bergrücken errichtet.

Flora und Fauna[Bearbeiten]

Die Negevwüste ist lediglich im Frühjahr nach den Regenfällen etwas begrünt, im Sommer ist die dornig - krautige Vegetation von der Sonne verbrannt.

Klima[Bearbeiten]

Im Negev herrscht arides Wüstenklima, die besten Besichtigungszeiten sind demzufolge die frühen Vormittagsstunden nach Parköffnung, gegen Abend schliesst der Park vor Sonnenuntergang, wenn die Kühle der Wüste einsetzt.

Die Besichtigung ist zwischen Spätherbst und Frühjahr weniger schweisstreibend, als im Hochsommer.

Anreise[Bearbeiten]

Die südlich von Be'er Scheva gelegene Stadt ist am besten mit dem eigenen Fahrzeug zu erreichen: Die Strasse 40 vom Norden über Be'er Scheva in Richtung Eilat führt an der Tank- und Raststätte bei Advat vorbei.

Hier befindet sich ebenfalls eine Bushaltestelle der Busverbindung von Be'er Scheva - Mizpe Ramon - Eilat

Gebühren/Permits[Bearbeiten]

1 Avdad National Park. Tel.: (0)8-655-1511, Fax: (0)8-655-0954. Hunde sind im Areal nicht zugelassen. Geöffnet: April-Sept. 08.00-17.00h, Oct.-März 08.00-16.00h. Preis: 29/15 NIS.

Mobilität[Bearbeiten]

Lokal bewegt man sich zu Fuss, das Areal ist nur teilweise für Wheelchair-yellow3.png Rollstuhlfahrer zugänglich, ein spezieller rollstuhlgängiger Rundgang ist in Planung.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Blick zum Stadthügel
römischer Wachturm
Stadtfestung
Tor zur Stadtfestung
Nabatäischer Tempel
Nabatäischer Tempel
Northern Church
Northern Church
Southern Church
Southern Church
byzant. Badehaus
byzantinisches Badehaus
  • im 2 Empfangsgebäude der Parkverwaltung befindet sich die Kasse und ein Souvenirshop, in einer mehrsprachigen Multimediashow bekommt man Informationen über die Kultur und Geschichte der Nabatäer und ihre Wüstenstädte. Mit dem Ticket lässt sich die Schranke an der Zufahrt zum archäologischen Gelände öffnen, man kann mit dem Privatfahrzeug bis zu den Parkplätzen auf der Höhe der antiken Stadt hinauffahren.
  • von der Zufahrtsstrasse zweigt nach rechts ein Schotterweg ab, der bei einer 3 spät-römischen Grabkammer am südwestlichen Abhang von Avdat endet. Ein gemauertes Steingewölbe gibt Zugang zur Grabkammer; vier griechische Inschriften zeugen von hier beigesetzten vornehmen Frauen, ein Datum verweist ins Jahr 241 n.Chr.
  • südlich der letzten Linkskurve liegen die Ruinen einer 4 römischen Villa, von der Zugangsplattform ergibt sich eine tolle Rundsicht in Richtung Süden.

Am Ende der Zufahrtsstrasse parkiert man den Wagen in beginnt den Rundgang durch die Ruinen der Stadt zu Fuss. Eine rollstuhlgängige Rampe führt zu den Stadtruinen und soll zu einem behindertengerechten Rundgang erweitert werden.

  • am Zugang zur Stadt steht der 5 römische Wachturm. Er wurde auf früheren Fundamenten im Jahre 294 n.Chr. erbaut, eine Inschrift am Türsturz nennt den Erbauer und den Architekten Uälos aus Petra.
  • zu beiden Seiten der Zugangsstrasse zur Stadt liegt das 6 byzantinische Quartier mit Gebäuden einer Farm (mit einer Weinpresse) und einer Karawanserei mit grossen Schlafräumen und kleinen Zimmern für Einzelpersonen.
  • am Ende des byzantinischen Quartiers und vor dem Stadttor liegt die grosse 7 Weinpresse: in verschiedenen Kammern wurden die Trauben gekeltert, der Traubensaft dann in eine Zisterne geleitet und abgefüllt.
  • Durch das gewaltige Stadttor betritt man die 8 Zitadelle. Der Ostteil der Stadt ist als Festung ausgebaut: den rechtigen Platz umgeben hohe Stadtmauern und in den Ecken Wehrtürme, zu denen Treppenaufgänge führen. Zwei grosse Zisternen aus nabatäischer und byzantinischer Zeit unter dem Boden der Zitadelle hielten Regenwasser zum Gebrauch der Bevölkerung und als Reserven für Zeiten der Belagerung zurück. Im Innenhof finden sich noch die Ruinen einer Kapelle.

Durch ein Torgebäude gelangt man auf den Kirchplatz: der Platz auf der Akropolis der Stadt ist von zwei Kirchen umgeben.

  • Im Westen lag der 9 nabatäische Tempel, der wahrscheinlich im 1. Jhdt. v.Chr. zu Ehren des Gottkönigs Obodas II erbaut worden war. Er bestand aus einen Vorplatz, einem Tor (das Tor mit den typischen nabatäischen Säulenkapitellen wurde später zum Eingang der Südkirche umgestaltet), dem Gebetsraum und dem Heiligtum, einem 5 m hohen Raum. Später wurde um den Tempel der Felsen zu einer Plattform abgetragen, die Terrasse mit massiven Stützmauern erweitert und eine Säulenhalle vor dem Tempel angelegt, von der noch zwei Säulenreihen zu erkennen sind. Später wurden die Steine teils zum Bau der byzantinischen Kirche verwendet, teils die Tempelbaute in die byzantinische Festungsanlage integriert.
  • die 10 Nordkirche schliesst sich an die Terrasse an, sie wurde im 4. Jhdt. erbaut, wobei Steine aus dem ehemaligen nabatäischen Tempel weiterverwendet wurden. Eine Arkade mit drei Bögen führte von Westen her in die Basilika. Eine Klerikerbank mit einem Bischofssitz deutet darauf hin, dass das Gotteshaus die Hauptkirche von Avdat war.
  • links des Eingangs der Nordkirche liegt das 11 Baptisterium. In das kreuzförmige Taufbecken wurden die frühen Christen mit ausgestreckten Armen eingetaucht, dies erinnert an Jesu Sterben am Kreuz, das der Auferstehung als neuer Mensch vorausgeht.
  • die 12 Südkirche liegt auf der Gegenseite des Kirchplatzes. Diese Kirche wurde etwa hundert Jahre später als die Nordkirche gebaut. Um einen grossen Vorhof ("Atrium") waren die Räume eines kleinen Klosters angeordnet; unter dem Boden des Atriums ist eine grosse Zisterne angelegt. Im Atrium fand sich die Begräbnisstätte des Klostervorstehers, der im Jahre 618 zu Grabe getragen wurde.
Ein Arkade mit drei Bogen führt in die Basilika, die nabatäischen Torpfosten und Kapitelle stammten wahrscheinlich ebenfalls aus der nabatäischen Tempelanlage. Das Dach bestand aus schweren Holzbalken, deren verkohlte Reste, Teile von Kreuzen und Bronzelampen und Knochenreste sind Zeugen der Zerstörung nach der Invasion der Araber im Jahre 636. Zu beiden Seiten der Apsis finden sich Nischen, in denen Reliquien aufbewahrt wurden; im Boden fanden sich Grabstelen mit Inschriften aus dem 6. Jhdt.

Von der Akropolis kann man nun wieder zum Parkplatz zurückkehren, auf einem Pfad nach Westen in Richtung Parkeingang hinuntersteigen oder noch die Gebäudereste im Osten der Stadt besichtigen.

Wenn man die Stadt beim Osttor der Zitadelle verlässt, liegen zu Linken Ruinen eines 13 nabatäischen Quartiers.

  • der Weg führt nach Osten zum quadratisch angelegten 14 römischen Heerlager. Eine Umfassungsmauer ungab die 100 x 100 m messende Anlage, diese besteht aus vier Quadranten, in jedem Viertel zwei Blocks mit je zehn Räumen, die jeweils zehn Soldaten Unterkunft gaben. Die Datierung ist schwierig, die Anlage könnte aus dem 1. oder 3./4. Jhdt. stammen. Jedenfalls wurden die Steine nachverwendet, als die Mauern der Zitadelle erbaut wurden.
  • südlich der Ruinen des Heerlagers liegt die nabatäische 15 Töpferwerkstatt. Diese besteht aus drei Räumen, einem Lehmlager, einem Raum mit Töpferscheibe und Brennofen und einem Laggerraum für die fertigen Waren; zahlreiche Tonscherben aus lokaler Produktion aber auch von Tonwaren aus dem römischen Reich lassen die Anlage auf den Zeitraum der Zeitenwende bis 1. Jhdt. datieren.
  • etwas südlich fanden sich Reste eines 16 nabatäischen Landguts.
Haus des Weinhändlers

Alternativ kann man von der Terrasse auf einem Pfad nach Westen hinabsteigen. Vorbei an verschiedenen Grotten, welche als Lager genutzt wurden, gelangt man zum

  • byzantinischen 17 Haus des Weinhändlers: das Gebäude gehörte wohl einem Weinhändler; an der Rückseite ist das Gebäude vor eine natürliche Höhle gebaut, welche erweitert wurde und als Vorratsraum für Weinamphoren und Obst, welches an Ringen in der Decke aufgehängt wurde, diente.

Noch weiter unten, ein wenig nördlich der Raststätte, steht das byzantinische Badehaus.

  • das 18 byzantinische Badehaus ist fast vollständig erhalten. Die Aufteilung des Gebäudes entspricht den römischen Thermen mit einem Ankleideraum, von dem aus man in einen Kaltbaderaum und dann in ein Warmbad und in ein Heissbad gelangte, letzteres wurde aus einem Ofen mittels Hypocaust und in den Wänden verlegten Rohren beheizt, bis mitten in der Wüste zum Schwitzen Saunatemperaturen erreicht werden konnten.

Aktivitäten[Bearbeiten]

  • die Besichtigung des archäologischen Geländes nimmt 1 1/2 (nur Akropolis) bis 3 Stunden in Anspruch.
  • Wanderung im unter Naturschutz stehenden "Canyon" des nahen En Avdat

Einkaufen[Bearbeiten]

In einem Shop der Parkverwaltung werden Souvenirs und Literatur angeboten.

Küche[Bearbeiten]

  • bei der Tank- und Raststätte lädt ein Schnellimbiss mit dem grossen M ein, die Qualität der hier angebotenen Hamburger soll weltweit vergleichbar sein, ausser, wenn in der Zeit des Pessach mit Burger mit Matzenbrot im Angebot sind.

Unterkunft / Camping[Bearbeiten]

Vor Ort gibt es keine Unterkünfte. Für diejenigen, welche den Spuren der Weihrauchstrasse nachgehen möchten, gibt es "standesgemässe" Zeltunterkünfte und eine Campingmöglichkeit auf dem Gelände von Mamshit. Hotelunterkünfte finden sich in Be'er Scheva, in Mizpe Ramon oder Eilat, von wo aus Avdat gut als Tagsausflug auf der gut ausgebauten Strasse durch den Negev zu erreichen ist.

Sicherheit[Bearbeiten]

Die Sicherheitslage ist bzgl. Kriminalität unbedenklich.
Im heissen trockenen Wüstenklima ist auf ausreichend Wasser- und Salzzufuhr zu achten, die Besteigung der auf einem Bergrücken liegenden antiken Stadt ist recht schweisstreibend und nur bei guter körperlicher Konstitution zu empfehlen (alternativ kann man mit dem eigenen Fahrzeug zu den Ruinen von Avdat hinauffahren.

Ausflüge[Bearbeiten]

  • Besichtigung der weiteren Nabatäerstädte, zu erwähnen sind vor allem Mamshit und Shivta sowie Petra, die in Jordanien gelegene Hauptstadt der Nabatäer.
  • der "Canyon" des nahen En Avdat liegt in der Nähe und kann rasch mit dem Privatfahrzeug oder auf einer längeren Wanderung erreicht werden.

Literatur[Bearbeiten]

  • Israel National Parks & Nature Reserves, Azaria Alon, engl., ISBN 978-965-220-705-0
  • Wohlriechende Städte - Die Nabatäer in der Negevwüste, Avraham Negev, Israelische Nationalparkgesellschaft, deutsch, Broschüre auch in engl. erhältlich
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