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Ziftā

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Ziftā ·زفتى
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Zifta (Zifte, Zefta, Sifta, seltener Minyat Ziftā, arabisch: ‏زفتى‎, Ziftā, seltener ‏زفتا‎) ist eine ägyptische Stadt im Nildelta am (linken) Westufer des Damietta-Nilarms im Gouvernement el-Gharbīya mit etwa 93.000 Einwohnern.[1] Sie liegt genau gegenüber ihrer Schwesterstadt Mīt Ghamr.

Hintergrund[Bearbeiten]

Lage[Bearbeiten]

Die Stadt liegt fast im Zentrum des Nildeltas. Viele andere große Städte befinden sich in recht geringer Entfernung: el-Manṣūra befindet sich in etwa 45 Kilometer Entfernung im Nordosten, ez-Zaqāzīq in etwa 30 Kilometer Entfernung im Südosten, Banhā in etwa 30 Kilometer Entfernung im Süden, Ṭanṭā in etwa 30 Kilometer Entfernung im Westen und el-Maḥalla el-Kubrā in etwa 30 Kilometer Entfernung im Norden.

Die Stadt liegt am Westufer des Damietta-Nilarms genau gegenüber von Mīt Ghamr.

Geschichte[Bearbeiten]

Die frühe Geschichte der Stadt Ziftā liegt völlig im Dunkeln. Wahrscheinlich gab es in altägyptischer Zeit hier keine Ansiedelung. Es ist zwar der Fund eines Bruchstücks eines schwarzen Granitnaos mit einer Weihinschrift an Month aus Ziftā bekannt, es stammt aber wohl aus Tell Basṭa.[2] Weitere Funde stammen vom Tell Muṣṭāi (arabisch: ‏تل مصطاي‎), auch Tell Umm el-Ḥarb, in der Nähe des 15 Kilometer südwestlich von Ziftā gelegenen Dorfs Muṣṭāi. Hier gab es seit Ramses II. einen Tempel für den Schreibergott Thot, der auch noch in der altägyptischen Spätzeit genutzt wurde.[3]

Weitere Kunde aus der Stadt, die in koptischer Zeit Ⲍⲉⲃⲉⲑⲉ, Zebethe, hieß,[4] stammt erst aus dem Mittelalter. Um 1140 wurde eine Kirche des hl. Georg vor seiner Weihe von Muslimen zerstört. Der zuständige Bischof aus Sahragt konnte aber die Wiedererrichtung der Kirche bei der muslimischen Obrigkeit bewirken. Etwa aus dieser Zeit stammt auch ein Bericht über eine Kirche des hl. Ischyrion (arabisch: ‏أبّسخيرون‎, Abbascheirūn) in Ziftā. Der in Qillīn geborene hl. Ischyrion, ein Reiterheiliger, lebte zu Beginn des 4. Jahrhunderts in der Zeit der diokletianischen Christenverfolgung. Da er von seinem Glauben nicht abschören wollte, wurde er gefoltert und enthauptet. Vom hl. Ischyrion ist das Wunder Versetzung der Kirche von Qillīn nach Bayahū überliefert. Die Kirche des hl. Ischyrion existiert zwar nicht mehr, aber sie war unter den Bewohnern der Stadt noch bis ins 20. Jahrhundert bekannt. Neben dem hl. Ischyrion wurde auch der hl. Abā Nūb verehrt.

Seit dem 13. Jahrhundert bildete Ziftā ein eigenständiges koptisches Bistum. Bis ins 19. Jahrhundert wurden immer wieder Bischöfe aus dieser Stadt genannt.

Der früheste Bericht eines europäischen Reisenden stammt aus dem Jahr 1672. Der Dominikanerpater Johann Michael Wansleben (1635–1679) erwähnte aber nur, dass die große und schöne Stadt zur Provinz von el-Maḥalla el-Kubrā gehörte und dass zur Zeit seines Besuches eine Jagd auf hiesige Bauern während einer Tributeintreibung erfolgte.[5]

Der Name der Stadt spielte auch in der jüngeren Geschichte Ägyptens eine wichtige Rolle. Während der ägyptischen Revolution von 1919 gegen die britische Okkupation wurden führende Mitglieder der Wafd-Partei, unter ihnen Saad Zaghlūl Pascha (1859–1927), ausgewiesen. Im Exil in Malta erklärten sie die Unabhängigkeit Ägyptens von der Krone und nannten ihre Exilregierung „Republik von Ziftā“.

Um 1886 und 1928 lebten in der Stadt 11.087 bzw. 15.850 Einwohner.[4][6] Heute ist sie mit etwa 101.000 Einwohnern ist sie eine der größten Städte im Gouvernement el-Gharbīya.[1] Die Bevölkerung lebt von der Landwirtschaft, dem Fischfang, der Leinen- und Bekleidungsfertigung.

Anreise[Bearbeiten]

Stadtplan von Ziftā

Eine Anreise ist auch über Mīt Ghamr möglich.

Mit der Bahn[Bearbeiten]

Ziftā ist mit Zügen aus Kairo (Ramsis Sq.), Ṭanṭā und ez-Zaqāzīq erreichbar. Der 1 Bahnhof Ziftā befindet sich im Norden der Stadt an der Südseite der Gleisanlagen.

Auf der Straße[Bearbeiten]

Ziftā ist über die Autobahn von Banhā nach el-Manṣūra angebunden, die im Osten von Mīt Ghamr verläuft. Im Nordosten von Mīt Ghamr gibt es eine Autobahnabfahrt nach Westen. Die daran angebundene Fernverkehrsstraße führt über eine 2 Nilbrücke im Norden von Ziftā. Die beiden nun folgenden Abfahrten nach Süden führen in die Stadt Ziftā.

Mit dem Bus[Bearbeiten]

Ziftā ist ein Verkehrsknotenpunkt für Mikrobusse und Servicetaxis nach Kairo, Banhā und zu verschiedenen Orten im Nildelta. Die Bushaltestelle für Taxis und Mikrobusse in Kairo befindet sich nördlich der Metrohaltestelle Koleyat el-Zeraah an der Linie 2. Die 3 Bushaltestelle in Ziftā für Busse nach Kairo befindet sich neben der Eid Moschee, arabisch: ‏مسجد العيد‎. Für die Busse nach Banhā und Ṭanṭā gibt es eine 4 Bushaltestelle im Bereich der Sekh Banha St.

Mobilität[Bearbeiten]

Die Eisenbahnbrücke nach Mīt Ghamr dient auch dem Fahrzeugverkehr.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Moscheen[Bearbeiten]

  • Abū-Scharaf-ed-Dīn-Moschee (مسجد أبو شرف الدين, Masǧid Abū Scharaf ad-Dīn), Saad Zaghloul St.
  • Aulād-ez-Zubeir-Moschee (جامع أولاد الزبير, Ǧāmiʿ Aulād az-Zubair).
  • Fattouh-Moschee, Saad Zaghloul St.
  • 1 Große Moschee (الجامع الكبير, al-Ǧāmiʿ al-Kabīr, El Kabir Mosque), El Bahr St. (Kreuzung El Gomhoreya St.). (30° 42′ 52″ N 31° 14′ 55″ O)

Kirchen[Bearbeiten]

Die koptisch-orthodoxen Kirchen gehören zur Diözese von el-Gharbīya mit dem Sitz in Ṭanṭā.

3 Kirche hl. Merkurius (كنيسة الشهيد العظيم فيلوباتير مرقريوس, Kanīsat asch-Schahīd al-ʿaẓīm Fīlūbātīr Marquriyūs (Kirche des bedeutenden Märtyrers Philopater Merkurius), Kirche des Abu es-Seifein). Die Kirche ist ein bedeutendes Pilgerzentrum. Der heutige Bau stammt aus dem 20. Jahrhundert. Einen Vorgängerbau gab es seit dem Mittelalter, sie war damals dem hl. Is'chirun von Qallīn geweiht. Die Schirmwand der Kirche stammt aus dem Jahr 1868/1869 (1585 AM) und trägt u.a. den Namen des hl. Apa Nūb. Höhepunkte sind der 25. Abib (1. August, Kirchweihe) und der 25. Hatur (5. Dezember), an denen dem hl. Merkurius gedacht wird.[7] (30° 43′ 9″ N 31° 14′ 50″ O)

Wasserbauten[Bearbeiten]

Bereits seit 1843 lagen Pläne vor, ein Staudammsystem zur Regulierung des Nils zu errichten. Begonnen wurde mit Staudämmen im Norden von Kairo im Nildelta. In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurde das System um verschiedene Staudämme in Mittel- und Oberägypten erweitert. 1881 wurde mit dem Bau des 4 Stauwehrs von Ziftā (30° 44′ 35″ N 31° 14′ 23″ O) im Norden der Stadt, arabisch: ‏قناطر زفتى‎, Qanāṭir Ziftā, begonnen, und das Wehr wurde in der ersten Phase 1903, endgültig 1952 fertiggestellt. Das Stauwehr verfügt über 50 Durchlassöffnungen mit 5 Metern Breite. Das aufgestaute Wasser wird in Kanäle der Provinzen el-Gharbīya, ed-Daqahlīya und esch-Scharqīya geleitet. Auf der rechten Flussseite befindet sich eine Schleuse.

Die 5 Ziftā-Brücke (30° 43′ 21″ N 31° 15′ 4″ O), arabisch: ‏كوبري زفتي‎, Kūbrī Ziftā, verbindet die Stadt mit ihrer Schwesterstadt Mīt Ghamr. Die 417 Meter lange Eisenbrücke wurde 1906 von britischen Ingenieuren errichtet.

Aktivitäten[Bearbeiten]

Sport[Bearbeiten]

Einkaufen[Bearbeiten]

Küche[Bearbeiten]

Unterkunft[Bearbeiten]

In der Stadt gibt es keine Hotelunterkünfte. Hotels gibt es in den nahe gelegenen Städten Ṭanṭā, ez-Zaqāzīq und el-Maḥalla el-Kubrā.

Gesundheit[Bearbeiten]

Praktische Hinweise[Bearbeiten]

Polizei[Bearbeiten]

Banken[Bearbeiten]

Postämter[Bearbeiten]

Ausflüge[Bearbeiten]

Den kürzesten Ausflug kann man in die Nachbarstadt Mīt Ghamr auf dem Ostufer des Nilarms unternehmen.

Zwölf Kilometer nördlich der Stadt befindet sich das Dorf Sunbāṭ mit der Kirche der hl. Rebekka. Weitere acht Kilometer nördlich befindet sich das Dorf Abū Ṣīr Banā mit den spärlichen Überresten des einstigen Busiris.

Zehn Kilometer südöstlich der Stadt liegt der Ruinenhügel 6 Tell el-Muqdām (30° 40′ 59″ N 31° 21′ 18″ O) nördlich des Dorfs Kafr el-Muqdām, arabisch: ‏كفر المقدام‎, mit den wenigen Überresten einer Tempelanlage Osorkons II. (22. Dynastie). Hier lag wohl das antike Leontopolis, die Löwenstadt.

Literatur[Bearbeiten]

  • Timm, Stefan: Minyat Ziftā. In: Das christlich-koptische Ägypten in arabischer Zeit ; Bd. 4: M - P. Wiesbaden : Reichert, 1988, (Beihefte zum Tübinger Atlas des Vorderen Orients : Reihe B, Geisteswissenschaften ; 41,4), ISBN 978-3-88226-211-7, S. 1669 f.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 Einwohnerzahlen nach dem ägyptischen Zensus von 2006, Central Agency for Public Mobilization and Statistics, eingesehen am 17. Dezember 2014.
  2. Edgar, C. C.: Report on the demolition of Tell Sheikh Nasreddin. In: Annales du Service des Antiquités de l’Egypte (ASAE), ISSN 1687-1510, Bd. 13 (1913), S. 122–124, insbesondere S. 124.
  3. Gomaà, Farouk: Tell Mustai. In: Helck, Wolfgang ; Westendorf, Wolfhart (Hg.): Lexikon der Ägyptologie ; Bd. 6: Stele - Zypresse. Wiesbaden : Harrassowitz, 1985, ISBN 978-3-447-02663-5, Sp. 352 f.
  4. 4,0 4,1 Amélineau, É[mile]: La géographie de l’Égypte à l’époque copte. Paris : Impr. Nationale, 1893, S. 531.
  5. P[ère] Vansleb [Wansleben, Johann Michael]: Nouvélle Relation En forme de Iournal, D’Vn Voyage Fait En Egypte : En 1672. & 1673. Paris : Estienne Michallet, 1677, S. 115. Vansleb, F[ather]: The present state of Egypt : or, A new relation of a late voyage into the kingdom, performed in the years 1672 and 1673. London : John Starkey, 1678, S. 71.
  6. Baedeker, Karl: Ägypten und der Sûdan : Handbuch für Reisende. Leipzig : Baedeker, 1928 (8. Auflage), S. 177.
  7. Meinardus, Otto F.A.: Coptic saints and Pilgrimages. Cairo : American University in Cairo Press, 2002, ISBN 978-977-416-126-1, S. 71.
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