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Willy Brandt

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Bürgermeister Brandt (links) mit dem amerikanischen Präsidenten Kennedy in Berlin, 1961

Willy Brandt (1913-1992) war von 1969 bis 1974 der vierte Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland. Sein wechselreiches Leben und seine lange politische Karriere führten zu langen Aufenthalten in mehreren Teilen Deutschlands und Skandinaviens. Der Friedensnobelpreisträger des Jahres 1971 wird heute oft mit dem Exil in nationalsozialistischer Zeit, der Spaltung Deutschlands, auch Berlins, und einer Reform- und Aufbruchstimmung um 1970 in Verbindung gebracht.

Leben[Bearbeiten]

Willy Brandt wurde 1913 als uneheliches Kind ins Lübecker Arbeitermilieu geboren; sein ursprünglicher Name war Karl Herbert Frahm, Willy Brandt war ein Name, den er im Exil verwendete und unter dem er sich später wieder in Deutschland einbürgern ließ. Schon als Kind kam er zur Arbeiterbewegung und schloss sich später der SPD an, war dann aber eine Zeitlang in einer linken Splittergruppe aktiv. Der Abiturient wäre gern Journalist geworden und wollte studieren, mangels Mittel aber begann er 1932 ein Volontariat in einer Reederei.

1933, als die Nationalsozialisten Deutschland zu regieren begannen, wanderte Frahm nach Norwegen aus. Dort in Oslo war er publizistisch und politisch aktiv und berichtete 1937 auch aus dem Spanischen Bürgerkrieg. Als Norwegen 1940 von Deutschland besetzt wurde, gelang ihm die Flucht nach Schweden. In Stockholm näherte er sich wieder der SPD an und kam 1945 als norwegischer Reporter nach Deutschland. 1948 wurde er, zehn Jahre nach der Ausbürgerung durch die Nationalsozialisten, wieder deutscher Staatsbürger.

Brandt 1971 bei einem Empfang mit Filmschauspielern im Bonner Kanzlerbungalow. Im als unbehaglich geltenden Bau wohnte er aber nicht.

Willy Brandt wurde 1949 Mitglied des Deutschen Bundestages, 1955 Präsident des Berliner Abgeordnetenhauses und zwei Jahre später Regierender Bürgermeister von Berlin. Als solcher wurde er auch in Westdeutschland populär und stieg in der SPD auf. In seine Amtszeit fällt der Besuch von John F. Kennedy 1963. 1966 ging Brandt nach Bonn, die damalige Bundeshauptstadt. Erst war er Außenminister, dann ab 1969 Bundeskanzler. Brandt zeigte zeitweilig eine gewisse Amtsmüdigkeit und trat 1974 nach der Guillaume-Affäre zurück. Nachfolger wurde Helmut Schmidt.

Brandt blieb allerdings Vorsitzender der SPD (1964-1987) und engagierte sich auch international als Vorsitzender der Sozialistischen Internationalen und der Nord-Süd-Kommission. Nachdem er noch die Wiedervereinigung miterlebte, verstarb er 1992 in Unkel bei Bonn.

Stätten[Bearbeiten]

Fassade des Willy-Brandt-Hauses in Lübeck
Forum Willy Brandt Berlin

Zentrales Museum über Willy Brandt ist das Willy-Brandt-Haus im norddeutschen Lübeck. Die Ausstellung in sechs Räumen stellt sein Leben vor, außerdem organisiert das Haus Tagungen. Gleich nebenan befindet sich übrigens das Günther-Grass-Haus; der Schriftsteller Grass hatte in den 1960er-Jahren Wahlkampf für Brandt gemacht.

Nicht in der Geburtsstadt Lübeck, sondern in seinem letzten Wohnort Unkel bei Bonn befindet sich das Willy-Brandt-Forum. Die dortige Ausstellung legt den Schwerpunkt mehr auf die Politik Brandts und natürlich seine Zeit in Unkel.

Drittens gibt es in Berlin (Unter den Linden 62-68) ein Forum Willy Brandt Berlin, der Hauptsitz der Bundeskanzler-Willy-Brandt-Stiftung. Es hat ebenfalls eine Ausstellung über Brandt und organisiert Veranstaltungen.

Für die wissenschaftliche Forschung ist von Bedeutung vor allem das Willy Brandt-Archiv bei der SPD-nahen Friedrich-Ebert-Stiftung in Bonn. Dort finden auch Tagungen und andere Veranstaltungen mit Bezug auf Brandt statt.

Mit Brandt verbunden ist in Berlin vor allem das Rathaus Schöneberg, das während der Teilung das Rathaus von West-Berlin war. In Bonn arbeitete Brandt erst im Auswärtigen Amt, dann im Palais Schaumburg (das damalige Bundeskanzleramt). Letzteres ist bis voraussichtlich Ende 2023 wegen einer Sanierung nicht zu besichtigen. Brandt wohnte auch als Bundeskanzler nicht etwa im Kanzlerbungalow aus der Amtszeit von Ludwig Erhard, sondern weiterhin in der Dienstvilla des Außenministers. Daher ist in Bonn selbst relativ wenig mit Bezug auf Brandt zu besichtigen.

Der Willy-Brandt-Platz in Erfurt hat vor vielen anderen gleichnamigen Plätzen in Deutschland eine gewisse besondere Bedeutung, weil dort 1970 Brandt den DDR-Ministerpräsidenten traf. Auf der einen Seite liegt der Hauptbahnhof, wo Brandt ankam, auf der anderen das Hotel Erfurter Hof, in dem Brandt logierte und von dem aus er der Erfurter Bevölkerung zuwinkte. Dort erinnert eine Leuchtschrift an den Besuch.

Sein Grab befindet sich auf dem Waldfriedhof Zehlendorf in Berlin.

Denkmäler und Sonstiges[Bearbeiten]

Von den Skulpturen Willy Brandts ist die bekannteste sicherlich diejenige in der SPD-Parteizentrale in Berlin. Eine kleinere Kopie steht im Stockholmer Willy-Brandt-Park.

Es gibt unzählige Straßen, Schulen und andere Objekte, die nach Willy Brandt benannt wurden. Nennenswert ist vielleicht vor allem die Parteizentrale der SPD in Berlin, das Willy-Brandt-Haus.

Eine Norwegisch-Deutsche Willy-Brandt-Stiftung ist beim Außenministerium in Oslo angesiedelt; dazu gibt es einen Förderverein in Berlin. Zu den Aktivitäten gehören neben einer Stipendienvergabe und einem Willy-Brandt-Preis auch Veranstaltungen zu politischen Themen. Ein deutsch-israelisch-palästinensisches Friedensprojekt, das auch von der SPD unterstützt wird, hat sich den Namen Willy-Brandt-Zentrum Jerusalem gegeben. Das Zentrum organisiert Veranstaltungen. Die Organisationen in Oslo/Berlin und Jerusalem sind aber eher allgemeiner Natur und beschäftigen sich nicht vornehmlich mit Willy Brandt.

Literatur[Bearbeiten]

Als Einstieg in das Leben Brandts eignet sich vielleicht am besten die nicht allzu dicke Biografie von Peter Merseburger, Willy Brandt, 1913-1992. Visionär und Realist.

Weblinks[Bearbeiten]

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