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Qaṣr ʿAllām

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Qaṣr ʿAllām ·قصر علام
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Qasr 'Allam (auch Qasr Allam, Qasr A'lam, arabisch: ‏قصر علام‎, Qaṣr ʿAllām, „bekanntes/vertrautes Schloss/Festung“) ist eine archäologische Stätte westlich der Stadt el-Bāwīṭī in der Senke el-Baḥrīya etwa auf halbem Wege zwischen ʿAin et-Tibnīya und Qārat Ḥilwa. Hier befinden sich die Überreste einer spätzeitlichen Siedlung aus der 26. Dynastie (etwa 7. Jahrhundert v. Chr.). Für diese Stätte dürften sich hauptsächlich Archäologen und Ägyptologen interessieren.

Hintergrund[Bearbeiten]

Der von weitem sichtbare Lehmziegelkubus diente lange Zeit nur als Orientierungshilfe in der Wüste. Dessen Existenz ist zwar seit etwa 200 Jahren bekannt, die Bedeutung der Stätte wurde aber nie erkannt oder verkannt. Aus der 26. Dynastie sind natürlich die Tempelkapellen von ʿAin el-Muftillā oder die Gräber hochgestellter Persönlichkeiten in Qārat Qaṣr Salīm oder Qārat esch-Scheich Sūbī überliefert. Offensichtlich spielte die Frage, wo die Bevölkerung wohnte oder bestattet wurde bzw. wo sich die Produktionsstätten befanden, kaum eine Rolle.

Der britische Ägyptologe John Gardner Wilkinson (1797–1875, Besuch 1825) erwähnte zwar Qaṣr ʿAllām,[1] aber nur als „insignificant crude brick ruin“ („unbedeutende plumpe Lehmziegelruine“). Der deutsche Botaniker Paul Ascherson (1834–1913), der hier 1876 weilte, pflichtete ihm später bei – „zu Recht“.[2] Ascherson berichtete noch, dass er eine hier gefundene Bronzestatue eines (Horus-)Falken erworben hatte, die sich nun im Kgl. Museum zu Berlin befindet. Der ägyptische Ägyptologe Ahmed Fakhry (1905–1973), der sich hier 1938/1939 aufhielt, nannte die Stätte zwar auch, aber ohne sie genauer untersucht zu haben, und hielt sie für eine große (römische) Militärfestung aus Lehmziegeln. Die ohne Schwierigkeiten sichtbaren Grundmauern einer Siedlung unmittelbar östlich neben dem Lehnziegelkubus erwähnte niemand.

1999 wurden auf dem Gelände der sog. Festung Keramikreste von Wissenschaftlern des Institut Français d’Archéologie Orientale (IFAO) gefunden, die eindeutig in die altägyptische Spätzeit datierten. Unter Leitung von Frédéric Colin unternahm das IFAO seit 2002 hier Grabungen.

Die Funktion des Lehmziegelkubus (Qaṣr) mit seinen 23 Zellen ist bisher nicht bekannt. Möglicherweise ist es ein Speicher eines Wirtschaftshofes, wie man ihn auch von anderen Plätzen im Nildelta oder -tal her kennt.

Etwas Licht in die Situation können die Funde bringen. An zwei Ecken des Kubus wurden Gründungsgruben gefunden, die blaue Fayence-Perlen, (kobalt-)blaue Tafeln, kleine Modellziegel und Skelettreste eines Tieres enthielten. Noch spannender sind die Funde aus der Siedlung, die hauptsächlich aus der 26. Dynastie stammen: es sind zahlreiche Tonsiegel eines Typs, wie er auch unter Mencheperre (21. Dynastie, Sohn des Königs Pinudjem) verwendet wurde, eine beschriftete Steinscherbe (Ostrakon), ein Gefäß für Wein, Wasser o.ä., zwei Amphoren mit dem Namen des Horus und verschiedene Terrakotta-Figuren wie drei weibliche Fruchtbarkeitsfiguren und mehrere Tiere, darunter ein Reittier, das vielleicht ein Kamel darstellt. Gerade die Tonsiegel, deren Inschriften Schutzfunktion haben, zeigen an, dass sich hier eine wie immer geartete Produktions- und Verwaltungsstruktur befunden haben muss. Die Horus-Inschriften allein genügen nicht, um eine religiöse Verwaltung zu belegen.

Es ist auch noch nicht bekannt, in welchem Bezug diese Speicher- und Verwaltungsstadt zu anderen (religiösen) Einrichtungen im Bereich von el-Bāwīṭī stand.

Anreise[Bearbeiten]

Die Stätte erreicht man nur mit einem geländegängigen Fahrzeug, einem Motorrad oder zu Fuß.

Mobilität[Bearbeiten]

Das Gelände selbst kann man nur zu Fuß ergründen.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Raum im Speicherbau
Siedlungsreste im Osten des Speicherbaus

Weithin sichtbar ist der 40 Meter lange (Nord–Süd) und 28 Meter breite Speicherbau, der noch etwa 4 Meter hoch ansteht. Er enthielt 23 zellenartige Räume, von denen bisher einer frei gelegt wurde. Die Räume waren hauptsächlich mit Flugsand verweht, allerdings zeigten die Grabungen, dass die Räume nach der Aufgabe der Siedlung sekundär für Begräbnisse von Menschen und Tieren genutzt wurden. Im Nordosten und Südwesten wurden Gründungsgruben gefunden.

Die Speicherfestung wurde direkt auf einem Felsrücken errichtet. Der Unterteil des Gebäudes wurde mit einer dicken Schicht aus kleinen Steinen und Tonscherben aus der 26. Dynastie geschützt.

Im Osten der Speicherfestung befindet sich eine Siedlung auf einer Fläche von etwa 70 (Nord–West) × 33 Metern. Es lassen sich noch die Lehmziegel-Grundmauern vieler Gebäude ausmachen, einige Wände stehen noch bis in eine Höhe von reichlich 2 Meter an. Einige der Gebäude besaßen Speicherräume. In den Höfen wurden Überreste von Feuerstellen und Brotformen gefunden.

250 Meter südlich der Siedlung befindet sich ein kleiner Friedhof.

Küche[Bearbeiten]

Restaurants findet man in el-Bāwīṭī oder ʿAin et-Tibnīya. Auf dem Weg nach ʿAin et-Tibnīya liegt das Ahmed Safari Camp, in dem man ebenfalls einkehren kann.

Unterkunft[Bearbeiten]

Eine Unterkunft wählt man üblicherweise in el-Bāwīṭī oder ʿAin et-Tibnīya.

Ausflüge[Bearbeiten]

Der Besuch der archäologischen Stätte lässt sich mit dem von Qārat Ḥilwa und dem Alexander-Tempel bei ʿAin et-Tibnīya verbinden.

Literatur[Bearbeiten]

  • Fakhry, Ahmed: Baḥria Oasis, vol. II. Cairo: Government Press, 1950, S. 83, Abb. 69, Tafel L.
  • Colin, Frédéric: Qasr Allam : a Twenty-Sixth Dynasty settlement. In: Egyptian archaeology : the bulletin of the Egypt Exploration Society, ISSN 0962-2837, Bd. 24 (2004), S. 30–33.

Weblinks[Bearbeiten]

  • Bahariya, Grabungsinformationen des Institut Français d’Archéologie Orientale

Einzelnachweise

  1. Wilkinson, John Gardner: Modern Egypt and Thebes : being a description of Egypt ; including the information required for travellers in that country; Bd. 2. London: Murray, 1843, S. 357.
  2. Ascherson, Paul : Bemerkungen zur Karte meiner Reise nach der Kleinen Oase in der Libyschen Wüste, in: Zeitschrift der Gesellschaft für Erdkunde zu Berlin, Band 20 (1885), S. 110–160, Beschreibung von Qaçr Aʿlām insbesondere auf S. 141 f., Kartenausschnitt Umgebung von Bauītī auf der Karte auf Tafel II.
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