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ʿAin et-Tibnīya

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Blick auf den Tempel des Amun-Re (sog. Alexandertempel) von Süden, Zustand im Jahr 2002
El-ʿAin et-Tibnīya ·العين التبنية
Qaṣr el-Maqīṣba ·قصر المقيصبة
GouvernementGīza
Höhe
130 m
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Lage
Lagekarte von Ägypten
Reddot.svg
ʿAin et-Tibnīya

El-'Ain et-Tibniya (auch Ain/Ayn el-Tibaniya, arabisch: ‏العين التبنية‎, al-ʿAin at-Tibnīya, „Strohquelle“) bezeichnet eine Quelle und einen Weiler etwa 5 Kilometer westlich der Stadt el-Bāwīṭī in der Senke el-Baḥrīya. Im Süden befindet sich mit dem so genannten Alexandertempel eine wichtige archäologische Stätte, die auch Qaṣr el-Miqīṣba genannt wird.

Hintergrund[Bearbeiten]

Lageplan von ʿAin et-Tibnīya

Der hiesige Tempel, meist nicht genau Tempel des Alexanders des Großen genannt, ist dem Sonnen-, Wind- und Fruchtbarkeitsgott Amun-Re, nicht Alexander dem Großen, geweiht worden. Die Darstellungen im Tempel bezeugen, dass Alexander aber der Auftraggeber war, und dieser Tempel ist der einzige aus der Regierungszeit des Alexander in Ägypten. Grund für dessen Errichtung könnte sein, dass Alexander wohl auf dem Rückweg von Siwa die Senke el-Baḥrīya durchquert hat.

Ausschließlich dieses Tempelareal heißt auch Qaṣr el-Maqīṣba (auch Qasr el-Migysbah, arabisch: ‏قصر المقيصبة‎, Qaṣr al-Miqīṣba).

Diese Stätte gehörte zu den weniger bekannten in der Senke el-Baḥrīya. Einige Reisende wie Giovanni Battista Belzoni (1778–1823), Frédéric Cailliaud (1787–1869) und Georg Steindorff (1861–1951) erwähnen sie überhaupt nicht. Von John Gardner Wilkinson (1797–1875), der den Tempel 1825 besuchte,[1] und Paul Ascherson (1834–1913), der ihn 1874 besuchte,[2] liegen kurze Beschreibungen vor. John Ball und Hugh J.L. Beadnell haben die Stätte nur in ihrer Karte verzeichnet, ohne eine Beschreibung zu geben.[3]

Der ägyptische Ägyptologe Ahmed Fakhry (1905–1973) führte 1938 eine erste Besichtigung und Freiräuming durch, weitere Grabungen erfolgten 1942–1945. Um 1997 griff der französische Archäologe Frédéric Colin die bereits von Fakhry entdeckte Pilgerinschrift am linken (westlichen) Pfosten des Toreingangs im Süden auf und belegte unter Hinzunahme der Inschrift auf dem roten Granit-Altar, der in diesem Bereich gefunden wurde und heute im Ägyptischen Museum zu Kairo aufbewahrt wird, dass der Tempel dem Amun-Re geweiht war. Die Pilgerinschrift stammte von einem Petobastis, Sohn des Petoèsis, der dem Ammon opfern wollte.

Das Gelände des Alexander-Tempels wurde in christlicher Zeit besiedelt. Etwa 80 Meter nördlich der Mauer des Allerheiligsten befinden sich heute stark versandete antike Siedlungsreste. Aus den vorgefundenen Häusern, Ostraka, Münzen und Keramikgegenständen konnte Fakhry schließen, dass Christen hier bis in früharabischer Zeit (12. Jahrhundert) siedelten. Auf dem Ostrakon Bahria 10 fand der französische Archäologe Guy Wagner auch den Namen der Siedlung, das Dorf Poka (Πόκα).[4] Von einem der Gebäude gab Fakhry einen Grundriss an, in dem Peter Grossmann eine frühchristliche Kirche erkannte.[5] Der vorhandene Chūrus, als die Querhalle vor den Altarräumen (Sanktuaren), zeigt an, dass die Kirche frühestens in der zweiten Hälfte des 7. Jahrhunderts entstanden sein kann. Im Bereich des Tempels wurden auch verschiedene griechische und koptische Ostraka, das sind beschriftete Steinscherben, gefunden. Ein syrisches Ostrakon konnte in das 5. nachchristliche Jahrhundert datiert werden.[6]

Anreise[Bearbeiten]

Man fährt mit dem Auto oder Fahrrad aus el-Bāwīṭī kommend in westlicher Richtung auf der Asphaltstraße nach Siwa bzw. el-ʿAin et-Tibnīya. Am 1 Abzweig nach Siwa (28° 20′ 54″ N 28° 49′ 29″ O) fährt man weiter gerade aus (nach Westen), bis man den Weiler erreicht hat.

Zuerst erreicht man das Ahmed Safari Camp. Wenn man zum Tempel weiterfahren will, umfahre man das Camp an seiner Westseite. In der Folge gelangt man zu einem Pumpenhaus. Hier wählt man den Weg, der links (östlich) am Pumpenhaus vorbeiführt. Vom Camp bis zum Tempel sind es etwa 900 Meter.

Mobilität[Bearbeiten]

Im Weiler gibt es nur Sandpisten und Trampelpfade. Für die Weiterfahrt bieten sich geländegängige Fahrzeuge, Motorräder oder Fahrräder an. Selbst zu Fuß kann man laufen.

Das Gelände der archäologischen Stätte kann man nur zu Fuß ergründen. Der Untergrund ist sandig.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Linke Rückwand im Tempel des Amun-Re
Tempel im Jahr 2000
Lehmziegelgebäude im Osten des Tempels
Keramikfunde aus dem Bereich des Tempels
Keramikfunde aus dem Bereich des Tempels

Man vergesse nicht, das zugehörige Ticket am „Museum“ in el-Bāwīṭī zu erwerben. Vor Ort gibt es keinen Verkauf!

Man betritt heutzutage die Stätte im Nordosten, wo sich auch das Wächterhäuschen befindet. Nun läuft man um den Tempelkomplex herum, weil sich der Eingang im Süden befindet. Der Komplex ist etwa 50 Meter lang und im Süden etwa 19 Meter breit.

Der Weg führt in der asymmetrischen Anlage direkt vom Eingangstor zum 1 Tempel des Amun-Re (28° 20′ 31″ N 28° 49′ 19″ O). Das Tor wurde aus Sandsteinblöcken errichtet. Von diesem Weg erfolgt auch der Zugang zu den weiteren Räumen des Tempelkomplexes. Der Tempel selbst besteht aus zwei hintereinander gelegenen Kammern aus Sandsteinquadern und ist etwa 8,5 Meter lang. Der Oberteil des Tempels fehlt heutzutage. Anfang der 2000er-Jahre wurde aus Gebäude aufgemauert und mit einer Holzdecke versehen.

Einzig die Rückwand der hinteren Kammer besitzt eine Dekoration, die wohl ursprünglich in zwei Registern (Bildstreifen) ausgeführt wurde. Nur das untere ist noch erhalten. Es enthält eine Doppelszene, die mit einer Inschriftenspalte unterteilt ist. Links sieht man, wie Alexander der Große Felder an Amun-Re opfert. Unmittelbar vor Alexander befindet sich ein Opferaufbau, hinter Alexander ein Mann, sicher ein Priester, beim Weihrauchopfer. Hinter dem Gott Amun-Re befindet sich wohl seine Gefährtin, die Göttin Mut. Die rechte Szenen besitzt einen identischen Aufbau. Alexander opfert Wassergefäße vor Horus und Isis. Vor Alexander befindet sich wieder ein Opferaufbau, hinter ihm ein Mann beim Weihrauchopfer. Im unteren Teil der Darstellung sind noch wenige Farbreste auszumachen.

Das relativ kleine Tempelhaus wird von 45 Räumen, die in Lehmziegelarchitektur ausgeführt wurden, im Wesentlichen im Osten und Süden umgeben. Diese Räume dienten dem Tempelpersonal als Unterkünfte und als Lagerräume. In den Wänden dieser Räume wurden Nischen mit halbrundem oberen Abschluss eingefügt.

Die gesamte Anlage war durch eine Lehmziegelmauer eingefasst.

Auch heute lassen sich immer noch Keramikreste finden, die mit geometrischen Mustern und menschlichen Figuren dekoriert sein könnten (Achtung: die Mitnahme ist verboten!). In der Nähe des Wächterhäuschens wurden derartige Funde zusammengetragen.

Vor oder nach dem Besuch kann man natürlich noch durch die Gärten und Felder des Weilers und am 2 Brunnenhaus vorbei laufen.

Küche[Bearbeiten]

Restaurants findet man in el-Bāwīṭī oder im hiesigen Ahmed Safari Camp & Hotel, zu dem auch ein Restaurant gehört.

Unterkunft[Bearbeiten]

Brunnen in der Nähe des Ahmed Safari Camps

Eine Unterkunft wählt man üblicherweise in el-Bāwīṭī oder im 1 Ahmed Safari Camp & Hotel Ahmed Safari Camp & Hotel im Medienverzeichnis Wikimedia CommonsAhmed Safari Camp & Hotel (Q57821388) in der Datenbank Wikidata. Sowohl das Ahmed Safari Camp und das 1,5 Kilometer westlich von el-ʿAin et-Tibnīya gelegene Hotel 2 Sands Baharia sind im Artikel el-Bāwīṭī beschrieben.

Ausflüge[Bearbeiten]

Mit dem erworbenen Ticket lassen sich mehrere Stätten im Umkreis von el-Bāwīṭī besuchen, die man dann natürlich mit aufsuchen sollte, weil das Ticket nur einen Tag gültig ist. Dies sind das „Museum“ in el-Bāwīṭī, das Gräberfeld von Qārat Qaṣr Salīm, ʿAin el-Muftillā und Qārat Ḥilwa. Am bequemsten ist der Ausflug mit einem geländegängigen Fahrzeug oder mit dem Fahrrad. Man kann aber auch zu Fuß laufen. In jedem Fall kommt man auf knapp 20 Kilometer Wegstrecke. Auf dem direkten Weg nach Qārat Ḥilwa befindet sich noch die Siedlung Qaṣr ʿAllām aus der altägyptischen Spätzeit.

Literatur[Bearbeiten]

  • Fakhry, Ahmed: Baḥria Oasis ; vol. II. Cairo : Government Press, 1950, S. 41–47, 85, Abb. 29 [Plan], 30, 71, Tafeln XXIV–XXXV, XLIV.B (englisch).
  • Fakhry, Ahmed: The oases of Egypt ; vol. II: Bahrīyah and Farafra Oases. Cairo : The American Univ. in Cairo Pr., 1974, ISBN 978-977-424-732-3, S. 99–104 (englisch).
  • Colin, Frédéric: Un ex-voto de pèlerinage auprès d’Ammon dans le temple dit “d’Alexandre”, à Bahariya (désert Libyque). In: Bulletin de l’Institut français d’archéologie orientale (BIFAO), ISSN 0255-0962, Bd. 97 (1997), S. 91–96, 433 (französisch).

Einzelnachweise

  1. Wilkinson, John Gardner: Modern Egypt and Thebes : being a description of Egypt ; including the information required for travellers in that country, Bd. 2. London : Murray, 1843, S. 357. Das Areal wird aber namentlich nicht genannt, nur dessen Ortsangabe in der Nähe von Qaṣr ʿAllām.
  2. Ascherson, Paul: Bemerkungen zur Karte meiner Reise nach der Kleinen Oase in der Libyschen Wüste. In: Zeitschrift der Gesellschaft für Erdkunde zu Berlin, ISSN 1614-2055, Bd. 20 (1885), S. 110–160, Karte auf Tafel II. Auf S. 142 beschreibt Ascherson die Ruine Qaçr Meqaçba als 8,5 Meter langen und 6,9 Meter breiten Bau aus Sandsteinquadern.
  3. Ball, John ; Beadnell, Hugh John Llewellyn: Baharia Oasis: Its topography and geology. Kairo : National Print. Dept., 1903.
  4. Wagner, Guy: Les oasis d’Égypte : à l’époque grecque, romaine et byzantine d’après les documents grecs. Caire : Inst. français d’archéologie orientale, 1987, (Bibliothèque d’étude ; 100), S. 202–205.
  5. Grossmann, Peter: Ein koptisches Gebäude beim Alexander-Tempel in der Bahriya Oase. In: Göttinger Miszellen, Bd. 160 (1997), S. 27–32.
  6. Kamil, Murad: Ein syrisches Ostrakon aus dem V. Jahrhundert. In: [Furlani, Giuseppe] (Hg.): Scritti in onori di Giuseppe Furlani. Roma : Bardi, 1957, (Revista degli studi orientali; 32), S. 411–413.
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