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Qaṣaba

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El-Qaṣaba ·القصبة
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El-Qasaba (arabisch: ‏القصبة‎, al-Qaṣaba, „das befestigte Siedlungszentrum“, gesprochen: ig-Gaṣaba) ist ein verlassenes Dorf im Südosten der ägyptischen Senke ed-Dāchla. Die Siedlung war eine der größten und bedeutendsten der Senke in der Zeit des Hoch- und Spätmittelalters. Die Ortschaft wurde an der Wende vom 15. zum 16. Jahrhundert erneut besiedelt, aber am Beginn des 19. Jahrhunderts wieder aufgegeben. Für diese Stätte dürften sich vorwiegend Archäologen interessieren.

Hintergrund[Bearbeiten]

El-Qaṣaba befindet sich weit südlich der Fernverkehrsstraße, die Mūṭ mit Balāṭ verbindet, etwa sieben Kilometer südlich von Balāṭ und acht Kilometer westlich von Tineida. Von der einstigen Ortschaft künden nur noch ihre Ruinen.

Ihre Bedeutung besaß sie sicher als Siedlung am Ende der Karawanenroute Darb eṭ-Ṭawīl.

Die Ortschaft gehörte mindestens seit dem 11. Jahrhundert zu den größeren Ansiedlungen in der Senke ed-Dāchla. Der arabisch-spanische Historiker el-Bakrī (1014–1094) nannte für die Senke drei Ortschaften und beschrieb ihre Quellen.[1] Neben el-Qaṣr und el-Qalamūn wusste er über el-Qaṣaba Folgendes zu berichten:

„Am Ende der inneren Oase gibt es eine große Stadt namens Qaṣaba, „die Zitadelle“. Die Einwohner besitzen mehrere Quellen mit belebendem Wasser in guter Qualität, das sie für die Bewässerung ihrer Dattelpalmen und Obstbäume benutzen. Sie haben auch drei salzhaltige Quellen, deren Wasser sie in die sibcha, „den Salzsumpf“, fließen lassen, wo es in Salz [durch Verdunstung] umgewandelt wird. Das Salz der ersten Quelle ist weiß, das der zweiten rot, und das der dritten ist gelb. Letzteres wird in Miṣr [Ägypten] und Barqa [Kyrenaika, Landschaft im Nordosten Libyens] verwendet.“

Solquellen im Umkreis der Siedlung gibt es heute noch. Dies sind die von ʿIzbat Qanāṭir (0,5 Kilometer südlich), ʿIzbat el-Ḥāǧir (5 Kilometer östlich) und ʿIzbat eṣ-Ṣafrā (2 Kilometer nordwestlich).

Der ägyptische Historiker Ibn Duqmāq (1349–1407) bezeichnete in seiner Liste von 24 Ortschaften der Senke den Ort als groß.[2] Die Siedlung besaß Weingärten, und es wurde Reis angebaut. Die heutige Hauptsiedlung, Balāṭ, wurde zwar auch benannt, erhielt aber nicht das Attribut groß.

Die jüngere Geschichte wurde durch Grabungen des Institut Français d’Archéologie Orientale in den Jahren 1979–1982 und durch die Forschungen des deutschen Ethnologen Frank Bliss aufgehellt. Die heutige Siedlung entstand an der Wende vom 15. zum 16. Jahrhundert, nicht notwendig an Stelle der früheren Siedlung. Bliss führte hierzu die Ahnenreihe eines Scheichs Kamāl aus der mündlichen Überlieferung an, die bis an den Anfang des 16. Jahrhunderts zurückreicht. Scheich Kamāl entstammte der Familie der Thachīra, die el-Qaṣaba neu errichtete. Die Familie berberischen Ursprungs stammte aus Marokko. Als Hauptsitz der Familie wurde das Gebiet Sāqīya el-Ḥamra nördlich von Marrakesch genannt. Die Familie gründete später auch das Gehöft ʿIzbat ʿAin Thachīra. Ab 1799 drang die Familie aber zunehmend nach Balāṭ vor. Die Art der verwendeten Ziegel und Keramikfunde bestätigen die Besiedelung seit dem 16. Jahrhundert. 3350 Keramikfragmente von bauchigen Gefäßen, Schalen und Tellern mit und ohne Glasur stammen aus dem 16.–19. Jahrhundert.

Inschriftliche Zeugnisse aus el-Qaṣaba gibt es erst seit dem Ende des 18. Jahrhunderts. Décobert und Gril dokumentierten hölzerne Türsturzbalken, deren Texte in die Jahre 1798/1799 (1213 AH) und 1819/1820 (1234/1235 AH) datieren und das Ende der Siedlung markieren.[3]

Ein weiterer hölzerner Türsturzbalken bestätigt den Zeitpunkt der Gründung. 300 Meter nordöstlich von el-Qaṣaba befindet sich das Grab des ʿAbd ed-Dāʾim, Sohn des ʿAbd er-Raḥīm, Sohn des Ismāʿīl el-Qaṣabī, der ins Jahr 1561 (968 AH) datiert.[3] Wie man seinem Namen entnehmen kann, stammen seine Vorfahren aus el-Qaṣaba und lebten wohl im 15. Jahrhundert.

In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts wird die Siedlung aufgegeben. Ihre Bewohner ziehen nach Balāṭ. Alles Brauchbare wie Holzbauteile wurde ausgebaut und mitgenommen.

Anreise[Bearbeiten]

Die Anreise kann nur mit einem Auto oder Taxi erfolgen. Die Straßen bis nach el-Qaṣaba sind asphaltiert. Man erreicht die Ortschaft über einen Straßenabzweig bei 1 25° 33′ 51″ N 29° 14′ 20″ O der Fernverkehrsstraße von Mūṭ nach Balāṭ, östlich vom Dorf esch-Schūsch (arabisch: ‏الشوش‎) und 2,5 Kilometer westlich von Balāṭ, nach Süden. Nach ca. 3,5 Kilometern zweigt man nach Osten bei 2 Abzweig nach el-Qasaba (25° 32′ 6″ N 29° 14′ 15″ O) ab und erreicht nach weiteren 2,5 Kilometern das Dorf ʿAin ʿAisch. In diesem Dorf biegt man bei 3 Abzweig nach el-Qasaba (25° 31′ 51″ N 29° 15′ 37″ O) nach Süden ab und erreicht nach knapp 4,5 Kilometer el-Qaṣaba. Das verlassene Dorf befindet sich an der Südseite der Straße.

300 Meter nordöstlich von el-Qaṣaba befindet sich der Weiler 1 ʿIzbat esch-Scheich ʿAbd el-Dāʾim (25° 29′ 44″ N 29° 15′ 0″ O), arabisch: ‏عزبة الشيخ عبد الدائم‎) auf der Westseite der Straße.

Mobilität[Bearbeiten]

Der Untergrund der alten Siedlung ist sandig. Beim Erkunden der Siedlung achte man darauf, dass der Untergrund feucht ist und einbrechen könnte.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

El-Qaṣaba[Bearbeiten]

Häuserruinen in el-Qaṣaba
Häuserruinen in el-Qaṣaba
Schutzmauer von el-Qaṣaba
Grab des Scheichs ʿAbd ed-Dāʾim

Die 1 Ruinen der kleinen befestigten Ortschaft (25° 29′ 38″ N 29° 14′ 54″ O) befinden sich südlich der Straße. Die Ortschaft hat einen Durchmesser von etwa 110 Metern.

Die Wohnhäuser im Nordteil sind am besten erhalten. Die sie trennenden Gassen waren wohl nicht überbaut. Die bis zu dreigeschossigen Häuser wurden aus luftgetrockneten Lehmziegeln errichtet und enthielten nur kleine Fenster. Zum Schmuck der Häuser wurde die Lage der Ziegel variiert. Mehrere Schichten im Läuferverband wechseln mit hochkant gestellten Ziegeln (Rollschichten). Ein Haus enthielt ein Silo. Die Gebäude enthalten heute keine Holz- und andere Einbauten mehr.

Im Westen des Dorfes befinden sich die gewaltigen, etwa 50 Meter langen Überreste der einst zum Schutz errichteten Umfassungsmauer.

ʿIzbat esch-Scheich ʿAbd ed-Dāʾim[Bearbeiten]

300 Meter nordöstlich von el-Qaṣaba befindet sich der noch heute bewohnte Weiler ʿIzbat esch-Scheich ʿAbd ed-Dāʾim. Nördlich des Weilers befindet sich sein Friedhof. Das markanteste Gebäude ist das 2 Grab des Scheichs ʿAbd ed-Dāʾim (25° 29′ 46″ N 29° 15′ 2″ O), Sohn des ʿAbd er-Raḥīm, Sohn des Ismāʿīl el-Qaṣabī. Das Kuppelgrab ist von einer Mauer umgeben. Der hölzerne Türsturzbalken am Eingang zum Grab nennt das Jahr 1561 (968 AH).

Unterkunft[Bearbeiten]

Unterkünfte gibt es in Mut und in Qasr ed-Dachla.

Ausflüge[Bearbeiten]

Der Besuch des Dorfes kann mit dem von Balāṭ, Qilāʿ eḍ-Ḍabba und Tineida verbunden werden.

Literatur[Bearbeiten]

  • Décobert, Christian: Note sur le site d’al-Qaṣaba (Oasis de Dākhla). In: Annales Islamologiques (AnIsl), Bd. 15 (1979), S. 487–493, Tafel XXVIII.
  • Gayraud, Roland-Pierre ; Décobert, Christian: Les fouilles islamiques d’al-Qaṣaba (Oasis de Dakhla), 1980. In: Annales Islamologiques (AnIsl), Bd. 18 (1982), S. 273–286, Tafeln XV–XIX.
  • Gayraud, Roland-Pierre: La céramique des fouilles d’al-Qaṣaba (Oasis de Dakhla). In: Annales Islamologiques (AnIsl), Bd. 20 (1984), S. 143–149, Tafeln XXI–XXVII.
  • Bliss, Frank: Wirtschaftlicher und sozialer Wandel im „Neuen Tal“ Ägyptens : über die Auswirkungen ägyptischer Regionalentwicklungspolitik in den Oasen der westlichen Wüste. Bonn : Politischer Arbeitskreis Schulen, 1989, (Beiträge zur Kulturkunde ; 12), ISBN 978-3921876145, S. 76, 89, 97 f.

Einzelnachweise

  1. El-Bekri, Abou-Obeid ; Slane, William MacGuckin de : Description de l’Afrique septentrionale, Paris : Impr. Impérial, 1859, S. 40.
  2. Ibn-Duqmāq, Ibrāhīm Ibn-Muḥammad : Kitāb al-Intiṣār li-wāsiṭat ʿiqd al-amṣār ; al-Guzʿ 5. Būlāq : al-Maṭbaʿa al-Kubrā al-Amīrīya, 1310 AH [1893], S. 11 unten–12, insbesondere S. 12, Zeilen 9 f.
  3. 3,0 3,1 Décobert, Christian ; Gril, Denis : Linteaux à épigraphes de l’Oasis de Dakhla, Le Caire : Inst. Français d’Archéologie Orientale, 1981, (Annales islamologiques : Supplément ; 1).
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