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Mons Porphyrites

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Mons Porphyrites ·مونس بورفيريتوس
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Der Mons Porphyrites (Porphyrberg) ist ein antiker, in römischer Zeit genutzter Porphyrsteinbruch in der Arabischen Wüste im Osten Ägyptens etwa 55 Kilometer westlich von Hurghada am Nordhang des Gebel (Abū) Duchān (auch Gebel/Gabal/Jabal (Abū) Duchchān/Dukhan/Dukhkhan, arabisch: ‏جبل أبو دخان‎, Gabal Abū Duchān, „Berg des Vaters allen Rauchs“). Das Besondere an dieser Lagerstätte ist, dass sich hier eine purpurrote Porphyrvarietät, der Kaiserporphyr, finden lässt. Für diese Stätte dürften sich vorwiegend Archäologen interessieren.

Hintergrund[Bearbeiten]

Lage und Bedeutung[Bearbeiten]

Der antike Steinbruch befindet sich im ägyptischen Gouvernement Rotes Meer, etwa 55 Kilometer westlich von Hurghada. Er lag an der antiken Karavanenroute, die Maximianopolis/Kainopolis im Niltal mit Myos Hormos am Roten Meer verband. Mons Porphyrites ist weltweit das einzige Bergbaugebiet, in dem sich roter Porphyr (engl.: Imperial Porphyry, ital.: Porfido Rosso) abbauen lässt.

Nutzungsgeschichte[Bearbeiten]

Sarkophag aus Kaiserporphyr im Archäologischen Museum Istanbul

Porphyr wurde als Baumaterial im antiken Ägypten nicht eingesetzt. Vereinzelt wurden Lesesteine in der Frühzeit für die Herstellung von Schmuck und Gefäßen verwendet.[1]

Der britische Ägyptologe Reginald Engelbach (1888–1946) vermutete, dass der systematische Porphyrabbau erst unter Ptolemaios II. Philadelphos (Regierungszeit 285–246 v. Chr.) einsetzte, etwa zur Zeit der Gründung der Rotmeer-Hafenstadt Myos Hormos.[2]

Der Überlieferung zufolge soll die Porphyrlagerstätte 18 n. Chr. von einem römischen Legionär entdeckt worden sein. Dazu passt, dass die älteste Inschrift vor Ort im Steinbruch aus der Zeit des Kaisers Tiberius (Regierungszeit 14–37 n. Chr.) stammt.[3] In der Folge ließ man den Porphyr im Bereich der Berggipfel und -hänge abbauen, um ihn an verschiedenen Großbauten im Römischen Reich wie z.B. in Rom, Byzanz, dem heutigen Istanbul, oder im Sonnentempel im libanesischen Baalbek einsetzen zu können. Aus Porphyr wurden Säulen, Statuen, Prunkwannen, Sarkophage, Schalen, Vasen, Gesimse und Verkleidungen gefertigt. Den Inschriften nach kam der Bergbau im 5. Jahrhundert n. Chr. zum Erliegen.

Im 20. Jahrhundert, in den 1930er- bis in den 1950er-Jahren, wurde hier nochmals Porphyr abgebaut.

Arbeits- und Lebensbedingungen[Bearbeiten]

Zum Herausbrechen der Blöcke wurden mannsbreite Rillen um die Blöcker herum herausgemeißelt. Mittels Keilspaltung, so wie in römischen Steinbrüchen üblich, wurden die Blöcke aus dem Fels gebrochen bzw. zerteilt. Die Porphyr-Rohblöcke wurden dann über Rutschen ins Tal befördert und über Rampen auf Eselkarren verladen. Die Werkstätten für die Weiterverarbeitung befanden sich in Talnähe und nicht unmittelbar an der Steinbruchstelle.

Die Bergbauarbeiter und ihre Familien wohnten in befestigten Siedlungen in den Tälern, also nicht unmittelbar im Bereich der Steinbrüche. Zu den Siedlungen gehörten Brunnen, Bäder und ein Gräberfeld, ein Sarapis-Tempel und eine Kirche. Letztere war auf einer 1823 gefunden Stele erwähnt worden und wurde zur Zeit des Kaisers Flavius Julius errichtet. Zu den Steinbrucharbeitern gehörten auch Verbannte. Aufgrund der Abgeschiedenheit des Steinbruchs war an eine Flucht nicht zu denken.

Eigenschaften des Porphyrs[Bearbeiten]

Der Porphyr ist im Präkambrium vor etwa 1 Milliarde Jahren als vulkanisches Ergussgestein (Magmatit) beim Erstarren von kieselsäurehaltigen Magmaschmelzen entstanden. Aufgrund seiner Zusammensetzung ist er ein Dazitporphyr. Er besteht etwa zu 66 Gewichts-% aus Siliziumdioxid, 16 Gew.-% Aluminiumoxid, 4,5 Gew.-% Kalziumoxid, 4 Gew.-% Natriumoxid, 2,5 Gew-% Eisen(III)-oxid und 2 Gew.-% Manganoxid bzw. Kaliumoxid. Der hiesige Porphyr enthält zudem 0,5 bis 5 Millimeter große Einsprenglinge aus weißen bis rosafarbenen Feldspat.

Es gibt hier sowohl die grauen, grünschwarzen und schwarzen (also die üblichen), als auch purpurrote Varietäten. Die letzteren treten weltweit nur hier auf und sind besonders begehrt. Deren Bedeutung lässt sich auch an seinem Namen erkennen: Imperial Porphyry, Kaiserporphyr. Der rote Porphyr befindet sich stets im Hangenden, also in den obersten Zonen der Porphyrstöcke. Die charakteristische Färbung erhält der Porphyr durch die violette Färbung des Minerals Piemontit, das gelegentlich von rosafarbenen Epidot ummantelt ist.

Forschungsgeschichte[Bearbeiten]

In islamischer Zeit ging das Wissen über diese Lagerstätte verloren. Sie wurde erst 1823 durch die beiden britischen Ägyptologen James Burton (1788–1862) und John Gardner Wilkinson (1797–1875) wiederentdeckt.[4] Auch der deutsche Afrikaforscher Georg August Schweinfurth (1836–1925) besuchte diese Stätte und fand vier verschiedene Abbaugebiete, die er Lycabettos, Rammius, Lepsius und Nord-West benannte und auf einer topografischen Karte verzeichnete.[5]

Wissenschaftliche Untersuchungen fanden erst im 20. Jahrhundert statt, so in den 1930er-Jahren von George William Walsh Murray (1885–1966) im Rahmen des Geographical Survey of Egypt, 1953 von David Meredith – er erfasste die Inschriften in der Siedlung und in den Steinbrüchen –,[3] 1961 und 1964 von Theodor Kraus (1919–1994) und Josef Röder[6][7] sowie 1994–1998 von David Peacock (* 1939) von der Universität Southampton.

Anreise[Bearbeiten]

Die Anreise kann über Straße mit einem Allradfahrzeug erfolgen. Etwa 20 Kilometer nördlich von Hurghada zweigt eine Piste bei der meeresbiologischen Station von Abū Schaʿr zum Mons Porphyrites ab. Den Gebirgszug 1 Abū Schaʿr (27° 20′ 30″ N 33° 34′ 16″ O) kann man im Norden oder Süden umrunden. Man fährt weiter in Richtung des 2 Gebel Abū Musa'id (27° 19′ 4″ N 33° 20′ 0″ O) und erreicht südlich des Hügels den Taleinschnitt bei 1 27° 18′ 46″ N 33° 21′ 17″ O. Man bleibt im Hauptwadi, dem Wādī Umm Siḍra, ohne in Nebenwadis abzubiegen, bis man die Wadikreuzung bei 2 27° 17′ 41″ N 33° 17′ 18″ O erreicht. Danach fährt man weiter nach Süden ins Wādī Abū el-Maʿamil, dem eigentlichen Porphyrtal. Die meisten Sehenswürdigkeiten befinden sich bereits in diesem Tal.

Um zum Nordwestdorf zu gelangen, biegt man auf dem Weg zum Haupttal bereits bei 3 27° 16′ 20″ N 33° 17′ 14″ O nach Südwesten ab und erreicht das Nordwestdorf bei 4 27° 15′ 27″ N 33° 16′ 39″ O.

Knapp einen Kilometer hinter dem Zentrallager teilt sich das Wadi auf. Über das westliche Wadi erreicht man nach ca. 4 Kilometern direkt das Südwestdorf bei 5 27° 13′ 57″ N 33° 17′ 8″ O. Einen reichlichen Kilometer vorher zweigt bei 6 27° 14′ 6″ N 33° 17′ 37″ O eine Piste zum Lycabettos-Dorf ab. Nach 2,5 Kilometern und 600 überwundenen Höhenmetern erreicht man dieses Dorf bei 7 27° 14′ 28″ N 33° 16′ 50″ O.

Mobilität[Bearbeiten]

Die Ergründung des Geländes muss zu Fuß erfolgen. Festes Schuhwerk und eine Kopfbedeckung gegen Sonnenbrand sind empfehlenswert. Die Wanderung zum Nordwest-Dorf und zum Lycabettos-Dorf ist beschwerlich.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Am Mons Porphyrites lassen sich noch Überreste der Bergarbeitersiedlungen, der trockengefallenen Brunnen, verschiedene Gebäude, Verladerampen, Steinmetzwerkstätten und Fragmente von vorbearbeiteten Steinblöcken vorfinden.

Die Hauptsehenswürdigkeiten befinden sich im Haupttal, dem Wādī Abū el-Maʿamil im Bereich des sog. Lepsiusberges. Dies sind der 3 südliche Brunnen (27° 15′ 3″ N 33° 18′ 0″ O) mit einer gemauerten Abflussrinne, der noch mit fünf kreisförmig aufgestellten Pfeilern eingefasst ist, die einst wohl ein Sonnendach trugen, östlich davon das 4 zentrale Lager (27° 15′ 3″ N 33° 18′ 6″ O), südlich davon das 5 Dorf (27° 14′ 58″ N 33° 18′ 5″ O) und weitere 100 Meter südlich der 6 Serapis-Tempel (27° 14′ 55″ N 33° 18′ 4″ O). Vom Serapis-Tempel, der in der Zeit des Kaisers Hadrian errichtet wurde, sind noch Säulen und Türsturze erhalten.

Das zentrale Lager enthält Lager- und Verwaltungsgebäude und ist mit einer rechteckigen Mauer umgeben.

Ca. 300 Meter südwestlich des vorgenannten Tempels befindet sich der 7 Isis-Tempel (27° 14′ 50″ N 33° 17′ 50″ O) an der Westseite des Tals.

Etwa 1 Kilometer nördlich des südlichen Brunnens befindet sich in einem östlichen Seitental der 8 nördliche Brunnen (27° 15′ 30″ N 33° 18′ 5″ O).

Weitere Bergarbeiterdörfer und Steinbrüche sind das sog. 9 Südwest-Dorf (27° 13′ 57″ N 33° 17′ 8″ O) und das 10 Lycabettos-Dorf (27° 14′ 28″ N 33° 16′ 50″ O). Das letztgenannte Dorf befindet sich an einem Steilhang in 1.500 Metern Höhe. Es befindet sich am Ende einer alten, 2,5 Kilometer langen Steinbruchstraße, die etwa 600 Höhenmeter überwindet.

Küche[Bearbeiten]

Restaurants findet man z.B. in Hurghada oder El Gouna. Für die Exkursion in die Steinbrüche müssen Speisen und Getränke mitgeführt werden.

Unterkunft[Bearbeiten]

Unterkünfte findet man z.B. in Hurghada oder El Gouna.

Ausflüge[Bearbeiten]

Südlich des Gebel Abū Duchchān befinden sich zwei weitere archäologische Stätten, und zwar eine 11 antike Festung (27° 14′ 19″ N 33° 22′ 55″ O) und die Überreste des Klosters 12 Deir el-Badr (27° 12′ 52″ N 33° 20′ 42″ O).

Literatur[Bearbeiten]

  • Klein, Michael J.: Untersuchungen zu den kaiserlichen Steinbrüchen an Mons Porphyrites und Mons Claudianus in der östlichen Wüste Ägyptens. Bonn : Habelt, 1988, (Habelts Dissertationsdrucke : Reihe Alte Geschichte ; H. 26).
  • Klemm, Rosemarie ; Klemm, Dietrich D.: Steine und Steinbrüche im alten Ägypten. Berlin : Springer-Verlag, 1993, ISBN 978-3-540-54685-6, S. 379–395, Farbtafeln 14 f.
  • Maxfield, Valerie A.; Peacock, David P. S.: The Roman imperial quarries : survey and excavation at Mons Porphyrites ; 1994 - 1998. London : Egypt Exploration Society, 2001–2007. 2 Bände (Bd. 1: Topography and quarries, ISBN 978-0-85698-152-4; Bd. 2: The excavations, ISBN 978-0-85698-180-7).

Einzelnachweise

  1. Lucas, Alfred: Ancient Egyptian materials and industries. London, 1962 (4. Auflage), S. 17.
  2. Engelbach, Reginald: Notes of inspection. In: Annales du Service des Antiquités de l’Égypte (ASAE), ISSN 1687-1510, Bd. 31 (1931), S. 132–143, drei Tafeln, insbesondere S. 137–143: II, Myos Hormos and the Imperial Porphyry Quarries.
  3. 3,0 3,1 Meredith, David: Eastern Desert of Egypt : Notes on Inscriptions ; I. Mons Porphyrites: nos 1-20. In: Chronique d’Egypte : bulletin périodique de la Fondation Egyptologique Reine Elisabeth (CdE), ISSN 0009-6067, Bd. 28,55 (1953), S. 126–141, Tiberius-Inschrift auf S. 134.
  4. Wilkinson, John Gardner: Notes on a part of the eastern desert of Upper Egypt : with a map of the Egyptian desert between Qena and Suez. In: The Journal of the Royal Geographical Society (JRGS), ISSN 0266-6235, Bd. 2 (1832), S. 28–60, eine Karte, insbesondere S. 53 f.
  5. Schneider, Oscar: Über den roten Porphyr der Alten. In: Schneider, Oscar (Hg.): Naturwissenschaftliche Beiträge zur Geographie und Kulturgeschichte. Dresden : Gilbers, 1883 [1887], S. 76–176, 10 Tafeln, 1 Karte.
  6. Kraus, Theodor ; Röder, Josef: Mons Claudianus : Bericht über eine Erkundungsfahrt im März 1961. In: Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Abteilung Kairo (MDAIK), ISSN 0342-1279, Bd. 18 (1962), S. 80–120.
  7. Kraus, Theodor ; Röder, Josef ; Müller-Wiener, Wolfgang: Mons Claudianus – Mons Porphyrites : Bericht über die zweite Forschungsreise 1964. In: Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Abteilung Kairo (MDAIK), ISSN 0342-1279, Bd. 22 (1967), S. 109–205, Tafeln XXIX–LXVI.

Weblinks[Bearbeiten]

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