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Kairo/Muqaṭṭam

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El-Muqaṭṭam ·المقطم
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El-Muqattam (auch el-Moqattam, el-Mukattam, el-Mokattam, arabisch: ‏جبل المقطم‎, Ǧabal al-Muqaṭṭam, „der zerschnittene Felsen“, gesprochen: Gebel el-Mu'aṭṭam) ist ein Stadtteil am bzw. auf dem gleichnamigen Gebirgsmassiv im Südosten von Kairo.

Hintergrund[Bearbeiten]

Karte von el-Muqaṭṭam

Das Gebirgsmassiv wurde seit den pharanonischen Zeiten als Steinbruch für Quarzit (Sandstein) benutzt.

In der Fatimidenzeit wurden auf dem Gebirgskamm Moscheen und Mausoleen errichtet, das Gebiet ist der östliche Ausläufer der Südlichen Totenstadt. Seit den 70er-Jahren wird am Rand der Siedlung der Kirchen- und Klosterkomplex St. Sama'an restauriert und erweitert.

Am Fuße des Gebirgsmassiv erstreckt sich die große Siedlung der (koptischen) Müllarbeiter (Zabbālīn), Manschīyat Nāṣr (arabisch: ‏منشية ناصر‎), die die Hauptlast der Müllentsorgung der Metropole Kairo sicherstellen. Der Müll wird in den Wohnhäusern sortiert und einer Wiederverwertung zugeführt. Die Bewohner wurden hier gemäß eines Gouverneursentscheids von 1969 angesiedelt, 1987 lebten hier ca. 15.000 Zabbālīn. Nordöstlich neben diesem Viertel erstreckt sich ein weiteres Armenviertel, el-Duweiqa (arabisch: ‏الدويقة‎). In beiden Vierteln fehlt teilweise die Infrastruktur für Wasser und Elektrizität.

Das Gebirge bietet naturgemäß gute Möglichkeiten für eine Aussicht auf die Stadt Kairo. Dies ist auch der Grund für die Ansiedlung großer Militäranlagen in diesem Gebiet; beim Fotografieren ist Vorsicht geboten, da das Fotografieren von Militäranlagen in Ägypten strengstens verboten ist.

Anreise[Bearbeiten]

Die Anreise kann mit einem Auto oder Taxi erfolgen.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Kloster des St. Sama'an[Bearbeiten]

Der 1 Kirchen- und Klosterkomplex St. Sama'an (30° 1′ 53″ N 31° 16′ 37″ O), arabisch: ‏دير القديس سمعان الخراز‎, Dair al-qiddīs Samaʿān al-charrāz, „Kloster des hl. Simon des Schuhmachers“, befindet sich am Südrand der Siedlung der (koptischen) Müllarbeiter (Zabbālīn), Manschīyat Nāṣr, und am Westrand des Muqaṭṭam-Felsplateaus.

Der Schuhmacher oder Gerber Sama'an (Simon, auch Simeon, engl. Simon the Tanner, Simon der Gerber) lebte in der zweiten Hälfte des 10. Jahrhunderts zur Zeit des fatimidischen Kalifen el-Muʿizz (932–975) und des 62. Patriarchen von Alexandria, Abraham des Syrers († 978). Von Sama'an berichtet man, dass er durch sein dreitägiges Gebet das Muqattam-Gebirge am 27. November 979 spaltete und mit dieser Machtdemonstration christlichen Glaubens die koptische Bevölkerung vor Verfolgung durch die fatimidischen Herrscher bewahren konnte. Der Legende nach war im Kreise des Kalifen el-Muʿizz ein Disput zwischen dem Patriarchen Abraham und einem Juden namens Jakob ibn Killis ausgebrochen, in dem ibn Killis den Bibelvers zitierte: „Er antwortete: Weil euer Glaube so klein ist. Amen, das sage ich euch: Wenn euer Glaube auch nur so groß ist wie ein Senfkorn, dann werdet ihr zu diesem Berg sagen: Rück von hier nach dort!, und er wird wegrücken. Nichts wird euch unmöglich sein.“ (Mt 17,20 EU) und den Patriarchen aufforderte, die Kraft seiner Religion zu demonstrieren.

Der dem hl. Sama'an und der Jungfrau Maria geweihte Komplex besteht aus sieben Kirchen und einem Kloster, letzteres befindet sich in der Nähe zum Eingang.

Blick in die Grottenkirche
Ikonenwand der Grottenkirche
Felszeichnung der hl. Familie in der Grottenkirche
Reliquienschrein in der Grottenkirche

Beeindruckend ist die Grottenkirche der Jungfrau Maria und des Hl. Sama'an. Als Ausgangspunkt diente 1977 eine etwa 1 Meter hohe Höhle, deren Boden ausgehöhlt und vertieft wurde. Schließlich wurde 1986 der Altar eingebaut. Nach einer erneuten Vertiefung wurde die Kirche am 27. November 1994 geweiht. Nachdem die Reliquien des hl. Simon 1991 (andere sprechen vom 4. August 1994) in der Kirche der Jungfrau Maria im (ehemaligen) Kloster zu den Stufen von Babylon (Deir Bāblūn ed-Darag, ca. 1 km südlich der Festung Babylon/Qaṣr esch-Schamʿ) in der Nähe der Nordmauer des Kirchenschiffs wiedergefunden wurden, wurden sie 1992 hierher verbracht. Mit Sitzplätzen für ca. 10.000 Gläubige bietet diese Kirche mehr Platz als andere Kirchen Ägyptens und des Nahen Ostens.

Am Ende der Kathedrale befindet sich die Schirmwand. Über dem mittleren Heikal (Allerheiligstes) befindet sich die Abendmahlsdarstellung und zu beiden Seiten die Bildnisse von je sechs Aposteln. Links neben dem Zugang zum Heikal befindet sich die Ikone der hl. Jungfrau mit ihrem Kind und rechts die des Jesus. Am rechten Ende der Schirmwand wurde der Schrein mit den Reliquien des hl. Sama'an aufgestellt.

Auch die Wände der Grottenkathedrale wurden mit farbigen Felsbildern geschmückt, die biblische und Szenen der Fluchtgeschichte der hl. Familie thematisieren.

Messen finden donnerstags abends und sonntags von 07:00 bis 11:00 Uhr statt.

Felswand über dem Klosterkomplex
Monumentales Felsbild
Eingang zur Felsenkirche
Eingang zur Kirche des Vaters Abraham
Kirche des Vaters Abraham

In der Nähe der Felsenkathedrale befindet sich die Kirche des St. Bola (Kirche des hl. Paulus). Hinter dem modernen Eingangsportal gelangt man zu einer weiteren Felshöhle, die 1986 entdeckt wurde.

Eine weitere große Kirche ist die Kirche des hl. Markus, in deren Inneren sich auf zwei Etagen die Kirche und die Halle des hl. Sama'an befinden. Die hierfür genutzte Höhle wurde 1979 entdeckt. Die Halle des hl. Sama'an bietet 2.000 Gläubigen Platz. Auch an diesen Wänden befinden sich Felsbilder mit biblischen Szenen. Benannt ist die Kirche nach dem Evangelisten Markus, der als Begründer der koptischen Kirche gilt und der erste Patriarch von Alexandria war.

Auf dem Weg vom Kloster zur Grottenkathedrale erblickt man am Fuße des Gebirges die Kirche des Vaters Abraham des Syrers. Sie wurde erst 1992 wiederentdeckt, die erste Messe fand 1993 statt.

Auch die Felswände auf dem Wege zu den Kirchen wurden mit teils gewaltigen Felsbildern dekoriert. Sie wurden vom Polen Mariusz Dybich in den 1990-er Jahren geschaffen. Die Themen stammen aus der Bibel, wie die Geburt Christi und die Flucht der Heiligen Familie. Das größte Felsbild ist das des Jesus mit je einer Inschrift in Englisch (links) und Arabisch (rechts): „Und während er sie segnete, verließ er sie und wurde zum Himmel emporgehoben“ (Lk 24,51 EU).

Zum Kloster gehören auch ein Kindergarten, ein Bildungszentrum und eine Taubstummenschule.

Moscheen und Mausoleen[Bearbeiten]

Die nachfolgend beschriebenen Moscheen befinden sich in einem Militärgebiet. Dies sollte beim Fotografieren berücksichtigt werden, da Militäreinrichtungen nicht fotografiert werden dürfen.

Guyūschi-Moschee
Im Inneren der Guyūschi-Moschee

Die bedeutendste Moschee in diesem Areal ist die 2 el-Guyūschī-Moschee (30° 1′ 19″ N 31° 16′ 6″ O), auch el-Juyūshī-Moschee, arabisch: ‏مسجد ومرقب الجيوشي‎, Masǧid wa Marqab al-Ǧuyūschī, oder Guyūschī-Schrein, arabisch: ‏مشهد ومرقب الجيوشي‎, Maschhad al-Guyūschī, genannt, auf dem Gipfel im Westen des Muqaṭṭam-Gebirges, in der Nähe der Salah Salem St., MMC 304. Die Moschee wurde 1085 (Muḥarram 478 AH) vom Prinzen Badr ed-Dīn el-Gamālī (gest. 1094) in der Zeit des Fatimidenkalifen el-Mustanṣir billāh (1029–1094) errichtet. Badr el-Gamālī, sein Titel lautete Amīr el-Guyūsch, Befehlshaber der Armeen, war armenischer Herkunft und fatimidischer Regent. Der genaue Zweck der Moschee ist nicht bekannt, die Bauinschrift oberhalb des Eingangs nennt sie Maschhad, Schrein. Die Moschee ist nicht das Grab des Badr el-Gamālī, denn das soll sich nach el-Maqrīzī (1364–1442) nördlich des Tores Bāb en-Naṣr befinden. Diese Moschee ist die besterhaltene ihrer Art aus fatimidischer Zeit.

Der fast symmetrische Bau ist etwa 18 Meter lang und 15 Meter breit, ausgenommen der Anbau an der Nordostseite, der die Symmetrie stört. Die Moschee wurde aus grob behauenen Steinblöcken errichtet, Kuppeln und Gewölbe aus Ziegeln.

Der Eingang befindet sich am Fuße des wuchtigen Minaretts an der Nordwestseite. Über eine Vorhalle gelangt man in eine etwa quadratische Halle mit gewölbten Seitenräumen. Hinter einem dreibogigen Zugang mit je zwei Marmorsäulen folgen eine Querhalle und das dreiteilige Allerheiligste mit der Gebetsnische in der Mitte, über der sich eine Kuppel auf einer achtseitigen Trommel mit Fenstern erhebt. Geschmückt sind die Nische und die Kuppel mit Mustern in Stuck. Die kufische Inschrift im unteren Teil der Kuppel enthält die ersten fünf Verse der Qur'an-Sure el-Fatḥ und die Kuppel selbst noch je dreimal die Namen Muḥammad und ʿAlī. Die Malereien an der Gebetsnische stammen erst aus osmanischer Zeit.

Das 20 Meter hohe Minarett besteht aus zwei Etagen mit aufgesetzter Kuppel. Unterhalb der Kuppel befindet sich am oberen Ende des Schafts eine Hohlkehle, die mit Stalaktiten (Muqarnaṣ) dekoriert ist – dieses Muster begegnet uns hier – zeitlich gesehen – erstmals an einem Gebäude in Ägypten. Die Kuppel ruht auf einer vierseitigen und dann achtseitigen Trommel. An jeder Seite der beiden Trommeln befinden sich Fenster.

Vom Gelände der Moschee aus hat man eine gute Sicht auf die islamischen Friedhöfe.

Unterhalb der el-Guyūschī-Moschee befindet sich das Mausoleum der Ichwat Yūsuf (Mausoleum der Gebrüder des Joseph, arabisch: ‏مشهد اخوة يوسف‎, Maschhad Ichwat Yūsuf), Sidi Galal St., MMC 301. Das Mausoleum wurde in den Jahren 1125–1150 (519–545 AH) errichtet.

Aktivitäten[Bearbeiten]

Man kann an den Messen donnerstags abends und sonntags von 07:00 bis 11:00 Uhr im Kloster St. Sama'an teilnehmen.

Küche[Bearbeiten]

Zahlreiche Restaurants finden Sie in Kairo.

Unterkunft[Bearbeiten]

Unterkünfte gibt es in Kairo.

Ausflüge[Bearbeiten]

Der Besuch von el-Muqaṭṭam lässt sich mit dem Besuch der Zitadelle oder dem Schutzgebiet Versteinerter Wald (engl. „petrified forest“) bei el-Ma'ādī verbinden.

Literatur[Bearbeiten]

Die el-Guyūschī-Moschee ist in der Literatur ausführlich beschrieben.

  • Creswell, Keppel Archibald Cameron: The Muslim Architecture of Egypt. Band 1: Ikhshīds and Fāṭimids; A.D. 939–1171. Oxford : Oxford Univ. Press, 1952, S. 155–160, Tf. 46–48. Nachdruck New York: Hacker Art Books, 1978.
  • Behrens-Abouseif, Doris: Islamic architecture in Cairo : an Introduction. Cairo : American University in Cairo Press, 1996 (2. Auflage), ISBN 978-9774242038, S. 66 f.
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