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Kairo/Fusṭāṭ

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el-Fusṭāṭ ·الفسطاط
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El-Fustat (auch Fostat, Misr el-Fustat und Fustat-Misr, arabisch: ‏الفسطاط‎, al-Fusṭāṭ) war die erste arabische Stadtgründung in Ägypten. Sie wurde vom Feldherrn ʿAmr ibn el-ʿĀṣ (um 580–664) nördlich der Festung Babylon angelegt. Das Areal dieser Stadt ist heute Teil von Alt-Kairo. Von der einstigen Stadt ist kaum noch etwas erhalten, selbst die ʿAmr-ibn-el-ʿĀṣ-Moschee ist nicht mehr in ihrer ursprünglichen Struktur erhalten. Die wenigen Reste sind heute unter dem Schutt mehrerer Jahrhunderte bzw. unter den Slums begraben. Im Osten von Alt-Kairo, ca. 1,5 Kilometer von Babylon entfernt, wurde ein Teil von el-Fustat freigelegt und lässt sich als archäologische Stätte besichtigen.

Hintergrund[Bearbeiten]

Im Auftrage des Kalifen ʿUmar ibn el-Chaṭṭāb griff 639 der Feldherr ʿAmr ibn el-ʿĀṣ, aus Syrien kommend, das damalige byzantinische Ägypten an. Er eroberte die Festung Pelusium im Nordsinai und konnte die Schlacht von Heliopolis für sich entscheiden. Alexandria konnte sich aber vorerst behaupten.

Nachdem ʿAmr ibn el-ʿĀṣ die Kontrolle über Alexandria erringen konnte – er sicherte den Christen die Religionsfreiheit zu –, legte er 643 (22 AH) nördlich der Festung Babylon/Qaṣr esch-Schamʿ sein Feldlager el-Fustat an, das allmählich zu einer Stadt ausgebaut wurde. El-Fustat ist damit die erste arabische Stadtgründung auf ägyptischem Boden. Das Lager bzw. die Stadt lag direkt am Nil, der damals weiter östlich verlief. Im Norden wurde el-Fustat vom Gebirge Gebel Yaschkar und im Süden vom Gebel er-Raṣad begrenzt.

Der Ursprung des Namens ist umstritten. Es ist denkbar, dass er sich vom Wort für Zelt (fusṭāṭ) ableitet oder eine Arabisierung des lateinischen fossatum bzw. griechischen Φοσσάτον für Lager oder Feldlager ableitet.

Zentrum war auch damals schon die Moschee des ʿAmr ibn el-ʿĀṣ, die bereits 643 errichtet wurde, mit seinem Marktviertel (Sūq). Die Moschee besaß wohl von Anfang an einen Minbar (Gebetskanzel), 673 (55 AH) wurde das erste Minarett errichtet und 711 (92 AH) erhielt die Moschee ihre erste Gebetsnische. Ihre heutige Dimension erlangte die Moschee im Jahre 827 (212 AH).

Zudem ließ ʿAmr ibn el-ʿĀṣ den aus pharaonischen Zeiten stammenden Kanal zischen dem Nil und dem Roten Meer wieder instand setzen, um über ihn die Versorgung Arabiens mit ägyptischen Getreide abzuwickeln.

Die Stadt war anfangs nicht befestigt. 684 (64/65 AH) wurde um die Stadt ein Graben gezogen, um die Angriffe des Umayyaden-Kalifen Marwān I. abwehren zu können – allerdings ohne Erfolg. Der letzte Ummayyaden-Kalif Marwān II. ließ Teile der Stadt während seiner Flucht vor den Abbasiden 750 (132 AH) niederbrennen, die Moschee blieb aber erhalten. Im 8. Jahrhundert (2. Jahrhundert AH) siedelten in dieser Stadt erste Christen und errichteten Kirchen.

Die neuen abbasidischen Machthaber legten ihre neue Hauptstadt el-ʿAskar (arabisch: ‏العسكر‎) im Norden der abgebrannten Stadt an. Von el-ʿAskar ist nichts mehr erhalten geblieben. Auch der Begründer der nächsten Dynastie, Aḥmad ibn Ṭūlūn, gründete im 9. Jahrhundert (3. Jahrhundert AH) seine eigene Hauptstadt el-Qaṭāʾiʿ (arabisch: ‏القطائـع‎) etwa im Bereich der heutigen Ibn-Ṭūlūn-Moschee nördlich der Hauptstadt seines Vorgängers.

969 wurde el-Fustat vom fāṭimidischen General Gauhar es-Siqilli erobert. Die Fatimiden gründeten weiter nördlich im selben Jahr ihre eigene Hauptstadt – Kairo. Die durch die Eroberung zerstörte Stadt el-Fustat wurde aber nach kurzer Zeit wieder aufgebaut. In fatimidischer Zeit erlebte die Stadt einen bedeutenden Aufschwung und war zu dieser Zeit einer der wohlhabendsten Städte in der muslimischen Welt. Reisende berichten von Häusern aus Stein (für Böden und Türen) oder gebrannten Lehmziegeln. Die Häuser besaßen fünf bis sieben Etagen, waren aber nur durch schmale Gassen getrennt. In der Stadt gab es mehrere Zisternen sowie eine Wasserversorgung bzw. Abwasserentsorgung. Am Ende des 10. Jahrhunderts lebten hier größenordnungsmäßig 100.000 Menschen. Die beengten Wohnverhältnisse waren aber sicher wenig angenehm. Die Stadt besaß zu jener Zeit etwa eine Länge von 6 Kilometern in Nord-Süd-Richtung, entlang des Nilufers bis etwa Fumm el-Chalīg, und war 1,5 Kilometer breit.

1168/1169 (564 AH) belagerten Truppen von Amalrich I. von Jerusalem die Stadt im Bereich er-Raṣad. Der fatimidische Wesir Schawar ibn Mudschir es-Saʿdi ließ die Stadt in aller Eile evakuieren und in Brand setzen, um den Vormarsch Amalrichs Truppen zu stoppen. Das Feuer wütete 54 Tage. 1169 eroberte Ṣalāḥ ed-Dīn (Saladin), Widersacher Amalrichs, Ägypten. In der Zeit Saladins ließ der armenische Bauherr Baha ed-Din Karakusch ab 1176 el-Fustat wieder errichten, die Zitadelle anlegen und Kairo und el-Fustat mit einer Stadtmauer mit Tortürmen umgeben.

El-Fustat war im 13. Jahrhundert Produktionszentrum für Stahl, Kupfer, Seife, Glas, Papier, Zucker und Textilien. Allerdings konnte in mameluckischer Zeit el-Fustat mit dem Aufschwung Kairos nicht mehr mithalten und wurde immer unattraktiver. In der Folge verlor sich die Geschichte der Stadt im Dunkeln. Zur Zeit der Napoleonischen Expedition an der Wende zum 19. Jahrhundert lebten hier nur noch 10.000 Menschen, darunter etwa 600 Kopten.

Anreise[Bearbeiten]

Lageplan von el-Fusṭāṭ

Mit der Metro[Bearbeiten]

Die Grabungsstätte kann man von der Festung Babylon (1 Metrostation Mar Girgis) einfach zu Fuß erreichen, indem man der Straße im Norden der Festung, der Maṣr el-Qadīma St., folgt. An der Stelle, an der diese Straße nach Süden abbiegt (2 30° 0′ 23″ N 31° 14′ 4″ O), läuft man gerade aus durch das Pottery Center (1 30° 0′ 23″ N 31° 14′ 6″ O) nach Osten weiter und erreicht dann nach etwa 400 Metern auf einem Feldweg das Grabungsgelände.

Läuft man in der Maṣr el-Qadīma St. weiter nach Süden, so mündet diese Straße in die ʿAin eṣ-Ṣīra St. Nach 1.400 Metern in östlicher Richtung erreicht man das Nationalmuseum für ägyptische Zivilisation.

Die südlicher gelegenen islamische Bauwerke erreicht man schneller, wenn man erst an der im Süden folgenden Metrostation 3 al-Zahra aussteigt.

Mit dem Bus[Bearbeiten]

Die Buslinie 431 verkehrt vom Mīdān et-Taḥrīr zum 4 Mīdān el-Masgid vor der Moschee des ʿAmr ibn el-ʿĀṣ.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Archäologische Stätte el-Fusṭāṭ[Bearbeiten]

2 Ruinen von el-Fusṭāṭ. Geöffnet: Täglich freitags von 9 bis 16 Uhr. Preis: Eintritt LE 20/LE 10 (Ausländer/Studenten, Stand 11/2018). (30° 0′ 21″ N 31° 14′ 19″ O)

An dieser Stelle wurden seit 1912 Grabungen durch Ali Bahgat duchgeführt. Seit den 1960er-Jahren wurde erneut durch George T. Scanlon im Auftrage des American Research Center in Egypt gegraben. Die sichtbaren Überreste stammen aus ṭulūnidischer und fāṭimidischer Zeit.

Im Rahmen der Grabungen wurden Straßenzüge und die Überreste von Häusern freigelegt und teilweise rekonstruiert. Die Häusermauern stehen noch bis zu zwei Meter an. Unter den Gebäuden befanden sich auch Werkstätten für Glas, Metall und Keramik.

Ohne Schwierigkeiten sind Brunnen und Kanäle für die Wasserversorgung auszumachen.

Häuserwand und Kanal
Stadtmauer aus dem 12. Jahrhundert
Brunnen und Wasserkanal
Säulenkapitell
Säulenschäfte und Baufragmente

Säulenschäfte und -kapitelle gehörten zu repräsentativen Gebäuden, vielleicht zu einer Kirche oder Moschee.

Im Osten des Grabungsgeländes sind noch Teile der ehemaligen Stadtmauer aus dem 12. Jahrhundert erhalten.

Einige der Funde sind heute im Islamischen Museum ausgestellt.

Nationalmuseum für ägyptische Zivilisation[Bearbeiten]

3 Nationalmuseum für ägyptische Zivilisation (المتحف القومي للحضارة المصرية, al-Matḥaf al-Qaumī li-l-Ḥaḍāra al-Miṣrīya, englisch: National Museum of Egyptian Civilization, NMEC) (am ʿAin-eṣ-Ṣīra-See, östlich der Ruinen von el-Fusṭāṭ). Mobil: +20 (0)128 430 2202. Nationalmuseum für ägyptische Zivilisation in der Enzyklopädie WikipediaNationalmuseum für ägyptische Zivilisation (Q29017001) in der Datenbank WikidataNationalmuseum für ägyptische Zivilisation auf Facebook. Das Museum widmet sich den Errungenschaften und der Geschichte der ägyptischen und sudanesischen Zivilisation von ihren Anfängen, der Steinzeit, über die pharaonische, griechisch-römische, koptische und islamische bis zur Neuzeit. Es werden zukünftig etwa 50.000 Stücke ausgestellt, darunter Modelle, Manuskripte, Gemälde, Plastiken und Fotografien. Am 15. Februar 2017 erfolgte das Soft Opening mit einer kleinen Ausstellung zum Thema „Handwerk und Industrie im Wandel der Zeit“, die etwa 400 Artefakte zu den Schwerpunkten Keramik, Textilien, Holzbearbeitung und Schmuck umfasst, in der momentan einzig zugänglichen Ausstellungsahlle. Man rechnet mit der Fertigstellung des Museums im Jahr 2019. Geöffnet: Täglich 9–17 Uhr. Preis: LE 60/30 (Ausländer/Studenten), LE 10/5 (Ägypter/äg. Studenten), Auto LE 10, Bus LE 30, Fototicket LE 50 (Stand 11/2018). (30° 0′ 28″ N 31° 14′ 56″ O)

El-Fusṭāṭ-Park[Bearbeiten]

Nördlich vom Nationalmuseum für ägyptische Zivilisation befindet sich der 4 El-Fusṭāṭ-Park.

Östlich des Nationalmuseums liegt der 5 ʿAin-eṣ-Ṣīra-See.

Islamische Architektur[Bearbeiten]

Im Süden des Stadtteils el-Fusṭāṭ befinden sich einige bemerkenswerte, aber wenig bekannte islamische Bauten:

  • 6 Mausoleum der Familie Ṭabāṭabā (مشهد آل طباطبا, Maschhad Āl Ṭabāṭabā, MMC 563). Mausoleum der Familie Ṭabāṭabā in der Enzyklopädie WikipediaMausoleum der Familie Ṭabāṭabā (Q12243223) in der Datenbank Wikidata. Das heute nicht mehr zugängliche Mausoleum gehört zu den wenigen erhaltenen Architekturbeispielen aus der Zeit der Ichschididen, einer türkischstämmigen Dynastie im frühislamischen Ägypten, die von von 935 bis 969 in Ägypten regierte. Es befindet sich unmittelbar am Nordostrand des ʿAin-eṣ-Ṣīra-Sees und ist von der Straße aus leicht erreichbar. Das Grab mit drei Kuppeln ist heutzutage vom benachbarten See überflutet. (30° 0′ 42″ N 31° 15′ 11″ O)
  • 7 Kuppelgräber der sieben Töchter (مشهد\قبة\قباب\اضرحة السبع بنات, Maschhad/Qubbat/Qabāb/Aḍriḥat es-Sabʿ Banāt, MMC 110). Kuppelgräber der sieben Töchter (Q12732310) in der Datenbank Wikidata. Diese Gräber bzw. Schreine befinden sich südlich der Kairoer südlichen Totenstadt. In ihnen sollen Töchter aus sieben marokkanischen Familien begraben worden sein. Die Gräber befinden sich ungefähr in einer Linie von Südwesten nach Nordosten. Die westlichen vier, heutzutage restaurierten Gebäude ragen noch fast vollständig in die Höhe, nur die Kuppeln selbst fehlen. Von den beiden östlichen Gräbern sind nur die unteren Steinlagen erhalten. Es gibt keinen Hinweis auf ein siebentes Grab. Alle Gräber besitzen eine flache Grabeinfassung. Auf einem quadratischen hohen Unterbau folgt ein kleinerer und flacherer Mittelbau. Unter- und Mittelbau verfügen über je eine Tor- bzw. Fensteröffnung auf allen Seiten. Auf den Mittelbau folgt ein achteckiger Rundteil mit einem Fenster an jeder Seitenfläche. Der Übergang zum achteckigen Oberteil, auf dem die eigentliche Kuppel ruhte, wird durch dekorationslose Zwickel ausgeglichen. Das von Westen gesehen zweite Grab besitzt auf seiner Südseite zwei Nischen. Diese Gräber spielen eine bedeutende Rolle in der islamischen Architektur, da sie zu den frühesten Kuppelbauten zählten. (30° 0′ 0″ N 31° 14′ 50″ O)
  • 8 Pulvermagazin des Muḥammad ʿAlī (جبخانة محمد علي, Ǧab(a)chānat Muḥammad ʿAlī, MMC 623). Pulvermagazin des Muḥammad ʿAlī in der Enzyklopädie WikipediaPulvermagazin des Muḥammad ʿAlī (Q56376922) in der Datenbank Wikidata. Anfänglich ließ der Gouverneur der osmanischen Provinz Ägypten, Muḥammad ʿAlī (Regierungszeit 1805 bis 1848), ein Pulverlager in der Kairoer Zitadelle am Standort eines früheren mamlukischen Palasts anlegen. Nach zwei Bränden in der Zitadelle 1820 und 1824 und der gewaltigen Explosion des Pulverlagers, bei der etwa 4.000 Menschen den Tod fanden und zahlreiche Gebäude zerstört wurden,[1] entschloss sich Muḥammad ʿAlī, ein neues Pulverlager weit außerhalb der Stadt anzulegen und so zu gestalten, dass sich das Schießpulver nicht stark erwärmen und explodieren konnte. (29° 59′ 27″ N 31° 14′ 23″ O)

Küche[Bearbeiten]

In diesem Gebiet gibt es keine Restaurants. Diese findet man z.B. im Kairoer Stadtzentrum.

Unterkunft[Bearbeiten]

In diesem Gebiet gibt es keine Hotels. Diese findet man z.B. im Kairoer Stadtzentrum.

Ausflüge[Bearbeiten]

Der Besuch des Grabungsareals lässt mit dem Besuch anderer Stätten in 1 Alt-Kairo verbinden. Weitere Stätten aus der Zeit des antiken el-Fusṭāṭ sind die 9 Moschee des ʿAmr ibn el-ʿĀṣ (im Artikel Alt-Kairo) und die 10 Kirche des Merkurius/Abū Seifein (im Artikel Fumm el-Chalīg).

Östlich des Nationalmuseums befindet sich der Südteil der südliche Totenstadt, in dem sich u. a. die Familiengräber des Muḥammad ʿAlī (Hōsch Bāschā) und das des Aḥmad ʿUrābī Pascha (1841–1911) befinden.

Literatur[Bearbeiten]

Allgemein[Bearbeiten]

  • Jomier, J.: al-Fusṭāṭ. In: Lewis, Bernard (Hg.): The Encyclopaedia of Islam : Second Edition ; Bd. 2: C - G. Leiden : Brill, 1965, ISBN 978-90-04-07026-4, S. 957.
  • Halm, Heinz: Die Kalifen von Kairo : die Fatimiden in Ägypten ; 973–1074. München : Beck, 2003, ISBN 978-3-406-48654-8, S. 29–40.

Archäologische Stätte el-Fusṭāṭ[Bearbeiten]

  • Bahgat Bey, ʿAlī ; Gabriel, Albert: Fouilles d’Al Fousṭâṭ : Musée de l’art arabe du Caire. Paris : de Boccard, 1921.
  • Kubiak, Władysław B.: Al-Fusṭāṭ, its foundation and early urban development. Cairo : American University in Cairo Press, 1987, ISBN 978-977-424-100-0.
  • Scanlon, George T. ; Pinder-Wilson, Ralph: Fustat glass of the early Islamic period : finds excavated by the American Research Center in Egypt, 1964–1980. London : Altajir World of Islam Trust, 2001, ISBN 978-1-901435-07-8.

Einzelnachweise

  1. Daly, M. W. (Hg.): The Cambridge history of Egypt : Vol. 2: Modern Egypt, from 1517 to the end of the twentieth century. Cambridge ; New York : Cambridge University Press, 1998, ISBN 978-1-139-05334-1, S. 156; doi:10.1017/CHOL9780521472111.
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