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Kaʿb Marfūʿ

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Kaʿb Marfūʿ ·كعب مرفوع
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Kab Marfu', auch Kab Marfua, arabisch: ‏كعب مرفوع‎, Kaʿb Marfūʿ, ist die moderne Bezeichnung für eine römische Siedlung im Wādī el-Gimāl am Südende des Smaragdabbaugebiets von Mons Smaragdus in der Arabischen Wüste in Ägypten, die im fünften nachristlichen Jahrhundert aufgegeben wurde.

Kaʿb Marfūʿ befindet sich etwa 65 Kilometer südwestlich von Marsā ʿAlam und etwa einen Kilometer nördlich eines römischen Kleinkastells, eines praesidiums, das sicher das überlieferte Apollonos (Apollonos Hydreium) bildet. Zu diesem Kastell gehörte eine Brunnenstation, eine hydreuma.

Hintergrund[Bearbeiten]

Offensichtlich gibt es über diese Siedlung keine antiken Berichte. Auch ist der einstige Name der Siedlung unbekannt. Die Bezeichnung Kaʿb Marfūʿ ist modern und wird von den hier ansässigen ʿAbabda-Beduinen benutzt.

Ausschnitt aus der Peutingerschen Tafel für das Nildelta und die Ostwüste. Apollonos befindet sich unterstrichen im unteren Teil.

Nur das südlicher gelegene römische Kleinkastell Apollonos ist seit dem ersten nachchristlichen Jahrhundert durch Plinius den Älteren (23/24–79) in seiner Naturgeschichte[1] und spätere Dokumente wie dem Itinerarium Antonini und auf der Peutingerschen Tafel belegt. Plinus führte aus, dass es an der Route von Koptos, dem heutigen Qifṭ, nach Berenike, für die man damals mit Kamelen zwölf Tage benötigte, mehrere Brunnenstationen gab. Apollonos befindet sich 184.000 Schritte, etwa 136 Kilometer, von Koptos entfernt.

Die Siedlung Kaʿb Marfūʿ wurde Ende der 1990er-Jahre im Rahmen des Berenike Project der Universitäten von Delaware (USA) und Leiden (Niederlande) unter Leitung von Steven E. Sidebotham untersucht. Auf einer Fläche von etwa 250 × 300 Metern befinden sich etwa einhundert Gebäude. Im Süden der Siedlung wurden Gräber und im Umfeld der Siedlung Steinhaufen und Wachtürme gefunden.

Keramikfunde zeigen die Nutzung der Siedlung Kaʿb Marfū vom ersten bis zum fünften nachchristlichen Jahrhundert an. Die Keramik stammte zum Teil aus lokaler Produktion der Wüstenbewohner, teils aus dem Niltal und wurde teilweise wie im Fall von Amphoren auch importiert.

Im unmittelbaren Umfeld der Siedlung gab es keine Abbaumöglichkeiten für Smaragde. Funde von Quarz-Mineralien deuten aber auf die Weiterverarbeitung von Smaragden hin, die von anderen Stellen hierher geliefert wurden.

Es wurden auch die Kermikfunde aus dem einstigen Kastell Apollonos untersucht, die seine Nutzung zwischem dem ersten und sechsten nachristlichen Jahrhundert belegen.

Anreise[Bearbeiten]

Lageplan der Siedlung Kaʿb Marfūʿ

Die Anreise gestaltet sich relativ einfach, da sich die Siedlung in unmittelbarer Nähe zum Wādī el-Gimāl befindet. Nach etwa 50 Kilometern zweigt man bei 1 24° 32′ 13″ N 34° 44′ 54″ O nach Nordwesten in ein Seitental ab und erreicht die 1 Siedlung (24° 32′ 37″ N 34° 44′ 18″ O) nach etwa anderthalb Kilometern. Vom genannten Abzweig erreicht man nach einem reichlichen Kilometer das heutzutage versandete Kastell 2 Apollonos (24° 32′ 5″ N 34° 44′ 15″ O) auf der Nordseite

Etwa 4 Kilometer vor dem genannten Abzweig mündet bei 2 24° 33′ 36″ N 34° 46′ 48″ O das Wādī Ḥafāfīt in das Wādī el-Gimāl. Über das Wādī Ḥafāfīt kann man zur Fernverkehrsstraße von Sīdī Sālim nach Scheich Schādhilī gelangen.

Mobilität[Bearbeiten]

Der Untergrund der Siedlung ist sandig. Insbesondere, wenn man sich einen Überblick über die Siedlung verschaffen will, muss man auch auf die Felsen steigen.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Verwaltungsgebäude
Verwaltungsgebäude unterhalb des Tempels (links), Blick nach Osten
Gebäude im Westen
Überreste der Gebäude auf der Westseite

Die Siedlung Kaʿb Marfūʿ befindet sich weitgehend zu beiden Seiten eines Wadis. Ein Teil der Gebäude wurde auf dem sandigen Wadigrund errichtet. Noch heute sind die Überreste von etwa einhundert Gebäuden auf einer Fläche von etwa 250 × 300 Metern auszumachen.

Die Bauweise ist aber unterschiedlich. Einige Gebäude sind sehr groß und mit sorgfälig errichteten Trockenmauern umgeben. Sie stehen noch bis zu drei Metern an, besitzen Fenster, Regalnischen und Türsturze aus großen Steinplatten. Es gibt keine Hinweise auf die Art der Dächer. Sie bestanden wohl aus Holzbalken. Eins dieser Gebäude könnte sogar über ein zweites Stockwerk verfügt haben, da sich Reste der Treppe noch ausmachen lassen.

Ein weiterer Teil der Gebäude besteht aus natürlichen Felsbrocken und nutzt teilweise die Felsabhänge als Wände. In einigen Gebäuden gab es auch kleine Stallungen.

Zu den sorgfältig errichteten Gebäuden gehört eine 3 Gebäudegruppe (24° 32′ 38″ N 34° 44′ 19″ O) im Norden der Siedlung. Dies könnten Verwaltungsbauten gewesen sein.

Im äußersten Norden befindet sich etwa auf halber Berghöhe ein großes 4 Gebäude (24° 32′ 40″ N 34° 44′ 18″ O) auf einer etwa 15 × 20 Meter großen und bis zu 4 Meter hohen Plattform, zu der eine Treppe hinaufführte. Das Gebäude besitzt am Südende den Haupteingang und an der Ostseite einen weiteren kleineren Zugang. Es gibt leider keinen Hinweis auf den Zweck des Gebäudes. Wegen der herausragenden Lage vermuten die Ausgraber um Sidebotham, dass es sich hierbei um einen Tempel gehandelt haben könnte.

Küche, Unterkunft, Sicherheit[Bearbeiten]

Siehe im Artikel: Wādī-el-Gimāl-Ḥamāṭa-Nationalpark.

Ausflüge[Bearbeiten]

  • In unmittelbarer Nähe:
    • Etwa einen Kilometer südlich von Kaʿb Marfūʿ befindet sich das römische Kleinkastell, das praesidium, Apollonos, das zu den größten in der ägyptischen Ostwüste zählt. Das ewa einen Hektar große Kastell ist heutzutage versandet und wurde wohl von einer Lehmziegelmauer umgeben. Die Nordwestmauer lässt sich noch auf Länge von 120 Metern, die Nordostmauer auf 75 Metern ausmachen. An den Ecken und entlang der Festungsmauern gab es offensichtlich Bastionen.
    • Etwa 1,7 Kilometer südsüdöstlich vom Kastell befindet sich eine weitere Siedlung, in der sowohl Smaragde abgebaut als auch verarbeitet wurde. Diese namenlose Siedlung hat in der Wissenschaft den wenig prosaischen Namen 5 Wādī el-Gimāl A (24° 31′ 13″ N 34° 44′ 34″ O) erhalten.[2]
  • Entlang des Wādī el-Gimāl:
    • Den Ausflug nach Kaʿb Marfūʿ kann man mit Besichtigungen von Umm Kābū, Sikait und Wādī Nugruṣ verbinden. Umm Kābū ist dabei die östlichste Station, Kaʿb Marfūʿ die westlichste.

Literatur[Bearbeiten]

  • Sidebotham, Steven E. ; Hense, Martin ; Nouwens, Hendrikje M.: The Red Land : the illustrated archaeology of Egypt’s Eastern desert. Kairo : American University in Cairo Press, 2008, ISBN 978-977-416-094-3, S. 131, 133.

Einzelnachweise

  1. Naturgeschichte, 6. Buch, § 26. — Siehe z. B. Plinius Secundus, Gaius ; Wittstein, G[eorg] C[hristoph] [Übers.]: Die Naturgeschichte des Cajus Plinius Secundus ; Bd. 1: (I - VI. Buch) : Dedication, Inhaltsverzeichniss, Kosmographie und Geographie. Leipzig : Gressner & Schramm, 1881, S. 453.
  2. Bezeichnung nach: Shaw, Ian ; Bunbury, Judith ; Jameson, Robert: Emerald mining in Roman and Byzantine Egypt. In: Journal of Roman archaeology (JRA), ISSN 1047-7594, Bd. 12 (1999), S. 203–215, insbesondere S. 210 f, doi:10.1017/S1047759400017980.
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