Französisch-Polynesien

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Französisch-Polynesien ist ein Überseegebiet von Frankreich und besteht aus einer Ansammlung von Inseln und Atollen im Pazifik, etwa auf halben Weg zwischen Südamerika und Australien.

Regionen[Bearbeiten]

Karte von Französisch-Polynesien mit Verwaltungsgrenzen.

Französisch-Polynesien setzt sich aus insgesamt 118 Inseln und Atollen zusammen, die sich auf fünf Archipele verteilen. Die wichtigsten Inseln sind:

Gesellschaftsinseln

Tuamotu Archipel

Marquesasinseln mit Nuku Hiva und dem durch Paul Gauguin bekannt gemachten Hiva Oa.

Australinseln d.i. die Tubuai-Gruppe auf 5 Atollen und das abgelegene Rapa

Gambierinseln mit Mangareva

Städte[Bearbeiten]

Hintergrund[Bearbeiten]

Als collectivité d'outre-mer (COM) sind die 118 Inseln mit den zugehörigen vier Millionen Quadratkilometern Ozean nicht integraler Teil Frankreichs, sondern genießen ein hohes Maß an innerer Selbstverwaltung. Paris kontrolliert jedoch Außen- und Sicherheitspolitik, Justiz und Erziehungswesen.

Die Nachfahren von erstmals 1865 als Kontraktarbeiter ins Land gebrachten Chinesen machen etwa zwölf Prozent der Bevölkerung aus.

Anreise[Bearbeiten]

Es gelten für Französisch-Polynesien die Einreisebestimmungen der Schengen-Zone analog, das Gebiet ist jedoch nicht Teil der Schengen-Zone. Für einige Nationalitäten (Georgier, Ukrainer, manche Südamerikaner), die im „Annex II“ genannt sind bestehen Ausnahmen, d.h. sie dürfen nicht ohne Sichtvermerk einreisen. EFTA-Bürger dürfen sich 90 Tage pro 180 aufhalten. Theoretisch genügt ein Personalausweis, da es aber keine Direktflüge gibt braucht man zwischendurch einen Reisepaß.

Wer westwärts aus Europa fliegt, wird normalerweise in den USA umsteigen. Hierfür ist ein Reisepaß und ESTA-Registrierung nötig. Beachte auch, daß unbegleitete Minderjährige, die Frankreich verlassen eine schriftliche Ausreisegenehmigung der Eltern benötigen.

Kommt man den langen Weg ostwärts über Australien (eVisum) und Neuseeland, gibt es die Möglichkeit von Rarotonga (Cook-Inseln) nach Papeete zu gelangen.

Zoll[Bearbeiten]

Französisch-Polynesien gehört nicht zum EU-Zollgebiet, die Freimengen ab 18 sind daher nur:

  • 200 Zigaretten oder 50 Zigarren
  • 2 Liter Alkohol, egal ob Wein oder Schnaps

Es herrschen strenge Importverbote für Tiere und lebende Pflanzen. Gepäck aus Fiji oder Samoa wird bei Ankunft desinfiziert, was dauern kann.

Die steuerfreie Ausfuhr von nicht zu Schmuck verarbeiteten Perlen ist auf 50 Stück beschränkt.

Es gibt eine Broschüre welche Tier- und Pflanzenarten geschützt sind und nicht gesammelt oder exportiert werden dürfen. Hierzu gehören Korallen, etliche Muscheln, Schildkröten usw.

Mit dem Flugzeug[Bearbeiten]

Praktisch alle Flüge aus Europa erfordern mehrmaliges Umsteigen. Reisezeiten von 29-60 Stunden sind daher normal. Üblicherweise wird man in Papeete ankommen.

Die günstigsten Flüge bietet Frühjahr 2021 die Kombination französischer Billigflieger French Bee/Air Caraïbes/APG von Paris-Orly über Pointe-à-Pitre für etwas über € 1100 (+ Gepäck). Ab deutschen Flughäfen mit regulären Airlines, den Pazifikmarkt dominiert United, zahlt man mindestens € 1600, realistischer etwa € 2000.

Air Tahiti Nui bietet mit Codesharing Flüge über die USA. Mit der Gesellschaft kommt man 2021 auch nach Nouméa (Neukaledonien) oder, wirklich exotisch, über die Osterinsel nach Santiago de Chile.

Mit dem Schiff[Bearbeiten]

Neben den internationale Kreuzfahrten, die auf einigen Insel anlegen gibt es auch die regional spezialisierten der m/s Paul Gauguin.

Jachten[Bearbeiten]

Sportsegler müssen Einreiseformalitäten in einem der folgenden Häfen erledigen: Papeete oder im Tutamoto-Archipel: Rangiroa, den Gesellschafts-Inseln: Bora Bora, Huahine, Raiatea, Gambierinseln: Mangareva, Mataura, Tubuai, Moerai, Rurutu, Raivavae, oder auf den Marquesasinseln: Hakahau (Ua Pou), Hiva Oa, Nuku Hiva. Letztere Gruppe ist bei Pazifiküberquerungen aus USA normalerweise die zuerst erreichte. Auf den äußeren Inseln übernimmt die Abfertigung (auch Zoll) der lokale Gendarmerie-Posten vor von wo aus die Unterlagen nach Papeete geschickt werden. Maximal 24 Stunden vor der Ausreise ist beim Gendarme wieder ein Zollformular auszufüllen, dessen Kopie ebenfalls per Post an das Zollamt im Hafen von Papeete zu schicken ist.

Auf Booten mitgebrachte Haustiere dürfen nicht von Bord, wenn nicht eine Vorabgenehmigung eingeholt wurde. Das sollte man 2 Monate im voraus tun. Erteilt wird sie nur wenn ein Gesundheitszeugnis vorliegt und man aus einem von Tollwut freien Land kommt.

Für Reparaturen und zum Kauf von Ausstattung ist man am besten auf Bora-Bora oder Tahiti aufgehoben.

Mobilität[Bearbeiten]

Air Tahiti Nui bietet weitergehende Verbindungen auf außenliegende Inseln Polynesiens. Auch Air Tahiti fliegt viele der 56 teilweise sehr kleinen Landeplätze des Territoriums an. Von Tahiti nach Nuku Hiva ist man z.B. 3½ Stunden im Flieger.

Air Tahiti bietet verschiedene Rundflugpässe an. Sie kosten 2021 ab € 350. Will man auch auf die Marquesas und Australinseln geht das ab € 600. Geflogen wird oft noch in Twin Otters für 19 Passagiere. Freigepäck ist auf 10 kg beschränkt. (Tauchausrüstung 15 kg; im Ausland gekaufte Tickets 23 kg, dann aber teurer.) Die Verbindungen zu den äußeren Inselgruppen gehen radial über Papeete. Ebenfalls Rabatte von 10, 30 oder 50% erhält man mit einer Rabattkarte, die man für Jugendliche, Senioren ab 60 oder Familien im Büro von Air Tahiti in der Hauptstadt kaufen kann. Die Ermäßigung richtet sich nach der absehbaren Auslastung des gewünschten Flugs (eingeteilt in „blau,“ „weiß“ oder „rot“).

Die meisten Inseln werden zwei Mal wöchentlich von Frachtschiffen beliefert, die auch bis zu 12 Passagiere mitnehmen aber keinen Service bieten. Zwischen Tahiti und Moorea gibt es mehrere Schiffe täglich, zwischen kleineren Inseln sehr viel seltener. Fahrpläne findet man auf der Webseite der DPAM. Kombinierte Fracht- und Passagierfähren, die auch kreuzfahrtähnliche Rundfahrten anbieten sind Tuhaa Pae IV (versorgt die Austral-Inseln) und das luxuriösere Aranui 5 die Marquesas alle zwei Wochen versorgt.

Sprache[Bearbeiten]

Drei Viertel der Einwohner Französisch-Polynesiens benutzen als erste Sprache Französisch. Daneben beherrschen 85% der Bevölkerung mindestens eine polynesische Sprache.

Die tahitische Sprache hat die selben fünf Vokale wie europäische, dazu aber nur acht Konsonanten: f, h, m, n, p, r, t und v.

Einkaufen[Bearbeiten]

10000 CFP-Franc der Serie 2014.

Der in den drei französischen Pazifikgebieten geltende CFP-Franc ist fest an den Euro gebunden: € 8,38 = 1000 CFP. Umgangssprachlich kommt der Begriff „tārā“ vor. 1 Tārā bedeutet 5 Francs.

Nicht alle Geldautomaten akzeptieren internationale Karten. Die häufigen der Banque Socredo schon.

Geschäftszeiten sind üblicherweise 7.30-11.30 und 13.30-17.00 Uhr, Sonntag ist Ruhetag. Banken und Behörden öffnen von 8.00-12.00 und 13.30-17.00 Uhr Montag bis Freitag.

Souvenirs[Bearbeiten]

Tapa-Rindenbaststoff ein mühsam durch Weichklopfen gewonnenes Grundmaterial, das kaum noch für Kleidung, sondern eher als Leinwand für traditionelle Gemälde verkauft wird. Schnitzereien und Kunstobjekte stellt man vor allem auf den Marquesas lokal her. Kunsthandwerker der Tutamotos gestalten gerne Perlmutt.

Monoi Tiare de Tahiti (Monoï-Öl; mōno’i) ist eine Hautcreme traditionell hergestellt aus den Tiare-Blüten, einer Gardenienart, die in Kokosöl mazeriert werden. Es gibt auch Produkte die Sandelholz, Ylang-Ylang oder Jasmin enthalten. Die Tiare Apetahi wächst nur auf Raiatea am Temehani.

Wichtige Exportprodukte sind Vanille und von den Tuamotu- und Gambier-Inseln Zuchtperlen, auch schwarze. Verarbeitet dürfen solche unbeschränkt ausgeführt werden, für rohe siehe den Abschnitt „Zoll.“

Küche[Bearbeiten]

Trinkgeld ist unüblich.

Kleine Mahlzeiten werden von mobilen Imbißständen, sogenannten „Roulottes“ verkauft.

Speisen und Getränke[Bearbeiten]

ʻIpo ist eine Spezialität der Tuatamoto-Inseln auf Kokosbasis.

Tropenfrüchte wie Brotfrucht (‘uru), Kochbanane (fe’i), Kokosnuß, frischer Fisch und die stärkehaltigen Taro-Wurzeln bilden die Basis der nicht aus Frankreich importierten Lebensmittel.

  • Poisson cru (ˈOta ˈika) ist roher Fisch in Zitronensaft und Kokosmilch mariniert.
  • Chevreffes sind in Kokosmilch mit Vanille gekochte Shrimps.
  • Poulet fāfā ist Hähnchen in einer spinatartigen aus Taroblättern mit Kokos gekochten Masse.
  • Po'e ist eine Süßspeise auf Taro-Basis.

Auf Tahiti ist die Hinano-Brauerei, die vier Sorten herstellt. Da man in Frankreich ist, gibt es auch einen Vin du Tahiti. Angebaut wird auf der Koralleninsel Rangiroa.

Nachtleben[Bearbeiten]

Unterkunft[Bearbeiten]

Günstige Unterkünfte wie Pensionen existieren kaum, noch weniger Hostels mit Schlafsaal. In den wenigsten Fällen wird man 2021 strandfern unter € 60 und strandnah weniger als € 100 bezahlen.

Luxusressorts, die das Pazifikklischee bedienen findet man auf vielen Inseln. Hier wurde auch der andernorts viel kopierte Steg im Meer mit abzweigenden Bungalows über dem Wasser „erfunden.”

Arbeiten[Bearbeiten]

Auch EU-Bürger benötigen eine Arbeitserlaubnis vom “Service de l'Emploi, de la Formation et de l'Insertion professionnelle” (SEFI).

Feiertage[Bearbeiten]

Termin Name Bedeutung
1. Januar Jour de l'an Neujahrstag
5. März Fête des Missionnaires Ankunft der ersten protestantischen Missionare in Französisch-Polynesien (am 5. März 1797).
2. April 2021 Vendredi Saint Karfreitag
5. April 2021 Lundi de Pâques Ostermontag
1. Mai Fête du Travail Tag der Arbeit
8. Mai Fête de la Victoire 1945 Fest des Sieges 1945
13. Mai 2021 Ascension Himmelfahrt
24. Mai 2021 Lundi de Pentecôte Pfingstmontag
12. Juli Fête de l'Autonomie Feier der Autonomie vom 12. Juli 1977
14. Juli Fête nationale Nationalfeiertag
15. August Assomption Mariä Himmelfahrt
8. September Fête de l'Autonomie Feier der Autonomie vom 8. September 1984
1. November Toussaint Allerheiligen
11. November Armistice Waffenstillstand im 1. WK
25. Dezember Jour de Noël 1. Weihnachtstag

Sicherheit[Bearbeiten]

Notrufe:

  • Feuerwehr: 18
  • Polizei: 17
  • Seenotrettung: 40 42 12 12

Kriminalität ist im Alltag noch weniger ein Problem als im Mutterland.

Gesundheit[Bearbeiten]

Notrufe:

  • SMUR (service médical d’urgence): 15
  • SOS Médecin 24/7 (Privatärzte): 40 42 34 56

Leitungswasser kann überall getrunken werde, schmeckt aber auf den kleineren Atollen ab und zu salzig. Auf ganz kleinen Inseln handelt es sich um aufgefangenes Regenwasser.

Polynesien ist malariafrei. Es gibt weder Giftschlangen noch giftige Insekten. Vereinzelt findet sich der gerne versteckte Echte Steinfisch. Das über Stacheln seiner Rückenflosse injizierte starke Gift ist schmerzhaft und verursacht Lähmungen. Auf den Koralleninseln sind Gummischuhe zum waten in der Lagune immer sinnvoll. Die schwere Fischvergiftung Ciguatera kann man beim Essen von in der Lagune lebenden Raubfischen bekommen. Zwar ist sie für Erwachsene nicht tödlich, man muß aber mit vier Tagen Durchfällen und einem bis zweiwöchigen Erholungsprozeß rechnen.

Die medizinische Versorgung erreicht auf den Hauptinseln europäischen Standard. Notfälle werden bei Bedarf von kleineren Inseln nach Tahiti geflogen. Nur im Zentralkrankenhaus von Papeete gibt es eine Dekompressionskammer.

Selbst bei Vorlage einer europäischen Krankenversicherungskarte sind wie überall in Frankreich oft hohe (30-40%), sofort zu zahlende, Zuzahlungen fällig, die nur teilweise erstattet werden. Ein Arztbesuch kostet ab € 30 Grundgebühr.

Noni, in der EU als “novel food” in den 2000er-Jahren aggressiv vermarktet, aber wohl nicht ungefährlich, gilt als ein altes Heilmittel mit entzündungshemmender Wirkung.

Klima[Bearbeiten]

Moderat tropisch. Die Lufttemperatur liegt bei durchschnittlich 27 °C. Die Wassertemperatur des Meeres bei 26-29 °C.

Im „Sommer“ von November bis April ist die Luftfeuchtigkeit höher. Wirbelstürme treten im Januar auf.

Respekt[Bearbeiten]

Im 19. Jahrhundert waren christliche Missionare besonders amerikanisch geprägter evangelikaler Gruppen erfolgreich. Etwa die Hälfte der Bevölkerung hängt ihren Lehren an, was sich z.B. in strikter Sonntagsruhe äußern kann. Ein weiteres Drittel sind Katholiken.

Tatau, englisch “tattoo” und daher deutsch „Tätowierung,“ ist ein ursprünglich tahitisches Wort. Warum erkennt man bald nach Ankunft, wobei Einheimische traditionell polynesische, geometrische Muster bevorzugen. Solche zeigten auch die Stellung einer Person in der feudalen Gesellschaftsordnung.

Praktische Hinweise[Bearbeiten]

Üblich sind die Steckertypen „B“ und „E.“
Die Stromversorgung arbeitet mit 220V/60 Hz.

EU-Kartenführerscheine sind nach einem halben Jahr umzutauschen.

Es gibt keine Hauszustellung von Briefen. Die vor Häusern befindlichen „Briefkästen“ sind für angeliefertes Brot!

Internet und Mobilfunk[Bearbeiten]

Mit der weitgehenden Verbreitung von WLAN sind Internet-Cafes ebenso wie die in Postämtern aufgestellten Terminals selten geworden. Tahiti Wifi am Flughafen vermietet ab €8/Tag mobile Router mit Datenvolumen, die auf 65 Inseln funktionieren.

Es gibt drei Mobilfunkanbieter Ora, Vini und Vodafone. Allen gemeinsam ist, Stand Anfang 2021, daß gute Abdeckung nur entlang der Küsten der Hauptinseln sicher ist. Die Höhenlagen sind Funkloch. Das größte Netz hat Vini, Vodafone ist mit dem 4G+ Ausbau jedoch weiter. Wer mehr Randgebiete besucht ist mit Vini (Preise) besser bedient, wer mobil surft sollte Vodafone nutzen. ViniSpot bietet Prepaid-Karten zum Einloggen in 180 Hotspots, die meist in Postämtern aufgestellt sind.

Literatur[Bearbeiten]

  • Reisebeschreibungen von „Entdeckern“ wie die Tagebücher von James Cook, Herman Melville oder Robert Louis Stevenson oder die gewagten Theorien von Thor Heyerdahl.
  • Bolyanatz, Alexander; Pacific Romanticism: Tahiti and the European Imagination; 2004 Praeger, ISBN 0897897870
  • Delius, Ulrich; Tahiti, Französisch-Polynesien: Südseeparadies unter dem Atompilz; Göttingen 1982
  • Kahn, Miriam; Tahiti Beyond the Postcard; Washington 2011, ISBN 9780295991023
  • Miot, Paul-Émile [Photogr., 1827-1900]; Blau, Daniel [Hrsg.]; The invention of paradise: Tahiti and the Marquesas; München 2008
  • Schneeberger, Pierre-Francis; Gauguin und Tahiti; Stuttgart 1991
  • Theroux, Paul; Happy Isles of Oceania: Paddling the Pacific; 1992; deutsch als Die glücklichen Inseln Ozeaniens [Amerikanischer Reiseschriftsteller, der nach seiner Scheidung monatlang im Faltboot Pazifikinseln ansteuert.]

Weblinks[Bearbeiten]

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