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Fernbusse in Deutschland

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Der Fernbusverkehr in Deutschland ist in Deutschland noch ein junges Phänomen. Seit Anfang 2013 wurde der Markt geöffnet und wuchs anfangs sehr schnell. Fernbusse können eine günstige, wenn auch nicht immer schnellere Alternative zum Reisen mit dem Zug sein.

Hintergrund[Bearbeiten]

Fernbus des Anbieters Flixbus der FlixMobility GmbH
IC Bus der DB Fernvekehr AG
Fernbus des Eurolines-Zusammenschlusses (in Deutschland die Deutsche Touring)

Bis Ende des Jahres 2012 war die Genehmigung von Fernbuslinien innerhalb Deutschlands zum Schutz der bereits vorhandenen Bahnlinien nach dem deutschen Personenbeförderungsgesetz (PBefG) nicht erlaubt. Seit dem Jahre 1935 war der Fernbusverkehr nur auf den Strecken möglich, in denen diese Beförderungsleistung nicht durch andere Verkehrsmittel ausreichend erbracht war. In der Praxis bedeutete dies, dass es sich bei den bestehenden Fernbuslinien innerhalb von Deutschland überwiegend um Flughafenzubringer sowie Verbindungen nach Berlin handelte. Außerdem gab es auch noch einige innerdeutsche Haltestellen der Fernbusse in das benachbarte Ausland.

Mit dem Beginn des neuen Jahrtausends begann dann aus verschiedenen politischen Gründen ein Umdenken und das PBefG wurde stufenweise reformiert: Seit August 2011 waren Fernbuslinien mit Haltestellen von nur noch mindestens 50 Kilometern erlaubt. Im Januar 2013 wurde auch diese Grenze aufgehoben.

Seitdem entwickelt sich zunehmend ein Markt für Fernverbindungen zwischen den Städten in Deutschland. Die Fernbusunternehmen selbst besitzen keine eigenen Busse. Diese werden von regionalen Unternehmern als Lohnbetriebe unter dem einheitlichen Logo gestellt. Im Falle des Bankrotts eines großen Betreibers ist somit keine Masse für eventuellen Regress vorhanden. Mehrere Anbieter haben bereits aufgegeben: Als erstes City2City, eine Tochtergesellschaft der britischen National Express, später auch Bahntochter „BerlinLinienBus“ und Post-Tochter „Postbus“. Durch diese Marktaustritte und Fusionen wird der Markt nun zu einem erheblichen Maß von Flixbus dominiert und auf vielen Linien besteht kaum noch Auswahl zwischen verschiedenen Anbietern.

Fahrkarten[Bearbeiten]

Die meisten Fahrkarten werden als Onlineticket entweder über die Homepage der jeweiligen Fernbusunternehmen oder über Apps erworben, welche die meisten Fernbusunternehmen anbieten. Es besteht zudem die Möglichkeit, Fahrkarten in den Kundencentern der Fernbusunternehmen zu erwerben oder telefonisch über die Servicerufnummern. Fahrscheine für den IC Bus, welcher zur Deutschen Bahn gehört, können auch an Fahrscheinautomaten und in den Reisezentren von Bahnhöfen erworben werden. Viele Fernbusunternehmen kooperieren beim Fahrscheinverkauf zudem mit Reisebüros. Sofern noch freie Plätze im Bus vorhanden sind, können Fahrscheine auch kurz vor Abfahrt bei den Busfahrern erworben werden. Diese sind jedoch in der Regel teurer als Fahrscheine aus dem Vorverkauf der übrigen Vertriebswege.

Preise[Bearbeiten]

Generell gilt, dass die Preise der Fernbusverbindungen oft unter denen einer regulären Zugverbindung liegen, um zu den schon vorhandenen und meist schnelleren Bahnverbindungen konkurrenzfähig zu sein.

Alle Busgesellschaften kalkulieren Einzelpreise für jede Strecke, entsprechend variieren die Preise je nach Auslastung der Fahrt. Am teuersten sind direkt beim Fahrer gekaufte Karten zum Standardtarif. Fahrkarten aus dem Vorverkauf im Internet, in Reisebüros, bei Vertragspartnern und in den Kundencentern der Busgesellschaften sind günstiger. Angebote zur Kundenbindung wie Rabattkarten ähnlich der Bahncard gibt es derzeit in Deutschland nicht. Jedoch sind beim IC-Bus auch Fahrscheine mit BahnCard-Rabatt gültig und erhältlich. Da Fernbusse anders als Stadt- und Regionalbusse eigenwirtschaftlich geführt werden und keine Finanzleistungen aus Steuermitteln erhalten, müssen sie sich komplett durch die Fahrgeldeinnahmen finanzieren. Daher sind die Preise der Fernbusfahrkarten der aktuellen Angebots- und Nachfrageverhältnisse angepasst. Dies gilt jedoch nicht nur für Fernbusse, sondern ebenso für Sonderangebote des Eisenbahnfernverkehrs sowie der Fluggesellschaften für Kurzstreckenflüge. Im Gegensatz zu Zügen zahlen Busse jedoch keinerlei Trassennutzungsgebühren.

Die Marktkonsolidierung ist inzwischen im Wesentlichen abgeschlossen und außer Flixbus gibt es auf vielen Routen nur die Bahn. Logischerweise sind damit auch die Tage der ultrabilligen Fahrscheine vorbei. Da die Bahn inzwischen eine aggressivere Preisstrategie fährt, kommt es nicht selten vor, dass ein Bahnticket - zumal mit Bahn Card - billiger ist als der Bus. Vergleichen lohnt sich aber auch hier, da die Fahrzeiten auch in Betracht gezogen werden sollten und billigere Karten oft nur für indirekte Routen verfügbar sind.

Auf Strecken, wo nach wie vor mehr als ein Anbieter fährt, können aber nach wie vor Fahrkarten zu billigen Preisen erworben werden. Als Beispiel sei hier Dresden-Berlin genannt, wo nach wie vor drei Anbieter (Flixbus, Eurolines, Student Agency) aktiv sind.

Ausstattung[Bearbeiten]

Der Busse[Bearbeiten]

Automat für Snacks und Heißgetränke in einem Fernbus

Die Betreiber und ihre Fernbusse sind meistens recht neu. Es handelt sich daher in der Regel um komfortable Reisebusse mit WLAN-Anschlüssen und 230V-Steckdosen unter den Sitzplätzen sowie Leselampen und verstellbarer Belüftung. Snacks und Kaltgetränke sind zumeist bei den Fahrern erhältlich. Einige Busse verfügen auch über Heißgetränkeautomaten. Über den Sitzen befinden sich Ablageflächen für Handgepäck. Einige Fernbusunternehmen legen in den Bussen Fahrgastzeitschriften aus. Toiletten befinden sich zudem in allen Fernbussen. An den Fenstern befinden sich verschließbare Vorhänge.

Klassifiziert werden Reise- und Fernbusse nach einem von der Betreiberindustrie (in Form der gbk - Gütegemeinschaft Buskomfort e.V.) entworfenen System, das von einem bis fünf Sterne reicht (Gütezeichen RAL Buskomfort). Je nach Streckenlänge der Reise sind unterschiedliche Kriterien wie Sitzplatzabstände, Grundausstattung und Sitzplatzausrüstung, Nachtbeleuchtung, Gepäckablage (Stauraum) festgelegt.

Der Haltestellen[Bearbeiten]

Mit der Liberalisierung des nationalen Fernbusmarktes im Jahr 2013 wurden in den deutschen Groß- und Kleinstädten unterschiedliche Systeme angewendet, um Fahrgästen der Fernbusse Haltemöglichkeiten zum Ein- und Aussteigen sowie zum Umsteigen zu ermöglichen. In Hamburg beispielsweise existiert ein offizieller Fernbusbahnhof, welcher bereits zuvor ein Busbahnhof für Stadt- und Regionalbusse sowie Fernbusse internationaler Linien wie Eurolines war und entsprechend den neuen Anforderungen der zusätzlichen Fernbushalte und weiterer, teils neuer Fernbusunternehmen durch Sanierung und Renovierung angepasst wurde. In Fernbusbahnhöfen befinden sich häufig sanitäre Anlagen und öffentliche Duschen, Kundencenter mit Fahrscheinverkauf vieler Fernbusunternehmen wie Flixbus, Eurolines, DeinBus.de, Onebus sowie Schnellrestaurants, Drogerie- und Supermärkte, Kioske sowie Geldautomaten. Geschäfte des Einzelhandels sind in Fernbusbahnhöfen genau wie an Flughäfen, an Bahnhöfen, in Häfen sowie an Autobahnraststätten vom Ladenschlussgesetz ausgenommen. In einigen Fernbusbahnhöfen existieren zudem beheizte Warteräume oder überdachte und windgeschützte Wartemöglichkeiten im Freien. Bereits fertiggestellte Fernbusbahnhöfe befinden sich in Hamburg, München, Berlin (2016-2019 Um- und Ausbau bei laufendem Betrieb) und anderen Städten, in einigen Städten wie in Frankfurt am Main ist aktuell ein Fernbusbahnhof in Bau.

Fahrtzeiten[Bearbeiten]

Weil die Fernbusse auf den üblichen Autobahnen und Straßen verkehren, entstehen insbesondere in den Teiletappen der Stadtdurchfahrten zu den stauanfälligen Hauptverkehrszeiten Verzögerungen für die Fernbusse. Die Fahrtzeiten liegen daher so gut wie immer über denen einer vergleichbaren Zugverbindung. Es ist gesetzlich vorgeschrieben, dass die Fahrer nach spätestens viereinhalb Stunden eine mindestens 30 Minuten lange Pause machen. Dies kann dazu führen, dass eine ursprünglich geringe Verzögerung zu einer sehr langen Verspätung wird, da der Fahrer eine im Fahrplan nicht vorgesehene Pause machen muss.

Fernbuslinienbetreiber[Bearbeiten]

Ein ZOB-Shop/ Ticketcenter der FlixMobility GmbH

Nach stürmischen Anfangsjahren hat sich der Markt der Anbieter konsolidiert. Seit der Fusion der beiden Marktführer Meinfernbus und Flixbus sind nur noch etwa ein halbes Dutzend Unternehmen deutschlandweit aktiv. Die folgende Übersicht in alphabetischer Folge beinhaltet überregional innerhalb von Deutschland aktive Fernbuslinienbetreiber. Reine Regionalbuslinien wie zum Beispiel Flughafenzubringer sind hier nicht angeführt.

  • DeinBus.de, Ludwigstraße 182a. Tel.: +49 69 1 75 37 32 00, E-Mail: . DeinBus.de in der Enzyklopädie Wikipedia DeinBus.de im Medienverzeichnis Wikimedia CommonsDeinBus.de (Q1183236) in der Datenbank Wikidata DeinBus.de auf Facebook DeinBus.de auf Google Plus DeinBus.de auf Twitter. Das Busunternehmen existiert seit 2009 und befährt im Süden und Westen Deutschlands mit blaugelben Bussen Linien zwischen Düsseldorf und München bis Prag und von Frankfurt bis Konstanz.
  • euroLines (Deutsche Touring), Am Römerhof 17, 60486 Frankfurt am Main. Tel.: +49(0)6196 2078-501, E-Mail: . euroLines in der Enzyklopädie Wikipedia euroLines im Medienverzeichnis Wikimedia CommonseuroLines (Q1375086) in der Datenbank Wikidata euroLines auf Facebook euroLines auf Google Plus euroLines auf Twitter euroLines auf YouTube. Eurolines ist ein europaweiter Zusammenschluss von Fernbuslinienbetreibern, der deutsche Vertreter ist die Deutsche Touring. Angefahren werden Städte in ganz Europa.
  • Flixbus (FlixMobility GmbH), Theresienstr. 18, 80333 München. Tel.: +49(0)30 300 137 300. Flixbus in der Enzyklopädie Wikipedia Flixbus im Medienverzeichnis Wikimedia CommonsFlixbus (Q15712258) in der Datenbank Wikidata Flixbus auf Facebook Flixbus auf Twitter Flixbus auf YouTube. Flixbus wurde 2011 gegründet und hat seinen Sitz in München. Befahren werden Buslinien zwischen deutschen Großstädten und bis in die Großstädte der Nachbarländer Schweiz und Tschechien. 2015 fusionierte Flixbus mit dem Konkurrenten MFB MeinFernbus. Der Markenname und die eigene Vertriebsplattform wurden beibehalten. Seit der Fusion fahren einige Busse unter beiden Namen und die „Fusionsbusse“ haben die grüne Farbpalette von Meinfernbus übernommen. Buchung ist über beide Websites möglich, allerdings sind die Preise die selben. Seit Mai 2016 heißt die Firma offiziell Flixbus. Jedoch fahren nach wie vor Busse unter dem alten Namen.
  • IC Bus (DB Fernverkehr). Tel.: +49(0)1806 99 66 33. IC Bus (DB Fernverkehr) in der Enzyklopädie Wikipedia IC Bus (DB Fernverkehr) im Medienverzeichnis Wikimedia CommonsIC Bus (DB Fernverkehr) (Q15712210) in der Datenbank Wikidata IC Bus (DB Fernverkehr) auf Facebook. Die Deutsche Bahn AG bietet eigene Buslinien an, die voll in ihr Fahrplan- und Tarifsystem integriert sind. BahnCard-Inhaber erhalten den BahnCard Rabatt auch für Fahrkarten des IC Bus. Ebenso ist die kostenlose Mitnahme familieneigener Kinder und Enkel unter 15 Jahren bei Fahrkarten zum Erwachsenentarif im IC Bus möglich. Fahrkarten sind in allen DB-Reisezentren und Reisebüros mit DB-Lizenz, an stationären Fahrscheinautomaten der DB, telefonisch unter der Buchungs- und Infohotline sowie auf bahn.de erhältlich. Die Sitzplatzreservierung ist kostenlos. Zur Zeit haben alle Linien mindestens einen Haltepunkt im Ausland (eine Ausnahme: Die Strecke Freiburg-Ravensburg-München).
  • ONEBUS GmbH (ONEBUS), Aachner Str. 485, 50933 Köln. Tel.: +49(0)1806 66 32 87. ONEBUS GmbH auf Facebook. Onebus ist ebenfalls ein Fernbusunternehmen in Deutschland.
  • RegioJet. Tel.: +420 (0) 539 000 322. RegioJet auf Facebook. RegioJet ist ein tschechisches Fernbusunternehmen, welches unter dem früheren Namen StudentAgency auftrat. Die Fernbusse können auch für innerdeutsche Fahrten genutzt werden. RegioJet ist ein Fernbusunternehmen sowie privates Eisenbahnfernverkehrsunternehmen.

Praktische Hinweise[Bearbeiten]

Siehe auch: Reisethemen

  • Wenn man auf seine Beschwerde keine zufriedenstellende Antwort bekommt, was wie bei allen primär internetbasierten Geschäftsmodellen zu erwarten ist, kann man sich an die Schlichtungsstelle für den öffentlichen Personenverkehr e.V. soep-online.de wenden. Es werden Beschwerden geprüft und Schlichtungsvorschläge zur einvernehmlichen und außergerichtlichen Streitbeilegung erarbeitet. Das spart der Industrie Geld und Zeit, dem Kunden kaum Ärger.
  • Es wird durch die Fernbusunternehmen empfohlen, einen Gepäckanhänger an Koffern oder Reisetaschen anzubringen, auf welchem Name und Adresse des Reisenden sowie das Fahrtziel vermerkt ist. Dies erleichtert den Fahrern das Be- und Entladen von Gepäck in den Verladeraum und dient den Reisenden als Sicherheit vor Verwechselungen von Gepäckstücken beim Erhalt am Ausstieg. Die Gepäckanhänger werden von den Fernbusunternehmen beim Fahrscheinkauf zur Verfügung gestellt. Beim Kauf als Onlineticket erfolgt die Zustellung des Gepäckanhängers parallel zum Erhalt des Tickets als PDF-Version zum Selbstausdruck.

Weblinks[Bearbeiten]

Das vom Verkehrsclub Deutschland VCD empfohlene Online-Portal Busliniensuche.de verfügt über eine neutrale Fahrplanauskunft und Linienübersicht aller Fernbusunternehmen, Gründung von Fahrgemeinschaften und Mitfahrgelegenheiten sowie Sparpreisen für Eisenbahn-Fernverbindungen.

Eine Übersicht über alle in Deutschland fahrenden Fernbusse im Stil eines Kursbuchs gibt Simplex-Mobility.

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