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Ertholmene

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Ertholmene (Erbseninseln)
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Die Ertholmene sind eine Inselgruppe nahe der dänischen Ostseeinsel Bornholm.

Hintergrund[Bearbeiten]

Blick vom Turm auf den Hafen

Die Inseln Christiansø, Frederiksø und Græsholm bilden mit einigen weiteren kleinen Inseln eine Schärengruppe nordöstlich der dänischen Ostseeinsel Bornholm. Die Inseln werden die Ertholmene genannt (vermutlich vom dänischen Wort ært = Erbse abgeleitet), im deutschen Sprachraum wird zumeist die Bezeichnung Erbseninseln verwendet. Auf den beiden größeren Inseln Christiansø und Frederiksø leben knapp 100 Menschen in Häusern aus der früheren Festungsanlage, als welche die Ertholmene bis ins 19. Jahrhundert diente. Das unbewohnte Græsholm ist Vogelschutzgebiet.

Weitere (unbewohnte) Inseln sind Lilleø (0,2 ha), Høgebur (0,01 ha), Tat (0,4 ha), Tyveskær (0,1 ha), Vesterskær (0,4 ha) und Østerskær (0,1 ha). Zusammen mit Christiansø (22 ha), Frederiksø (4 ha) und Græsholm (9 ha) kommen die Erbseninseln damit gerade einmal auf eine Gesamtfläche von 0,36 km². "Erbsen" sind da sicher ein ganz passender Vergleich. Die höchste Erhebung der ebenso wie Bornholm aus Granit bestehenden Inseln ist der 22 m hohe Møllebakken auf Christiansø.

Die Ertholmene gehören offiziell nicht zu Bornholm, sondern sind als einziges Gebiet in Dänemark direkt dem Verteidigungsministerium unterstellt, dessen Verwalter (der Inselgouverneur) auf der Insel lebt.

Die Inseln haben eine lange Geschichte, denn so klein sie auch sind, so hatten sie dennoch eine wichtige militärische Bedeutung in der Geschichte Dänemarks. 1684 wurden die Inseln auf Anweisung des dänischen Königs zu einer Festung ausgebaut, die bis 1855 als Flottenstützpunkt und Gefängnis diente. Im Jahr 1810 wurde mit 829 Bewohnern - Soldaten und ihren Familien - die höchste Besiedlung der Inseln gezählt. Im Zweiten Weltkrieg waren die Ertholmene, wie das restliche Dänemark auch, von der deutschen Wehrmacht besetzt.

Tagestouristen auf den Ertholmene
Kirche von Christiansø mit Tagestouristen...

Die heutigen Einwohner leben vor allem vom Tourismus und dem Fischfang. Die kleine Gemeinschaft verfügt über Kaufmann und Arzt, Rettungswache und Kirche und sogar eine eigene Schule - wenn auch nur bis zum 7. Schuljahr.

Über 80.000 Menschen besuchen jedes Jahr die kleine Inselgruppe, die meisten nur für einen Tagesaufenthalt von wenigen Stunden. Dann bevölkern die Scharen - bei gutem Wetter sind die Fährboote oft bis zum letzten Platz ausgelastet - für knapp drei Stunden den Rundweg um die Insel, die Festungsmauern, Hafenkanten und die Terrasse des einzigen Gasthofs, um sie dann urplötzlich nach Ablegen des letzten Bootes zurück nach Bornholm wieder still zurückzulassen. Wer die Inseln in Ruhe kennenlernen möchte, bucht einen Platz für sein Zelt oder ein Zimmer im Vorhinein und bleibt ein paar Tage - erst dann erlebt man die Ertholmene so, wie auch die Einwohner es das ganze Jahr über tun: Ruhig und einsam, weit ab von allem Trubel draußen vor Bornholm und in Sichtweite der schwedischen Küste in der Ostsee gelegen.

Anreise[Bearbeiten]

Am Hafen

Die Ertholmene sind nur mit dem Schiff erreichbar. Es bestehen in der Sommersaison tägliche Personenfährverbindungen von Gudhjem mit einem Passagierboot, außerhalb der Saison mehrfach wöchentlich mit dem Postschiff Peter, das in Gudhjem liegt.

Autos und auch Fahrräder sind auf den Inseln nicht erlaubt. Handkarren und Fahrradanhänger mit Gepäck werden aber ebenso wie Kinderwagen und Rollstühle auf den kleinen Personenbooten mitgenommen.

Segler finden einen Liegeplatz in dem kleinen Hafen zwischen Christiansø und Frederiksø.

Mobilität[Bearbeiten]

Brücke zwischen den Inseln mit dem Festungsturm im Hintergrund

Die Inseln können nur zu Fuß erkundet werden. Die beiden Inseln Christiansø und Frederiksø sind durch eine wirklich sehr schmale Fußgängerbrücke miteinander verbunden - ein doppelsitziger Kinderanhänger ist das Maximum, was an Breite gerade durchpasst.

Die Wegequalität auf den Ertholmene erfordert einiges an Trittsicherheit, Schuhe mit schmalen, hohen Absätzen sind garantiert das falsche Schuhwerk für die Inseln. Die Wege sind entweder naturbelassen (Stein oder Sand) oder mit grobem bis sehr grobem Pflaster belegt, was auch die Nutzbarkeit mit einem Kinderbuggy mit sehr kleinen Rädern stark einschränkt. Wheelchair-red3.png Ebenso ist die Insel nicht barrierefrei und nur sehr bedingt rollator- oder rollstuhltauglich.

Da die Inseln unter Natur- und Denkmalschutz stehen, müssen einige Verhaltensregeln beachtet werden:

  • Die Festungsmauern sollten wegen der Brüchigkeit nicht betreten werden.
  • Hunde und Katzen dürfen u.a. wegen der offenen Trinkwasserreservoirs nicht mit auf die Inseln gebracht werden.
  • Abfälle müssen in die Müllbehälter entsorgt oder wieder mitgenommen werden
  • Blumen pflücken und das Mitnehmen von Pflanzen und Steinen ist verboten, ebenso dürfen keine Eier, Vögel oder andere Tiere mitgenommen werden.
  • Während der Vogelbrutzeit ist der Aufenthalt außerhalb der Festungsmauern nicht erlaubt, ebenso sollten in dieser Zeit die Wege nicht verlassen werden.
Wohnhäuser auf Christiansø

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Christiansø[Bearbeiten]

  • 1 Store Tårn. der Festungsturm ist das Wahrzeichen der Inselgruppe. Er ist allerdings nur noch als Ruine erhalten, die von dem 1805 ergänzten Leuchtturm überragt wird, mit dem ersten Spiegelfeuerwerk Dänemarks. Geöffnet: Geöffnet Juni-Sept. 12.00-16.00 Uhr. Typ ist Gruppenbezeichnung
  • 2 Typ ist Gruppenbezeichnung Im Kommandantenhaus wohnt noch heute der Inselgouverneur, es ist das erste Gebäude, auf das Besucher nach dem Verlassen der kleinen Fährschiffe zugehen.
  • 3 Typ ist Gruppenbezeichnung Soldatenhäuser, die gelb gestrichenen früheren Wohnhäuser der Festungssoldaten werden auch heute noch als Wohnraum genutzt. Sie liegen rechts und links der Gaden, der einzigen "Straße" der Insel.
  • Festungsmauer: Weitgehend erhalten, wenn auch zunehmend bröckelig zieht sich die Festungsmauer um die Insel, und man kann ihr einmal entlang folgen. Am nord-östlichen Ende bei 4 Typ ist Gruppenbezeichnung Verdens end gelangt man durch einen schmalen Durchbruch wieder ins Innere der Festung.
  • 5 Typ ist Gruppenbezeichnung Batterien: Im Süden oberhalb der Einfahrt zum Hafen steht ein Rest der Inselverteidigungsanlagen.
  • 6 Typ ist Gruppenbezeichnung Die Kirche ist nicht frei zugänglich, sondern in der Regel nur im Rahmen einer Führung. Das Gebäude war ursprünglich eine Waffenschmiede, die 1821 in eine Kirche umgewandelt und 1852 erweitert wurde. 1928 wurde sie im neuklassizistischen Stil erneuert. Restauriert 2007/2008.
Lille Tårn auf Frederiksø

Frederiksø[Bearbeiten]

  • 7 Typ ist Gruppenbezeichnung Im Lille Tårn befindet sich das
  • Inselmuseum. Tel.: +45 56 46 20 13. Geöffnet: vom 1.5 - 30.9 Mo–Fr 11.30-16.00 Uhr, Sa + So 11.30-14.00. In der Hochsaison täglich 11.30-16.00 Uhr. In den dänischen Herbstferien werktags 11.30-13.00 Uhr.

Græsholm[Bearbeiten]

Græsholm
  • 8 Typ ist Gruppenbezeichnung Die Sehenswürdigkeiten Græsholms sind die tierischen Bewohner der kleinen Schäreninsel: Tordalken und Trottellumme, Silbermöwe, Heringsmöwen und Eiderenten. Das Vogelschutzgebiet darf jedoch nur zu Forschungszwecken betreten werden.

Aktivitäten[Bearbeiten]

  • Rundgang über die Insel mit einer Besichtigung der Festungsmauer, der Batterien und des Exerzierplatzes.
  • Bibliothek. Wer länger bleibt und dänisch kann, kann auch in der Bibliothek gleich neben dem Kaufmann Literatur ausleihen. Geöffnet: Mo + Do 15.00 – 17.00 Uhr. Typ ist Gruppenbezeichnung
  • An der Ostseite von Christiansø kann man auf den Felsen zumeist die Gelegenheit für ein Sonnenbad nutzen.

Einkaufen[Bearbeiten]

Zwei Einkaufsmöglichkeiten gibt es auf den Erbseninseln: den Kiosk und den

  • 1 Købmand (Kaufmann). Typ ist Gruppenbezeichnung
  • Der Kiosk hat nur von Mai bis September, der Kaufmann das ganze Jahr über geöffnet. Man wundere sich nicht, wenn alle Internetlinks einen doch auf die gleiche Seite führen: Kiosk und Kaufmann, Kro und Hotel sind alles in einer Hand.

Ein allzu differenziertes Angebot darf man nicht erwarten, die Versorgung mit Grundnahrungsmitteln und anderen Bedarfsgütern des täglichen Lebens ist jedoch gesichert. Wer für einen mehrtägigen Aufenthalt z.B. auf dem Campingplatz spezielle Ernährungswünsche hat, sollte ggf. die entsprechenden Lebensmittel bereits mitbringen - wobei dann wieder an das Transportproblem zu denken ist, da man alles Gepäck ab Anlegestelle der Fährschiffe zu Fuß transportieren muss.

Preislich liegt das Niveau etwas über dem von Bornholm, was aufgrund der aufwändigen Anlieferung jedoch nicht weiter verwunderlich sein wird.

Küche[Bearbeiten]

  • 1 Kro. Tel.: +45 56 46 20 15. Restaurant und Gaststube, im Sommer Terrasse. Typ ist Gruppenbezeichnung

Probieren sollte man den Hering Ruths Sild, der auf Frederiksø nach einem traditionellen Rezept zubereitet wird.

Unterkunft[Bearbeiten]

Es gibt nur wenige Unterkünfte auf Ertholmene, daher sollte man unbedingt vorbuchen - Wildzelten ist nicht erlaubt, und nicht entdeckt zu werden ist aufgrund der geringen Größe der Insel kaum möglich.

  • 1 Zeltplatz. E-Mail: . 24 Zeltplätze und eine Hütte bietet dieser kleine, einfache Zeltplatz nahe der Schule, der über eine einfache Kochgelegenheit hinaus keinen weiteren Service bietet. Öffentliche Toiletten und Waschgelegenheiten in der 300 m entfernten Wache. Geöffnet: Geöffnet 1. Mai - 31. Aug. Typ ist Gruppenbezeichnung
  • 2 Christiansøs Gæstgiveri (Hotel), Christiansø 10, 3760 Gudhjem. Tel.: +45 56 46 20 15, E-Mail: . 6 Zimmer, teilweise mit schönem Blick direkt auf den Hafen und Frederiksø. Typ ist Gruppenbezeichnung

Gesundheit[Bearbeiten]

Ein Arzt lebt auf den Ertholmene, Tel. +45 56 46 20 82, Sprechstunden an Werktagen von 9 - 11 Uhr. Es gibt keinen Zahnarzt, dieser kommt nur etwa dreimal jährlich auf die Inseln. Als Reisender muss man also im zahnmedizinischen Notfall auf das nächste Boot aufs Bornholmer Festland warten.

In medizinischen Notfällen wählt man die Nummer +45 56 46 20 14, es gibt eine dauerhaft besetzte Wache auf den Inseln.

Post auf den Ertholmene

Praktische Hinweise[Bearbeiten]

Für alle offiziellen Dinge ist der Inselverwalter zuständig:

Die Inselpost ist kaum zu übersehen - anhand des roten Briefkastens am Hafen. Briefmarken bekommt man beim Kaufmann.

Literatur[Bearbeiten]

Doris Brockmann: Die Erbseninseln. Zehn Passagen zur wohl kleinsten Inselgruppe Europas. Wien 2014. Edition Krill. ISBN 978-3902919-01-4

Weblinks[Bearbeiten]

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