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Deir Abū Mattā

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Deir Abū Mattā ·دير أبو متى
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Die archäologische Stätte Deir Abu Matta (auch Deir Abu Metta, arabisch: ‏دير أبو متى‎, Dair Abū Mattā, „Kloster des Vaters des Matthäus“) im Norden der ägyptischen Senke ed-Dāchla ist der Ort eines frühchristlichen Klosters und stellt eines der bedeutendsten Denkmäler aus dieser Zeit in dieser Senke dar.

Hintergrund[Bearbeiten]

Die Stätte wurde erstmals 1819 vom Italiener Bernardino Drovetti (1776–1852) als Lehmziegelheiligtum benannt[1] und 1908 vom amerikanischen Ägyptologen Herbert Eustis Winlock (1884–1950) erneut aufgesucht und beschrieben.[2] 1979/1980 wurde sie von Mitarbeitern des Dakhleh Oasis Project (DOP) unter Leitung des kanadischen Archäologen Anthony J. Mills freigelegt. Eine erneute Untersuchung des Geländes mit dem Schwerpunkt christlicher Bestattungen im Bereich der Klosterkirche erfolgte im Dezember 2007 und Januar 2008 unter Leitung von Gillian E. Bowen.[3]

Funde von Keramik- und Glasscherben (4.–5. Jahrhundert), von Münzen aus der Zeit der römischen Kaiser Constans (320/323–350) und Theodosius I. (347–395) und einer griechisch geschriebenen Namensliste auf einem Ostrakon (Steinscherbe, 4.–5. Jahrhundert) zeigen an, dass es eine Kirche mindestens seit der Mitte des 4. Jahrhundert gegeben haben muss und dass das Areal auch im 5. Jahrhundert genutzt wurde. Bisher wurden mindestens drei Bauphasen nachgewiesen. Die heutigen Ruinen wurden von Grossmann in die Zeit deutlich vor der arabischen Eroberung, etwa in das späte 6. Jahrhundert datiert.

In unmittelbarer Nähe der Kirche wurden Strukturen gefunden, wie sie zu einem Kloster gehörten. Westlich der Kirche befinden sich z.B. die Fundamente des Wehrturms. Zu den Funden gehören auch mehrere christliche Bestattungen.

Anreise[Bearbeiten]

Die archäologische Stätte befindet sich an der Westseite der Straße von Mut nach Qasr ed-Dachla, und zwar etwa zwei Kilometer südlich von Budchulu bzw. etwa drei Kilometer nordwestlich von er-Rāschda (arabisch: ‏الراشدة‎) und 20 Kilometer nördlich von Mut.

Die Stätte kann mit einem normalen PKW, Taxi oder Minibus erreicht werden.

Mobilität[Bearbeiten]

Die Stätte befindet sich etwa 100 Meter von der Straße entfernt und lässt sich leicht zu Fuß ergründen.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Blick nach Osten im Inneren der Basilika von Deir Abū Mattā
Nordteil der Basilika von Deir Abū Mattā mit nördlicher Konche

Auf einer kleinen, sandigen Anhöhe befindet sich die Kirche von Deir Abū Mattā. Die dreischiffige Pfeilerbasilika ist von Ost nach West ausgerichtet, etwa 26 × 12 Meter groß und wurde aus luftgetrockneten Lehmziegeln errichtet. Die etwa 1 Meter dicken Mauern stehen noch bis in eine Höhe von 6,5 Metern an und besaßen Fenster in etwa 3 Metern Höhe.

Bisher wurde nur ein etwa 85 Zentimeter breiter Eingang anhand der noch vorhandenen Schwelle gefunden, der sich im äußersten Westen der Nordwand befindet. Es ist nicht klar, ob dies der Haupteingang war, ein weiterer Eingang könnte sich an der Westseite befunden haben.

Die Kirche besaß keinen Narthex (Vorraum), man gelangte so im Westen gleich in den Westumgang, der die beiden Seitenschiffe miteinander verband. Das etwa 4,5 Meter breite Mittelschiff wurde einst durch je sieben Pfeiler von den Seitenschiffen abgetrennt, zwei weitere Pfeiler trennten das Mittelschiff vom Westumgang ab. Heute sind nur noch Reste der westlichen Pfeiler erkennbar.

Das Allerheiligste ist in Form eines Dreikonchenchores angelegt, d.h., an einen etwa quadratischen Raum grenzten je eine Apsis im Osten, Norden und Süden. An beiden Seiten des Sanktuars befinden sich schmale L-förmige Nebenräume, die um die Seitenapsiden herumragen.

Die Decke bestand sicher aus (Palmen-)Stämmen, deren Auflager sich noch im Mauerwerk abzeichnen.

Unterkunft[Bearbeiten]

Unterkünfte gibt es in Mut, ed-Duhūs und in Qasr ed-Dachla.

Ausflüge[Bearbeiten]

Diese Stätte lässt sich gemeinsam mit anderen Dörfern oder Stätten im Nordwesten der Senke wie Budchulū, Qaṣr ed-Dāchla und Deir el-Ḥagar besuchen.

Literatur[Bearbeiten]

  • Mills, A.J.: Dakhleh Oasis Project : Report on the Third Season of Survey, September–December, 1980. In: Journal of the Society for the Study of Egyptian Antiquities (JSSEA), ISSN 0383-9753, Bd. 11 (1981), S. 175–192, insbesondere S. 185, Tafel 11. Die Kirche wurde aber ungenau als ein Gebäude mit neun Räumen beschrieben.
  • Grossmann, Peter: Christliche Architektur in Ägypten. Leiden [u.a.] : Brill, 2002, (Handbuch der Orientalistik ; Abt. 1: Der Nahe und der Mittlere Osten ; 62), ISBN 978-90-04-12128-7, S. 565 f., Abb. 180, Tafel XVI.a.

Einzelnachweise

  1. Drovetti, [Bernardino]: Journal d’un voyage à la vallée de Dakel. In: Cailliaud, Frédéric ; Jomard, M. (Hg.): Voyage à l’Oasis de Thèbes et dans les déserts situés à l’Orient et à l’Occident de la Thébaïde fait pendant les années 1815, 1816, 1817 et 1818. Paris : Imprimerie royale, 1821, S. 99–105, insbesondere S. 104.
  2. Winlock, H[erbert] E[ustis]: Ed Dākhleh Oasis : Journal of a camel trip made in 1908. New York : Metropolitan Museum of Art, 1936, (The Metropolitan Museum of Art, Dept. of Egyptian Art ; 5), S. 24, Tafeln XII unten, XIII oben.
  3. Bowen, Gillian E. : Report to the Supreme Council of Antiquities on the Survey and Testing at Deir Abu Metta and a Christian cemetery at Muzawwaqa in 2008, Centre for Archaeology and Ancient History, Monash University Fieldwork in Dakhleh Oasis.

Weblinks[Bearbeiten]

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