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Deir Abū Mīnā

Welterbe in Ägypten
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Aus Wikivoyage
Gebäude für Unterkünfte und Verwaltung, Deir Abu Mina
Deir Abū Mīnā · دير أبو مينا
GouvernementAlexandria
Einwohnerzahl
Höhe37 m
Lagekarte des Nildeltas in Ägypten
Lagekarte des Nildeltas in Ägypten
Deir Abū Mīnā

Das moderne, ab 1961 errichtete Kloster Deir Abu Mina (auch Deir Abu Mena, Menaskloster, arabisch: ‏دير أبو مينا, Dair Abū Mīnā) ist eine bedeutende ägyptische Klosteranlage etwa 70 Kilometer südwestlich von Alexandria in der Mariotis-Wüste im Raum Burg el-ʿArab in etwa 17 Kilometern Entfernung zur Mittelmeerküste. Das Kloster wurde am Nordrand der einstigen koptische Pilgerstätte Abū Mīnā errichtet, die zu Ägyptens (gefährdeten) Unesco-Weltkulturerbestätten zählt.

Hintergrund

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Hl. Menas

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Antiken Schriften zufolge wurde der hl. Menas, arabisch: Abū Mīnā, 275 in Phrygien (wohl eher in Libyen als in Ägypten gelegen) geboren. Seine Eltern, Euphemia und Eudoxios, waren wohlhabend, sein Vater Eudoxios war Präfekt. Er genoss eine christliche Erziehung. Als Jugendlicher verliert er beide Eltern. Dessen Erbe verteilte er an Hilfebedürftige als Folge des Erlasses von Diocletian und Maximian und zog sich in die Wüste zurück. 296 entschloss er sich, sich dem Präfekten zu stellen, um ihm seinen christlichen Glauben zu bekennen. Der Präfekt ließ ihn auf das Schlimmste foltern, auf dass er vom christlichen Glauben abschwören sollte. Er aber blieb in seinem Glauben standhaft.

Der fromme Athanasius und seine Getreuen sammelten die sterblichen Überreste des hl. Menas ein und brachten sie um 312 bis 315 nach beschwehrlicher Seereise nach Alexandrien. Sie packten nun seine Überreste auf ein Kamel, um sie durch die Sümpfe der Mariotis zu tragen. Als sie in der Wüste ankamen, verweigerte das Kamel den Weitertransport. Ein neues, frisches Kamel wurde herbeigeführt, aber auch dieses verweigerte den Weitertransport. Nachdem auch weitere Kamele den Weitertransport verweigerten, sah Athanasius dies als göttliches Zeichen an, bestattete die Reliquien des hl. Menas in einem Holzsarg und errichtete eine kleine Kapelle an dieser Stelle.

Entwicklung der Pilgerstätte

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Es wurde in der Folge von wundersamen Heilungen Kranker am Grabe des hl. Menas berichtet, so dass der Ort bald das Ziel zahlreicher Pilger wurde.

Die erste Kirche wurde zwischen 320 und 325 über dem Grab des hl. Menas errichtet und unter Athanasius der Große, dem 20. Patriarchen von Alexandrien (Regentschafdt 328–373), erweitert. Um dem wachsenden Besucheransturm gerecht zu werden, veranlasste Theophilos von Alexandria, der 23. Patriarch (Regentschaft 384–412), den Neubau einer großen kreuzförmigen Basilika über der Grabstätte in der Zeit von 385 bis 412. Anfang des 6. Jahrhunderts wurde diese Basilika erneut durch einen größeren Neubau ersetzt. Gästehäuser, Bäder und weitere Kirchen wurden für die Pilger errichtet, so dass sich der Pilgerort zu einer kleinen Stadt entwickelte. Lange Zeit blieb die Pilgerstätte von Übergriffen verschont. 836 ließ der Kaliph Muʿtasim (Regierungszeit 833–842) diese und andere Stätten in Ägypten für seine Privatresidenz in Samarra im heutigen Irak schleifen. Der Patriarch Anba Yusab (Joseph) ließ den zerstörten Bau jedoch nur teilweise durch eine fünfschiffige Basilika mit einer Apsis im Osten im Westteil der ehemaligen Basilika ersetzen. Bis zum 14. Jahrhundert verblasste der Ruhm der Pilgerstätte zusehends, wohl auch als Folge eines dramatischen Bevölkerungsrückgangs in dieser Region. So wurden in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts die Reliquien des hl. Menas nach Kairo/Alt-Kairo in die dortige Kirche des hl. Menas in Fumm el-Chalīg überführt.

1905 wurden die Überreste dieser alten Pilgerstätte vom deutschen Archäologen Carl Maria Kaufmann (1872–1951) wiederentdeckt und wissenschaftlich untersucht. Erneute archäologische Untersuchungen wurden ab 1961 unter Peter Grossmann durchgeführt. Wichtige Funde sind heute im Griechisch-römischen Museum von Alexandria und im Koptischen Museum von Kairo ausgestellt.

Die Pilgerstätte Abū Mīnā wurde 1979 zum Unesco-Weltkulturerbe erklärt. 2001 wurde sie auf die Rote Liste gefährdeter Weltkulturerbestätten gesetzt.

Bau des Klosters

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Unter dem Patriarchen Kyrillos VI. (Regentschaft 1959–1971) erfolgten ab 1959 Restaurationen der antiken Stätte. Es wurde das Gelände östlich der antiken Anlagen erworben, um darauf eine neue Klosteranlage zu errichten. 1961 wurde der Grundstein zur Kathedrale gelegt, die Baumaßnahmen starteten 1969. Heute (2005) ist die Kathedrale (fast) fertiggestellt. 1962 wurden Teile der Reliquien des hl. Menas zum Kloster zurücküberführt. Am 24. November 1972 wurde der Leichnam des Patriarchen Kyrillos VI. in die Kathedrale überführt und hier bestattet.

Anreise

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Das Kloster kann nur mit einem Auto erreicht werden. Die einfachste Anreisemöglichkeit besteht in der Nutzung eines Taxis von Alexandria aus. Der Taxifahrer sollte ortskundig sein.

Drei mögliche Anreisewege mit öffentlichen Verkehrsmitteln von Alexandria aus sind bekannt. Bezeichnen Sie Ihr Ziel als Mār Mīnā (‏مار مينا‎), ad-Deir (‏الدير‎) oder Burg el-ʿarab (‏برج العرب‎):

  • Reiseführer und die Touristeninformationen nennen in der Regel folgenden Weg: Fahren Sie zuerst mit einem Minibus vom Hauptbahnhof Alexandrias (‏المحطة المصرية, al-Maḥaṭṭa al-miṣrīya) nach el-ʿĀmrīya (‏العامرية‎), Fahrpreis ca. LE 3. Von dort benutzen Sie bitte einen Minibus nach Bahīg (‏بهيج‎), Fahrpreis ca. LE 3. Von Bahīg aus müssen Sie den Rest des Weges mit einem normalen Taxi bewältigen. Dies scheint allerdings der aufwändigste Anreiseweg zu sein.
  • Zumindest an Freitagen und Sonntagen vormittags gibt es einen einfacheren Weg: Fahren Sie zuerst mit einem Minibus vom Hauptbahnhof Alexandrias (‏المحطة المصرية, al-Maḥaṭṭa al-miṣrīya) in Richtung el-ʿĀmrīya (‏العامرية‎), Fahrpreis ca. LE 3. Sie steigen aber bereits davor in Kāfūrī (‏كافوري‎) an der dortigen Haltestelle für Minibusse aus. Von dort aus fahren Sie direkt mit einem Minibus zum Kloster, Fahrpreis ca. LE 3. Dies ist wohl der eleganteste Weg.
  • Fahren Sie zuerst mit einem Minibus vom Hauptbahnhof Alexandrias (‏المحطة المصرية, al-Maḥaṭṭa al-miṣrīya) zum Busbahnhof el-Mauqif el-gadīd (‏الموقف الجديد‎) südlich von Alexandria. Von dort aus fahren Sie mit einem anderen Minibus in die Nähe des Klosters.

Der Rückweg gestaltet sich meist einfacher: Fragen Sie bei einem Fahrer der auf dem Parkplatz vor dem Kloster wartenden Busse oder Minibusse, ob er Sie nach Alexandria mitnehmen kann (Fahrpreis etwa LE 5). Nennen Sie dem Fahrer auch Ihr eigentliches Ziel, so wird er Sie einer einer für Sie günstigen Bus- oder Straßenbahnhaltestelle absetzen.

Sehenswürdigkeiten

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Kloster des Abū Mīnā

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Das 1 Kloster (30° 51′ 12″ N 29° 40′ 0″ O) beherbergt neben den Unterkünften für die Mönche sieben Kirchen: die wichtigsten sind die Kirche der hl. Jungfrau Maria und die Kathedrale des hl. Menas. Die Kathedrale beherbergt die Reliquien des hl. Menas (in einem Raum südlich des Hauptschiffes) und im Altarbereich des Grab von Kyrillos VI. Die Kathedrale lässt sich von der Westempore aus gut überblicken. Das Kloster ist täglich in der Zeit von 6 Uhr bis 22 Uhr geöffnet. In der vorösterlichen Fastenzeit kann das Kloster nicht besucht werden.

Kathedrale des Klosters Abū Mīnā
Mosaik des Abū Mīnā in der Kathedrale des Klosters Abū Mīnā
Einheimische beim Gebet an der Reliquie des hl. Menas in der Kathedrale des Klosters Abū Mīnā

Antike Pilgerstadt Abū Mīnā

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Unmittelbar südlich des Klosters erstreckt sie die antike Pilgerstadt.

Die 2 Große Basilika mit Gruftkirche von Abu Mina (30° 50′ 28″ N 29° 39′ 46″ O) ist etwa 2 Kilometer südlich des Neuen Klosters gelegen. Der Bau ist dreigeteilt: der 38 m langen Gruftkirche ist die 67 m lange Große Basilika im Osten und das Baptisterium (Taufkirche) im Westen vorgelagert. Um diesen Kirchenkomplex sind noch die Überreste von Mönchswohnungen, Pilgersiedlungen, Reinigungsbäder, der große Pilgerplatz, die Räume für erkrankte Personen, Straßen uvm. erkennbar.

Blick durch die Basilika zur Apsis
Apsis der Basilika
Säulenbasis in der Basilika
Mit Kreuz versehenes Säulenkapitell
Verschütteter Eingang zur Krypta

Beim Besuch der antiken Pilgerstätten ist große Vorsicht geboten! Das Gelände ist unterspült, man kann durchaus einbrechen. Man meide auf dem Weg bereits eingebrochene Stellen, Stellen mit Bewuchs oder Stellen, an denen das Grundwasser bereits die Oberfläche erreicht hat. Bei jedem Schritt prüfe man, ob das Erdreich nachgibt. Die Mönche helfen Ihnen, einen geigneten Weg zu finden. Bitte respektieren Sie den Wunsch der Mönche, Sie gerade im Hochsommer nicht bis zu alten Klosteranlagen begleiten zu können.

Die Krypta der Gruftkirche kann nicht besichtigt werden.

Aktivitäten

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Besucher können an den Messen teilnehmen. Insgesamt finden täglich 22 Messen in den sieben Kirchen im Zweistundentakt von 4 Uhr bis 12 Uhr (Ende) statt, die bedeutsamsten in der Kathedrale und in der Kirche der hl. Jungfrau. Die Mönche des Klosters kümmern sich um ihre Gäste und beantworten Fragen zum Kloster.

Respekt

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In koptischen Kirchen herrscht Geschlechtertrennung. Frauen begeben sich zur Messe in den rechten (südlichen), Männer bzw. deren Familien in männlicher Begleitung in den linken Teil der Kirche(n).

Einkaufen

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Im Kloster können Souvenirs wie z. B. Abbildungen und Plaketten der christlichen Familie und verschiedener Märtyrer und Bücher zur Liturgie und zum Christentum in Ägypten, zumeist in arabischer Sprache, erworben werden.

Küche

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Für die zahlreichen Pilger wird zur Mittagszeit ein kostenloses und einfaches Mahl aus Brot und Bohnen gereicht.

Unterkunft

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Unterkunftsmöglichkeiten finden Sie im nahe gelegenen Alexandria oder el-ʿAlamein. Ob Gästezimmer im Kloster zur Verfügung stehen erfahren Sie auf Anfrage beim Kloster.

Praktische Hinweise

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Telefon: (03) 459 3401/5, Mobil: 0122392326, Fax: (03) 459 6565, Email: stmina@stmina.info. Anschrift: Deir Mar Mina, 9 Borg el-Arab el-Gadida, Alexandria, Egypt - Postleitzahl 21934.

Ausflüge

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Der Besuch des Klosters lässt sich mit dem Besuch von el-ʿAlamein und/oder Taposiris magna verbinden.

Literatur zur antiken Pilgerstätte

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  • Populärwissenschaftliche Beschreibungen:
    • Kaufmann, Carl Maria: Der Menastempel und die Heiligtümer von Karm Abu Mina in der Mariûtwüste : ein Führer durch die Ausgrabungen der Frankfurter Expedition. Frankfurt a.M.: Baer, 1909.
    • Kaufmann, Carl Maria: Die heilige Stadt der Wüste : unsere Entdeckungen, Grabungen und Funde in der altchristlichen Menasstadt / weiteren Kreisen in Wort und Bild geschildert. Kempten, München: Kösel, 1918. Die vierte Auflage erschien 1924.
  • Wissenschaftliche Abhandlungen:
    • Kaufmann, Carl Maria: Die Ausgrabung der Menas-Heiligtümer in der Mareotiswüste : Bericht über die von C. M. Kaufmann und J. C. E. Falls veranstaltete Ausgrabung des Nationalheiligtums der altchristlichen Aegypter. Kairo: Diemer, Finck & Baylaender, 1906–1908. Drei Bände.
    • Grossmann, Peter: Abū Mīnā ; 1: Die Gruftkirche und die Gruft. Mainz am Rhein: von Zabern, 1989, Archäologische Veröffentlichungen ; 44, ISBN 978-3-8053-0508-2.
    • Grossmann, Peter: Abū Mīnā ; 2: Das Baptisterium. Mainz am Rhein, 2004, Archäologische Veröffentlichungen ; 54, ISBN 978-3-8053-0609-6.
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