Erioll world 2.svg

Biʾr Ṭawīl

Aus Wikivoyage
Welt > Afrika > Nordafrika > Biʾr Ṭawīl
Zur Navigation springen Zur Suche springen
kein(e) Bild auf Wikidata: Bild nachtragen
Biʾr Ṭawīl ·بئر طويل
kein Wert für Einwohner auf Wikidata: Einwohner nachtragen

Bi'r Tawil, arabisch: ‏بئر طويل‎, „Brunnen Ṭawīl“ oder wörtlich „langer Brunnen“, ist das einzige Festlandgebiet neben dem Marie Byrd Land in der Antarktis, das offiziell eine Terra Nullius, ein Niemandsland, darstellt. Das zwischen Ägypten und Sudan östlich des Nils gelegene näherungsweise trapezförmige Wüstengebiet gehört zu keinem Staat und wird auch von keinem Staat beansprucht. Das Gebiet ist völlig unbewohnt und bietet kaum Sehenswertes.

Hintergrund[Bearbeiten]

Lage[Bearbeiten]

Biʾr Ṭawīl liegt zwischen Ägypten und Sudan, südlich des 22. Breitengrads. Die Entfernung bis zum Nassersee beträgt etwa 240 Kilometer, die zum Roten Meer 330 Kilometer. Die Ost-West-Ausdehnung beträgt im Norden etwa 95 Kilometer, im Süden 46 Kilometer. Die Nord-Süd-Ausdehnung liegt zwischen 25 und 31 Kilometer.

Grenzstreitigkeiten zwischen Ägypten und Sudan[Bearbeiten]

Seit der Unabhängigkeit Sudans von Ägypten am 1. Januar 1956, die erst nach dem Militärputsch der Freien Offiziere 1952 möglich geworden war, gibt es zwischen beiden Ländern bis heute ungelöste Grenzstreitigkeiten, die sich hauptsächlich auf das rohstoffreiche sog. Ḥalāʾib-Dreieck beziehen. In diesem Bereich gibt es sowohl eine Staatsgrenze als auch eine Verwaltungsgrenze aus der Zeit der anglo-ägyptischen Besatzung. Am 19. Januar 1899 wurde einerseits die internationale Grenze zwischen dem Anglo-Ägyptischen Sudan und Ägypten im sog. Anglo-Ägyptischen Kondominium-Übereinkommen[1] auf den 22. nördlichen Breitengrad festgelegt. Da die Verwaltung dieses Gebiets sich aber vom Sudan aus einfacher gestaltete, wurde am 4. November 1902 zusätzlich eine getrennte Grenzziehung im Sinne einer Verwaltungsgrenze durch die Regierung des Vereinigten Königreichs festgelegt. Die von beiden Grenzen eingeschlossenen Gebiete sind das Ḥalāʾib-Dreieck und Biʾr Tawīl.[2]

Jeder Versuch, die staatliche Souveränität über Biʾr Tawīl zu erlangen, untergräbt automatisch auch die jeweilige Position im Streit um das Ḥalāʾib-Dreieck. Aus diesem Grund erheben weder Ägypten noch Sudan Anspruch auf dieses 2.060 km² große Gebiet, und es stellt faktisch, aber nicht notwendigerweise völkerrechtlich Niemandsland dar.

Eigentlich gibt es noch ein drittes umstrittenes Gebiet, das Wadi Halfa Salient, eine Ausbuchtung nach Norden entlang des Nils. Das Gebiet mit seinen einstmals 52 Dörfern ist heute aber fast vollständig vom Nassersee überflutet. Um dieses Gebiet gibt es deshalb keine Auseinandersetzungen.

Angesichts der Abgelegenheit und der unwirtlichen Umgebung sind in Biʾr Ṭawīl keine Einwohner zu finden.

In letzter Zeit gab es Versuche von Einzelpersonen, eine Mikro-Nation in diesem Bereich zu etablieren. So proklamierte z. B. am 16. Juni 2014 der US-Amerikaner Jeremiah Heaton dieses Gebiet als Königreich Nordsudan – sozusagen als Geburtstagsgeschenk für seine siebenjährige Tochter Emily, die dann auch noch zur Prinzessin erhoben wurde. Natürlich hatte Heaton auch noch eine Flagge für das Königreich entworfen.[3] Für diese Inbesitznahme gibt es wohl keine juristische Grundlage, und das Königreich besitzt keine internationale Anerkennung.

Anreise[Bearbeiten]

Karte von Biʾr Ṭawīl

Aufgrund seiner abgeschiedenen, isolierten Lage ist der Zugang zu diesem Gebiet extrem schwierig. Der nächstgelegene Flughafen in der Gegend ist der Flughafen Abu Simbel bei Abu Simbel in Ägypten. Seine Entfernung beträgt 220 Kilometer Luftlinie.

Es gibt keine Straßenanbindung nach Biʾr Ṭawīl. Es soll jedoch verschiedene Pisten geben.

Für die Rückkehr nach Sudan oder Ägypten benötigt man eine im Voraus zu besorgende Aufenthaltsgenehmigung für das jeweilige Land. Das Überschreiten der Nordgrenze von Biʾr Ṭawīl ist schwierig, weil sie von ägyptischen Grenzeinheiten überwacht wird.

Eine Durchreise von Ägypten nach Sudan oder umgekehrt über Biʾr Ṭawīl könnte als illegaler Grenzübertritt in das jeweilige Zielland gewertet werden, weil ein gültiger Einreisevermerk fehlt. Zwischen beiden Ländern gibt es gegenwärtig nur den Grenzübergang 1 Qusṭul-Aschkeit.

Mobilität[Bearbeiten]

Es gibt keine Straßen in Biʾr Ṭawīl, sondern nur Wüstenpisten. Aufgrund der Beschaffenheit des Untergrunds benötigt man entweder ein Allradfahrzeug oder ein Motorrad.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Biʾr Ṭawīl gibt es mehrere Berge, Bergtäler, die Wadis, und Quellen. Der Ostteil des Gebiets besteht hauptsächlich aus Gebirgszügen, der Westteil aus Sand- und Steinwüste.

Wie man an den Reifenspuren erkennen kann, werden die Täler Wādī Ṭawīl und Khawr Abū Bard auch heutzutage als Routen genutzt.

Aktivitäten[Bearbeiten]

Wie in allen Wüstengebieten fernab der Zivilisation kann man hier ungestört den Nachthimmel beobachten.

Es gibt hier natürlich keine Gesetzgebung, die irgendwelche Aktivitäten unter Strafe stellen könnte.

Küche[Bearbeiten]

Nahrung und Wasser müssen vollständig mitgebracht werden, da es hier nichts zu kaufen gibt und Pflanzen sehr spärlich vorzufinden sind.

Unterkunft[Bearbeiten]

Es gibt keine Ansiedlungen. Zelte müssen mitgeführt werden.

Sicherheit[Bearbeiten]

Es gibt natürlich keine staatlichen Stellen, die für Sicherheit und Hilfe in Notfällen sorgen könnten.

Ausflüge[Bearbeiten]

  • Biʾr Ṭawīl grenzt im Norden an Ägypten und im Süden an Sudan. Eine Weiterreise ist aber nur in das Land möglich, für das man einen gültigen Einreisestempel besitzt.

Einzelnachweise

  1. Kondominium bedeutet gemeinsam ausgeführte Herrschaft. Bis zur Selbständigkeit des Sudan wurde das Land sowohl von Ägypten als auch vom Vereinigten Königreich aus verwaltet.
  2. Sudan – Egypt (United Arab Republic) Boundary, International Boundary Study No. 18, Bureau of Intelligence and Research, United States Department of State, July 27, 1962.
  3. Ileana Najarro: Va. man plants flag, claims African country, calling it ‘Kingdom of North Sudan’, Nachricht der Washington Post vom 12. Juli 2014. — Diego González: El hombre que conquistó Bir Tawil para su hija, Beitrag im Fronteras Blog vom 16. Juli 2014.
Erioll world 2.svg