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Balāṭ

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Balāṭ ·بلاط
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Balat (arabisch: ‏بلاط‎, Balāṭ, „[Königs]hof“) ist eine Stadt und der Hauptort im östlichen Teil der ägyptischen Senke ed-Dāchla im Neuen Tal. Viele der Häuser des alten Dorfkerns sind heute noch bewohnt.

Hintergrund[Bearbeiten]

Balāṭ ist heute der Hauptort im östlichen Teil der Senke. Der Ort besteht wohl erst seit der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts. Der Name des Orts leitet sich wohl vom arabischen balad (arabisch: ‏بلد‎) für Ortschaft ab. Die gelegentlich von Einheimischen verwendete Bezeichnung Balāṭ el-Malik bedeutet Herrschersitz. Der alte Dorfkern befindet sich auf der Südseite der Fernverkehrsstraße nach Mūṭ, die „moderne“ Siedlung erstreckt sich auf der Nordseite.

Auch wenn sich in der Nähe mit ʿAin Aṣīl und Qilāʿ eḍ-Ḍabba zwei Stätten aus der altägyptischen 6. Dynastie befinden, so ist diese Ortschaft deutlich jünger. Der Ort wird erstmals vom ägyptischen Historiker Ibn Duqmāq (1349–1407) in seiner Liste von 24 Ortschaften der Senke genannt, in denen auch Reis angebaut wird.[1] Das Attribut groß erhielt Balāṭ im Gegensatz zur Nachbarortschaft el-Qaṣaba aber nicht.

Natürlich ist Balāṭ schon von den frühen Reisenden wie 1819 dem Briten Archibald Edmonstone (1795–1871)[2] und dem Italiener Bernardino Drovetti (1776–1852)[3], 1820 dem Franzosen Frédéric Cailliaud (1787–1869)[4], 1874 dem deutschen Afrikaforscher Gerhard Rohlfs (1831–1896)[5] sowie 1908 vom US-amerikanischen Ägyptologen Herbert Eustis Winlock (1884–1950)[6] aufgesucht worden. Edmonstone berichtet aus Bellatta über Akazienbäume, alte Lehmziegelgebäude, die sich nicht datieren ließen, und eine Beerdigung. Drovetti berichtete über eine große Ortschaft, die von einer Mauer umgeben war und 1.000 Einwohner besaß. Zum Bedeutungszuwachs von Balāṭ trug auch bei, dass die Einwohner von Tineida, die immer wieder Ziel von Beduinenübergriffen wurden, in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts nach Balāṭ umsiedelten. Zu dieser Zeit begannen auch die Einwohner el-Qaṣaba, sich in Balāṭ anzusiedeln.[7] John Gardner Wikinson (1797–1875), der die Senke 1825 besuchte, berichtete über 800 männliche Einwohner.[8] Rohlfs führte aus, dass in dem etwa 130 Meter hoch gelegenen Balāṭ einschließlich der umliegenden Weiler wie el-Baschandī 3.000 Einwohner lebten und dass es hier zwei Moscheen und viele Scheichgräber gab. Für das Jahr 1897 gab der britische Kartograf Hugh John Llewellyn Beadnell (1874–1944) 1.784 Einwohner an.[9] Nach Bliss wohnten hier 1983 6.197 Einwohner,[10] während der Zensus von 2006 nur noch 3.794 Einwohner ausweist.[11]

Die Zusammensetzung der Bevölkerung in Balāṭ ist sehr gemischt. Der Arabist Manfred Woidich berichtete über ein Gespräch mit einem wohl hundertjährigen Greis.[12] Der Greis erzählte von den ursprüngliche Familien, den Naǧǧarīn, Fuqaʾ und Abū ʿSēli, und von den zugezogenen. Die Ṣabbaghīn stammten aus Banī ʿAdī bei Asyūṭ, die ʿĒlt Abū Salāma, Aulad Abū Sidhum und el-Qabābna aus Siwa, die Chatāiba gelangten über Sōhāg und Bārīs aus dem Hedschas, die Rawābiḥ aus Tineida sowie die Rawāschda und Dahīra aus dem Westen (Maghreb, Westen der Oase ?). Ferner berichtete der Greis, dass natürlich früher alles besser war, die Erde war fruchtbarer. Heutzutage würden religiöse Werte vergessen. Landwirtschaft wurde in feudaler Weise betrieben. Dem ʿUmda (Bürgermeister) musste ein Drittel der Ernte abgeliefert werden. Geerntet wurde von Hand, gedroschen wurde mit den Füßen. Leider gab es auch Heuschrecken- und Rattenplagen.

Der deutsche Ethnologe Frank Bliss nannte den 1899/1900 (1317 AH) geborenen Imām Mubārīz el-Balāṭi, dessen Familie in Balāṭ seit dem Ende des 15. Jahrhunderts wohnte. Den zu Beginn des 18. Jahrhunderts aus Bārīs eingewanderten Chatāiba gelang in der Mitte des 18. Jahrhunderts ein bedeutender Aufstieg. Zudem beanspruchten sie für sich, den wahren Islam nach Balāṭ gebracht zu haben. Neben der Thachīra-Sippe aus el-Qaṣaba, die ursprünglich aus dem Raum Marrakesch stammte, gelangten im 18. Jahrhundert drei weitere Familien nach Balāṭ, die el-Gabārna, el-ʿAmāira und el-Maḥartha.

Für die Familiengeschichte können auch in Balāṭ die Türsturzbalken herangezogen werden, die hier aber erst sehr spät 1779 (1193 AH) einsetzen.[13]

Anreise[Bearbeiten]

Gasse im alten Dorf
Gasse im alten Dorf
Tür eines Hauses
Beschriftete Holzbalken
Detail eines anderen Balkens
Inneres der alten Moschee
Inneres der neuen Moschee
Ölmühle im alten Dorf
Friedhof von Balāṭ
Grab des Scheichs Ḥamūda
Grab des Scheichs Ḥamūda

Die Stadt befindet sich zu beiden Seiten der Fernverkehrsstraße von Tineida nach Mut, der alte Dorfkern unmittelbar auf der Südseite. Die Entfernung von Mut beträgt 32 Kilometer, die von Tineida 10 Kilometer. Es lässt sich mit PKW oder den selten verkehrenden öffentlichen Verkehrsmitteln (Busse, Minibusse) von der Bushaltestelle am Zentralkrankenhaus in Mut erreichen.

Mobilität[Bearbeiten]

Der alte Dorfkern lässt sich nur zu Fuß ergründen.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Die wichtigste Sehenswürdigkeit ist der alte 1 Dorfkern (25° 33′ 40″ N 29° 15′ 51″ O) im Süden der heutigen Stadt. Hier lohnt sich eine ausgiebige Wanderung. Im Gegensatz zu el-Qaṣr ist dies aber kein Museum. Es ist noch bewohnt. Allerdings sind die Bewohner zumeist alte Frauen und alteingesessene Familien. Die Jugendlichen ziehen ein Leben in „modernen“ Häusern aus Stein oder Beton vor.

Auch in Balāṭ wurden die Häuser aus Lehmziegeln errichtet. Die Wände wurden teilweise verputzt. Die Häuser bestanden aus zwei oder drei Geschossen. Die Türen besaßen einen halbkreisförmigen Abschluss oberhalb des hölzernen Türsturzes. Die Decken wurden aus Palmenstämmen angelegt, die mit Palmenblättern verbunden wurden. Die hölzernen Balken über den Türen berichten in ein- oder zweizeiligen Inschriften vom Besitzer des Hauses. Der Text wurde in Schönschrift, der Nas.chī, ausgeführt. An den äußeren Enden befinden sich kreisförmige Ornamente.

Die etwa anderthalb Meter breiten Gassen sind häufig überbaut. Im Bereich der Überbauung gibt es gelegentlich Bänke an den Seiten. An den lichten Stellen wurden teilweise Sträucher gepflanzt.

In der Altstadt gibt es noch mindestens zwei Moscheen. Die neue Moschee und Madrasa (Schule) besteht aus einem etwa 3 Meter hohen Gemeinderaum mit einer einfachen Gebetsnische, Mihrab, und einer gemauerten Kanzel, Minbar. Hier lassen sich durchaus auch Kinder in der Schule antreffen. Die alte Moschee ist deutlich flacher. Deren Decke wird von gedrungenen Säulen gestützt.

Auch in Balāṭ war Handwerk angesiedelt. Davon zeugt noch eine mittlerweile verkommene Ölmühle.

Im Süden des alten Dorfs erstreckt sich sein Friedhof, auf dem sich auch mehrere quadratische Kuppelgräber angesehener Scheichs befinden. Diese Kuppelgräber wurden aus Lehmziegeln errichtet. Die Kuppeln selbst besitzen zahlreiche Lichtöffnungen.

Das berühmteste Grab ist das des 1 Scheichs Ḥamūda Saʿad Allāh Ḥamdān (25° 33′ 32″ N 29° 15′ 51″ O), der 1540/1541 (948 AH) gestorben ist. Der Eingang zum Grab befindet sich im Osten. Der Grabraum ist quadratisch, die Kantenlänge beträgt etwa fünf Meter. Der Unterteil der Kuppel besteht aus zwei achteckigen Ringen. Das Grab ist innen und außen verputzt und geweißt. An den Wänden befindet sich in blauer Farbe eine einzeilige Inschrift mit Koranversen, Überlieferungen des Propheten Muḥammad und Versen des Scheichs ʿAbd el-Dāʾim (siehe auch el-Qaṣaba). An der Ostwand befindet sich eine Gebetsnische. In der Mitte stehen die Überreste des Kenotaphs, des Scheingrabs, des Verstorbenen.

Unterkunft[Bearbeiten]

Unterkünfte gibt es in Mut und in Qasr ed-Dachla.

Ausflüge[Bearbeiten]

Der Besuch von Balat lässt sich mit der Besichtigung der Mastabagräber der Gouverneure der 6. Dynastie in Qila' ed-Dabba und der pharaonischen Siedlung von ʿAin Aṣīl verbinden.

Literatur[Bearbeiten]

  • Castel, Georges ; Al-Waqīl, ʿAbd al-Laṭīf: Mausolée du cheikh Ḥamūda à Balāṭ (Oasis de Daḫla). In: Annales Islamologiques (AnIsl), Bd. 20 (1984), S. 183–196, Tafeln XXX–XXXIV.
  • Bliss, Frank: Wirtschaftlicher und sozialer Wandel im „Neuen Tal“ Ägyptens : über die Auswirkungen ägyptischer Regionalentwicklungspolitik in den Oasen der westlichen Wüste. Bonn : Politischer Arbeitskreis Schulen, 1989, (Beiträge zur Kulturkunde ; 12), ISBN 978-3921876145, S. 13, 97 f.
  • Hivernel, Jacques: Balat : étude ethnologique d’une communauté rurale. Le Caire : Institut Français d’Archéologie Orientale, 1996, (Bibliothèque d’étude ; 113).
  • Radwan, Maha Brence Ahmad: Architecture, change, and conceptions of modernity in Balat, Dakhla Oases. Cairo : American University in Cairo, 2011. Dissertation, in Englisch.

Einzelnachweise

  1. Ibn-Duqmāq, Ibrāhīm Ibn-Muḥammad : Kitāb al-Intiṣār li-wāsiṭat ʿiqd al-amṣār ; al-Guzʿ 5. Būlāq : al-Maṭbaʿa al-Kubrā al-Amīrīya, 1310 AH [1893], S. 11 unten–12, insbesondere S. 12, Zeile 10.
  2. Edmonstone, Archibald: A journey to two of oases of upper Egypt, London : Murray, 1822, S. 44 f.
  3. Drovetti, [Bernardino] : Journal d’un voyage à la vallée de Dakel, in: Cailliaud, Frédéric ; Jomard, M. (Hg.) : Voyage à l’Oasis de Thèbes et dans les déserts situés à l’Orient et à l’Occident de la Thébaïde fait pendant les années 1815, 1816, 1817 et 1818, Paris : Imprimerie royale, 1821, S. 99–105, insbesondere S. 101 f.
  4. Cailliaud, Frédéric: Voyage a Méroé, au fleuve blanc, au-delà de Fâzoql dans le midi du Royaume de Sennâr, a Syouah et dans cinq autres oasis …, Paris : Imprimerie Royale, 1826, Textband 1, S. 224 f.
  5. Rohlfs, Gerhard: Drei Monate in der Libyschen Wüste. Cassel : Fischer, 1875, S. 299–301. Nachdruck Köln : Heinrich-Barth-Institut, 1996, ISBN 978-3-927688-10-0.
  6. Winlock, H[erbert] E[ustis] : Ed Dākhleh Oasis : Journal of a camel trip made in 1908, New York : Metropolitan Museum, 1936, S. 16 ff.
  7. Bliss, Frank, a.a.O., S. 97 f.
  8. Wilkinson, John Gardner: Modern Egypt and Thebes : being a description of Egypt ; including the information required for travellers in that country, Bd. 2. London : Murray, 1843, S. 365.
  9. Beadnell, Hugh John Llewellyn : Dakhla Oasis. Its topography and geology, Kairo, 1901, (Egyptian Geological Survey Report; 1899,4).
  10. Bliss, Frank, a.a.O., S. 13.
  11. Einwohnerzahlen nach dem ägyptischen Zensus von 2006, eingesehen am 3. Juni 2014.
  12. Woidich, Manfred: Aus den Erinnerungen eines Hundertjährigen : ein Text im Dialekt von Balāṭ in Ost-Dakhla / Ägypten. In: Estudios de dialectología norteafricana y andalusí (EDNA), ISSN 1137-7968, Bd. 3 (1998), S. 7–33.
  13. Décobert, Christian ; Gril, Denis : Linteaux à épigraphes de l’Oasis de Dakhla, Le Caire : Inst. Français d’Archéologie Orientale, 1981, (Annales islamologiques : Supplément ; 1).
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