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Bahbīt el-Ḥigāra

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Bahbīt el-Ḥigāra ·بهبيت الحجارة
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Bahbit el-Higara (auch Behbit el-Higara, Behbeit el-Hagar, Behbīt/Behbeit el-Hegara, Behbeit el-Hagara, arabisch: ‏بهبيت الحجارة‎, Bahbīt/Bahbait al-Ḥiǧāra), das antike Iseum (griech. Ίσεῖον, Iseion) bzw. Per-Hebit (altäg.), ist ein Dorf und eine archäologische Stätte im Nildelta etwa 10 Kilometer nordöstlich von Samannūd und südwestlich von el-Manṣūra im ägyptischen Gouvernement el-Gharbīya. 2006 lebten hier 9.829 Einwohner.[1] Der hiesige Tempel gehört wohl zu den bedeutendsten antiken Hinterlassenschaften im Nildelta, für den sich Archäologen oder Ägyptologen interessieren könnten.

Hintergrund[Bearbeiten]

Namensgebung[Bearbeiten]

Der heutige Name leitet sich vom altägyptischen Per-Ḥebit(et) („Haus [des Gottes] von Ḥebit“ oder „Festhalle“) ab, der um das arabische el-Ḥigāra (arabisch: ‏الحجارة‎, „die Steine“) ergänzt wurde. Der Name Per-Hebit(et) wird zwar bereits in Texten seit dem Neuen Reich genannt, wird aber für mehrere Orte gleichen Namens benutzt. Die früheste Nennung stammt aus der Zeit Amenophis’ III. In koptischer Zeit wurde der Ort Naisi (koptisch: Ⲛⲁⲏⲥⲓ) genannt.

Der Isis-Tempel war das wichtigste Heiligtum dieser Göttin (Isis von Hebit) in Unterägypten, daher leitet sich auch der Name Iseum oder Isidis oppidum für diese Stätte ab.[2] Weitere verehrte Götter waren Osiris, Horus, Anubis und Min von Koptos.

Geschichte[Bearbeiten]

Über die Geschichte des Ortes weiß man nur wenig. Sie beginnt erst in der Saitenzeit (26. Dynastie). Man vermutet, dass es vielleicht bereits von Amasis einen Vorgängerbau des Isistempels gegeben haben könnte, der durch das spätere Iseum der 30. Dynastie ersetzt wurde.[3] Begonnen wurde der spätere Neubau aus Quarzit, rotem und grauem Granit sowie Basalt unter den Königen Nektanebos I. und Nektanebos II., deren Namen auf einem bzw. drei Steinblöcken lesbar ist.

Fortgesetzt wurden die Bauarbeiten unter den Ptolemäern Ptolemaios II. Philadelphus I. und Ptolemaios III. Euergetes I., von denen auch die meisten Inschriften stammen. Somit erstreckte sich der Bau etwa in der Zeit von 360 bis 221 v. Chr.

Der Ort war anfänglich Teil des 12. unterägyptischen Gaus, wurde aber in ptolemäischer Zeit Hauptstadt eines eigenständigen Gaus.

Der Tempel muss schon in der Antike als Folge eines Erdbebens oder unter seinem Eigengewicht eingestürzt sein und wurde seitdem geplündert. Bereits im ersten nachchristlichen Jahrhundert, wohl in der Zeit zwischen 43 und der Regentschaft des Kaisers Domitian, wurde ein Block nach Rom für einen hiesigen Isis-und-Serapis-Tempel geschafft.[4]

Forschungsgeschichte[Bearbeiten]

Eine der ersten modernen Beschreibungen des Tempels stammt von den Wissenschaftlern der französischen Napoleon-Expedition,[5] die in dem Tempel ein verkleinertes Abbild des Hathortempels von Dendera sahen. Sie fanden u.a. Teile von über 10 Meter hohen und 1,5 Meter dicken Säulen. Weitere Beschreibungen liegen von Günther Roeder (1881–1966) und Campbell Cowan Edgar (1870–1938) vor.[6] Die Funde bis in die 1930er-Jahre sind in der Bibliografie von Porter und Moss dokumentiert.[7]

Eine sondierende Grabung fand nur Ende der 1940er-, Anfang der 1950er-Jahre unter Leitung vom französischen Ägyptologen Pierre Montet (1885–1966) statt.[8] Eine ausreichende Erforschung steht aber immer noch aus, so dass nicht einmal ein gesicherter Grundriss des Tempels angegeben werden kann. Die Untersuchungen der französischen Ägyptologin Christine Favard-Meeks stützten sich auch nur auf das bisher verfügbare Material, u.a. das Archiv Montets, und eine 1977 durchgeführte fotografische Erkundung, ohne eine erneute Grabung vorzunehmen.

Anreise[Bearbeiten]

Die archäologische Stätte von Bahbīt el-Higāra, der 1 Isis-Tempel (31° 1′ 39″ N 31° 17′ 21″ O), befindet sich im Osten des gleichnamigen Dorfes.

Man verlässt 1 Samannūd (30° 58′ 2″ N 31° 14′ 48″ O) im Norden, fährt in Richtung Ṭalchā (arabisch: ‏طلخا‎, nördlich von el-Manṣūra) auf der linken (östlichen) Seite des Kanals und zweigt bei 2 31° 1′ 2″ N 31° 18′ 3″ O nach Nordwesten ab. Man erreicht das Dorf Bahbīt el-Higāra im Osten. Unmittelbar bevor man das Dorf erreicht, passiert man die archäologische Stätte im Süden. Bei 3 31° 1′ 37″ N 31° 17′ 16″ O zweigt man nach Norden zur archäologischen Stätte ab.

Das Dorf erreicht man von Samannūd aus mit einem Minnibus. Die Haltestelle in Samannūd befindet sich in einer Seitenstraße des Mīdān Muṣṭafā en-Nuḥās Bāschā nordwestlich der Samannūd-Brücke. Der Fahrpreis bis nach Bahbīt el-Higāra betrug 2008 50 Piaster.

Eine Anreise aus el-Maḥalla el-Kubrā und el-Manṣūra ist in ähnlicher Weise möglich.

Mobilität[Bearbeiten]

Das Gelände muss man zu Fuß ergründen.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Das Grabungsgelände des Iseums ist nicht offiziell für Touristen geöffnet! Vor Ort befindet sich aber ein Inspektor, so dass es nicht aussichtslos ist, während seiner Arbeitszeit (sonntags bis donnerstags, 9 bis 14 Uhr) das Gelände zu besuchen. Es ist sinnvoll, den Besuch mit dem Antikeninspektor für pharaonische Antiken in Samannūd abzusprechen. Wenn man fotografieren will, benötigt man unbedingt eine (kostenpflichtige) Genehmigung der Obersten Antikenbehörde (Supreme Council of Antiquities) in Kairo.

Man betritt das Gelände im Süden. Im Süden befindet sich auch die Unterkunft des Inspektors, Mr. Ihāb.

Das Tempelareal wird von einer 241 × 362 Meter großen Ziegelumfassungsmauer (knapp 9 Hektar), die knapp 20 Meter dick ist, umgeben. Die Mauer ist noch auf drei Seiten (außer auf der Ostseite) sichtbar.

Unweit der Unterkunft des Inspektors wurde eine Sphinx Nektanebos’ II. aufgestellt.

Im Zentrum befindet sich der Schutthügel mit den beeindruckenden Überresten des Tempels.

Der Isis-Tempel hatte die Ausmaße von 55 × 80 Metern (dies sind auch die Ausmaße des heutigen Schutthügels) und entsprach in seinem Aufbau in etwa der Form des Hathor-Tempels von Dendera. Der Eingang des Tempels befand sich im Westen, zu dem eine Sphingenallee Nektanebos’ II. in Form eines Dromos (Korridors) führte. Vielleicht gab es vor dem Tempel noch einen Säulenhof, an den sich ein Pronaos (Vorhalle) angeschlossen haben könnte.

Nun folgen ein oder mehrere Säle, in denen sich zehn 15 Meter hohe Hathorkapitellsäulen Ptolemaios’ II. aus rotem Granit befanden. Derartige Hathor-Stützen, deren Reste sich noch finden lassen, werden nur in Tempeln für weibliche Gottheiten eingesetzt. Zur Rechten (im Süden) führte Treppe aus schwarzen Granitblöcken zum Dach. Am östlichen Ende befand sich das etwa 25 Meter breite, 40 Meter lange und etwa 6 Meter hohe Sanktuar (Allerheiligstes) Nektanebos’ II. mit einem frei stehenden Barkenschrein aus schwarzem Granit, der einen Umgang mit Seitenkapellen besaß. Im Schrein ist u.a. einer der frühesten Hymnen an Isis aufgezeichnet. Östlich des Sanktuars, hinter dem Umgang, befanden sich drei Kapellen für Osiris-Andjerty, die die Wiedergeburt des Osiris als junges Kind und seine Umwandlung in einen Falken thematisieren. In der Rekonstruktion von Favard-Meeks sind dies die Prinzen-Kapelle zur Linken (im Norden), in der der große Prinz von Andjety zum göttlichen Falken in Bahbīt wird, in der Mitte die Res-Wedja-Kapelle und zur Rechten das „Hohe Haus, in welchem Hor-pa-chered (Horus-das-Kind) weilt“.

Die zahlreichen Fragmente bezeugen die qualitätvolle Arbeit der antiken Steinmetze. Die Thematik der Szenen entspricht dem üblichen Repertoire: dies sind vorwiegend Opferdarstellungen des Königs Ptolemaios II. an verschiedene Götter wie Isis, Osiris und Horus, aber auch Nut, Hathor, Tefnut, Nephthys, Hapi, Chons, Sobek und Anubis.

Im Nordwesten der Tempelruine befand sich einst der heilige See.

Unterkunft[Bearbeiten]

Unterkünfte gibt es in el-Maḥalla el-Kubrā und el-Manṣūra.

Ausflüge[Bearbeiten]

Der Besuch des Grabungsgeländes lässt sich mit dem der Stadt Samannūd und anderen Stätten in seinem Umfeld verbinden.

Literatur[Bearbeiten]

  • Habachi, Labib: Behbeit el-Hagar. In: Helck, Wolfgang ; Otto, Eberhard (Hg.): Lexikon der Ägyptologie ; Bd. 1: A - Ernte. Wiesbaden : Harrassowitz, 1975, ISBN 978-3-447-01670-4, Sp. 682 f.
  • Favard-Meeks, Christine: Le temple de Behbeit el-Hagara : essai de reconstitution et d’interprétation. Hamburg : Buske, 1991, (Studien zur altägyptischen Kultur : Beihefte ; 6), ISBN 978-3-87548-000-9.
  • Arnold, Dieter: Temples of the Last Pharaohs. New York, Oxford : Oxford University Press, 1999, ISBN 978-0-19-512633-4, S. 84, 125–127, 158.
  • Favard-Meeks, Christine: Behbeit el-Hagara. In: Bard, Kathryn A. (Hg.): Encyclopedia of the Archaeology of Ancient Egypt. London, New York : Routledge, 1999, ISBN 978-0-415-18589-9, S. 165–167.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise

  1. Einwohnerzahlen nach dem ägyptischen Zensus von 2006, Central Agency for Public Mobilization and Statistics, eingesehen am 2. Juli 2014.
  2. Es gab einen weiteren Isistempel in Busiris, der von Herodot (II, 59) beschrieben wurde.
  3. Arnold, Temples, a.a.O., S. 84.
  4. Museo Nazionale Rom, Inv.-Nr. 52.045. Siehe: Lollio Barberi, Olga ; Parola, Gabriele ; Toti, Maria Pamela: Le antichità egiziane di Roma imperiale. Roma : Ist. Poligrafico e Zecca dello Stato, Libr. dello Stato, 1995, ISBN 978-88-240-3894-2, S. 131 f.
  5. Description d’Egypte, Textband 5, S. 160–166, Tafelband Antiquites V, Tafel 30.1–30.9.
  6. Roeder, G.: Der Isistempel von Behbêt. In: Zeitschrift für Ägyptische Sprache und Altertumskunde (ZÄS), ISSN 0044-216X, Bd. 46 (1909), S. 62–73. Edgar, C.C. ; Roeder, G.: Der Isistempel von Behbêt, 2. In: Recueil de travaux relatifs à la philologie et à l’archéologie égyptiennes et assyriennes, Bd. 35 (1913), S. 89–116.
  7. Porter, Bertha ; Moss, Rosalind L. B.: Topographical bibliography of ancient Egyptian hieroglyphic texts, statues, reliefs, and paintings ; Bd. 4: Lower and Middle Egypt : (Delta and Cairo to Asyûṭ). Oxford : Griffith Inst., Ashmolean Museum, 1934, ISBN 978-0-900416-82-8, S. 40–42.
  8. Montet, Pierre: Les divinités du temple de Behbeit el-Hagar. In: Kêmi : revue de philologie et d’archéologie égyptiennes et coptes, ISSN 0373-6059, Bd. 10 (1949), S. 43–48. Lézine, A.: État présent du temple de Behbeit el Hagar. In: Kêmi : revue de philologie et d’archéologie égyptiennes et coptes, ISSN 0373-6059, Bd. 10 (1949), S. 49–57.
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