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Tiberias

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Tiberias, Tverya, טְבֶרְיָה
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Die Stadt Tiberias ist mit ca. 40.000 Einwohnern die größte Stadt am See Genezareth in Israel und liegt an seinem Westufer.

Hintergrund[Bearbeiten]

Die Stadt Tiberias wurde von Herodes Antipas gegründet und entwickelte sich ab dem 2. Jahrhundert n. Chr. zu einem Zentrum des Judentums, unter anderem wurde der Sitz eines jüdischen Gerichts (Sanhedrin) hierher verlegt und hier auch der Jerusalemer Talmud vollendet. Daher zählt die Stadt zusammen mit Jerusalem, Hebron und Safed zu den heiligen Städten des Judentums.

Die Lage der Stadt am Westufer des See Genezareth bedingt ein mildes Klima, der Ort verfügt über Thermalquellen und Kuranlagen. Die Stadt mit der guten Hotelinfrastruktur ist auch günstig aus Ausgangspunkt zum Besuch der zahlreichen christlichen Stätten um den See Genezareth und das umliegende Land. Die meisten Hotels liegen etwas nördlich der Altstadt, die Wohnviertel ziehen sich den Abhang hinauf, vom Schweizer Wald und dem Arbel aus ergeben sich tolle Ausblicke über die Stadt und den See.

Geschichte[Bearbeiten]

Tiberias (1862)
Tiberias in den Zwanzigerjahren

Von Herodes Antipas, Sohn von Herodes dem Großen, wurde die Stadt um 17. n. Chr. als hellenistische Stadt gegründet, den Namen erhielt die Stadt mit ihrem römischen Gepräge zur Ehre von Kaiser Tiberius. Leider erfolgte die Stadtgründung im Bereich eines jüdischen Friedhofs einer früheren Ansiedlung, so dass sie als unrein von frommen Juden nicht betreten werden durfte. Von Herodes Antipas wird in der Bibel berichtet, dass er seine Ehefrau verstieß um sich Herodias, die Ehefrau seines Bruders Herodes Boethos zur Gemahlin zu nehmen, was bei der jüdischen Bevölkerung zu viel Unmut und letztendlich zur Ermordung Johannes des Täufers führte. Jedenfalls verlegte Herodes Antipas die Hauptstadt der Tetrarchie Galiläa-Peräa im Jahre 19 n. Chr. von Sepphoris hierher und baute die Stadt mit den im römischen Städtebau üblichen öffentlichen Gebäuden aus.

Nach dem Bar-Kochba-Aufstand und der Vertreibung der Juden aus Jerusalem im Jahre 135 n.Chr. wurde die Stadt mit ihrer bereits großen jüdischen Bevölkerung von Rabbi Shimon Ben Jochai im Jahre 145 als rituell rein erklärt und gewann an Bedeutung als Zentrum jüdischen Lebens, so wurde der Sanhedrin im Jahre 193 von Sephoris in einer letzten Phase nach Tiberias verlegt. Hier wurde um 210 die Mishna (Niederschrift der Thorah) fertiggestellt und bis ins 5. Jhdt. der Jerusalemer Talmud ausgearbeitet.

Im Jahre 637 eroberten muslimische Araber die Stadt, im 11. - 13. Jhdt. wechselte die Herrschaft zwischen den Kreuzrittern (die das formelle "Fürstentum Galiäa") errichteten und den Arabern mehrfach bis Truppen unter dem Mamluken - Sultan Baibar I die Stadt 1247 definitiv zerstört wurde. Unter osmanischer Herrschaft blieb die Stadt wenig bedeutend. 1561 wurden dem sephardischen Juden Joseph Nasi von Sultan Suleiman I die Stadt Tiberias und einige umgebende Dörfer zugesprochen, die Stadtmauern konnten wieder aufgerichtet werden, die Ansiedlung der Juden blieb letztendlich infolge interner Konflikte der Osmanen aus. Erst unter Daher el-Omar wurden die Stadtmauern um 1740 wieder verstärkt und mit dem Bau einer Synagoge der Aufbau einer jüdischen Gemeinschaft begonnen. Nach Erdbebenschäden 1837 und einem Hochwasser 1934 wurden die Stadtmauern und viele Altstadtgebäude nicht mehr aufgebaut. Nach Scharmützeln zwischen der zahlenmässig zunehmenden jüdischen und arabischen Einwohnerschaft wurde die arabische Bevölkerung von britischen Mandatstruppen März 1948 evakuiert und jüdische Flüchtlinge aus umgebenden arabischen Ländern nahmen ihren Platz ein, so dass Tiberias heute eine weitgehend jüdische Einwohnerschaft hat.

Anreise[Bearbeiten]

Tiberias liegt an der gut ausgebauten Nord-Süd-Verbindung der Jordantal - Straße 90, von Tiberias aus verläuft die Straße 77 nach Westen in Richtung Jesreel-Ebene und Haifa.

Mit dem Bus[Bearbeiten]

Da die Stadt (wie ganz Galiläa) über keinen Bahnanschluss verfügt, besteht ein dichtes 1 Busnetz mit mehrfach täglichen Verbindungen nach Jerusalem, über Afula nach Tel Aviv, nach Haifa, nach Obergaliläa; auf einem Rundkurs kann mit dem Bus um den See Genezareth gefahren werden.

Mit dem Schiff[Bearbeiten]

Auf Holzbooten können von der 2 Anlegestelle aus Rundfahrten auf dem See Genezareth gemacht werden, es gibt auch Verbindungen mit Motorbooten nach Kapernaum und En Gev.

Mobilität[Bearbeiten]

Lokal bewegt man sich zu Fuß oder in die Umgebung am einfachsten mit dem Mietwagen.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Stadtzentrum
Lake Kinneret Fountain mit Wasserstandsanzeige
Kirchen und Befestigungen
Griech.-orthodoxes Kloster
Archeolog.Gelände - Theater
Römisches Theater
Grabstätten von Rabbinern
Grabmal des Rabi Meir
Hamat Tiberias - Synagogen
Ruinen der Synagoge von Hamat Tiberias
  • die auch im Sommer relativ schattige 1 Uferpromenade mit Restaurants und Verpflegungsangeboten führt zur Anlegestelle der Boote. Im Süden der 1935 neu erbauten Uferpromenade findet sich eine Skulptur mit den Umrissen des See Genezareth ("Lake Kinneret Fountain"), hier wird immer der aktuelle Wasserstand angezeigt. In der Nähe wird auf die Tiberium Water Show gezeigt, eine Lichtshow mit bunt angestrahlten Fontänen.
  • der 2 Archeological Garden liegt im Zentrum von Tiberias; in einem der antiken Gewölbe im Park ist die Touristeninformation untergebracht.
  • an verschiedenen Orten sind Teile der alten Stadtbefestigungen erhalten. Hierzu gehört auch die Zitadelle, die mehr als Verkehrshindernis im Weg steht. Von der Kreuzfahrerfestung sind nur noch die Eckmauern des Eingangstors erhalten.
  • im Süden der Stadt liegt das malerische 3 griechisch - orthodoxe Kloster, welches auf den Ruinen einer früheren Synagoge um 1837 erbaut wurde (und auf Anfrage wohl zu besichtigen ist). Zum Kloster gehört der Glockenturm Leaning Tower, der als "schiefer Turm von Tiberias" eines der Wahrzeichen von Tiberias ist und zur Stadtmauer des Daher El Omar aus dem 18. Jhdt. gehörte.
  • Die Petrus - Kirche 4 St. Peter's Church aus dem Jahre 1870 steht im Bereich einer Petrus - Kirche aus dem 12. Jhdt., die unter arabischer Herrschaft in eine Moschee "umgewidmet" worden war. Im 18. Jhdt. erbauten hier die Franziskaner ein Gotteshaus und später in Kloster und brachten eine Kopie der Statue vor dem Petersdom im Vatikan hierher. Neben der Petrus - Statue ist das einem Schiffsbug nachempfundene Chor der Kirche sehenswert.
  • die Schottische Pilgerherberge wurde ins 5 "Scots Hotel" umgebaut, gleich daneben steht die Church of Scotland.
  • die Al-Bahri-Moschee, heute Städtisches Museum

Im Süden der Stadt liegt Hamat Tiberias:

  • die heissen Quellen und Thermenanlagen bei 6 Hamat Tiberias, das schwefelhaltige Thermalwasser der siebzehn Quellen kommt mit ca. 60 °C aus der Erde und wird zum Badevergnügen abgekühlt.
  • der 7 Hamat Tverya National Park liegt landseitig gegenüber: bei Strassenbauarbeiten wurden 1920 die Ruinen zweier Synagogen entdeckt. Die Hammat Tiberias Synagogue stammt aus der Zeit um 286/337 n. Chr., als Tiberias Sitz des jüdischen Sanhedrin war. Aufsehenerregend war zum einen ein Stein mit einer Menorah und zum andern ein Bodenmosaik mit Darstellung der Tierkreiszeichen. Ruinen einer zweiten Synagoge stammen aus dem späten 4. Jhdt. Am Eingang liegt das Hammam Suleiman Museum in einem Badehaus aus osmanischer Zeit. Auf keinen Fall sollte man es verpassen, die Füsse in die Becken und das kleine "Bächlein" am Rand des Fußwegs zu halten, das Thermalwasser dürfte ca. 40 °C heiss sein.
  • der 8 Berko Archeological Park wurde 2006–2012 im Bereich von ausgedehnten Ausgrabungsstätten im Süden von Tiberias am Fuss des M. Berenike unter dem Bürgermeister Z.Oved eingerichtet, die 9 Zufahrt erfolgt von der Strasse 90 aus. Zu sehen ist das römische Stadttor, die Stadtmauer wurde in byzantinischer Zeit neu errichtet. Auf dem nach Norden verlaufenden Cardo gelangt man zum 78 x 40 m großen römischen Theater (das im Gegensatz zu den ovalen Amphitheatern wohl für Theateraufführungen vorgesehen war) und zu rechterhand gelegenen Thermenanlage und einem wahrscheinlichen Landhaus.
  • in Tiberias finden sich Grabmäler mehrerer bekannter Rabiner, so das 10 Grabmal des Rabi Meir Ba'al HaNes (eine bekannte jüdische Pilgerstätte) und das Sumakos Tomb gleich nördlich des Hammat Tiberias National Park. Das 11 Grabmal des Maimonides, der im 12. Jhdt. als Leibarzt Saladins und als Rabbiner Oberhaupt über die Juden im Ägypten und durch seine Mishna - Kommentare so berühmt wurde, dass sein Leichnam nach seinem Tode nach Tiberias überführt wurde, liegt nordwestlich des Stadtzentrums. Das 12 Grabmal der Rachel, Ehefrau des Rabi Akiva liegt westlich des grossen jüdischen Friedhofs, das 13 Grabmal des Rabi Akiva selbst etwas oberhalb der Stadt, beide werden vor allem von jüdischen Gläubigen besucht.

Aktivitäten[Bearbeiten]

Tiberium Licht & Wasser Show
Tiberium: Licht & Wasser Spektakel
Umgebung von Tiberias
der Mount Arbel über dem See Genezareth
  • Rundfahrt mit dem Holzboot auf dem See Genezareth, Schiffs - Verbindungen bestehen nach Kapernaum und En Gev.
  • Baden an verschiedenen Stränden am See
  • die Tiberium Light Show wird abends um 19.00 / 20.00 / 21.00 vorgeführt und dauert 15 Minuten. Von einem Floss aus zeichnen verschiedene Fontänen, die bunt angestrahlt werden, ganze Geschichten in den Nachthimmel.
  • Besuch der Thermalquellen 14 Tiberias Hot Springs Spa, Tiberias.
  • der Aqua - Lunapark 1 Gai Beach Water Park ist vor allem ein Anziehungspunkt für Kinder.
  • vom 15 Swiss Forest (dessen Aufforstung 1935 durch die Engländer zur Hangsicherung begonnen wurde) und vom über den Israel Trail erreichbaren 16 Mount Arbel sind schöne Ausblicke über die Stadt und den See Genezareth möglich. Am Mount Arbel liegt der Arbel National Park, erhalten sind Ruinen einer Synagoge und von Festungswerken

Einkaufen[Bearbeiten]

  • in der Einkaufsstrasse Ha Galil Street reihen sich Boutiquen und andere Geschäfte aneinander
  • Früchte, Gemüse und alles andere gibt es im gedeckten 1 Markt gleich dahinter.
  • im mit an die Antike erinnernden Motiven bemalten 2 Lev HaGalil Building befindet sich ein Einkaufszentrum für alle Waren des täglichen Bedarfs (inkl. einer Apotheke / Drugstore).
  • die grösste Shopping Mall dürfte die 3 BIG Mall im Westen der Altstadt sein.
  • 4 Judaica, messianische und christliche Souvenirs, CDs und Literatur gibt es in der Nähe der Anlegestelle der Bootsfahrten, im Obergeschoss im Shop von Galilee Experience auch eine Multimediashow zum Geschehen rund im den See Genezareth resp. Lake Kinneret.

Küche[Bearbeiten]

  • Das Scots-Hotel ist eines der wenigen Häuser der Umgebung, das keine koschere Küche hat, sie ist eher auf europäischen Geschmack ausgelegt.

Nachtleben[Bearbeiten]

Unterkunft[Bearbeiten]

die Hotelanlagen liegen im Norden
  • 1 Poriya - Sea of Galilee Youth Hostel, Poriya, Tiberias. Tel.: (0)2-5945722, Fax: (0)4-6751628, E-Mail: . Nationale Reservationsnummer 1-599-510-511, liegt südlich von Tiberias beim Swiss Forest und ist mit öffentlichen Verkehr nur mit längerem Fußmarsch zu erreichen.
  • Das Scots Hotel am Nordrand der Altstadt
  • zahlreiche weitere Hotelkomplexe sind vor allem weiter nördlich der Altstadt gelegen

Gesundheit[Bearbeiten]

Das 1 Baruch Padeh Medical Center Poriya auf einem Hochplateau südlich von Tiberias versorgt als Schwerpunktspital das östliche Galiläa bis hin zur Golanregion und verfügt über eine Notfallstation.

Praktische Hinweise[Bearbeiten]

Die 17 Tourist Information befindet sich im zentralen Archeological Garden.

Tiberias verfügt über eine gute Mobiltelephonabdeckung, in gewissen Lagen in der Umgebung muss darauf geachtet werden, dass das automatische Roaming ausgeschaltet wird, um nicht versehentlich über das Jordanische Netz zu telephonieren.

Ausflüge[Bearbeiten]

  • Tabgha und die Brotvermehrungskirche liegt etwas nördlich. Auf der Fahrt dorthin kommt man durch Migdal, das antike Magdala, in dem Maria Magdalena lebte.
  • Kafarnaum liegt unweit von Tabgha, auch die Kirche der Seligpreisungen am Ort der Bergpredigt ist nicht weit davon entfernt
  • etwas weiter nördlich gelangt man über den Jordan (Ausgrabungen des antiken Bethsaida) und zum Golan
  • Nach Westen kommt man nach Safed, der Stadt der jüdischen Kabbala.
  • Im Süden des See Genezareth liegt die Taufstelle Jardenit am Jordan.
  • auf der Strasse 90 nach Süden ist das Tote Meer in einem Tagesausflug erreichbar, allerdings führt die Strasse durch das Autonomiegebiet, weshalb die Fahrt mit dem Mietwagen in Zeiten erhöhter Gefährdung problematisch werden kann. Solange im Land Ruhe herrscht, werden Reisende in Mietwagen in den Checkpoints in der Regel durchgewunken.

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

  • Website der Stadt Tiberias / Tverya, hebr.
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