Erioll world 2.svg
Vollständiger Artikel

Qaṣr ez-Zaiyān

Aus Wikivoyage
Wechseln zu: Navigation, Suche
Südostseite des Tempels des Amenibis
Qaṣr ez-Zaiyān ·قصر الزيان
Tchōnemyris · Τχονεμυρις
Gouvernement Neues Tal
Höhe
18 m
keine Touristinfo auf Wikidata: Touristeninfo nachtragen
Lage
Lagekarte des Neuen Tals in Ägypten
Lightbluedot.svg
Qaṣr ez-Zaiyān

Qasr ez-Zaiyan (auch Qasr el-Zaiyan, Qasr el-Zajjan, Qasr el-Zayyan, Qasr el-Sajjan, arabisch: ‏قصر الزيان‎, Qaṣr az-Zaiyān; das antike Tchōnemyris, „der große Brunnen“; altägyptisch TA-ẖnmt-wrt, „der große Brunnen“) ist eine archäologische Stätte in der Mitte der ägyptischen Senke el-Chārga in der Westlichen Wüste. Hier befindet sich der Tempel des Amenibis (Amenebis), des Amun von Hibis. Die Stätte befindet sich ca. 21 Kilometer südlich der Stadt el-Chārga.

Hintergrund[Bearbeiten]

Der Tempel von Qaṣr ez-Zaiyān befindet sich ca. 21 Kilometer südlich der Stadt el-Chārga, 4,5 Kilometer südsüdwestlich von Qaṣr el-Ghuweiṭa und 5 Kilometer nordnordöstlich von Būlāq am Endpunkt der antiken Route von Esna. Das Gelände außerhalb des Tempelhügels ist das tiefste der Senke und liegt bis zu 18 Meter unter Null.

Die hiesige Tempelanlage des Amenibis war dem Amenibis, dem Amun von Hibis, und der thebanischen Götterdreiheit Amun, der Mut und dem Chons geweiht. Der Tempel wurde sicher bereits in griechischer Zeit errichtet. Zur Zeit des römischen Kaisers Antoninus Pius (Regierungszeit 138–161) wurde der Tempel um den großen Hof erweitert und dekoriert. Am Eingang zum inneren Hof sind Antoninus Pius als Bauherr und das Baujahr 140 n. Chr. ausgewiesen. Der Tempel ist möglicherweise nie vollendet worden. Die Reliefs sind nur grob vorbereitet worden, und der Tempel besaß wohl nie einen Eingangspylon und einen Aufweg. Zumindest hat man sie bis heute nicht gefunden.

Alle Reisenden des 19. Jahrhunderts, die nach el-Chārga kamen, haben auch den Tempel von Qaṣr ez-Zaiyān besucht und meist auch eine Übersetzung der Inschrift des Kaisers Antoninus Pius wiedergegeben. Die ersten Reisenden waren 1818 der Franzose w:Frédéric CailliaudFrédéric Cailliaud (1787–1869),[1] 1819 der Brite Archibald Edmonstone (1795–1871)[2] sowie 1825 und 1832 die Briten John Gardner Wilkinson (1797–1875)[3] bzw. George Alexander Hoskins (1802–1863)[4].

Der deutsche Afrikaforscher Georg Schweinfurth (1836–1925), der sich hier 1874 aufhielt, berichtete über Funde an Glaswaren und Keramik und davon, dass noch zwei Familien im Tempel wohnten, die im Tempel Münzen aus der Kaiser- und der byzantinischen Zeit sowie Bronzefiguren, u.a. einen Stierkopf, und gegossene Kupferstücke aus ptolemäischer Zeit gefunden hatten. Einem der Einwohner konnte er die Bronzefigur eines Widders abschwatzen.[5] Ihm folgte 1898 der britische Kartograf John Ball (1872–1941)[6]. Die bisher umfangreichste Beschreibung stammte vom deutschen Bauforscher Rudolf Naumann (1910–1996), der sich 1936 in der Senke el-Chārga aufhielt.

Eine umfassende Grabung und Erforschung fand aber bis heute noch nicht statt, so dass der Tempel bisher kaum dokumentiert wurde.

Von 1984 bis 1986 wurde der Tempel von der ägyptischen Antikenverwaltung (Egyptian Antiquities Organization) gereinigt und restauriert, wobei auch römische Münzen gefunden wurden. In den 1990er-Jahren wurden die Arbeiten durch den Supreme Council of Antiquities (SCA) fortgesetzt. Seit 2004 arbeitet ein japanisches Forscherteam unter Leitung von Hiroyuki Kamei und Katsura Kogawa an der Erforschung. Bisher wurden eine topografische Karte erstellt, eine archäologische Prospektion durchgeführt und ein 3D-Modell des Tempels erstellt. Bei der Grabung in einem ca. 10 × 10 Meter großen Abschnitt im Westen des Tempels wurden Lehmziegelstrukturen einer Siedlung freigelegt und unterschiedliche Keramikgefäße gefunden.

Anreise[Bearbeiten]

Man kann mit einem PKW zu dieser Stätte gelangen. Man fährt von der Stadt el-Chārga kommend auf der Fernverkehrsstraße nach Bārīs, bis man nach ca. 18 Kilometer an einen ausgeschilderten Abzweig bei 1 25° 17′ 42″ N 30° 32′ 43″ O nach Osten gelangt. Von hier aus erreicht man sowohl den Tempel Qasr el-Ghuweita als auch den von Qasr ez-Zaiyan, südlich des erstgenannten.

Mobilität[Bearbeiten]

Das Gelände des Tempels muss man zu Fuß ergründen.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Korridor (Dromos) zum Lehmziegelvorhof des Tempels des Amenibis
Haupthaus des Tempels des Amenibis
Das Relief auf dem Türsturz des Zugangs zum inneren Hof zeigt einen König, der das Bildnis der Göttin Maat an den widderköpfigen Amun opfert
Hof und Zugang zum Allerheiligsten des Tempels des Amenibis
Sturz am Eingang zum Sanktuar
Brunnen im Westen des Tempelareals
Nische im Sanktuar des Tempels des Amenibis

Der Tempel ist von 09:00 bis 17:00 Uhr geöffnet. Der Eintrittspreis beträgt LE 40 und für Studenten LE 20 (Stand 10/2017).

Der gesamte 1 Tempelkomplex (25° 15′ 5″ N 30° 34′ 15″ O) befindet sich auf einem ca. 4 Meter hohen Hügel, der von der Anlage vollständig eingenommen wird. Der Tempel und die zugehörigen Anlagen werden von einer 26 × 68 Meter großen, ca. 2,5 Meter starken Lehmziegel-Umfassungsmauer eingefasst. Die Anlage ist fast genau von Süden nach Norden ausgerichtet. Man betritt die Anlage im Süden durch ein undekoriertes Sandsteintor, das wohl die Funktion des Pylons ausfüllte. Der eigentliche Tempel befindet sich fast hauptsächlich in der Osthälfte, und die Westmauer des Tempels markiert etwa die Mitte des Areals. Im Westen des Areals befinden sich weitere Lehmziegelgebäude und etwa vor der Mitte der Westwand ein großer Brunnen.

Hinter dem Eingang führt ein mit Steinen begrenzter Korridor (Dromos) zum eigentlichen Tempel. Der Tempel ist 43 Meter lang und acht Meter breit. Zuerst gelangt man in einen etwa 22 Meter langen, undekorierten Vorhof aus römischer Zeit, dessen Seitenwände aus Lehmziegeln errichtet wurden. Danach erreicht man das eigentliche, 13,5 Meter lange und 7,5 Meter breite Tempelhaus, das aus Sandstein errichtet wurde und ebenfalls von Süden nach Norden ausgerichtet ist. Über ein reichlich 5 Meter hohes Tor betritt man den dekorationslosen inneren Hof, der als Opfertischsaal eingesetzt wurde und an dessen Ende sich das quer liegende Sanktuar (Allerheiligstes) und ein schmales Treppenhaus befinden. Da der Saal keine Säulen besitzt, wird dies wohl ein offener Hof gewesen sein.

Die Darstellungen auf den Pfosten und dem Sturz an den Durchgängen zeigen Antoninus Pius bei Opferhandlungen zum Beispiel vor der thebanischen Triade Amun, Mut und Chons. Der Türsturz zum Durchgang zum Opfertischsaal trägt eine siebenzeilige griechische Inschrift, die Antoninus Pius als Auftraggeber der Restauration nennt, und eine Hohlkehle mit der Flügelsonne.

[1] Αμενηβι θεω μεγιοστω τχονεμυρεως, και τοις
[2] συνναοις θεοις ὑπερ της εις αιωνα διαμονης Αντωνεινου
[3] Καισαρος του κυριου, και του συμπαντος αυτου οικου, ὁ σηκος του ἱερου και το
[4] προναον εκ καινης κατεσκευασθη, επι Αουιδιου Ἡλιοδωρου επαρχου Αιγυπτου,
[5] Σεπτιμιου Μακρωνος επιστρατηγου, στρατηγουντος Παινιου Καιπιωνος,
[6] ετους τριτου Αυτοκρατορος Καισαρος Τιτου Αιλιου Αδριανου Αντωνεινου
[7] Σεβαστου, Ευσεβους, Μεσορη οκτω και δεκατη.
[1] „Für Amenibis, dem sehr großen Gott von Tchonemyris, und den
[2] verwandten Göttern zur ewigen Erhaltung des Herrn Antoninus der
[3] Caesar und seines ganzen Hauses wurde der innere Teil des Tempels und
[4] Vorbau neu errichtet unter Avidius Heliodorus, dem Präfekten von Ägypten,
[5] als Septimus Macron Epistratege (Oberbefehlshaber) und Paenias Caepion Stratege (Befehlshaber) [der Streitkräfte] waren,
[6] im 3. Jahr des Selbstherrschers und Kaisers Titus Aelius Adrianus Antoninus
[7] Augustus Pius am 18. des Mesore [erster Monat des altägyptischen Kalenders, = 11. August 140].“

Links neben der Inschrift erkennt man Kaiser Antoninus Pius, wie er dem widderköpfigen Amun von Hibis das Bildnis der Maat darreicht. Auf der rechten Seite übergibt Antoninus Pius dem widderköpfigen Amun von Hibis ein Feld. Auf den Pfosten befindet sich der Kaiser bei verschiedenen Opferhandlungen in vier Registern (Bildstreifen). Auf dem linken Pfosten opfert der König von oben zwei Vasen an Amun von Hibis, der Göttin Mut und dem Gott Chons. Nur im untersten Register ist er allein, als würde er in den Tempel hinein schreiten wollen. Auf dem linken Pfosten trägt er die Weiße Krone Oberägyptens, auf dem rechten die Rote Krone Unterägyptens. Auf dem rechten Pfosten erblickt man den König bei Opferhandlungen vor Amun, wohl einer Göttin – das Register ist aber heute verloren – und Thot. Die Torlaibungen tragen Inschriften des Königs.

Auch der Zugang zum Sanktuar ist dekoriert. Unter einer Hohlkehle mit der Flügelsonne opfert der Kaiser in zwei gegenläufigen Szenen auf dem Sturz links der Triade Amun von Theben mit Widderkopf, Mut und Chons sowie rechts der Triade Amun von Hibis mit Menschenkopf, Mut und Chons. Hinter den stehenden Gottheiten wurde noch auf beiden Seiten der sitzende Amun-Re dargestellt. Die Pfosten besitzen wieder Opferdarstellungen des Kaisers vor verschiedenen Göttern in drei Registern. Auf dem linken Pfosten opfert der König vor einem Gott, wohl Amun-Re, vor einer Göttin, wohl Mut und ein Gefäß an Chons. Das unterste Register zeigt auf beiden Pfosten Kibitze (Rechit-Vögel) über Papyruspflanzen. Auf dem rechten Pfosten ist der König bei Opferhandlungen vor einem Gott, einer Göttin und vor dem falkenköpfigen Horus dargestellt. Auch die Laibungen dieses Tores tragen Inschriftenspalten.

An der Rückwand des Sanktuars befindet sich eine Kultbildnische, die oben eine Hohlkehle mit Flügelsonne und an den Seiten eine einspaltige Textinschrift besitzt.

Eine Tür zur Linken des Opfertischsaals führt zum Westteil des umschlossenen Areals. Hier befindet sich auch der überkuppelte Brunnen.

Im Umkreis des Tempelareals befinden sich Überreste einer griechisch-römischen Siedlung.

Unterkunft[Bearbeiten]

Eine Unterkunft wird üblicherweise in der Stadt el-Chārga gewählt.

Ausflüge[Bearbeiten]

Der Tempel kann zusammen mit dem Tempel von Qasr el-Ghuweita, dem Dorf Gināḥ und anderen Stätten entlang der Straße nach Bārīs besucht werden.

Literatur[Bearbeiten]

  • Naumann, Rudolf: Bauwerke der Oase Khargeh. In: Mitteilungen des Deutschen Instituts für ägyptische Altertumskunde in Kairo (MDIK), Bd. 8 (1939), S. 1–16, Tafeln 1–11; insbesondere S. 8–10, Abb. 4, Tafeln 7 f.
  • Hölbl, Günther: Altägypten im Römischen Reich ; 3: Heiligtümer und religiöses Leben in den ägyptischen Wüsten und Oasen. Mainz am Rhein : Zabern, 2005, (Zaberns Bildbände zur Archäologie), ISBN 978-3-8053-3512-6, S. 47–49, 52, 54–59, Abb. 81–86.
  • Kamei, Hiroyuki ; Kogawa, Katsura: El-Zayyan 2003-2006. Tokyo : Tokyo Inst. Tech., 2007, ISBN 978-4-9903776-0-1.

Einzelnachweise

  1. Cailliaud, Frédéric: Voyage à l’oasis de Thèbes et dans les déserts situés à l’orient et à l’occident de la Thébaïde : fait pendant les années 1815, 1816, 1817 et 1818. Paris : Impr. Royale, 1821, S. 91 f.
  2. Edmonstone, Archibald: A journey to two of the oases of Upper Egypt. London : Murray, 1822, S. 66–70, zwei Tafeln nach S. 66. Edmonstone nannte den Ort Cazar El Zian.
  3. Wilkinson, John Gardner: Modern Egypt and Thebes : being a description of Egypt ; including the information required for travellers in that country, Bd. 2. London : Murray, 1843, S. 369. Wilkinson nannte den Ort Kasr e’ Zayán.
  4. Hoskins, George Alexander: Visit to the great Oasis of the Libyan desert. London : Longman, 1837, S. 167–170, Tafel XV (gegenüber S. 166), XVI (gegenüber 168), XVII (gegenüber 170). Hoskins nannte den Ort Kasr Zian.
  5. Schweinfurth, Georg : Notizen zur Kenntniss der Oase El-Chargeh : I. Alterthümer, in: Mittheilungen aus Justus Perthes’ geographischer Anstalt über wichtige neue Erforschungen auf dem Gesammtgebiete der Geographie von Dr. A. Petermann, Bd. 21 (1875), S. 384–393, Tafel 19 (Karte), insbesondere S. 391 f.
  6. Ball, John: Kharga Oasis : its Topography and Geology. Kairo : National Pr. Department, 1900, (Egyptian Geological Survey Report ; 1899,2), S. 68 f.
Vollständiger Artikel Dies ist ein vollständiger Artikel, wie ihn sich die Community vorstellt. Doch es gibt immer etwas zu verbessern und vor allem zu aktualisieren. Wenn du neue Informationen hast, sei mutig und ergänze und aktualisiere sie.