Erioll world 2.svg
Vollständiger Artikel

Qaṣr el-Labacha

Aus Wikivoyage
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Qaṣr el-Labacha ·قصر اللبخة
keine Touristinfo auf Wikidata: Touristeninfo nachtragen

Qasr el-Labacha (auch Qasr el-Labakha, Qasr el-Labekha, fälschlich auch Qasr el-Labaka, arabisch: ‏قصر اللبخة‎, Qaṣr al-Labacha) oder 'Ain el-Labacha (arabisch: ‏عين اللبخة‎, ʿAin al-Labacha) ist eine archäologische Stätte im Norden der ägyptischen Senke el-Chārga, etwa 34 Kilometer Luftlinie von der Stadt el-Chārga entfernt.

Hintergrund[Bearbeiten]

Die römische Siedlung Qaṣr el-Labacha liegt an der Karawanenroute Darb ʿAin Amūr nach Asyūṭ und erstreckt sich über eine Fläche von 2,5 (Nord – Süd) mal 1,5 Kilometer. Die Anlage einer Festungsanlage diente der Kontrolle eben dieser Route. Im Bereich dieser Siedlung befanden sich zwei Tempelanlagen und zwei Qanat-Stränge (arabisch: ‏قناة‎, Qanāt, unterirdische Aquädukte) zur Wasserversorgung. Das Areal wurde bis in das 4. nachchristliche Jahrhundert genutzt.

Der Darb ʿAin Amūr wurde seit 1819 von europäischen Reisenden zur Anreise nach ed-Dāchla benutzt, so z.B. vom Briten Sir Archibald Edmonstone (1795–1871)[1] und vom Italiener Bernardino Drovetti (1776–1852)[2]. Sie haben sicher diesen Ort passiert, aber Berichte darüber haben sie nicht hinterlassen.

Lange Zeit wurde das Gebiet überhaupt nicht untersucht. Erst seit 1990 wurden Untersuchungen durch das Institut Français d’Archéologie Orientale unter Françoise Dunand und durch den ägyptischen Antikendienst (Egyptian Antiquities Organization) unter Adel Hussein durchgeführt. Die Ägypter legten 1991–1992 das Felsenheiligtum des Piyris frei, das datierte Inschriften aus der Zeit von 140–200 n. Chr. enthielt.

Anreise[Bearbeiten]

Lageplan von Qaṣr el-Labacha

Für die Anreise nach Qaṣr el-Labacha brauchen Sie einen erfahrenen Führer bzw. Fahrer. Es gibt zwei Anreisemöglichkeiten, die davon abhängen, wie Sie Ihre Route gestalten möchten. Wenn man von oder nach ʿAin Umm ed-Dabādīb weiterfahren will, braucht man in jedem Fall ein geländegängiges Fahrzeug (4×4):

  1. Nördlich des Empfangstores nach el-Chārga der Fernverkehrsstraße Asyūṭ – el-Chārga biegen Sie nach Westen ab, um auf einer Asphaltstraße zum Dorf Muhammad Tuleib zu gelangen. Von hier aus fährt man in südlicher Richtung weiter durch die Wüste zum etwa 8 Kilometer entfernten Qaṣr el-Labacha. Bei entsprechend vorsichtiger Fahrweise kann man hierfür möglicherweise auch einen normalen PKW oder einen Pickup einsetzen.
  2. Der zweite Anfahrtsweg ist die etwa 20 Kilometer lange Piste von bzw. nach ʿAin Umm ed-Dabādīb, eigentlich sind es zwei. Der Weg nach Westen führt entweder direkt an den Steilabhängen vorbei. Allerdings ist er nur zu Fuß oder mit einem Esel begehbar. Mit einem geländegängigen (!) Fahrzeug umfährt man andererseits das Gebirge im Süden; dies sollte einen geübten Fahrer nicht vor große Probleme stellen, wenn er das Gelände kennt.

Mobilität[Bearbeiten]

Die einzelnen Denkmäler kann man zu Fuß oder mit dem Fahrzeug erreichen.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Römische Festung, Qaṣr el-Labacha
Heiligtum des Piyris, Qaṣr el-Labacha
Nordtempel, Qaṣr el-Labacha
Quelle und Aquädukt
Schacht zum Aquädukt

Das weithin sichtbare Erkennungsmerkmal von Qaṣr el-Labacha ist die noch bis 11,5 Meter hoch anstehende 1 römische Festung (25° 42′ 55″ N 30° 33′ 16″ O), die aus Lehmziegel errichtet worden ist. Sie hat eine Größe von 16 × 18 Metern und besitzt an den Ecken Rundtürme von etwa 5 Meter Durchmesser. Der Eingang befand sich im Süden.

Etwa 950 Meter nordwestlich der Festung befindet sich das 2 Heiligtum des Piyris (25° 43′ 26″ N 30° 33′ 11″ O), „des Großen“, das teilweise in den Fels getrieben wurde (Semispeos). Es wurde an der Wende vom 1. zum 2. Jahrhundert n. Chr. angelegt und bis in die Mitte des 4. Jahrhunderts benutzt. Der hier bestattete Piyris wurde in zahlreichen Weih- und Verehrungsinschriften als Heil- und Schutzgott verehrt und wohl Horus angeglichen.

Das Felsengrab des Piyris wurde im nach Osten abfallenden Hügelabhang angelegt und befindet sich im nördlichen Teil der Anlage. Nach und nach wurde das Heiligtum in drei Bauphasen immer wieder erweitert, hauptsächlich nach Süden und Osten. Vor dem Felsenheiligtum wurde das eigentliche Heiligtum in Lehmziegelarchitektur vorgebaut. Die Anlage ist von Nord nach Süd dreigeteilt. Die Nordgruppe, auch Nordheiligtum genannt, besteht aus drei Räumen. Der westlichste ist die eigentliche Grabkapelle mit einer Nische. Östlich davor befinden sich ein Hof und eine Terrasse. In der nördlichen Raumgruppe sind noch Reste der ursprünglichen Wandbemalung zu erkennen.

Die zweite, mittlere Raumgruppe, auch Zentralheiligtum genannt, besteht aus insgesamt fünf Räumen. Der westlichste bildet wieder die Kapelle. An deren rechter Wand (Nordwand) wurde ein Graffito aus der Zeit des Septimus Severus (200 n. Chr.) gefunden. Es folgen zwei weitere Räume, der erste noch im Felsen. Von den westlichsten beiden Räumen gelangt man zu den Felsengräbern. Es gab zwei Grabkammern mit je einem Vorraum. Den Abschluss bildeten wieder ein Hof und eine Terrasse. An der Westmauer des Hofs wurde ein Graffito aus dem Jahr 140 n. Chr. gefunden, das die älteste Inschrift von Qaṣr el-Labacha darstellt. Die südliche Raumgruppe war ein Wirtschaftsgebäude mit sieben Räumen.

Etwa 250 Meter nördlich vom Piyris–Heiligtum befindet sich der so genannte 3 Nordtempel (25° 43′ 33″ N 30° 33′ 12″ O) aus Lehmziegeln, der 9 × 27 Meter groß und von Osten nach Westen ausgerichtet ist. Man betritt ihn im Osten, weitere Zugänge befanden sich an der Süd- und Nordseite. Der Tempel enthielt drei lang gestreckte Räume. Die größte Halle befindet sich im Osten. Die östliche Halle besaß eine Flachdecke, die hinteren eine Tonnengewölbedecke. In den 1990er-Jahren wurde durch den ägyptischen Antikendienst ein Kalksteinfragment mit dem Namen des Amun und einer Kaisertitulatur gefunden.

In der Nähe des Tempels findet man die Überreste mehrerer römischer Gräber.

Weiterhin finden Sie hier eine aus römischer Zeit stammende Wasserquelle und die zugehörigen Aquädukte, die noch funktionstüchtig sind.

Aktivitäten[Bearbeiten]

Eine Übernachtung im Freien vor Ort ist denkbar.

Küche[Bearbeiten]

Auch wenn man es nicht vermuten würde, an dieser Stelle wohnt noch ein Familienmitglied der Tuleibs. Da sollte doch noch etwas Zeit für einen Tee bleiben. Für ein Picknick kann man sich vom el-'Umda-Restaurant in el-Munīra beliefern lassen.

Ansonsten gibt es erst wieder in der Stadt el-Chārga Restaurants.

Unterkunft[Bearbeiten]

Eine Unterkunft wird üblicherweise in der Stadt el-Chārga gewählt.

Ausflüge[Bearbeiten]

Da man für die Anreise ein geländegängiges Fahrzeug (4×4) benötigt, von denen es in der Stadt el-Chārga nicht sehr viele gibt und deren Preis deutlich höher ist als ein normales Taxi, bietet es sich an, weitere Stätten zu besuchen, an denen man ebenfalls ein geländegäniges Fahrzeug benötigt:

Die Route lässt sich an einem Tag bewältigen.

Literatur[Bearbeiten]

  • Reddé, Michel: Sites militaires romains de l’oasis de Kharga. In: Bulletin de l’Institut français d’archéologie orientale (BIFAO), Bd. 99 (1999), S. 377–396, insbesondere S. 380, 389–393. Festung von Qaṣr el-Labacha.
  • Dunand, Françoise ; Heim, Jean-Louis ; Lichtenberg, Roger: La nécropole d’ʿAyn el-Labakha (Oasis Kharga): Recherches archéologiques et anthropologiques. In: Hawass, Zahi (Hg.): Egyptology at the dawn of the twenty-first century ; proceedings of the Eighth International Congress of Egyptologists Cairo, 2000, Bd. 1; Archaeology. Cairo : American University in Cairo Press, 2003, ISBN 978-977-424-674-6, S. 154–161. Friedhof von Qaṣr el-Labacha.
  • Hussein, Adel: Le sanctuaire rupestre de Piyris à Ayn al-Labakha, Oasis de Kharga. Le Caire : Institut Français d’Archéologie Orientale, 2000, (Mémoires / Institut Français d’Archéologie Orientale [MIFAO]; 116), ISBN 978-2-7247-0264-4. Wissenschaftliche Darstellung des Felsentempels des Piyris.
  • Schacht, Ilka: A Preliminary Survey of the Ancient Qanat Systems of the Northern Kharga Oasis. In: Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Abteilung Kairo (MDAIK), Bd. 59 (2003), S. 411–423. Qanat-Systeme.
  • Hölbl, Günther: Altägypten im Römischen Reich ; 3: Heiligtümer und religiöses Leben in den ägyptischen Wüsten und Oasen. Mainz am Rhein : Zabern, 2005, (Zaberns Bildbände zur Archäologie), ISBN 978-3-8053-3512-6, S. 41–42. Felsentempel des Piyris.
  • Ibrahim, Bahgat Ahmed ; Dunand, Françoise ; Heim, Jean-Louis ; Lichtenberg, Magdi ; Hussein, Kabashy: Le matériel archéologique et les restes humains de la nécropole d’Ain el-Labakha (Oasis de Kharga). Paris : Cybele, 2008, ISBN 978-2-915840-07-0. Friedhof von Qaṣr el-Labacha.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Edmonstone, Archibald: A journey to two of oases of upper Egypt. London : Murray, 1822.
  2. Drovetti, [Bernardino]: Journal d’un voyage à la vallée de Dakel. In: Cailliaud, Frédéric ; Jomard, M. (Hg.): Voyage à l’Oasis de Thèbes et dans les déserts situés à l’Orient et à l’Occident de la Thébaïde fait pendant les années 1815, 1816, 1817 et 1818. Paris : Imprimerie royale, 1821, S. S. 99–105, insbesondere S. 99.
Vollständiger ArtikelDies ist ein vollständiger Artikel, wie ihn sich die Community vorstellt. Doch es gibt immer etwas zu verbessern und vor allem zu aktualisieren. Wenn du neue Informationen hast, sei mutig und ergänze und aktualisiere sie.
Erioll world 2.svg