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Qaṣr Ibrīm

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Qaṣr Ibrīm ·قصر إبريم
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Ursprünglich auf dem Ostufer, heute inmitten des Nassersees befindet sich Qasr Ibrim in Ägypten (auch Kasr Ibrim, arabisch: ‏قصر إبريم‎, Qaṣr Ibrīm, oder ‏قاعة إبريم‎, Qalʿat Ibrīm, „Festung des Ibrīm“), das meroitische Pedeme bzw. das römische Primis (Prima, Premnis). Einst befand sich die Siedlung auf einem Hügel, der sich 70 Meter über dem Nil erhob. Es ist heute die einzige archäologische Stätte, die nicht von den Fluten des Nassersees begraben wurde.

Hintergrund[Bearbeiten]

Der Ort ist seit dem Neuen Reich in pharaonischer Zeit besiedelt. Neben Ägyptern gibt es hier Spuren der nubischen Reiche von Kusch, Napata und Meroë (ägyptische Spätzeit), römischer Soldaten, der nubischen X-Gruppe (um 400 n. Chr.), Christen und Muslime.

Zur Zeit der Königin Hatschepsut wurde hier z.B. eine Felsenkapelle angelegt, von ihr stammt auch ein Granitobelisk. Weitere Fragmente stammen aus der Regierungszeit Amenophis’ I., Thutmosis’ I., Thutmosis’ III., Amenophis’ II. und Ramses’ II. Aus dem Neuen Reich stammten auch sechs Schreine an der Westseite der Insel, die von hohen Beamten, den Vizekönigen von Kusch, angelegt wurden und in denen neben den regierenden Königen Horus von Miam, Satet oder Hathor verehrt wurden. König Taharqa (25. Dynastie) ließ die Tempelanlagen des Neuen Reiches wiedererrichten. Die Befestigungsanlagen wurden in der Spät- und der römischen Zeit angelegt und ausgebaut.

Qasr Ibrim ist neben Napata und Meroë der bedeutendste Ort, aus dem Inschriften nubischer Könige überliefert sind. Hierzu zählt z.B. eine Stele der Königin Amanischacheto (zur Zeitenwende). Die Stadt wurde 23. v. Chr. zur Zeit des römischen Präfekten Gaius Petronius zur Zeit des Kaisers Augustus von den Römern erobert, musste drei Jahre später aber wieder aufgegeben werden.[1] In der Folge wurde die Stadt wieder von Nubiern bewohnt.

Seit dem ausgehenden 6. Jahrhundert wurde die Stadt von christianisierten Nubiern bewohnt. Anfänglich wurde der Tempel des Taharqa in eine Kirche umgewandelt, im 7. Jahrhundert wurde die Marienkathedrale errichtet. Qasr Ibrim wurde Bischofssitz.

Zur Zeit Saladins (1137/1138–1193) wurde die Insel von seinen muslimischen Streitkräften erobert. Sie wandelten die Kathedrale in eine Moschee um. Später zogen sie sich wieder zurück, und es lebten hier weiterhin Christen. 1528, in osmanischer Zeit, wurde die Stadt von bosnischen Söldnern erobert. In der Mitte des 19. Jahrhunderts ließ der ägyptische Vizekönig Ibrahim Pascha die Stadt zerstören, in die sich mamlukische Fürsten geflüchtet hatten. Seitdem ist die Stadt unbewohnt.

Seit 1959 wurden hier Ausgrabungen der Egypt Exploration Society durchgeführt. Diese Ausgrabungen waren Teil der UNESCO-Rettungsaktion infolge der Errichtung des Staudamms von Assuan. Zu den Funden zählten zahlreiche Papyri und Textilien. Seit den 1990er-Jahren werden die Grabungen von Dr. Mark Horton und Dr. Pamela Rose geleitet.

Frühere Beschreibungen der Ortschaft bzw. der Marienkathedrale liegen von Abū el-Makārim in der Überlieferung von Abū Ṣāliḥ dem Armenier vom Beginn des 13. Jahrhunderts[2] und Ugo Monneret de Villard (1881–1954)[3] vor.

Anreise[Bearbeiten]

Der Besuch von Qaṣr Ibrīm ist nur mit einer Kreuzfahrt auf dem Nassersee möglich. Man erreicht die Insel auf Fahrt von Neu-'Amada nach Abu Simbel.

Mobilität[Bearbeiten]

Die Insel darf nicht von Touristen betreten werden, jedoch fahren die Kreuzfahrtschiffe dicht an ihr vorbei, so dass sich ein guter Eindruck vom Ort erreichen lässt.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Byzantinische Kathedrale auf der Insel Qasr Ibrim

Zur ehemaligen Festung Qaṣr Ibrīm gehörten altägyptische Tempel und sechs Schreine, eine byzantinische Kathedrale, eine Siedlung und Friedhöfe mit einigen Grabnischen.

Markantestes Gebäude ist die fünfschiffige Marienkathedrale, die 32 × 19 Meter misst. Über die drei Eingänge an der Westseite erreichte man das Vestibül mit den Zugängen zu den Kirchenschiffen. Am Ostende befanden sie die Heikale, die Altarräume. Zur Kirche gehörten zwei Krypten für die Aufnahme von Bestattungen. Für die Kathedrale wurden zahlreiche Steinquader aus früheren Bauten wiederverwendet.

Der Oberteil ist noch in situ vorhanden, einige tiefer gelegene Kapellen wurden aus dem Fels geschnitten und im Nubia-Museum von Assuan wiedererrichtet.

Unterkunft[Bearbeiten]

Eine Unterkunft findet man auf seinem Kreuzfahrtschiff.

Ausflüge[Bearbeiten]

Der Besuch von Qaṣr Ibrīm lässt sich mit dem weiterer Denkmäler am Nassersee verbinden.

Literatur[Bearbeiten]

  • Allgemein
    • Horton, Mark: Qasr Ibrim. In: Bard, Kathryn A. (Hg.): Encyclopedia of the Archaeology of Ancient Egypt. London, New York : Routledge, 1999, ISBN 978-0-415-18589-9, S. 649–652.
  • Frühe Beschreibungen
    • Weigall, Arthur E[dward] P[earse]: A report on the antiquities of Lower Nubia : The first cataract of the Sudan frontier and their condition in 1906-7. Oxford : Oxford Univ. Pr., 1907, S. 119 f.
  • Grabungen der Egypt Exploration Society
    • Mills, Anthony J.: The cemeteries of Qaṣr Ibrîm : A report of the excavations conducted by W.B. Emery in 1961. London : Egypt Exploration Soc., 1982, (Excavation Memoir / Egypt Exploration Society ; 51), ISBN 978-0856980787.
    • Caminos, Ricardo Augusto: The shrines and rock-inscriptions of Ibrîm. London : Egypt Exploration Soc., 1968, (Memoir / Archaeological Survey of Egypt ; 32), ISBN 978-0901212122.
    • Rose, Pamela J.: The Meroitic temple complex at Qasr Ibrim. London : Egypt Exploration Soc., 2007, (Excavation memoir / Egypt Exploration Society ; 84), ISBN 978-0856981845.
    • Aldsworth, Fred: Qasr Ibrim : the cathedral church. London : Egypt Exploration Soc., 2010, (Excavation memoir / Egypt Exploration Society ; 97), ISBN 978-0856981906.
  • Dokumentfunde
    • Plumley, John Martin ; Browne, Gerald M.: Old Nubian texts from Qaṣr Ibrīm. London : Egypt Exploration Soc., 1988–1991 (3 Bände), (Texts from excavations ; 9, 10, 12).
    • Hinds, Martin ; Ménage, Victor L.: Qaṣr Ibrīm in the Ottoman period : Turkish and further Arabic documents. London : Egypt Exploration Society, 1991, (Texts from excavations ; 11), ISBN 978-0856981104.
    • Ray, John David: Demotic papyri and ostraca from Qasr Ibrîm. London : Egypt Exploration Society, 2005, (Texts from excavations ; 13), ISBN 978-0856981586.
    • Łajtar, Adam: Qasr Ibrim : the Greek and Coptic inscriptions. Warsaw : Warsaw Univ., Faculty of Law and Administration, Chair of Roman and Antique Law, 2010, (The journal of juristic papyrology / Supplement ; 13), ISBN 978-8392591924.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Berichte liegen von Strabon und Cassius Dio vor.
  2. [Abū al-Makārim] ; Evetts, B[asil] T[homas] A[lfred] (Hg., Übers.) ; Butler, Alfred J[oshua]: The churches and monasteries of Egypt and some neighbouring countries attributed to Abû Sâliḥ, the Armenian. Oxford : Clarendon Press, 1895, S. 274, Fol. 100 b. Verschiedene Nachdrucke, z. B. Piscataway : Gorgias Press, 2001, ISBN 978-0-9715986-7-6.
  3. Monneret de Villard, Ugo: Storia della Nubia cristiana. Roma : Pont. Inst. Orientalium Studiorum, 1938, (Orientalia Christiana analecta ; 118), S. 140–142.

Weblinks[Bearbeiten]

  • Qasr Ibrim study season, Egypt Exploration Society.
  • El-Aref, Nevine: Sending out an SOS (archivierte Version vom 11. September 2007 im Internet Archive archive.org), Artikel der Al-Ahram Weekly vom 30. August 2007.
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