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Nitzana

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Der Ort Nitzana ist ein Grenzort an der ägyptischen Grenze zum Sinai in der westlichen Negevwüste in Israel. Hier liegt der Nitzana National Park . Die Archäologische Stätte umfasst den Tel Nitzana, einen Siedlungshügel mit Ruinen einer Nabatäerstadt.

Nitzana, Nizana, Nizzana, hebr.: ניצנה, griech.: Νιζάνα
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Hintergrund[Bearbeiten]

Osmanische Garnison von Hafir el Aujah

Wie andere Nabatäerstädte im Negev wurde die Stadt Nitzana wohl im 3. Jhdt. v.Chr. gegründet, wahrscheinlich als Karawanenstation an einem in den Sinai führenden Seitenzweig der Weihrauchstraße, die von der arabischen Halbinsel über Petra nach Gaza führte.
Im ersten Jahrhundert kam die Region unter die Herrschaft der Römer. Im 4. Jhdt. schlossen sich die Nabatäer der christlichen Religion an. Die Region wurde nun von den Byzantinern beherrscht. In dieser Zeit wurde die Kirche im nördlichen Stadtbereich befestigt. Im 7. Jhdt. wurde die Stadt von den aus Syrien anrückenden Muslimen erobert und nach einem Bevölkerungsschwund wohl im 8. Jhdt. aufgegeben. Die Ruinen der Stadt wurden als Baumaterial für zahlreiche Gebäude in Gaza genutzt, weshalb von den Ruinen nur wenig erhalten blieb.

Später wurde an der Straßenkreuzung und dem Grenzübergang zwischen dem osmanisch-türkischen Reich und Ägypten der Grenzort Auja al-Hafir erbaut. Im Jahre 1902 errichtete die osmanische Verwaltung eine Polizeistation und später einen Truppenstützpunkt. Über die 1905/15 erbaute osmanische Militäreisenbahn wurden die zum Angriff auf den Suezkanal im Jahre 1915 eingesetzten türkischen Truppen über Be'er Sheva herangeführt und es entwickelte sich ein Verkehrsknotenpunkt mit Verwaltungsgebäuden am der einzigen asphaltierten Straße zwischen dem Mandatsgebiet Palästina und Ägypten. Von der Mandatsverwaltung wurde ein Gefängnis errichtet, in welchem arabische palästinensische Anführer und jüdische Kommunisten gleichermaßen in Haft gehalten wurden.
Im Rahmen des israelischen Unabhängigkeitskriegs wurde der Ort besetzt und die ägyptische Garnison in der Schlacht von 'Auja von israelischen Truppen zurückerobert. Zunächst wurde eine demilitarisierte Zone von Auja unter Aufsicht der vereinten Nationen festgelegt. Nach blutigen Scharmützeln um die definitive Grenzfestlegung zu Ägypten wurde Nitzana von israelischen Truppen nach dem Rückzug aus dem Sinai 1955 besetzt und nach der Niederlage Ägyptens im Sechstagekrieg 1967 ins israelische Staatsgebiet integriert.

Unweit des nur für kommerziellen Verkehr geöffneten Grenzübergangs nach Ägypten Nitzana Border Crossing entwickelte sich eine Siedlung mit einem Jugenddorf und Aktivitäten im landwirtschaftlichen Bereich und der Solarenergieforschung.

Im 19. Jhdt. wurden die Ruinen in verschiedenen Reiseberichten beschrieben, aber noch nicht korrekt identifiziert. 1896/1902 fand der Tscheche Alois Musil die Ruinen noch weitgehend unversehrt vor. Durch die Bautätigkeit des osmanischen Reich kam es zu deren weitgehender Zerstörung. In den Jahren 1935/37 wurden noch unter britischer Mandatsregierung die ersten systematischen Ausgrabungen der Nabatäerstadt durch Harris Dunscombe Colt durchgeführt. Mit den Nessana Papyri wurde ein größeres Konglomerat von Schriftrollen in griechischer und arabischer Sprache entdeckt, welche über das Leben in der Stadt in nachnabatäischer und byzantinischer Zeit Auskunft geben. So war die Stadt eine Zwischenstation für die Pilger ins Katharinenkloster im Sinai. Die Schriftrollen mit Steuerdaten legen von einer Stadt mit 1'500 Einwohnern in 116 Häusern Zeugnis ab.
Weitere Ausgrabungen erfolgten 1987/95 unter D.Urman und J.Shereshevski von der Ben Gurion University.

Anreise[Bearbeiten]

Die südwestlich von Be'er Scheva in der Nähe der agyptischen Grenze gelegene Stadt ist am besten mit dem eigenen Fahrzeug zu erreichen: Von der gut ausgebauten Straße 40 vom Norden über Be'er Scheva in Richtung Mizpe Ramon - Eilat biegt man bei der Tlalim Junction auf die Straße 211 ab. Diese führt in westlicher Richtung nach Nitzana und zur ägyptischen Grenze.

Zur Anreise mit dem öffentlichen Verkehr nimmt man ab dem Busbahnhof von Be'er Scheva die Buslinie 44 der Busgesellschaft Metropoline, die ca. alle zwei Stunden auf der Straße 211 nach Nitzana und zur Nitzana Border Crossing verkehrt. Vom Eingang zum Ort ist der gut 2 km entfernt liegende Tel Nitzana ca. 30 Min. zu Fuß erreichbar.

Mobilität[Bearbeiten]

Lokal bewegt man sich zu Fuß. Reisende mit Gehbehinderung können den Tel Nitzana von Nordosten her auf einer Schotterpiste umrunden und knapp unterhalb der Hügelkuppe des Tel parkieren.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Tel Nitzana National Park
Blick zur Unterstadt
Tel Nitzana: Zisterne

Tel Nitzana Archeological Park[Bearbeiten]

Die antike Stadt erstreckt sich über den zweiteiligen Siedlungshügel (mit der Oberstadt) westlich und die Unterstadt mit der Südkirche und Zisternen im Osten des querenden Nahal Ezuz.

  • Vom Parkplatz nord-westlich des Tel Nitzana steigt man (grün-weiß markierte Route) bequem zum Sattel zwischen den beiden Teilen der Oberstadt auf dem Tel Nitzana auf.
  • Zur Rechten im Südwesten liegen die Ruinen der 1 Southern Church , die allerdings nur noch schwer als Kirchenbau zu identifizieren ist. Etwas unterhalb finden sich Ruinen von Wohnquartieren.
  • Prominent sind die neuzeitlichen Ruinen des osmanischen Gouverneurssitzes und des türkisch-deutschen Lazaretts, welche ohne große Rücksicht auf die antiken Strukturen über den Ruinen der nabatäisch - byzantinischen Festung errichtet wurden. Nördlich davon liegt die 2 Zitadelle , von der ein Eingangstor und ein Teil der Umfassungsmauer erhalten sind.
Nördlich schließt sich die Northern Church an. Hier sind neben dem Rundbogen der Apsis Reste des Taufbeckens, des Baptisteriums und von Zisternen erhalten. In der Kirche resp. in einem Gewölbe unterhalb der den Heiligen Bacchus und Sergius geweihten wohl 464 n.Chr. erbauten Kirche wurde ein Teil der Papyri von Nitzana gefunden.
  • Ein gut erhaltener 3 Treppenaufgang hatte in der Antike die Unterstadt mit der Oberstadt mit der Zitadelle verbunden. Am Fuß des Siedlungshügels liegen Ruinen von Wohnquartieren.
Nach dem Übergang über den in den Sommermonaten trocken fallenden Lauf des Nahal Ezuz liegen zur Linken mehrere mit Gittern gesicherte Zisternen, an deren Grund sich Wasser sammelt.
  • Im Südosten der Unterstadt liegen die Ruinen der 4 Ostkirche , von der neben zwei Säulenreihen die Hauptapsis und Apsiden von Seitenkapellen auszumachen sind.
In der Nähe gelangt man zu Wasserkanälen einer noch in osmanischer Zeit genutzten Brunnenanlage.

Nitzana Hillocks[Bearbeiten]

Nitzana Hillocks

Eine geschotterte Stichstraße führt zu einem Parkplatz, von dem aus das Schutzgebiet der 5 Nitzana Hillocks bequem zu Fuß erreicht wird. Aus dem blendend weißen Kalkstein hat Regenwasser malerische kleine Rinnen und Schluchten herausgewaschen. Die Felsen wurden von der Witterung teils glattpoliert und geben malerische Fotomotive ab.

weitere Sehenswürdigkeiten um Nitzana[Bearbeiten]

Nitzana Cave
Nitzana Ancient Agriculture
  • Das 6 Khativa 8 Memorial , welches an die Todesopfer der israelischen Rückeroberung von Nitzana erinnert, liegt nordöstlich des Tel Nitzana.
  • Auf der blau-weiß markierten Route kann man zur 7 Nitzana Cave wandern. Die 80 x 20 m große Höhle entstand durch Ausbeutung des Kalksteins durch die Nabatäer, die den Kalksteinhügel im Innern förmlich ausgehöhlt haben. Gut erkennbar sind die als tragende Säulen belassenen Pfeiler. Durch Erdbeben sind über die Jahrhunderte Teile der Decke eingestürzt.
Weiter gelangt man auf der blau-weiß markierten Route zu einem im Bereich antiker nabatäischer Terrassierungen angelegten 8 Ancient Agriculture Hain mit verschiedenen Obstbäumen ("Ancient Agriculture", Beschriftung in hebr. Sprache) und vorbei an der langen Säulenreihe des 9 "Path of Peace" / "Netiv Shalom" zum Ausgangspunkt.
  • An der in den Süden Richtung Ezuz führenden Straße finden sich Reste der osmanischen Militäreisenbahn und ein ovaler 10 Türkischer Turm , welcher wohl als Wasserturm diente.

Aktivitäten[Bearbeiten]

  • Besichtigung des Archäologischen Parks auf dem Tel Nitzana
  • Kurze Wanderungen zur Höhle Nitzana Cave und den weißen Felsen der Nitzana Hillocks.

Einkaufen[Bearbeiten]

Vor Ort gibt es keine Einkaufsmöglichkeiten und keine Präsenz der Nationalparkverwaltung mit einem Souvenirshop, o.ä.

Küche[Bearbeiten]

  • In einer 1 Kneipe in einem Schattenwäldchen gegenüber des Ortseingangs, errichtet auf einem umgebauten Lastwagenanhänger, werden einfache Mittagsmahlzeiten serviert, gekühlte Getränke; Toiletten.

Unterkunft[Bearbeiten]

Etliche Übernachtungsmöglichkeiten mit Fremdenzimmern resp. B&B werden Wüstenliebhabern im nahen Ezuz angeboten.

Sicherheit[Bearbeiten]

Die Sicherheitslage ist bzgl. der Grenznähe wie auch bzgl. Kriminalität unbedenklich. Die Parkplätze außerhalb des archäologischen Geländes liegen nur teilweise in Sichtweite und sind unbewacht.
Im heißen trockenen Wüstenklima ist auf ausreichend Wasser- und Salzzufuhr zu achten. Die Distanzen & Höhenunterschiede bei der Besichtigung von Nitzana sind allerdings gering.

Ausflüge[Bearbeiten]

  • Besichtigung der weiteren Nabatäerstädte, zu erwähnen sind vor allem Shivta, Avdat und Mamshit sowie Petra, die in Jordanien gelegene Hauptstadt der Nabatäer.

1 Ezuz [Bearbeiten]

türkische Eisenbahnbrücke von Ezuz
Gebäude in Ezuz
"Brunnen des Mose"

Im Bereich eines ehemaligen Kibbutz-Außenpostens wurde die Siedlung Ezuz im Jahre 1985 im Bereich des Nahal Ezuz gegründet. Ein Teil der Einwohner widmet sich biologischem Landbau und setzt aus der Antike stammende nabatäische Methoden zur Bewässerung ein, um das Land urbar zu machen. Vor Ort werden lokal produzierter Ziegenkäse und Olivenöl angeboten.

Andere Schwerpunkte sind Kunsthandwerk und vor allem Tourismus. In zahlreichen Häusern werden Zimmer und Appartments angeboten. In der Umgebung sind Wanderungen und Biketouren möglich. Ezuz bietet auch gute Möglichkeiten zum Birdwatching.

  • Die Zufahrtsstraße führt über den Bahndamm der osmanischen Miltäreisenbahn und die gut erhaltene 11 Osman Railway Bridge türkische Eisenbahnbrücke.
  • In der Nähe eines schattigen baumbestandenen Picknickplatzes wurden zwei antike Brunnen ausgegraben, die als 12 Brunnen des Aaron und 13 Brunnen des Mose bezeichnet wurden. Möglicherweise besteht ein Zusammenhang zwischen diesem Ort mit zwei Brunnen und dem biblischen Be'erotayim, dem "Ort der zwei Brunnen".
  • Im Nahal Be'erotayim findet sich ein gemauertes 14 Byzantine Pool Rückhaltebecken ("Pool") aus nabatäisch - byzantinischer Zeit. Ein System von Wasserleitungen führte dem Becken das Wasser der Winterregenfälle zu. Im Flusstal finden sich auch Felsinschriften, teils in griechischer Sprache.

Übernachtungsmöglichkeiten:

Literatur[Bearbeiten]

  • Radwegkarte der Region um Nitzana, in hebr. Sprache
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