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Legende von Zarzūra

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Der Legende nach ist Zarzura (auch Zerzoora, Zerzura, Zarzura, Sersura, arabisch: ‏زرزورة‎, Zarzūra) eine verlorene Oase im Süden der Westlichen Wüste – und möglicherweise Inbegriff mehrerer verlassener Oasen. Hier soll sich in der Vergangenheit eine wohlhabende befestigte Siedlung befunden haben. Die Einwohner der Senken el-Farāfra und ed-Dāchla kennen natürlich den Namen dieser Oase, nur weiß niemand, wo sie sich befindet. Der britische Ägyptologe John Gardner Wilkinson (1797–1875) hatte sie erstmals 1835 in der westlichen Welt bekannt gemacht. Die von ihm ausgelöste Suche nach der verlorenen Oase Zarzūra, dem Atlantis der Westlichen Wüste, brachte bisher keinen Erfolg, auch wenn es an möglichen Kandidaten nicht fehlt.

Namensgebung[Bearbeiten]

Der Star ist der Namensgeber für die verlorene Oase.

Das arabische Wort ‏زرزورة‎, Zarzūra, bezeichnet einen Star aus der Familie der Sturnidae, insbesonderer der Gattung Sturnus. Das Substantiv leitet sich vom lautmalerischen Verb ‏زرزر‎, zarzara, für zirpen ab.[1]

Quellen[Bearbeiten]

Was die Kenntnis der legendären Oase Zarzūra anbetrifft, gibt es neben mündlichen Überlieferungen insbesondere im Bereich der Senke ed-Dāchla zwei wesentliche Schriftquellen.

Zum einen nannte der Ägyptologe John Gardner Wilkinson, der 1825 in der Westlichen Wüste weilte, sie als erster Europäer, in dem er sich auf zwei Berichte von Einheimischen stützte. In seinem 1835 erschienen Buch „Topography of Thebes and general view of Egypt“ schreibt er:

„Die kleine Wah (Oase) von El Hayz befindet sich einen kurzen Tag [später] südlich davon, und nach etwa drei weiteren Tagen ist das Dorf von Faráfreh, das sechzig oder siebzig Einwohner enthält; aber es gibt keine Ruinen in ihnen. Ungefähr fünf oder sechs Tage westlich der Straße nach Faráfreh gibt es eine weitere Oase, Wadee Zerzóora genannt, etwa von der Größe der Oasis Parva, reich an Palmen, mit Quellen und einigen Ruinen unbekannten Alters. Sie wurde vor etwa neun Jahren [das wäre etwa 1826] von einem Araber auf der Suche nach einem verirrten Kamel entdeckt, und aus den Spuren der Menschen und Schafe, auf die er dort traf, schloss man, dass sie bewohnt ist. Gerbábo, ein weiteres Wah, liegt sechs Tage darüber hinaus im Westen, und zwölf Tage von Augila; und Tazérbo, das sich noch weiter westlich befindet, ist Teil der gleichen Oase; und man nimmt an, dass das Wadee Zerzóora mit ihr in Verbindung steht. Die Bewohner sind Schwarze, und viele von ihnen wurden zu unterschiedlichen Zeiten von den Maghrebinern als Sklaven verschleppt: obwohl die „Täler der Schwarzen“, eine Reihe ähnlicher Oasen, noch weiter im Westen liegen.“[2]

In zwei Fußnoten nimmt er auf einen zweiten Bericht Bezug:

„* Man nimmt an, dass die Schwarzen, die vor einigen Jahren Faráfreh überfielen und eine große Anzahl der Bewohner entführten, aus dieser Oase [Zarzūra] stammten.“
„† Nach einem anderen Bericht ist Zerzóora nur zwei oder drei Tage genau westlich von Dakhleh, hinter dem sich ein weiteres Wadee befindet: dann ein zweites, in dem reichlich Vieh vorhanden ist: dann Gebábo und Tazerbo; und hinter diesen gibt es Wadee Rebeeána. Gebábo wird von zwei Stämmen Schwarzer, den Simertayn und Ergezayn, bewohnt.“

Beide Berichte schließen sich aber aus. Der erste Bericht legt eine Position westlich oder südlich der Ägyptischen Sandsee nahe, während der zweite Zarzūra etwa zwei bis drei Tagesmärsche westlich von ed-Dāchla verortet. Beide Aussagen sind auch fast wörtlich identisch im 1843 erschienen Werk „Modern Egypt and Thebes : being a description of Egypt“ enthalten.

Die zweite Quelle ist ein Schatzgräberhandbuch aus dem 15. Jahrhundert, das „Buch der vergrabenen Perlen und wertvoller Geheimnisse zu Hinweisen auf Verstecke, Funde und Schatzkammern“. Vielleicht ein Kommentar vorab: das Schatzhandbuch ist zwar geografisch sortiert. Unmittelbar vor dem Kapitel zu Zarzūra, hier auch Farzourah genannt, befindet sich das Kapitel § 368, Kloster von Qalamūn, das auch als Deir el-Anbā Ṣamūʾīl bekannt ist. Das Kloster ist aber 400 Kilometer von ed-Dāchla entfernt und somit für eine genauere Lokalisierung ungeeignet.

Obwohl alle bekannten Übersetzungen des Zarzūra-Kapitels aus ein und derselben Handschrift in umgangssprachlichem Arabisch abstammten, die sich um 1930 im Besitz von E. A. Johnson Pascha, einem Mitglied der Royal Geographical Society, befand, unterscheiden sich die Übersetzung Kamals von der von Harding King und Almásy. In der Übersetzung von Almásy lautet das Kapitel:

„Beschreibung einer Stadt und des Weges zu ihr. Sie liegt östlich der Zitadelle Es-Suri. In ihr wirst du Dattelpalmen und Weinpflanzungen und fließende Quellen finden. Folge dem Wadi (Tal) und steige in ihm bergan, bis du auf ein anderes Wadi triffst, das zwischen einem Hügelpaar nach Westen zieht. In ihm wirst du einen Pfad finden, folge ihm, und du wirst zu der Stadt Zarzura gelangen. Du wirst ihre Tore geschlossen finden. Sie ist eine Stadt weiß wie die Taube. Über dem Tor wirst du einen aus Stein gehauenen Vogel finden. Strecke deine Hand zu seinem Schnabel aus und ergreife den Schlüssel und öffne und tritt ein in die Stadt. Du wirst große Schätze vorfinden und den König und die Königin, die im Schloß im Schlaf liegen. Nähere dich ihnen nicht und nimm von den Schätzen. Friede sei mit dir!“

Wenn es Zarzūra je gegeben hat, dann sollte es an dieser Stelle einst eine Oase gegeben haben, und es sollten vielleicht Überreste dieser Siedlung noch auffindbar sein.

Almásy hatte für sein Buch mehrere Hinweise auf verlorene Oasen zusammengestellt. Hierunter sind z. B. Erzählungen von Hirten, die auf der Suche nach Kamelen die verlassenen Wüstenstädte wiederfanden. Die ersten Berichte datieren in die Zeit des Statthalters Abd al-Aziz ibn Marwan († 705). Berichte stammten auch von den Historikern el-Bakrī (1014–1094) und el-Idrīsī (1100–1166). In den Überlieferungen tauchen immer wieder Vertreter des Stammes der Tubu aus der Zentral-Sahara auf, die auf Raubzug waren.

Aber mehr als geografisch unzureichende Angaben können die Beschreibungen nicht bieten. Es liegt sogar nahe, nicht nur an eine verschollene Oase zu decken. Zarzūra wäre hiermit der Inbegriff mehrerer verschollener Oasen.

Suche nach der Oase[Bearbeiten]

In der Folge wurde immer wieder versucht, eben diese Oase zu finden. Rohlfs z. B. vermerkte anlässlich seiner 1873 durchgeführten Expedition:

„Ebenso wenig wie wir in Farafrah irgendwie eine zuverlässige Auskunft über die westlichen Landstriche erlangen konnten, wussten auch die Bewohner von Dachel etwas Sicheres darüber zu berichten. Zwar kannten auch hier Alle die Namen Sersura und Kufara, aber wo die erstgenannte Oase und wie weit von Dachel entfernt, oder wie beschaffen dieselbe sei, wusste Niemand anzugeben. Der Mangel von Kamelen in der Oase ist jedenfalls der Hauptgrund, weswegen die Bewohner derselben so wenig das Bedürfnis fühlen, über die Aussenwelt sich zu unterrichten, eben weil ihnen die Mittel der Fortbewegung abgehen. Das Interesse derselben für Alles, was nicht in ihrem nächsten Bereiche liegt, ist so gering, dass die meisten Bewohner von Gassr nicht nach dem nur 1 ½ Stunden westlich von der Stadt gelegenen monumentalen Ruinen von Dēr-el-hedjar gekommen waren, ja dass kein Einziger je nach den ca. 2 ½ Stunden im W. gelegenen Berg Edmonstone besucht hatte.“[3]

Um eine Vorstellung von der Anziehungskraft, die Zarzūra ausgeübt hat und noch ausübt, zu gewinnen, braucht man sich nur einmal die vielen Artikel zu diesem Thema im Geographical Journal anzusehen.[4]

Almásy lokalisiert Zarzūra in Tälern im Norden des Gilf-Kebir-Plateaus.

Zu den ambitioniertesten Wüstenforschern zählt sicher László Almásy (1895–1951). Zumindest glaubte er, in den drei Tälern im Norden des Gilf-Kebir-Plateaus, dem Wādī Ṭalḥ im Westen, dem Wādī ʿAbd el-Mālik in der Mitte und dem el-Wādī el-Ḥamrāʾ, Zarzūra entdeckt zu haben. Es passte in etwa zur ersten Beschreibung Wilkinsons, es sind prähistorische Felszeichnungen vorhanden und im Zeitraum mehrerer Jahre kommt es immer wieder zu heftigen Regenfällen, die die Wüste zu einem Garten Eden werden lassen.

In eine ganz andere Richtung gehen die Forschungen von Carlo Bergmann. Er glaubt, dass sich Zarzūra im Bereich des Wasserbergs des Djedefre befindet. Er vermutet hier mehrere heute trockengefallene Brunnen, die aber in der Zeit des altägyptischen Alten Reiches noch Wasser geliefert haben könnten. Die Lage entspräche dem zweiten Bericht Wilkinsons in den Fußnoten.

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise

  1. Wehr, Hans: Arabisches Wörterbuch für die Schriftsprache der Gegenwart : arabisch-deutsch. Wiesbaden : Harrassowitz, 1985 (5. Auflage), S. 521.
  2. Die genannten Oasen Kebabo, Taiserbo und Ribiana liegen im Bereich von Kufra und waren zu Wilkinsons Zeiten in der westlichen Welt noch nicht bekannt.
  3. Rohlfs, Gerhard: Drei Monate in der Libyschen Wüste. Cassel : Fischer, 1875, S. 115. Nachdruck Köln : Heinrich-Barth-Institut, 1996, ISBN 978-3-927688-10-0.
  4. Z. B.: Ball, John: Problems of the Libyan Desert (Continued). In: The Geographical Journal (GJ), ISSN 0016-7398, Bd. 70,2 (1927), S. 105–128, insbesondere ab S. 120. Harding King, W. J.: Lost Oases of the Libyan Desert. In: The Geographical Journal (GJ), ISSN 0016-7398, Bd. 72,3 (1928), S. 244–249, insbesondere ab S. 245. Ball, John: Remarks on “Lost” Oases of the Libyan Desert. In: The Geographical Journal (GJ), ISSN 0016-7398, Bd. 72,3 (1928), S. 250–258. Newbold, Douglas: More Lost Oases of the Libyan Desert. In: The Geographical Journal (GJ), ISSN 0016-7398, Bd. 72,6 (1928), S. 547–554. N. B. De Lancey Forth: More Journeys in Search of Zerzura. In: The Geographical Journal (GJ), ISSN 0016-7398, Bd. 75,1 (1930), S. 48–59. Johnson Pasha, E. A.: Zerzura. In: The Geographical Journal (GJ), ISSN 0016-7398, Bd. 75,1 (1930), S. 59–61. Harding King, W. J.: The Lost Oases. In: The Geographical Journal (GJ), ISSN 0016-7398, Bd. 75,1 (1930), S. 61–64. Palmer, H. R.: Zerzura. In: The Geographical Journal (GJ), ISSN 0016-7398, Bd. 75,4 (1930), S. 383–384. Beadnell, H. J. L.: Zerzura. In: The Geographical Journal (GJ), ISSN 0016-7398, Bd. 77,3 (1931), S. 245–250. Wingate, Orde: In Search of Zerzura. In: The Geographical Journal (GJ), ISSN 0016-7398, Bd. 83,4 (1934), S. 281–308. Wingate, Orde: In Search of Zerzura. In: The Geographical Journal (GJ), ISSN 0016-7398, Bd. 83,4 (1934), S. 281–308.