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Illhaeusern

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Illhaeusern
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Illhaeusern ist ein Dorf im französischen Elsass, Departement Haut-Rhin und Mitglied des Gemeindeverbundes Pays de Ribeauvillé et Riquewihr.

Innhaeusern ist eine Ville fleurie, eine "blumengeschmückte Stadt" und trägt im Concours des villes et villages fleuris ("Wettbewerb der blumengeschmückten Städte und Ortschaften") 3 von 4 Rosen.

Hintergrund[Bearbeiten]

Einiges zur Geschichte[Bearbeiten]

Für die Entwicklung des Dorfes bedeutend war die Lage an dem Zusammenfluss von Fecht und Ill, über den man Waren wie Wein, Getreide, Brot, Gemüse, Räucherfisch, Stoffballen etc. aus Guémar zur Ill und weiter nach Straßburg beförderte. 1479 wurde der mittlerweile veraltete Hafen in Guémar zugunsten einer neuen Anlegestelle an der Ill aufgegeben. Dort wurde schon bald das Dorf Illhaeusern von den Fischern, Kaufleuten und Fährleuten gegründet. 1482 wurde ein Dorf namens zu den huseren an der Yllen gelegen erwähnt. 1553 hieß der Ort schon Illheüsern. Fisch- und Krebsfang bildete die wichtigste Einnahmequelle des jungen Dorfes. Die Fischer bildeten dann bald ihre eigene Zunft, die im Laufe der Zeit zunehmenden Einfluss auf das Ortsgeschehen ausübte. Die Bedeutung der Fischerei spiegelt sich auch im Wappen der Gemeinde wieder, mit einem Fisch als zentralem Motiv. Seit dem 19. Jahrhundert hatten die Bewohner einen Fisch als Emblem. Guémar und sein damaliger Ortsteil Illhaeusern gehörte zu jener Zeit zum Lehnsgut des Adelsgeschlechts Ribeaupierre mit Sitz im 8 km entfernten Ribeauvillé. Anfang des 16. Jahrhunderts erhielt der Ort als nun eigenständige Gemeinde eine Gemeindeordnung mit eigener Gerichtsbarkeit, wiewohl er noch Guémar angeschlossen blieb. Von 1568 bis 1784 gab es den "Melkerhof" im Ort, ein Gutshof im Besitz der Ribeaupierres, in dem alljährlich ein "Schwörtag" stattfand, an dem die Gemeinmarck ihren Eid ablegte. Auch fanden hier die Jahreshauptversammlung der Fischerzunft ("Fischertage") statt mit der Zulassung von Fischern als neue Mitglieder und die Wahl des "Fischermeisters" (Mâitre-pêcheurs) für drei Jahre, in etwa dem Innungsobermeister vergleichbar. Natürlich wurde das Fest auch "zünftig" mit reichlich gegrilltem Fisch und heimischem Wein begangen. Am 18. Mai 1833 wurde die Bindung des Ortes an Guémar durch einen Erlass von "Bürgerkönig" Louis-Philippe aufgehoben, Illhaeusern war nun unabhängig. Im 19. Jahrhundert verloren Fischerei und Schifffahrt auf der Ill an Bedeutung, weil modernere Transportmittel aufkamen und es immer weniger Krebse gab. Was erhalten blieb, sind die Feste zur Erinnerung an jene Zeiten: Bratfischfest, Bootsfahrten usw. Während der Besetzung des Ortes im Juni 1940 durch die deutsche Wehrmacht wurde die Illbrücke zerstört, die katholische Kirche, die beiden Gaststätten und vier weitere Häuser. 1944 erfolgten weitere Zerstörungen in der Schlacht um Colmar, bis schließlich die 1. Französische Armee den Ort am 25. Januar 1945 befreien konnte. Langsam konnte der Wiederaufbau erfolgen. Zur Erinnerung an den Tag der Befreiung wurde die Hauptstraße Rue du 25 Janvier genannt.

Das Wappen[Bearbeiten]

Wappen

Blasonierung: (Quelle: Wappenbuch der Gemeinden in Haut-Rhin von 1981)

De sinople à la truite d’argent posée en pal, la queue vers le chef. ("Auf ledigem, grünen Feld mittig eine silberfarbene Forelle, kopfüber", [der Rücken nach rechts, befleckt mit 6 aneinandergereihten roten Punkten auf der Seitenlinie].

Das Wappen stellt einen Schild mit grünem Untergrund dar. In seiner Mitte ist eine silberfarbene Forelle mit sechs roten Punkten, einem schwarzen Auge und einigen schwarzen Strichen gezeichnet, die die Schuppen darstellen. Die Wahl von sechs Punkten ist zufällig und hat keine besondere Bedeutung. Den Fisch als Wappentier haben die Fischer des Dorfes aus dem Wappen von Guémar "mitgenommen", als sie Illhaeusern gründeten. Einen oder mehrere Fische im Wappen führen auch noch andere Orte in Haut-Rhin als Symbol der Fischerei als Wirtschaftszweig: Baltzenheim, Biesheim, Chavannes-sur-l'Étang, Ferrette, Fislis, Geiswasser, Goldbach-Altenbach und Guewenheim.

Anreise[Bearbeiten]

Mit dem Flugzeug[Bearbeiten]

Die nächsten Verkehrsflughäfen sind der Flughafen Straßburg (IATA CodeSXB, 59 km) und Basel-Mulhouse (IATA CodeBSL, MLH, EAP, 78 km).

Der Flugplatz Colmar-Houssen (14 km entfernt) erlaubt das Landen kleiner Privatflugzeuge.

Mit dem Auto[Bearbeiten]

Die Anreise mit dem Auto erfolgt

Mit der Bahn[Bearbeiten]

Der Bahnhof Ribeauvillé ist nicht mehr in Betrieb. Der nächstliegende Bahnhof mit TGV-Halt ist in Colmar.

Mit dem Bus[Bearbeiten]

Ein Bus der Linie 106 verbindet den Ort 3x tgl. alle 55 Min. mit Colmar und mit Ribeauvillé.

Mobilität[Bearbeiten]

Karte von Illhaeusern

Der Ort ist nicht wie andere der Region von Weinbergen umgeben, sondern liegt im ehemaligen sumpfigen Gebiet des Mündungsbereichs der Fecht in die Ill und des von ihr abzweigenden Riedlach-Bachs, der die Ill bei Sélestat wieder erreicht. Illhaeusern ist von landwirtschaftlich genutzten Feldern umgeben. Der touristisch interessante Ortskern östlich der Ill und nordöstlich der Fechtmündung hat eine Ausdehnung von nur etwa 200 m in OW-Richtung und 400-450 m in NS-Richtung. Alle Sehenswürdigkeiten liegen in der Dorfmitte zwischen der Illbrücke und der protestantischen Kirche. Größere Steigungen gibt es nicht, die Hauptstraße (Rue du 25 Janvier) ist zwischen der Illbrücke (175 m) und der protestantischen Kirche als eben zu bezeichnen.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Bilder aus Illhaeusern
Ortsdurchfahrt zwischen Rathaus und St.-Peter-und-Paul-Kirche
  • 1 Église Daint-Pierre-et-Paul - Die Kirche Sankt Peter und Paul wurde 1958 anstelle der früheren, 1861 errichteten und im Jahre 1944 von der deutschen Wehrmacht durch Beschuss zerstörten Kirche gebaut. Eine erste Kirche gab es bereits seit 1728, die als Kapelle von der Gemeinde bezahlt und 20 Jahre später eingeweiht worden war. Die Kirche verfügt über einen separat stehenden Glockenturm mit quadratischem Grundriss, der auf seiner Spitze einen Turmknopf, ein schmiedeeisernes Kreuz und - wen wundert es - einen Fisch als "Wetterfahne" hat. In Höhe der Glockenstube sind in den Wänden aller vier Himmelsrichtungen Klangarkaden angebracht, an den Klanglamellen gut zu erkennen, die den Glockenklang in alle Richtungen, vornehmlich nach unten leiten. Auf dem First des Kirchenschiffs brütet üblicher weise Störche. Die prächtigen, farbigen Kirchenfenster des Schiffes geben dem Kircheninneren ein ungewöhnliches Farbenspiel. Das Altarbild stellt eine Kreuzigung dar. Die im nördlichen Seitenschiff aufbewahrten Taufsteine sind die letzten Zeugen der Kirche von 1728.
  • 2 Auberge de l'Ill - Das Gasthaus der Familie Haeberlin, Hochburg der Elsässer Küche, mit drei Michelin-Sternen ausgezeichnet, war ursprünglich eine Art Diskothek ("Tanzschenke"), in der das Kochen Aufgabe der Frauen war. Ein häufiger und gerne gesehener Gast im damaligen L'Arbre Vert ("Zum grünen Baum") war Anfang des 20. Jahrhunderts der elsässische Zeichner und Deutschenhasser Jean-Jacques Waltz (Hansi). Im Juni 1940 wurde die Gaststätte wie auch die zweite Illhaeuserns zerstört (siehe "Einiges zur Geschichte"). Der Wiederaufbau der nun genannten L'Auberge de l'Ill begann unter den Enkeln des Gründers, den Gebrüdern Jean-Pierre und Paul Haeberlin, im Jahre 1950. Heute führt Marc, der Sohn des im Jahre 2008 verstorbenen Paul, die Gaststätte weiter und konnte auch bis heute die drei Michelinsterne seines Vaters erhalten.
  • 3 Écluse - Die Schleuse (L'Écluse) wurde in den 1870er Jahren gebaut, um die Wassermengen des Bennwassers für die Bewässerung der Felder im Ried zu regulieren und erleichterte den Fischern die Bootsfahrten Ill-aufwärts. Von der Holzbaracke, einst zur Lagerung von Holzbalken für das Stauwerk, hat man nach einem Umbau nun einen schönen Ausblick auf die Ill und das Bennwasser.
  • 4 Born - Den Grenzstein aus dem Jahre 1833 (zur Erinnerung an das Jahr der Unabhängigkeit von Guémar) erreicht man, wenn man von der Schleuse aus am Bennwasserufer entlang geht und in die Rue du Bennwasser einbiegt. Eingraviert sind neben der Jahreszahl ein Fisch und ein Anker, Symbole der Fischer und Schiffer. Der Standort des Grenzsteins ist nicht original, er war einst auf einem Feld in der Nähe.
  • 5 Séchoir à tabac - Der ehemalige Tabaktrockenschuppen steht hinter dem Haus 4 rue du Char Porc-Épic ("Straße zum Panzer Stachelschwein"). Sie ist als Tabakdarre an den drehbaren Luftklappen zu erkennen, dient aber heute anderen Zwecken. Trockenschuppen sind auch zu sehen in er 33 rue du 25 Janvier und am Ende der Rue des Cigognes, in der Nähe des Orchbaches.
  • 6 Maison de pêcheur - Ein typisches Fischerhaus
  • 7 Chapelle protestante - Die heutige, 1952 errichtete protestantische Kirche steht an der Stelle der 1940 zerstörten Vorgängerkirche, die bereits im Jahr 1868 von der protestantischen Kirchengemeinde gebaut worden war. Sehenswert sind die Fenster des in Straßburg geborenen, Frankreich-weit bekannten Künstlers Roger Mühl.
  • 8 Maison de pêcheur - Ein weiteres Fischerhaus aus dem 18. Jahrhundert, es wurde früher von einer Ill-Flussschleife tangiert. Typisch ist der traditionelle Aufbau des Hauses: Unter einem Dach im EG sind Wohnräume und ein kleiner Stall, der Eingang führt direkt in die sich in den Hauptwohnraum öffnende Küche, dann in einen höher gelegenen Keller am Ende des Hauses.
  • Drei ehemalige Bunker der Maginot-Verteidigungslinie befinden sich auf Gemeindegebiet:
Am Ende der Rue de l'Ill, gegenüber der Schleuse, allerdings wegen starker Überwucherung kaum zu erkennen
Auf der südlichen Landspitze am Zusammenfluss von Ill und Fecht
Am Ortseingang von Illhaeusern, von Guémar kommend
  • Weiterhin sehenswert sind:
9 Ancien Moulin au Riedbrunnen - Die alte Mühle am Riedbrunnen-Bach, 8 route d'Elsenheim: Der Bach trieb die Mühle an, in der Getreide gemahlen wurde. Hier stand bereits seit 1469 eine Mühle, in der Geneartionen von Müllern ihr Tagwerk vollbrachten: Sie betrieben auch eine Gipsmühle, ein Sägewerk und eine Wäscherei. Die Wäsche wurde auf dem Platz gegenüber der Mühle zum Bleichen ausgelegt, er heißt heute noch Bleich. Inzwischen wurden die Mühlsteine der noch heute betriebenen Mühle durch Mahlwalzen ersetzt. Der Mittelbau und das Fachwerk datieren aus dem Jahre 1796.
10 Char Porc-Épic - An der Einmündung der alten Route d'Elsenheim in die neue, etwa 1.200 m südlich des Ortsendes, steht ein Panzer, der an der Schlacht um Colmar beteiligt war: Es ist ein (von den Franzosen) Porc-Épic ("Stachelschwein") getaufter M 10 Wolverine-Panzer der 1. französischen Armee, der unweit des heutigen Standortes am 26. Januar 1945 von der deutschen 708. Jagdpanzer-Volksgrenadier-Division beschossen wurde, wobei drei Soldaten der Besatzung ihr Leben ließen. Der Panzerkommandant, Sergent Marc Samin († 1991), wurde an den Beinen schwerverletzt. Er erinnerte sich später genau an das Feuer aus dem Jagdpanzer und dass er gleichzeitig zurückgeschossen und den Jagdpanzer zerstört hatte. Eine Grabsäule erinnert an die 121 Toten des 8. Panzerregiment, die an der Befreiung des Ortes beteiligt waren.

Aktivitäten[Bearbeiten]

  • Im Sommer werden romantische Bootsfahrten in Begleitung eines Fährmanns aus Illhaeusern angeboten. (Reservierung und Auskünfte bei der Tourist Information)
  • Von Mitte April bis Mitte Oktober werden Bootsfahrten im Einerkanadier oder Kajak angeboten. (Reservierung und Auskünfte beim Verein Canoës du Ried, Tel. +33 (0)3 89 73 84 82).

Einkaufen[Bearbeiten]

Eine Einkaufsmöglichkeit für Güter des täglichen Bedarfs gibt es nicht oder kaum, alles bekommt man in den größeren benachbarten Orten, in Colmar oder Sélestat.

Küche[Bearbeiten]

  • 1 Auberge de l'Ill, 2 rue de Collonges au Mont d'Or, 68970 Illhaeusern. Tel.: +33 (0)3 89 71 89 00. Das sehr schön am Ufer der Ill gelegene Restaurant der bekannten Gastronomenfamilie Haeberlin bietet eine Sterneküche, die höchsten Ansprüchen genügt. Preisbeispiel: 300 g Gänseleberterrine 130 € Geöffnet: 12:00–14:00 Uhr, 19:00–21:00 Uhr.
  • 2 Restaurant à la Truite, 17 Rue du 25 Janvier, 68970 Illhaeusern. Tel.: +33 (0)3 89 71 83 51. Im 1908 gegründeten Restaurant "Zur Forelle" sollen sich schon vor der Zerstörung ihres Restaurants die Haeberlins getroffen haben, wonach sich die beiden Brüder von Paul Haeberlin bis zu dessen Tod gestritten haben sollen, wer denn die Rechnung bezahlt. Das Haus hat eine schöne Terrasse zur Ill. Die Preise auf der Speisekarte sind dem regionalen Niveau entsprechend (bspw. Forelle Müllerin 14,80 €)

Es gibt noch die oder andere Winstub, die neben Wein auch kleine, regionale Speisen anbieten.

Nachtleben[Bearbeiten]

Unterkunft[Bearbeiten]

  • 1 Hôtel des Berges, 23 rue du 25 Janvier, 68970 Illhaeusern. Tel.: +33 (0)3 89 71 87 87. Das Hotel ist im Besitz der Gastronomenfamilie Haeberlin und hat dem Niveau des Restaurants angepasste Zimmerpreise, vermutlich aber auch entsprechend qualitativ hohe Ausstattung etc.

Sicherheit[Bearbeiten]

Gesundheit[Bearbeiten]

Notrufnummern[Bearbeiten]

Siehe Notrufnummern in Frankreich

Praktische Hinweise[Bearbeiten]

Ausflüge[Bearbeiten]

Der Ort ist ein idealer Ausgangspunkt in die anderen sehr schönen Dörfer des Gemeindeverbands, in die Vogesen und nach Colmar.

Literatur[Bearbeiten]

Einzelnachweise und Quellen[Bearbeiten]

  • Broschüre der Tourist-Information (auch in deutsch)

Weblinks[Bearbeiten]

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