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Deir Mār Girgis el-Ḥadīdī

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Deir Mār Girgis el-Ḥadīdī
دير مار جرجس الحديدي
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Deir Mar Girgis el-Hadidi (arabisch: ‏دير مار جرجس الحديدي‎, Dair Mār Girgis al-Ḥadīdī, „das eiserne Kloster des hl. Georg“) ist ein Kloster ca. 10 Kilometer südöstlich von Achmīm und ca. 1,5 Kilometer südlich des Wādī Abū Gilbāna auf der östlichen Nilseite. Östlich des Klosters erstreckt sich der Weiler Deir el-Ḥadīd (arabisch: ‏نجع دير الحديد‎, Naǧʿ Dair al-Ḥadīd, „Weiler des Klosters des Eisens“), kurz auch ed-Deir (‏نجع الدير‎, Naǧʿ ad-Dair), der den alten Namen des Klosters fortführt. Das Kloster befindet sich in 125 Meter Entfernung zum Nilufer.

Hintergrund[Bearbeiten]

Ursprünglich war das Kloster den beiden syrischen Märtyrern Eulogius (Abba Lūkios, arabisch: ‏أولوجيوس‎, Aulūǧiyūs) und Arsenius (Abba Arsenios, arabisch: ‏أرسانيوس‎, Arsāniyūs) geweiht, die wohl zu Beginn des 4. Jahrhunderts ihr Martyrium hatten und ein recht großes Ansehen in der koptischen Kirche genossen. Über ihren hier bestatteten Leichnamen wurde ihnen zu Ehren eine Kirche errichtet, aus der sich im Laufe der Zeit, am Ende des 7., Anfang des 8. Jahrhunderts, ein Kloster entwickelte. Der ursprüngliche Name des Klosters war Deir el-Ḥadīd, Kloster des Eisens, der wohl auf ein eisernes Eingangstor zurückging.

Schriftlichen Überlieferungen zum Kloster gibt es aber nicht. Die heutige Kirche stammt der Form nach wohl aus dem 16. bis 17. Jahrhundert.

Das Kloster und die Kirche wurden 1870 umfassend neu gestaltet und um zwei seitliche Anbauten erweitert. Wohl seit dieser Zeit trägt das Kloster den heutigen Namen Deir Mār Girgis el-Ḥadīdī. Verehrt wird der hl. Georg von Kappadokien.

Richard Pococke (1704–1765)[1] erwähnte das Kloster als erster westlicher Reisender. Erste Beschreibungen dieses Klosters überlieferten Somers Clarke (1841–1926) und Vater Michel Jullien (1827–1911)[2], die es im Dezember 1892 bzw. 1894 besuchten. In den Baedeker-Reiseführern ist es seit der Auflage von 1902 erwähnt,[3] wenn auch anfänglich unter dem falschen Namen Deir Mār Girgis el-Ḥadīthī, Kloster des hl. Georgs des Jüngeren.

Für 1928 wurde eine Einwohnerzahl des Weilers von 100 genannt.[4] Die Größenordnung dürfte wohl auch noch heute gelten.

Anreise[Bearbeiten]

Das Kloster erreicht man mit einem PKW oder Taxi. In Sōhāg überquert man die Nil, um auf die Ostseite zu gelangen, und fährt dann weiter nach Achmīm. Dann folgt man der Straße Nr 21 von Achmīm nach Girgā, bis man das Kloster erreicht. Es befindet sich unmittelbar an der Ostseite der Straße.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Eingang zur Klosterkirche
Östliches Querschiff der Kirche
Zentrale Kuppel mit der darstellung Christi

Das auf einem flachen Hügel gelegene Kloster ist von einer verputzten Lehmziegelmauer umgeben, an deren Nordseite sich der Eingang befindet. Der Torbereich ist mit Kalksteinquadern und Ziegeln gestaltet. Eine Mauer trennt den Vorhof vom Hof vor der Kirche, die sich an der Ostseite der Klosterumfassungsmauer befindet.

Die Kirche ist als Breithaus ausgeführt und besteht aus zwei Querschiffen, die wiederum in fünf etwa gleichbreite Abschnitte (Joche) unterteilt sind. Der Decke besteht aus Kuppeln, die auf gewaltigen Ziegelpfeilern ruhen. Die Kircheingangstür führt direkt zum mittleren Heikal (Allerheiligsten).

Die Wände sind verputzt und geweißt. Das Ziegelmauerwerk liegt teilweise frei und ist braun bemalt, die Fugen sind weiß hervorgehoben. Die zentrale Kuppel zeigt ein modernes Gemälde Christi, in den Zwickeln finden sich die Abbilder der Evangelisten.

Nur die drei mittleren Joche führen zu Heikalen, und zwar der für die hl. Jungfrau (links), der für den hl. Georg und der für den Erzengel Michael. Die Allerheiligsten sind durch eine gemauerte Schirmwand, vor der sich heute hölzerne Täfelungen befinden, von den Schiffen getrennt. Neben den Türen zu den Heikalen befindet sich je ein kleines Fenster auf beiden Seiten. Über der mittleren Wand befinden sich die Abendmahldarstellung und die Bildnisse der zwölf Apostel.

Die Heikale sind als Apsiden ausgeführt, in deren Wände fünf Nischen eingearbeitet wurden. Im zentralen Heikal ist die mittlere Nische deutlich größer: eine Treppe führt zum ehemaligen Bischofsthron.

Am Nord- und Südende der Querschiffe befinden sich rechteckige Seitenkapellen, die als Sakristeien genutzt wurden. In der linken (nördlichen) Sakristei befindet sich das Taufbecken. An der Rückwand der Sakristeiräume führt eine Tür zu einer der beiden schmalen Querhallen, eḍ-ḍifir genannt, die wohl als Versteck dienten.

An den Enden der Querschiffe wurden 1870 Türen gebrochen und je ein weiteres Kirchenschiff angefügt, welches in einem Heikal mit Apsis endet. Altäre gibt es hier aber nicht (mehr). Die Heikale waren möglicherweise für Eulogius und Arsenius bestimmt.

An der linken Seite des östlichen Querschiffs befindet sich ein Schrein mit den Reliquien der Märtyrer von Achmīm. Zwischen den beiden Querschiffen vor dem zentralen Heikal befinden sich Schreine für den hl. Georg und Abba Nūb.

Aktivitäten[Bearbeiten]

Besondere Gottesdienste finden alljährlich am 7. Hatūr (16. November) und 23. Baramūda (1. Mai) zu Ehren der Kirchweihe bzw. des hl. Georg von Kappadokien statt.

Respekt[Bearbeiten]

In koptischen Kirchen herrscht Geschlechtertrennung. Frauen begeben sich zur Messe in den rechten (südlichen), Männer bzw. deren Familien in männlicher Begleitung in den linken Teil der Kirche.

Küche[Bearbeiten]

Restaurants findet man in der Stadt Sōhāg.

Unterkunft[Bearbeiten]

Unterkünfte findet man in der Stadt Sōhāg.

Ausflüge[Bearbeiten]

Der Besuch des Kloster lässt sich mit dem des Klosters Deir el-Anbā Bisāda und den Denkmälern in der Stadt Achmīm verbinden.

Literatur[Bearbeiten]

  • Clarke, Somers: Christian antiquities in the Nile Valley : a contribution towards the study of the ancient churches. Oxford: Clarendon Pr., 1912, S. 142–144, Tafel XLII.1.
  • Meinardus, Otto F. A.: Christian Egypt, ancient and modern. Cairo: American University in Cairo Press, 1977 (2. Auflage), ISBN 978-977-201-496-5, S. 410 f.
  • Timm, Stefan: Dēr al-Ḥadīd (II.). In: Das christlich-koptische Ägypten in arabischer Zeit ; Bd. 2: D – F. Wiesbaden: Reichert, 1984, (Beihefte zum Tübinger Atlas des Vorderen Orients : Reihe B, Geisteswissenschaften ; 41,2), ISBN 978-3-88226-209-4, S. 713–715.
  • Grossmann, Peter: Christliche Architektur in Ägypten. Leiden [u.a.]: Brill, 2002, (Handbuch der Orientalistik ; Abt. 1: Der Nahe und der Mittlere Osten ; 62), ISBN 978-90-04-12128-7, S. 543 f., Abb. 160.

Weblinks[Bearbeiten]

  • Koptisches Synaxar (Martyrologium) zum 7. Hatūr (16. November) und 23. Baramūda (1. Mai) (Coptic Orthodox Church Network)

Einzelnachweise

  1. Pococke, Richard: A Description of the east and some other countries ; Volume the First: Observations on Egypt. London: W. Bowyer, 1743, S. 81.Pococke, Richard ; Windheim, Christian Ernst von [Übers.]: D. Richard Pococke’s Beschreibung des Morgenlandes und einiger andern Länder ; Theil 1: Von Egypten. Erlangen: Walther, 1771 (2. Auflage), S. 122, § 13. Er berichtet, dass das zerfallene Kloster Der-el-Hadid aus roten ungebrannten Backsteinen errichtet wurde.
  2. Munier, Henri: Les Monuments Coptes d’après le Père Michel Jullien. In: Bulletin de la Société d’Archéologie Copte (BSAC), Bd. 6 (1940), S. 141–168, insbesondere S. 157.
  3. Baedeker, Karl ; Steindorff, Georg: Ägypten : Handbuch für Reisende. Leipzig: Baedeker, 1902 (5. Auflage), S. 220.
  4. Baedeker, Karl: Ägypten und der Sûdan : Handbuch für Reisende. Leipzig: Baedeker, 1928 (8. Auflage), S. 230.
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