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Deir el-Anbā Bisāda

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Deir el-Anbā Bisāda
دير الأنبا بسادة
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Deir el-Anba Bisada (arabisch: ‏دير الأنبا بسادة الأسقف‎, Dair al-Anbā Bisāda al-Usquf, „Kloster des Vaters Bisāda des Bischofs“) ist ein Kloster ca. 18 Kilometer südsüdöstlich von Achmīm und unmittelbar nördlich des Dorfes el-Aḥāiwa Scharq (arabisch: ‏الاحايوة شرق‎) auf der östlichen Nilseite. Nördlich des Klosters erstreckt sich der Weiler ed-Deir (‏نجع الدير‎, Naǧʿ ad-Dair). Das Kloster befindet sich in 150 Meter Entfernung zum Nil. Die Legende um den hl. Psote/Bisāda ist eng mit der Diokletianischen Christenverfolgung verknüpft.

Hintergrund[Bearbeiten]

Das Kloster ist dem hl. Psote/Pšōti/Pisada, arabisch Bisāda, geweiht. Der Überlieferung nach soll es aus dem 13. Jahrhundert stammen. Wie Grossmann ausführt,[1] könnte das Kloster bereits im 6. Jahrhundert bestanden haben. Den Bauzeitpunkt der ältesten heute noch erhaltenen Bauzeugnisse glaubt er in die frühe Umayyadenzeit (Anfang 7. Jahrhundert) legen zu können.

Der Legende nach arbeitete Psote – er lebte zu Beginn des 4. Jahrhunderts – in seiner Jugendzeit als Schafshirte für seinen Vater. Als Gehilfe begleitete ihn ein Junge namens Agrippidos/Agrippida. Beider Lebensweg unterschied sich deutlich: Psote wuchs als frommer Christ auf, während Agrippidos weltlich erzogen wurde.

Psote zog sich später als Asket in die Wüste zurück. Vom Patriarchen Petros I. († 311) erhielt er später das Amt des Bischofs für die Stadt Psoi/Ibsāy (auch Ptolemaïs Hermiou), das heutige Minschāt, das sich an etwa gleicher Stelle auf der Westseite des Nils befindet.

Agrippidos wurde in der Zeit des Perserangriffs als Soldat in die römische Armee eingezogen. Er konnte sich am Kaiserhof hocharbeiten und heiratete die Tochter des Kaisers Numerian. Nach dessen Tod wurde er selbst Kaiser unter dem Namen Diokletian. Aus Zorn über den Patriarchen von Antioch, Kyrus, der den Sohn des persischen Königs aus der Gefangenschaft entkommen ließ, ließ er das Christentum verbieten und seine Anhänger verfolgen.

Zur Zeit des Präfekten Arianus wurde Psote selbst Opfer dieser Christenverfolgung. Nachdem er seinem Glauben nicht abschwören wollte, wurde er ins Gefängnis geworfen, gefoltert und einige Tage später enthauptet.

Es ist nicht bekannt, ob Psote je ein Kloster gründete. Nach dem Ende der Christenverfolgung ist sein Leichnam hierher gebracht worden und eine Gedächtniskirche darüber errichtet worden, aus der das Kloster hervorging.

Das Kloster wurde bereits von Richard Pococke (1704–1765, Reise 1737/1738)[2] erwähnt. 1894 besuchte Vater Michel Jullien (1827–1911)[3] das Kloster. Von einem Survey abgesehen, hat es eine umfassende Erforschung des Klosters bis heute nicht gegeben.[4]

Anreise[Bearbeiten]

Das Kloster erreicht man mit einem PKW oder Taxi. In Sōhāg überquert man die Nil, um auf die Ostseite zu gelangen, und fährt dann weiter nach Achmīm. Dann folgt man der Straße Nr 21 von Achmīm nach Girgā, bis man das Kloster erreicht. Es befindet sich unmittelbar an der Westseite der Straße.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Heikal des hl. Psote
Eingang zur Grabkapelle
Blick durch das östliche Querschiff
Steinblock über dem Eingang zur Kapelle

Das Kloster ist von einer Lehmziegelmauer umgeben, an deren Nordseite sich der Eingang befindet. Die Kirche befindet sich an der Ostseite der Klosterumfassungsmauer. An der südlichen Außenmauer der Kirche befinden sich die Unterkünfte für die Priester.

Die heutige Kirche ist entweder aus zwei separaten Kirchen entstanden oder später um den Südbau ergänzt worden. Beide Teile werden auch heute noch durch ein hölzernes Ziergitter getrennt und liegen auch nicht in einer Flucht.

Die Kirche ist eine Breithauskirche und besteht aus zwei Querschiffen. Der Hauptbau ist in drei gleiche Abschnitte (Joche) unterteilt, der südliche in zwei. Die Decke besteht aus Kuppeln, die auf mächtigen Pfeilern ruhen. Die Wände und Kuppel sind verputzt und geweißt, besitzen sonst aber keinen Schmuck.

Die Kirche ist so eigentümlich asymmetrisch. Die Eingangstür der Kirche führt zum rechten und nicht zum mittleren Heikal (Allerheiligsten) des nördlichen Baus. Dass sich hier wohl schon immer der Hauptheikal befunden hat, dafür spricht die größere Kuppel vor diesem Heikal, die allerdings erst später als der Heikal errichtet wurde. Der Heikal wird erst unter Hinzunahme des Südbaus zum mittleren.

Der Nordbau verfügt über drei Heikale, und zwar für den hl. Georg (links, Norden), für die hl. Jungfrau und für den hl. Psote/Bisāda. Über der Abschirmwand der erstgenannten hängt ein Bildnis der verehrten Heiligen, über der Schirmwand zum Heikal des Psote die Abendmahldarstellung, Bildnisse der Jungfrau mit ihrem Kind und des Christus sowie die der zwölf Apostel. An der linken Wand des östlichen Querschiffs befindet sich ein Reliquienschrein für Vater Psote und Vater Ghalīnīkūs (arabisch: ‏الأنبا غلينيكوس‎, al-Anbā Ghalīnīkūs).

Rechts neben dem Heikal des hl. Psote führt eine niedrige Tür in einer schrägen Wand zu einer Kapelle mit zwei Räumen. Oberhalb der Tür ist ein dekorierter Kalksteinblock vermauert, den ein Henkelkreuz und weitere Ornamente schmücken. In dieser Kapelle befinden sich die Reliquien des hl. Psote, seines Bruders und seiner Schwester.

Im südlichen Anbau befinden sich zwei weitere Heikale, und zwar für die hl. Damiana und den Erzengel Michael. Der südliche Anbau passt im Grundriss nicht ganz zum nördlichen Teil, die Gestaltung der hölzernen Schirmwand ist aber gleichartig.

Aktivitäten[Bearbeiten]

Besondere Gottesdienste finden alljährlich am 5. Januar (27. Kiakh) und 3. August (27. Abib), dem Tag des Martyriums des hl. Psote und der Kirchweihe, statt.

Respekt[Bearbeiten]

In koptischen Kirchen herrscht Geschlechtertrennung. Frauen begeben sich zur Messe in den rechten (südlichen), Männer bzw. deren Familien in männlicher Begleitung in den linken Teil der Kirche.

Küche[Bearbeiten]

Restaurants findet man in der Stadt Sōhāg.

Unterkunft[Bearbeiten]

Unterkünfte findet man in der Stadt Sōhāg.

Ausflüge[Bearbeiten]

Der Besuch des Kloster lässt sich mit dem des Klosters Mār Girgis el-Ḥadīdī und den Denkmälern in der Stadt Achmīm verbinden.

Literatur[Bearbeiten]

  • Meinardus, Otto F. A.: Christian Egypt, ancient and modern. Cairo: American University in Cairo Press, 1977 (2. Auflage), ISBN 978-977-201-496-5, S. 411 f.
  • Timm, Stefan: Dēr Anbā Bisāda. In: Das christlich-koptische Ägypten in arabischer Zeit ; Bd. 2: D – F. Wiesbaden: Reichert, 1984, (Beihefte zum Tübinger Atlas des Vorderen Orients : Reihe B, Geisteswissenschaften ; 41,2), ISBN 978-3-88226-209-4, S. 660 f.
  • Orlandi, Tito: Psote of Psoi, Saint. In: Atiya, Aziz Suryal (Hrsg.): The Coptic Encyclopedia ; Bd. 6: Muha - Pulp. New York: Macmillan, 1991, ISBN 978-0-02-897035-6, S. 2031 f.
  • Grossmann, Peter: Christliche Architektur in Ägypten. Leiden [u.a.]: Brill, 2002, (Handbuch der Orientalistik ; Abt. 1: Der Nahe und der Mittlere Osten ; 62), ISBN 978-90-04-12128-7, S. 544–546, Abb. 161.

Weblinks[Bearbeiten]

  • Koptisches Synaxar (Martyrologium) zum 27. Kiahk (Coptic Orthodox Church Network)

Einzelnachweise

  1. Grossmann, Christliche Architektur, a.a.O., S. 546.
  2. Pococke, Richard: A Description of the east and some other countries ; Volume the First: Observations on Egypt. London: W. Bowyer, 1743, S. 81.Pococke, Richard ; Windheim, Christian Ernst von [Übers.]: D. Richard Pococke’s Beschreibung des Morgenlandes und einiger andern Länder ; Theil 1: Von Egypten. Erlangen: Walther, 1771 (2. Auflage). Er berichtet, dass sich das sehr zerfallene Kloster Der-Embabsag gegenüber von Mensheeh befindet und er vier Priester angetroffen hat. Im § 14, S. 122 f., führt er aus, dass Sag/Embabsag Priester in Ptolemais Hermius war.
  3. Munier, Henri: Les Monuments Coptes d’après le Père Michel Jullien. In: Bulletin de la Société d’Archéologie Copte (BSAC), Bd. 6 (1940), S. 141–168, insbesondere S. 155 f.
  4. Grossman, P.: Surveyarbeiten im Raum von Aḫmīm. In: Archiv für Orientforschung : internationale Zeitschrift für die Wissenschaft vom Vorderen Orient, ISSN 0066-6440, Bd. 27 (1980), S. 304–306, insbesondere S. 305 f. Der Survey wurde im Juni 1978 durchgeführt. Der Autor schlägt vor, dass sich vormals im Bereich des Heikals des hl. Psote eine Dreikonchenanlage befunden haben könnte.
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