Èrlián

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Erenhot
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Die Grenzorte Èrlián (chinesisch: 二連浩特市, Pinyin: Èrliánhàotè, mongol.: Eriyen/Эрээн) und das mongolische Dsamin-Üüd (mongol.: Замын-Үүд, engl: Zamin-Uud, chinesisch: 扎門烏德, Pinyin: Zāmén wūdé[1]) liegen gegenüber an der chinesisch-mongolischen Grenze in der Wüste Gobi zwischen dem Aimag Dorno-Gobi und der chinesischen inneren Mongolei.

Der einzige Existenzgrund der Orte ist der hier eingerichtete Grenzübergang an der transmongolischen Eisenbahn deren Baubeginn 1956 war. Den genauen Grenzverlauf regelte erst ein Vertrag 1962.

Hintergrund[Bearbeiten]

Dsamin-Üüd im Norden, Èrlián im Süden.

Die grenzüberschreitende Verbindung war während der Kulturrevolution unterbrochen. In den schweren Zeiten zum Ende der sowjetischen Republiken in den 1990ern entstand hier ein Bazar für billige chinesische Industriewaren, die von mongolischen Kleinhändlern kofferweise bis auf die Märkte Sibiriens gebracht wurde. China und die Mongolei einigten sich 2000 den kleinen Grenzverkehr zu legalisieren. Mongolen dürfen sich nun ohne Visum und Anmeldung 30 Tage am Stück in der Sonderwirtschaftszone Èrlián aufhalten. Die Bevölkerungszahl explodierte von rund 8000 im Jahre 1998 auf geschätzte 100.000 im Jahre 2018. Viele mongolische „Kurzzeit-Einwanderer“ arbeiten hier wegen der 3-5fach höheren Löhne schwarz und reisen ein Mal pro Monat für einen Tag heim.

Zwar sind 85% der Bewohner Han-Chinesen, „Arbeitssprache“ ist jedoch Mongolisch. Durch massive Förderung seitens der chinesischen Regierung kam es 2003-12 zum massiven Ausbau des Ortes und der Infrastruktur mit gigantischen Einkaufszentren, neuen Gewerbegebieten und stark vergrößertem Güterbahnhof. Neu-Èrlián, das Gebiet im Westen der Stadt wurde in wenigen Jahren bis 2010 aus dem Boden gestampft. Östlich des Bahnhofs ist Industriegebiet. Der Bauboom ließ seit 2012 nach, da die Stadt nun ausreichende Kapazitäten für den hier stattfindenden Handel hat. Bereits 2007 wurde siebzig Prozent des grenzüberschreitenden Gesamtwarenverkehrs hier abgefertigt. Dazu kommt der Klein- und Schleichhandel.

Anreise[Bearbeiten]

Ein Aufenthalt bzw. Umstieg in Èrlián/Dsamin-Üüd ist vor allem für kostenbewußte Reisende interessant. Nutzt man lokale Verkehrsmittel zwischen Peking und Ulan Bator spart man gegenüber dem internationalen Bahnticket gewaltig.

Mit dem Flugzeug[Bearbeiten]

1 Flughafen Erenhot Saiwusu (二連浩特賽烏蘇國際機場, IATA: ERL) (32 km außerhalb). Flughafen Erenhot Saiwusu in der Enzyklopädie WikipediaFlughafen Erenhot Saiwusu (Q1108990) in der Datenbank Wikidata. Flüge nach Beijing–Daxing, Hohot und Ulan-Bator.

Mit der Bahn[Bearbeiten]

Bahnhof Dsamin-Üüd. Fahrkarten gibt es im linken Gebäudeteil im OG. Der gebührenpflichtige Wartesaal hat bequeme Sitze und WLAN.
Dsamin-Üüd

Aus Ulan-Bator fahren zwei Züge nach 2 Dsamin-Üüd. Der Schnellzug (ab UB So., Di., Do, 20.45 Uhr; Stand 2019) ist 8.30 in Dsamin-Üüd und zwei Stunden später über der Grenze. Außerdem fährt ein Bummelzug (Di., Sa. ab UB 7.30, an 18.50). Die billige Klasse (2019: 21500 Tö.) wird öfters überbucht. Die Abfahrten in Gegenrichtung sind am frühen Abend. Die Transmongolische (Zug 4 aus Moskau) verlässt Ulan-Bator ein Mal pro Woche um 7.30 Uhr. Zug 34 UB-Hohhot kommt hier Samstag 8.30 Uhr durch, in Gegenrichtung dienstags.

Hundert Meter links vom Ausgang ist der Bushalt für grenzüberschreitende Fahrten von denen es aber nur wenige gibt.

Èrlián
3 Bahnhof Èrlián. Aus Peking fährt Zug K23 ab 11.22 Uhr, Ankunft um 22.30. Im Liegewagen 3. Klasse zahlte man 2016 200 Yüan. Der „Transmongolische“ ist Zug-Nr. 3, Abfahrt Peking donnerstags 7.27 Uhr (2019).

Mit dem Bus[Bearbeiten]

4 Fernbusbahnhof (二連國際汽車站)

Busse fahren für 220 Yuan (2020) ab Beijing-Xinfadi (新發地長途客運站, Pinyin: Xīnfādì chángtú kèyùn zhàn) um 17.30 und kommen gegen 3-4.00 Uhr an. Es gibt auch einen Nachtbus mit Schlafkojen ab Peking-Südbahnhof (Ausgang A, beschildert), Abfahrt 17.30 Uhr, in Èrlián 8.00 Uhr.

Auf der Straße[Bearbeiten]

Auf der kürzesten Strecke sind es 669 km Peking. Nach Hohot (呼和浩特市) sind es 409-436 km. Die in beiden Fällen zu nutzende Fernstraße G55 ist mautpflichtig.

Die mongolische Fernstraße AH-3 wird mittlerweile durch eine Umgehung um den Siedlungskern von Dzamin Üüd herumgeleitet. Bis Ulan-Bator sind es 681 km. Sammeltaxis benötigen 7-8 Stunden (Preis Ende 2019: 60000 Törög).

Grenzübergang[Bearbeiten]

Siehe die Einreisebedingungen der Mongolei und Chinas, das üblicherweise Visa nur im Heimatland des Antragsstellers erteilt.

Straßengrenze[Bearbeiten]

Der Grenzübergang ist einer der wenigen in die Mongolei, der von Touristen (Visum Typ J) benutzt werden darf.

Die Grenze ist auf beiden Seiten markiert durch große torförmige Gebäude. Übliche Öffnungszeiten sind 9.00-19.00 Uhr, allerdings bleibt die Grenze an Feiertagen, an Neujahr o.ä. auch mehrere Tage lang, geschlossen. Für Formalitäten sollte man mindestens 1½ Stunden rechnen.

Das Überqueren der Grenze zu Fuß (oder Fahrrad?) zwischen den beiden Kontrollpunkten ist nicht gestattet. Bei Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln muß man ein Sammel-Taxi (5 Passagiere) nehmen, dessen Fahrer eine spezielle Lizenz zum mehrmals täglichen Überqueren der Grenze hat. Man findet sie in Èrlián vor allem beim Bazar. Diese Fahrzeuge sind unweigerlich in mongolischer Hand und daran erkennbar, daß es sich vor allem um geländegängige russische „Jeeps“ handelt, die durchaus für längere Touren ins mongolische Hinterland gebucht werden können. Zwischen den beiden Ortskernen sind es 4-5 Kilometer, die (auszuhandelnden) Preise sind hoch, 2019 waren 50 Yüan p.P. üblich von Ausländern verlangt man zunächst 70-100 Yüan.

Bahnstrecke[Bearbeiten]

Internationale Züge werden bei ihrem Eintreffen abgefertigt. Da auf chinesischer Seite auch die Spurweite der Waggons geändert wird, kommt es zu längeren Halten, um 3-4 Stunden. Oft wird erwartet, diese Zeit im Wartesaal des Bahnhofs zu verbringen, während der Paß bei der Grenzpolizei liegt. Will man einen Spaziergang in den Ort machen dem Schaffner Bescheid geben und Abfahrtszeit erfragen.

Der mongolische Zoll prüft Einheimische sehr genau, so daß die Abfertigung hier 60-90 Min. dauern kann.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Bei seinen Expeditionen in den 1920-30ern hatte der Amerikaner Roy Chapman Andrews in einem nahen Salzsee Dinosaurierknochen gefunden. An mehreren Stellen hat man mehr oder weniger kitschige Plastik-Dinosaurien aufgestellt. Zentral ist der 1 Dinosaurier-Platz (恐龍廣場).

Das 2 Dinosaurier-Museum (中國古生物博物館, „Chinesisches Paläontologisches Museum“) ist am Oval des Hauptplatzes mit dem neuen Rathaus im Neubauviertel im Westen der Stadt.

Einkaufen[Bearbeiten]

Èrlián ist für die neu entstehende hauptstädtische Mittelklasse zum Ausflugsziel für „Butterfahrten“ geworden. Etliche chinesische Industrieprodukte sind hier billiger zu haben. Diese Sorte Kunden und die mongolischen Kleinhändler besuchen vor allem den Bereich der „alten“ Innenstadt um den alten und neuen Markt sowie den Runden Bazar (buduun delgüür). Südlich davon gibt es seit 2007 zwei gigantische Areale als „Baumärkte.“ Wiederverkäufer von Großhandelsmengen kaufen in den neuen Gewerbegebieten am Stadtrand ein.

Geldwechsler tauschen Tögrög, Euro und Dollar sehr viel problemloser als die Bank of China.

Küche[Bearbeiten]

Aktivitäten[Bearbeiten]

Im Juli findet auf dem zentralen Platz eine Dult statt.

Nachtleben[Bearbeiten]

Man ist auf chinesische und mongolische Geschäftsleute eingestellt. Geboten wird viel Alkohol mit Karaoke.

Prostitution ist in China offiziell verboten. Um jedoch den Bedarf chinesischer Männer nach „einem Hauch von Exotik“ zu stillen gibt es etliche „Friseur-“ oder „Schönheitssalons.“ Betriebszeiten dieses Gewerbes sind etwa 18.00-3.00 Uhr. Sie sind in der Innenstadt um die konzentriert, können als von Besuchern die derartige Dienstleistungen nicht schätzen leicht vermieden werden.

Unterkunft[Bearbeiten]

Dsamin-Üüd[Bearbeiten]

  • 1 Shintschin Hotel (Жинчин) (Links am Bahnhofsvorplatz; grün-türkise Fassade). Tel.: +976252453289. Einfache Mittelklasse.
  • 2 Khan Shonkhor Hotel (200m zum Bahnhof, Parallelstraße zum Stadtpark. Fassade gelb und rot. Schild in lateinischen Buchstaben). Tel.: +97689069442. Bessere Mittelklasse.

Èrlián[Bearbeiten]

Die Kontrolle der Papiere beim Einchecken ist streng. Mongolen müssen prinzipiell ihre Pässe abgeben und erhalten eine Bescheinigung des Hoteliers. Ausländische Besucher sollten dies keinesfalls tun, da der Paß z.B. zum Geldwechsel in Banken oder Fahrkartenkauf gebraucht wird.

  • 3 Changqi Hotel (昌祺酒店), Chengishan St. (direkt an der Hauptstraße). Tel.: +864797518787.
  • 4 Jīnyuán Bīnguǎn (金園賓館), 二连浩特市前进路南1740号.
  • 5 Minghui Hotel (明慧旅店), Qianjin Rd.

Sicherheit[Bearbeiten]

Gesundheit[Bearbeiten]

Noch in den 1990ern war der Ort mangels fehlender Kanalisation im Sommer vor allem wegen übler Gerüche bekannt. Die Regierung hat in den Jahren bis 2012 massiv investiert. Dank eines Windparks süd-westlich der Stadt gehören auch Stromausfälle der Vergangenheit an.

Es herrscht ein kaltes Wüstenklima mit sehr warmen Sommern und sehr kalten Wintern. Von November bis März liegen die Tageshöchstwerte unter dem Gefrierpunkt. Die kälteste gemessene Temperatur hier war -44 °C. Juni-August wird es ø fast 30 °C warm. Niederschlag fällt vor allem im Sommer als Regen, und es gibt ein wenig Schnee im September. Die Winter sind trocken.

Praktische Hinweise[Bearbeiten]

Es besteht kein Zeitunterschied. Beide Orte arbeiten nach Peking-Zeit, das ist GMT +8, MEZ +7 Std.

Die mongolische Polizei darf ihre Bürger auch in Èrlián kontrollieren. Dank “racial profiling” sind westliche Besucher hiervon nicht betroffen.

  • Mongolisches Konsulat (蒙古在中國二連的領事館), 1206 Youyi Beilu, Èrlián. Wenn man früh kommt und es schafft die Gebühr bei der richtigen Bank of China-Filiale einzuzahlen kann man mit etwas Glück am selben oder nächsten Tag sein Visum abholen. Geöffnet: Antragstellung 9.00-12.30.

Ausflüge[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Andrews, Roy Chapman [1884-1960]; Auf der Fährte des Urmenschen: Abenteuer und Entdeckungen dreier Expeditionen in die mongolische Wüste; Leipzig 1927; engl. Orig.: On the Trail of Ancient Man; London 1926; Teilweiser Nachdruck: Dinosaurier in der Gobi; Leipzig 1951
  • Lacaze, Gaëlle; Prostitution and the Transformation of the Chinese Trading Town of Ereen; in: Billé, Franck; Frontier Encounters; Cambridge 2013, S. 111-136; DOI: 10.11647/OBP.0026

Weblinks[Bearbeiten]

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  1. Weitere Namensformen: Cha-men-wu-te, Chamu Ut, Dsamin Ude, Dzamiin Ude, Dzamiin Üüde, Dzamïn Üüd, Dzamiyn Ude, Dzamön Ude, Dzamöyn Ude, Dzamyn Ude, Dzamyym Ude, Dzamyyn Ude, Ikhe Lide, Ikhe Ude, Kolodets Ude, Udde, Ude, Udei, Uteh, Wu-te, Wuteh, Zamun Ude.