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Regenfeld

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Regenfeld ·ريجنفيلد
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Das Regenfeld (manchmal engl. Rainfield, arabisch: ‏ريجنفيلد‎, Rīgnfīld) war ein Lagerplatz der Rohlfsschen Expedition von ed-Dāchla durch die Ägyptische Sandsee nach Siwa am Ostrand der Ägyptischen Sandsee. Es handelte sich hierbei um den Beginn der ersten Durchquerung der etwa 650 Kilometer langen Sandsee. Ein seltenes Ereignis, ein tagelang andauernder Regen in der Wüste, war Namensgeber für diesen Rastplatz. Und wie bei einem richtigen Meer, handelt die Geschichte auch von einer Flaschenpost.

Hintergrund[Bearbeiten]

Rohlfssche Expedition 1874[Bearbeiten]

Im Februar 1874 versuchte der deutsche Afrikaforscher Gerhard Rohlfs (1831–1896) mit seiner Expedition, zu der auch der Geologe Karl Zittel (1839–1904) und der Geodät Wilhelm Jordan (1842–1899) gehörten, ursprünglich einen Weg von ed-Dāchla über Abū Ballāṣ nach Kufra zu finden. Schnell kehrte aber Ernüchterung ein, da man vor der damals noch unbekannten Ägyptischen Sandsee stand und deren Ausmaße nicht kannte. Rohlfs berichtete hierüber in seinem Buch „Drei Monate in der Libyschen Wüste“:

„Zittel hatte bereits vor meiner Ankunft eine Recognoscirung nach Westen gemacht und ermittelt, das nach verschiedenen hohen Sandketten ein unabsehbares Sandmeer im Westen folge. Das waren traurige Aussichten. Sanddünen mit Sand dazwischen, also ein Sandocean, das war das Einzige, was uns das weitere Vordringen zur Unmöglichkeit machen konnte. Alle anderen Hindernisse wären zu besiegen gewesen. Gebirge hätte man übersteigen können, denn von bedeutender Höhe können sie in diesem Theile der libyschen Wüste nicht sein, weil man durch klimatische Erscheinungen ihre Existenz längst würde haben nachweisen können. … aber ein ununterbrochenes Sandmeer machte alles zu Schanden!“ (S. 161 f.)

Man fasste aufgrund der Lage der Sanddünen den Beschluss, die Ägyptische Sandsee, von Rohlfs das „Große Libysche Sandmeer“ genannt wurde, zu durchqueren, um nach Siwa zu gelangen:

„Indess gab ich noch nicht gleich alle Hoffnung auf, obschon die Sandkette, vor der wir lagerten, höher als alle die, welche wir bis jetzt überstiegen hatten, wenig Vertrauen einflösste.“ (S. 162)
„Aber es musste ein Entschluss gefasst werden. Unverrichteter Sache umkehren wollten wir nicht, und da unsere Recognoscirung, soweit wir gekommen, eine stets gleichbleibende Richtung der Dünen constatirt hatte, wollten wir versuchen, in der Richtung derselben nach Norden, resp. N. N. W. vorzudringen. Vielleicht erreichten wir nach einigen Tagesreisen das Ende der Sandregion und konnten dann doch noch die westliche Richtung einschlagen; Siuah auf noch unbekanntem Wege zu erreichen und so immerhin dem unerforschten Gebiete der libyschen Wüste einen Streifen von 5–6 Tagesmärschen Breite abzugewinnen; im schlimmsten Falle, wenn ein Vordringen nach dieser Richtung nicht möglich war, konnten wir östlich abschwenkend Farafrah erreichen.“ (S. 163)

Die Reise konnte aber nicht sofort angetreten werden. Sie wurden nämlich von einem tagelang andauernden Regen überrascht:

„Ehe ich indess nach reiflicher Erwägung mit Zittel und Jordan den erwähnten Beschluss fasste, hatten wir Gelegenheit, ein in der libyschen Wüste wie in der Sahara überhaupt gewiss sehr selten beobachtetes Phänomen zu erleben, nämlich einen anhaltenden Regen. Hatte es schon am 1. Februar Abends um 9 Uhr einen Tropfenfall gegeben und ebenso Morgens am 2. Februar um 6 Uhr, so begann eine Stunde später ein anhaltender Regen und dauerte ohne Unterbrechung bis zum 4. Februar Nachmittags 2 Uhr. Auch Nachts hörte derselbe nicht auf. Jordan, welcher einen Regenmesser hergestellt hatte, constatirte damit innerhalb der zwei Tage einen Niederschlag von 16 Mm. Höhe, in den Dünen war der Regen 17 Centimeter tief eingedrungen.“ (S. 165)

Im Nachherein konnte man feststellen, dass es in Siwa und el-Baḥrīya nicht, in el-Farāfra etwas, aber in ed-Dāchla und in el-Chārga so stark wie an ihrer Raststelle geregnet hatte. Und ehe sie den Lagerplatz, den sie Regenfeld ob des Ereignisses nannten, verließen, deponierten sie einen Brief mit folgendem Inhalt in einer Flasche.

„Lagerplatz der von Gerhard Rohlfs geleiteten Expedition in die libysche Wüste. Auf diesem Punkte, dessen Breite = 25° 11′ 10″ N. B. und dessen Länge = 14° 42′ O von Berlin astronomisch bestimmt und dessen Meereshöhe = 450 Meter barometrisch gemessen worden ist, hat die Expedition vom 2. bis 5. Februar 1874 in der Stärke von 7 Mann und 15 Kamelen gelagert. Wegen eines am 2. und 3. Februar gefallenen Regens, welcher 16 Mm. Wasserhöhe lieferte, wurde diese Gegend Regenfeld genannt. Regenfeld, den 5. Februar 1874. G. Rohlfs. K. Zittel. W. Jordan.“ (S. 166 f.)

Am 20. Februar 1874, also nach 15 Tagen, erreichte die Expedition Siwa.

Expeditionen von Kamāl ed-Dīn Ḥusein und László Almásy[Bearbeiten]

Kurz vor dem Tod seines Gönners Kamāl ed-Dīn Ḥusein am 6. August 1932 besuchte ihn László Almásy (1895–1951). Von ihm erfuhr Almásy Erstaunliches: Kamāl ed-Dīn hatte sich vorgenommen, den Rastplatz der Rohlfsschen Expedition zu finden. Seine Expedition startete am 18. Januar 1924. Die Suche sollte sich als schwierig erweisen, weil die Koordinaten der Rohlfsschen Expedition nicht sehr genau waren.

Und die Flasche wurde am 24. Februar 1924 vom mitgereisten britischen Geologen John Ball (1872–1941) gefunden – 50 Jahre und 20 Tage nach ihrer Deponierung! Man wunderte sich nur, dass die Flasche nur von wenigen aufgeschichteten Steinen abgedeckt war, obwohl doch Rohlfs von einer Steinpyramide sprach. Später wurde jedoch auch die übermannshohe Pyramide auf dem höchsten Gipfel in der Umgebung gefunden. Ein aus Steinen zusammengelegter Pfeil zeigte in die Richtung der deponierten Flasche. Kamāl ed-Dīn nahm den Rohlfsschen Bericht an sich, ließ aber eine Abschrift dieses Berichts und seinen eigenen Bericht wieder in einer Flasche deponieren und versiegeln.

Diese Unterredung nahm Almasy im März 1933 zum Anlass, selbst nach der Flasche zu suchen. Er fand sie. Und wie sein Vorgänger nahm er die Berichte an sich und deponierte Kopien und seinen eigenen Bericht. Und zum Schluss regnete es wieder…

Weitere Expeditionen wie z.B. die von Ibrahim Lama 1940, Samir Lama in den 1970er-Jahren und Théodore Monod 1993 handelten in ähnlicher Weise. Casandra Vivian berichtete, dass aber um 2000 bereits alles verschwunden war.[1]

Archäologische Untersuchungen im Regenfeld[Bearbeiten]

Zwischen 1996 und 2000 wurden unter Leitung von Heiko Riemer im Rahmen des ACACIA-(Arid Climate, Adaption and Cultural Innovation in Africa)-Projektes A1 Sondierungen zur Siedlungsgeschichte dieses Gebiets vorgenommen. Es konnten Siedlungsspuren von prähistorischen Wüstenbewohnern im Holozän (8900–5300 v. Chr.) gefunden werden. Obwohl es in dieser Zeit eine Feuchtphase gab, war das Regenfeld wasserarm. Es zeigte sich, dass es sich bei den Siedlern um mobile, nomadisch lebende Jäger und Sammler handelte, die ihre Lager an Regenwasserseen anlegten. Ein besonderer Fund war der von Mauern aus Steinen in geringem Abstand, deren Funktion aber umstritten ist.

Anreise[Bearbeiten]

Man kann diese Stelle von Mūṭ in ed-Dāchla über Abū Ballāṣ und der Felsenformation el-Burg (der Turm) oder von Abū Minqār in el-Farāfra aus mit einem geländegängigen Allradfahrzeug erreichen. Man benötigt einen ortskundigen Fahrer, den man sicher in ed-Dāchla finden kann. Die Route Abū Minqār–Regenfeld–Abū Ballāṣ stellt eine alternative, aber selten genutzte Anreisemöglichkeit in den Gilf-Kebir-Nationalpark dar.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Zu sehen gibt es heute nichts mehr außer der Steinpyramide. Der letzte Brief und dessen Flasche sowie die Eisenkisten sind heute verschwunden – wohl als begehrte Objekte von Souvenirsammlern.

Küche[Bearbeiten]

Man kann hier eine Rast einlegen. Speisen und Getränke müssen mitgeführt werden. Abfälle müssen mitgenommen werden und dürfen nicht liegen gelassen werden.

Unterkunft[Bearbeiten]

Für die Übernachtung müssen Zelte mitgeführt werden.

Literatur[Bearbeiten]

  • Expeditionen
    • Rohlfs, Gerhard: Drei Monate in der Libyschen Wüste. Cassel : Fischer, 1875, S. 161–177. Nachdruck Köln : Heinrich-Barth-Institut, 1996, ISBN 978-3-927688-10-0.
    • Almásy, Ladislaus E.: Schwimmer in der Wüste : auf der Suche nach der Oase Zarzura. Innsbruck : Haymon, 1997 (3. Auflage), ISBN 978-3852182483, S. 161–173. Expeditionen von Kamāl ed-Dīn Ḥusein und László Almásy.
  • Archäologische Untersuchungen
    • Riemer, Heiko: Regenfeld 96/1 : Great Sand Sea and the question of human settlement on whaleback dunes. In: Krzyżaniak, Lech ; Kroeper, K. ; Kobusiewicz, M. (Hg.): Recent research into the Stone Age of Northeastern Africa. Poznań : Poznań Archaeological Museum, 2000, (Studies in African Archaeology ; 7), ISBN 978-8390752969, S. 21-31.
    • Gehlen, B. ; Kindermann, K. ; Linstädter, J. ; Riemer, H.: The Holocene Occupation of the Eastern Sahara : Regional Chronologies and Supra-regional Developments in four Areas of the Absolute Desert. In: Jennerstraße 8 (Hg.): Tides of the desert : contributions to the archaeology and environmental history of Africa in honour of Rudolph Kuper = Gezeiten der Wüste. Köln : Heinrich-Barth-Inst., 2002, (Africa Praehistorica ; 14), ISBN 978-3927688001, S. 85–116.
    • Riemer, Heiko: Holocene game drives in the Great Sand Sea of Egypt? Stone structures and their archaeological evidence. In: Sahara : preistoria e storia del Sahara, ISSN 1120-5679, Bd. 15 (2004), S. 31–42.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Vivian, Cassandra: The Western Desert of Egypt : an explorer’s handbook. Cairo : The American University in Cairo Press, 2008, ISBN 978-977-416-090-5, S. 382 (in Englisch).
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