Nachrichten:2017-08-02: Spanier vom Touristenansturm genervt

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Mit zum Teil drastischen Maßnahmen wehren sich die Einwohner in der spanischen Tourismusregionen gegen den zunehmenden Massentourismus.

Überfüllter Strand in Tosse de Mar

Madrid (Spanien), 02. August 2017. – Der Wegfall beliebter Urlaubsziele wie der Türkei beschert Spanien einen ungeahnten Touristenboom. Bereits im ersten Halbjahr 2017 reisten 36,3 Millionen Touristen ein: 11,6 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Es stört mittlerweile nicht nur der berühmt-berüchtigte Sauftourismus am Ballemann, auch wenn Palmas Bürgermeister Antoni Noguera hier seinen Unmut freien Lauf lässt: „Der Abschaum, der uns geschickt wird, ist nicht angenehm.“ Ein neues Phänomen stellen unerwünschte Neo-Nazis dar.

Die Hotels sind ausgebucht. Mittlerweile werden im großen Maße auch Ferienwohnungen in Mehrfamilienhäusern über verschiedene Internetportale vermietet, was landesweit zu einer eine Explosion der Immobilienpreise und die Verringerung des Angebots an Mietwohnungen führt.

Bewohner insbesondere in den Tourismusregionen protestieren nun verstärkt gegen die Zunahme des Massentourismus. Die symbolische Sperrung des Tourismusministeriums in Palma durch die Bewegung „Ciutat per qui l’habita“, „Die Stadt für die Bewohner“, gehört noch zu den eher harmlosen Aktionen. Es wurden bereits absichtlich Leihfahrräder zerstört und die Reifen von Touristenbussen zerstochen. Und Protestgraffiti wie „Tourist go home!“ und „Tourists=Terrorists“ können nicht unbedingt als Einladung zum Bleiben verstanden werden.

Neue Forderungen gibt es auch auf den Balearen: Die Regionalregierung will ab 2018 eine Höchstgrenze für die Zahl der Mietwagen auf den Balearen festlegen. Damit sollen die durch Touristen verursachten verstopften Straßen und der erhöhte Abgasausstoß gemildert werden. Zudem fordert die Regionalregierung auch ein Alkoholverbot in den Ferienfliegern und auf den Flughäfen. Wie der Tourismusbeauftragte der Balearen-Inseln, Pilar Carbonell Raya, ausführte, soll damit die Sicherheit der Passagiere und des Sicherheitspersonals verbessert werden.

Es gibt Versuche, den Balearen-Tourismus in einen hochwertigen Qualitätstourismus zu wandeln, und zwar für Touristen, die sich gut benehmen und mehr Geld ausgeben sollen. Den Low-Cost- und Sauf-Touristen wird hingegen der Kampf angesagt.

Quellen[Bearbeiten]