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Arctic Circle Trail

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Zu Beginn ist der Arctic Circle Trail noch sehr flach.
Abendstimmung am See Amitsorsuaq
Im Küstengebirge vor Sisimiut

Der Arctic Circle Trail (ACT) ist ein 170 Kilometer langer Fernwanderweg an der Westküste Grönlands. Seinen Namen verdankt er dem rund 50 km südlich gelegenen nördlichen Polarkreis, zu dem er fast parallel läuft. Er verläuft auf dem eisfreien Küstenstreifen Grönlands, der hier seine größte Ausdehnung hat, und verbindet die Stadt Sisimiut mit dem nahe am Inlandseis gelegenen internationalen Flughafenort Kangerlussuaq. Der ACT wird oft Richtung Westen begangen, gegen eine entgegengesetzte Begehung spricht jedoch nichts.

Seit vielen Jahren wird die Errichtung einer Schotterpiste zwischen Kangerlussuaq und Sisimiut diskutiert, die grob parallel zum ACT verlaufen soll. Aufgrund von Schwierigkeiten im Baugrund wurde der Plan bisher nicht umgesetzt, aber eine Umsetzung in den nächsten Jahren ist durchaus möglich. Dies würde den Trail zwar nicht zerstören, es nähme ihm jedoch seine Einzigartigkeit und das Erlebnis, fernab der Zivilisation durch die Wildnis zu laufen.

Streckenverlauf[Bearbeiten]

Von Kangerlussuaq folgt der Arctic Circle Trail der Straße bis zur Forschungssiedlung Kellyville. Hier beginnt erst der eigentliche Arctic Circle Trail. Er verläuft nun parallel zum Fjord ca. 25 km bis zur ersten Hütte Katiffik am Ufer des Amitsorsuaq. Es besteht die Möglichkeit, diesen See mit zurückgelassenen Kanus zu überqueren. Im Sommer 2015 fanden sich jedoch nur noch 4 Kanus am gesamten See, wovon die meisten in einem äußerst bedauernswerten und kaum fahrtauglichen Zustand waren. Einzig Kanu Nr. 6 befand sich in gutem Zustand.

Alternativ führt die Trekkingroute am südlichen Rande des 25 Kilometer langen Sees entlang. Diese Passage ist auf dem östlichen Abschnitt mit einigen Höhenmetern verbunden, da das Ufer dort sehr steil ist. Vier Kilometer vor dem westlichen Ende befindet sich das Canoe Centre, eine ehemals bewirtschaftete Hütte.

Die nächsten 40 Kilometer bis zum Ittineqtal führt die Strecke durch eine zunehmend hügeliger werdende Umgebung zum See Tasersuaq (grönl.: großer See) und über ein Hochplateau. Über den Ittineq (Ole’s Lakseelv) ist 2008 eine Holzbrücke gebaut worden, sodass die Überquerung auch bei hohem Wasserstand kein Problem mehr darstellt. Die Brücke befindet sich 3 km westlich der Furt, ist jedoch auf keiner der aktuellen Karten eingezeichnet. Mit etwas Aufmerksamkeit kann sie bei Laufrichtung von Kangerlussuaq nach Sisimiut vor dem Abstieg ins Tal des Ittineq mit einem Fernglas ausgemacht werden. Bei gutem Wetter und moderatem Wasserstand empfiehlt sich jedoch die Furt, da die Brücke schwer zu finden und schlecht zu erreichen ist.

Der Weg führt nun weiter in das Küstengebirge. 20 km vor Sisimiut verläuft der Weg kurz entlang des Fjordes Kangerluarsuk Tuuleq. Hier befindet sich auch die letzte Hütte des Weges. Der Weg ist die gesamte Strecke mit Steinmännchen markiert, die einen roten Halbkreis als Symbol des ACT tragen.

Geschichte[Bearbeiten]

Der ACT wurde 1990 als Fernwanderweg eingerichtet. Damals wurden Steinhaufen aufgeschichtet und die Markierungen angebracht. Im Laufe der Zeit haben sich an vielen Stellen Pfade herausgebildet, sodass man nicht allein auf die Markierung angewiesen ist. Trotzdem empfielt es sich, mit Karte unterwegs zu sein und den Markierungen aufmerksam zu folgen, da die ausgetretenen Wege nicht immer eindeutig sind.

Anreise[Bearbeiten]

Den ACT erreicht man nur an seinen Endpunkten. Nach Kangerlussuaq gibt es regelmäßige direkte Flugverbindungen von Kopenhagen, Sisimiut wird von Kangerlussuaq angeflogen. Sisimiut ist auch Station der Arctic Umiaq Line, der Schifffahrtsgesellschaft der grönländischen Westküste.

Wandern[Bearbeiten]

Der Arctic Circle Trail ist zwischen Mitte Juni und Mitte September schneefrei, von vielen Wanderern wird der Zeitraum von Mitte bis Ende August als ideale Reisezeit empfohlen. Im Spätsommer sind nicht nur die Wasserstände am niedrigsten, auch besteht die Chance, dass einige der vielen Sumpfgebiete ausgetrocknet sind. Ein weiterer Vorteil der späten Reisezeit sind weniger bis kaum vorhandene Mücken. Hat es bereits den ersten Nachtfrost gegeben oder war der Sommer besonders warm, sind die ansonsten zahlreich vorhandenen Mücken stark dezimiert. Der Trail ist in neun bis vierzehn Tagen gut zu wandern.

Unterkunft[Bearbeiten]

Galerie
Die Hütte Katiffik

Auf dem Trail gibt es insgesamt sieben Hütten, die in Abständen zwischen 12 und 22 km voneinander entfernt sind. Sie stehen den Wanderern kostenlos zur Verfügung und sind nicht bewirtschaftet. Die Hütten sind unterschiedlich groß und haben mindestens drei Schlafplätze. Einige Hütten sind mit Petroleumöfen der Marke Refleks ausgestattet die, insofern noch Brennstoff aus der Wintersaison vorhanden ist, auch genutzt werden können. Das ist allerdings mit viel Vorsicht zu betreiben, da durch Fehlbenutzung der Öfen schon mehrfach Hütten abgebrannt sind. Trotz der Hütten sollte bei Wanderungen auf dem Trail immer ein sturmsicheres Zelt mit im Gepäck sein. Die Abstände zwischen den Hütten sind sehr ungleichmäßig und die Hütten sind nicht immer frei. Den Trail als reine Hüttentour zu gehen ist nur erfahrenen und gut trainierten Wanderern zu empfehlen.

Sowohl in Kangerlussuaq als auch in Sisimiut gibt es ausgewiesene Plätze zum zelten sowie Hostels und Hotels verschiedener Preis- und Güteklassen. Der Zeltplatz in Sisimiut findet sich östlich der Stadt nahe dem Gebiet der Schlittenhunde und hat keinerlei Austattung wie Toiletten, Waschräume etc.

Variante[Bearbeiten]

Eine südlichere Variante führt über das Fischerdorf Sarfannguit, wo es auch einen Lebensmittelladen gibt. Dieser Weg wird jedoch nicht mehr empfohlen, da er durch ein wichtiges Rentier-Jagdgebiet führt[1] und streckenweise nur schwer begehbar ist. Zudem ist man, um zum auf einer Insel gelegenen Sarfannguit zu gelangen, auf die Fährdienste lokaler Fischer angewiesen, die schwer planbar sind.

Eine Besteigung des 1400 m hohen Tasseqqaq Saqqaa ist als Tagestour bei gutem Wetter möglich. Als Basislager dafür bietet sich der in der Karte markierte Zeltplatz zwischen den Hütten Eqalugaarniarfik und Innajuattoq an. Es existiert kein ausgetretener oder markierter Weg auf den Berg.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

  • Inlandseis (Point 660 und Russel-Gletscher)
  • Nassaarsaq (600m)
  • Sugar Loaf (200m)

Sicherheit[Bearbeiten]

Der ACT ist kein technisch besonders anspruchsvoller Weg. Durch die Abgelegenheit ist jedoch Hilfe stets weit weg und Selbstversorgung auch in schwierigen Lagen die einzige Lösung, auf die man sich verlassen kann. Eisbären und andere für den Menschen gefährliche Raubtiere gibt es in dieser Gegend nicht. Dafür werden Menschen oft Ziel von Angriffen großer Insektenschwärme, ein Moskitonetz und Mückenschutz sind also unerlässlich.

Durch das Inlandseis treten immer wieder Föhnwinde auf, die zum Teil mit Orkanstärke in Richtung Meer wehen. Diese Winde können eine Gefahr für Zelte darstellen, sodass empfohlen wird, bei einem Föhnereignis das Zelt abzubauen und an einer windgeschützten Stelle abzuwarten.

Sonstiges[Bearbeiten]

  • Es besteht keine Möglichkeit auf dem Arctic Circle Trail, unterwegs Lebensmittel oder Brennstoff zu kaufen.
  • Im Frühjahr findet auf dem ACT jährlich ein großes Skirennen statt, das Arctic Circle Race
  • Lagerfeuerplätze müssen mit Bedacht ausgewählt werden, um zu vermeiden, dass unterirdische Torfbrände enstehen. Zudem herrscht Knappheit an Brennstoff, da Bäume fehlen.
  • Es gibt am ACT viele Möglichkeiten, zu angeln. Die dazu notwendige Angelerlaubnis bekommt man in jedem Ort bei der Post.

Flora und Fauna[Bearbeiten]

In der Nähe von Kangerlussuaq leben große Herden Moschusochsen und Rentiere. Bäume gibt es keine, Sträucher nur wenige. In den Seen und Flüssen gibt es Forellen und Saiblinge. Polarfüchse und -hasen sowie etwa 200 Vogelarten kann man auch beobachten. Die Moschusochsen haben sich aufgrund intensiver Bejagung in den letzten Jahren jedoch weiter nach Süden zurückgezogen, eine Sichtung in der direkten Umgebung von Kangerlussuaq ist unwahrscheinlich. Allerdings gibt es oberhalb des Black Ridge eine Radarstation, wo sich südwestlich in einem Tal ein Brackwasser-See befindet. Dort ist eine Jagdverbotszone eingerichtet und Moschusochsen kommen dort hin, um in den Moosen Salz zu lecken. Rentiere ziehen sich im Sommer meist zum Inlandseis zurück und ziehen dort ihre Jungtiere groß. Daher sind sie im Sommer auf dem ACT seltener anzutreffen.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Lonely Planet Publications (Hg.): Lonely Planet Iceland, Greenland & the Faroe Islands. 2001 (4. Auflage), ISBN 978-0864426864, S. 464. Englisch

Literatur[Bearbeiten]

  • Paddy Dillon: Trekking in Greenland - The Arctic Circle Trail; Cicerone Press 2010, ISBN 978-1852846244, (Englisch)
  • David Kuhnert, Oliver Schröder: Grönland: Arctic Circle Trail; Deutschland 2004 (Conrad Stein Verlag), ISBN 3-89392-537-6

Weblinks[Bearbeiten]

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