Tren de la Nariz del Diablo
| Tren de la Nariz del Diablo | |
| Länge | 452 km |
|---|---|
Der Tren de la Nariz del Diablo (spanisch: „Zug der Teufelsnase“) ist die umgangssprachliche Bezeichnung für einen Personenzug, der in Ecuador in den Anden zwischen Riobamba und Guayaquil über eine Strecke von 235 km verkehrt. Er ist Teil des Ferrocarril Transandino del Ecuador zwischen Quito und Duràn mit einer Gesamtstrecke von 452 km.
Die Fahrt mit dem Tren de la Nariz del Diablo ist ein spektakuläres Erlebnis. Der Zug durchquert die ecuadorianischen Anden und bietet dank seiner Zickzack-Kehrschleifen eindrucksvolle Ausblicke auf die Schluchten rund um den namensgebenden Felsen.
Hintergrund
[Bearbeiten]Es handelt sich bei der Gesamtstrecke um den berühmtesten und bedeutendsten Zug Ecuadors, der auch als Transecuadorianische Eisenbahn bezeichnet wird. Die Teilstrecke Nariz del Diablo hat ihren Namen von einem steilen Felsabhang, den der Zug überwinden muss. Die Eisenbahnfahrt der Gesamtstrecke führt vorbei an über 5000 Meter hohen Vulkanen, romantischen Bergdörfern, über abenteuerliche Spitzkehren und ist eine Panoramastrecke.
Geschichte
[Bearbeiten]Der Naturforscher Alexander von Humboldt begann am 9. Januar 1802 in Quito eine beschwerliche Reise auf der von ihm benannten „Allee der Vulkane“, wo auf einer Strecke von etwa 300 Kilometern 22 der 73 Vulkane Ecuadors zu finden sind. Er durchquerte in südlicher Richtung 1 Mulaló (9. Juni 1802) und Ambato, von wo aus er am 23. Juni 1802 den Chimborazo zu besteigen versuchte, aber auf einer Höhe von 5810 Metern wegen der Höhenkrankheit frühzeitig umkehren musste.[1] Er berichtete von großer Übelkeit, Erbrechen, Schwindel und Zahnfleischbluten.
Der Eisenbahnbau begann in der von Humboldt erforschten Gegend der Südbahn 1872 als erste Eisenbahnstrecke Ecuadors unter der Leitung des Ingenieurs John Archer Harman mit der Hilfe von 2700 Jamaikanern beim Bahnbau.[2] Da die Strecke in den Anden liegt, mussten zahlreiche technische Schwierigkeiten überwunden werden. Der erste regelmäßige Eisenbahnbetrieb startete am 1. Mai 1874 auf der Strecke zwischen Estación Yaguachi Nuevo und Estación Milagro. Am 17. Juni 1897 unterzeichnete die Regierung einen Vertrag über den Bau der Gesamtstrecke zwischen Guayaquil und Quito, Baubeginn hierfür war 1899.
Alausi wurde im September 1902 erreicht[3], Riobamba im Oktober 1905. Schwierigster Teil des Gleisbaus waren die 12,5 Kilometer zwischen Alausi und Sibambe, auf der Spitzkehren im Zickzack die Steigungen von 1:18 oder 5,5 % zu überwinden hatten. Nach Einfahrt in das Stumpfgleis wird eine Weiche gestellt, dann fährt der Zug rückwärts den Berg hinauf und gewinnt dabei an Höhe. Dieser Vorgang wird mehrmals wiederholt. Die Eröffnung der kompletten Strecke erfolgte in Quito am 25. Juni 1908[4], dem Geburtstag des damaligen Staatspräsidenten Eloy Alfaro, der das Projekt entscheidend vorangetrieben hatte.
Die schwierigen Bedingungen im Anden-Hochland führten spätestens seit 1997 dazu, dass Überschwemmungen und Frostaufbrüche erhebliche Schäden an der Strecke verursachten. 1998 zerstörten Überschwemmungen des 1 Rio Chanchán einen Teil der Gleisanlagen, 1999 gab es Erdrutsche an der Teufelsnase. Temporäre Schließungen waren die Folge. 2008 beschloss die Regierung die Rekonstruktion der gesamten Strecke für touristische Zwecke, seit 2013 gab es wieder regelmäßigen Zugverkehr.
Nach einem Todesfall dürfen seit 2007 die Fahrgäste nicht mehr auf dem mit Geländer versehenen Zugdach mitfahren. Im April 2010 begannen Arbeiten zwischen Sibambe und Bucay, wo ein neuer 846 Meter langer Tunnel gebaut wurde. Nach der COVID-19-Pandemie wurde der Zugverkehr auch wegen Reparaturarbeiten ab 2020 eingestellt. Am 26. März 2023 gab es nach Erdbeben und Starkregen einen erneuten Schaden an den Gleisen. Die Regierung plante aber die Wiedereröffnung[5], die im Juli 2025 stattfand. Angeboten wird seitdem lediglich die Kurzstrecke Alausí–Sibambe–Alausí (Fahrpreis US-$ 42 für erwachsene Ausländer, US-$ 23 für Kinder bis 11 Jahre und Senioren ab 65 Jahre). Derzeit ist unklar, ob der im Juni 2014 in Betrieb genommene Luxuszug 1 Tren Crucero (der ursprünglich dieselbe Strecke Quito–Duràn fuhr), wieder seinen Betrieb aufnehmen wird (Stand: November 2025). Formal ging seine Betreibergesellschaft 2020 in Konkurs und wurde 2022 liquidiert. Im Juli 2025 begannen Test-Fahrten am Nariz del Diablo, nachdem Gleisschäden behoben wurden. Seit Dezember 2025 ist der Verkehr auf der Kurzstrecke Alausí–Sibambe–Alausí wieder aufgenommen.
Klima
[Bearbeiten]Das Klima bei der Fahrt mit dem Tren de la Nariz del Diablo entspricht der ecuadorianischen Sierra und ist aufgrund der Höhenlage das ganze Jahr über angenehm gemäßigt und nicht zu heiß. Die Temperaturen sind mild, wobei der Fahrtwind eine wichtige Rolle spielt. Es herrscht meist frühlingshaft warmes Wetter, wobei in den verschiedenen Vegetationszonen von kühleren Höhen bis in wärmere Täler abgewechselt wird. Beste Reisezeit ist zwischen Juni und August, wo auch Trockenzeit herrscht.
Reisevorbereitung
[Bearbeiten]Der Zug fährt ganzjährig, so dass man bei Reservierungen auch auf die Nebensaison ausweichen kann. Da häufig Naturereignisse wie Erdbeben, Überschwemmungen und Erdrutsche auf die Gleisinfrastruktur einwirken, muss sich der Reisende rechtzeitig vor Reiseantritt darüber informieren, ob der Zug überhaupt fährt. Das geschieht am besten beim Ticketverkauf, der überwiegend online im Vorverkauf erfolgt sowie in begrenztem Umfang vor Ort, wobei eine frühzeitige Buchung aufgrund der hohen Nachfrage und knappen Kapazität dringend empfohlen wird.
- Online: Tickets können direkt über die offizielle Website der ecuadorianischen Eisenbahn "Ferrocarriles del Ecuador" (oder deren autorisierte Partner) gebucht werden. Das ist die zuverlässigste Methode.
- Über Reiseveranstalter: Viele Touristen buchen die Fahrt als organisiertes Tagesausflugspaket von Städten wie Quito, Guayaquil oder Cuenca aus. Der Transport zum Bahnhof in Alausí ist dann inklusive.
- Vor Ort am Bahnhof: In Alausí gibt es einen Ticketschalter (Estación de Ferrocarril de Alausí). Allerdings ist die Verfügbarkeit hier stark limitiert, besonders in der Hochsaison. Ein "einfach so" Hinfahren ohne Vorabbuchung ist riskant.
Anreise
[Bearbeiten]Bester Anreiseort per Flugzeug ist der Flughafen 1 Mariscal Sucre International Airport (IATA: UIO) 26 km von Quito. Auch der 2 José Joaquín de Olmedo International Airport (IATA: GYE) in Guayaquil kann für die Anreise benutzt werden.
Mehr oder weniger parallel zur Eisenbahnstrecke verläuft ab Quito die E35
(spanisch: Troncal de la Sierra) über 476 km bis Guayaquil, einer Teilstrecke der Panamericana. Eine 211 km Teilstrecke hiervon ist die 1 Allee der Vulkane, von der aus in der Sierra der Anden 22 der 73 Vulkane Ecuadors zu sehen sind..
Streckenverlauf
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Der abenteuerliche Abschnitt des Nariz del Diablo ist nur 12,5 km lang und ist ein Teil des folgenden Streckenverlaufs, beginnend in Quito:
| Bahnhof | Entfernung in km |
|---|---|
| 3 Estación de Tren de Chimbacalle, Quito | 0 |
| 4 Estación Latacunga | 71 |
| 5 Estación de Ferrocarril Ambato | 45 |
| 6 Estación Urbina | 35 |
| 7 Estación del Tren Riobamba | 30 |
| 8 Alausí railway station | 90 |
| 9 Estación Sibambe | 12 |
| 10 Estación Bucay | 79 |
| 11 Estación Milagro | 53 |
| 12 Estación Yaguachi Nuevo | 16 |
| 13 Estación Durán (Guayaquil) | 21 |
| Gesamtstrecke | 452 |
Die Strecke kann auch umgekehrt befahren werden.
Einzelheiten
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- 2 Cotopaxi National Park (Parque nacional Cotopaxi) am 11. August 1975 gegründeter Nationalpark, 322,75 km² groß mit dem.
- 4 Chimborazo (Volcán Chimborazo) mit 6263 m der höchste Berg Ecuadors. Der Zug steigt nun merklich an in Richtung.
- 5 Urbina am 11. Juni 1916 gegründet, hat 2200 Einwohner, mit 3609 m der höchstgelegene Bahnhof Ecuadors.
- 7 Alausí (San Pedro de Alausí) 21 m hohes Monumento a San Pedro, dem Schutzpatron der Stadt. Am 29. Juni 1534 gegründet, 6000 Einwohner, 2360 m hoch. Hier wohnte am 29. Juni 1802 Alexander von Humboldt im Haus von José Antonio Pontón. Am 26. März 2023 gab es nach Erdbeben und Starkregen einen schweren Erdrutsch, der 50 Gebäude zerstörte, 75 Tote forderte und die Gleise beschädigte.
- 1 Nariz del Diablo eine 765 m hohe Felssteilwand, deren Höhenunterschied durch Spitzkehren überwunden wird. In 12,5 Kilometern Strecke werden 500 Höhenmeter überwunden. Von hier aus beginnt über diese Spitzkehren der Abstieg nach.
- 8 Sibambe 5,5 km von Alausí entfernt, 3900 Einwohner, 1806 m hoch gelegen, einige Ortsteile liegen wesentlich höher. Der Bahnhof von Sibambe liegt bereits auf dem Gemeindegebiet von Alausí.
Die Abfahrt ist um 08:00 Uhr, 11:00 Uhr und 14:00 Uhr in Quito, Dauer 2 ½ Stunden (Pause 1 Stunde in Sibambe), die Ankunft entsprechend gegen 10:30 Uhr, 13:30 Uhr oder 16:30 Uhr in Durán. Von Durán nach Guayaquil oder umgekehrt (9 km) können Taxen oder lokale Linienbusse genommen werden. Die beiden Städte sind über die E40
miteinander verbunden.
Angeboten wird derzeit wegen der Renovierungsarbeiten an der Eisenbahnstrecke lediglich die Kurzstrecke Alausí–Sibambe–Alausí, eine Rundfahrt über insgesamt 25 Kilometer.
Bilder
[Bearbeiten]- Eine Spitzkehre an der Steilwand des Nariz del Diablo
- Am Steilhang des Nariz del Diablo
- Der Bahnhof von Sibambe nahe dem Nariz del Diablo
- Zwischen Sibambe und Alausí
- Der Bahnhof von Urbina
Zugdaten
[Bearbeiten]- Zugtechnik
Die Diesellok zieht im Regelfall lediglich 2 restaurierte klapprige Waggons, die für 54 Passagiere Platz ohne jeden Komfort bieten. Der Zug gewinnt an der Teufelsnase durch die Zickzack-Kehrschleifen 800 Höhenmeter, was einem Gradienten von 1:18 oder 5,5 % entspricht. Das ist einer der weltweiten steilsten Anstiege für Personenzüge.
- Zugklassen/Preise
Es gibt in der Regel eine Standardklasse und oft eine komfortablere Erste Klasse oder spezielle historische Wagen. Die Preise variieren je nach Klasse und Anbieter. Als grobe Orientierung liegen sie zwischen USD 35 und USD 60 pro Person für die klassische Hin- und Rückfahrt von/nach Alausí.
- Zugzeiten
Täglich dienstags bis sonntags ab Alausí um 08:00, 11:00 und 14:00 Uhr, Rückkehr nach Alausí um 10:30, 13:30 und 16:30 Uhr. Das Check-in beginnt 30 Minuten vor Abfahrt.
Unterkunft
[Bearbeiten]Da der Zug auf der Strecke Alausí-Sibambe-Alausí lediglich 2 ½ Stunden unterwegs ist, kann in Guayaquil bequem und ohne Reservierung nach einer Unterkunft gesucht werden. Die Webseite Booking.com listet für Quito 640 und für Guayaquil 351 Unterkünfte aller Kategorien auf.
Gesundheit
[Bearbeiten]Siehe auch: Tropenkrankheiten
Der Zug auf der Langstrecke erreicht in der Spitze eine Höhe von 3609 Metern, so dass altersunabhängig die Höhenkrankheit (spanisch: soroche) auftreten kann. Symptome sind Kopfschmerzen, Übelkeit, Brechreiz, aber auch Atemnot, Kraftlosigkeit, Schwindelgefühle, kurze Blackouts oder Müdigkeit. In der Höhe wird auch ohne jede körperliche Anstrengung schneller geatmet, um die mangelnde Sauerstoffkonzentration auszugleichen. Die körpereigene Atemregulation wirkt dieser nicht entgegen, da sie vornehmlich auf den Kohlendioxidgehalt – den stärksten Atemantrieb des Blutes – reagiert. Zur Akklimatisation kommt es nur, wenn der Körper mehr rote Blutkörperchen produziert. Es braucht zwei bis drei Tage, bis der Anteil der roten Blutkörperchen so erhöht ist, dass auch einfachste Tätigkeiten wie Gehen ohne sofortige Erschöpfung durchgeführt werden können.
Es ist wichtig, viel Wasser zu trinken, sich so wenig wie möglich anzustrengen und auf gar keinen Fall Alkohol oder Kaffee zu trinken. Am ersten Tag nach der Ankunft sollte man weitere Ausflüge vermeiden, die Zeit zur Akklimatisierung nutzen und möglichst auch zunächst nicht duschen, um einen Kreislaufkollaps zu vermeiden. Bei ersten Symptomen der Höhenkrankheit sollte ein Arzt aufgesucht werden. Es gibt zudem Sauerstoffflaschen zu kaufen/mieten, die man nutzen kann (jedoch sollte dies zum Zweck der Akklimatisierung nicht übertrieben werden). Sollten mögliche Symptome nach den ersten Tagen nicht abgeklungen sein, muss eine vorzeitige Abreise in Betracht gezogen werden, da sich die Situation sonst weiter verschlimmern kann.
Sicherheit
[Bearbeiten]Siehe auch: Sicher reisen
Die Funktionalität der Eisenbahnstrecke ist durch Naturereignisse stark gefährdet, so dass sich der Reisende vor Reiseantritt über die aktuelle Lage bei Not Your Average American.com (englisch) oder auf unten stehender Webseite erkundigen sollte.
An den Bahnhöfen ist wegen Taschendiebstahls auf höchste Eigensicherung zu achten. Dies gilt besonders wegen der mangelnden Konzentrationsfähigkeit durch die „dünne Luft“. Die Indigenen reichen an Bahnhöfen durch die Zugfenster ihre Waren, wobei es ebenfalls zu Diebstählen kommen kann.
Literatur
[Bearbeiten]- Peter Korneffel, DUMONT Reise-Handbuch Reiseführer E-Book Ecuador / Galápagos-Inseln, MairDumont, 2023, S. 267 ff.; ISBN 978-3616034706.
Webseite
[Bearbeiten]Einzelnachweise
[Bearbeiten]- ↑ Rainer M. Schröder/Anne Dominique de Valon/Berndt Weinberger, Entdecker—Forscher—Abenteurer: Sternstunden der Menschheit, Lingen-Verlag, 1983, S. 80 ff.; ISBN 357020619X
- ↑ John A. Harman, The Guayaquil and Quito Railway in Ecuador, in: Engineering News 52 (6), 1904, S. 115 ff.
- ↑ Kim A. Clark, The Redemptive Work: Railway and Nation in Ecuador 1895-1930, Rowman & Littlefield Publishers, 2001, S. 139
- ↑ Harry Adès/Melissa Graham, The Rough Guide to Ecuador, Rough Guides, 2000, S. 227
- ↑ Regis St. Louis, Reiseführer Ecuador & Galápagosinseln, MairDumont, 2012, S. 173
