Pride of Africa
| Pride of Africa Pretoria–Durban | |
| Streckenlänge: 812 km |
Der Pride of Africa ist ein Luxuszug, der mehrere Strecken im Südlichen Afrika bedient.
Hintergrund
[Bearbeiten]Betreiber ist die private Eisenbahngesellschaft 1 Rovos Rail . In diesem Artikel wird die 812 km lange Strecke Pretoria–Durban („Durban Safari“) in Südafrika beschrieben, für die der Zug 3 Tage (2 Nächte) benötigt. Ferner bedient der Betreiber unter der Marke „Pride of Africa“ noch 10 weitere Strecken wie unter anderem Pretoria–Victoria Falls (1004 km), Pretoria–Kapstadt (1566 km), Kapstadt–Dar es Salaam (1860 km), Pretoria–Walvis Bay (3400 km) oder Lobito-Victoria Falls (3500 km), jeweils auch umgekehrt.
Es kann während der Reise zu erheblichen Verspätungen kommen, da Kupferdiebstahl bei Oberleitungen (nur in Südafrika), der bevorrechtigte Güterzugverkehr, plötzlich auftretende Naturereignisse (Sandsturm, Überschwemmung) oder Stromausfälle die Weiterfahrt behindern können.
Geschichte
[Bearbeiten]Die erste öffentliche Eisenbahn Südafrikas wurde am 26. Juni 1860 in Durban eröffnet und führte lediglich bis zur knapp 4 km entfernten 1 Point Waterfront . Am 1. Dezember 1880 war die Natal Main Line genannte Strecke bis Pietermaritzburg erweitert (114 km), am 21. Juni 1886 wurde das 304 km entfernte Ladysmith an das Streckennetz angebunden.[1] Die Netherlands–South African Railway Company (afrikaans: „Nederlandsche Zuid-Afrikaansche Spoorwegmaatschappij“) wurde am 21. Juni 1887 in Pretoria gegründet.[2] Sie ließ fünf Strecken ausbauen, darunter auch die Süd-Ost-Linie (afrikaans: „Zuid-Oosterlijn“) über 812 km zwischen Pretoria und Durban. Am 15. Mai 1890 war diese bis Newcastle fertiggestellt und wurde am 7. April 1891 eingeweiht. Am 13. Dezember 1895 verließ der erste Personenzug Durban und erreichte nach 27 Stunden und 45 Minuten Johannesburg.[3] Es handelte sich um eine Güterzugstrecke, welche die Goldminen um Johannesburg (Witwatersrand) mit der Hafenstadt Durban verbinden sollte.

Der Eisenbahnfan Rohan Vos unternahm mit seiner Frau Anthea 1985 eine Eisenbahnfahrt nach Magaliesberg , wobei er die meiste Zeit in der Lok mit dem Lokführer verbrachte. Am 26. September 1985 nahm Rohan Vos an einer Auktion teil und ersteigerte vier alte Waggons, kaufte eine Lok aus 1938 hinzu, renovierte sie und erhielt im Dezember 1986 eine Betriebsgenehmigung von der Regierung. Mit sieben Waggons und der Lok fand die Jungfernfahrt am 29. April 1989 statt mit damals nur vier zahlenden Passagieren. Er benannte die Eisenbahngesellschaft nach den Anfangsbuchstaben seines Vor- und Zunamens, Rovos Rail.
1993 begann Vos mit der Destination Dar es Salaam, welche die Gesellschaft in Existenznot brachte. Mittlerweile hat die Rovos Rail mit 120 Waggons eine Betriebsgröße erreicht, die den zur Erhaltung notwendigen Cash flow sichert. Dazu trug auch die Strecke zu den Viktoriafällen bei. Die ersten Dampfloks – die Kohle und Wasser benötigten – werden sukzessive auf australische Dieselloks umgestellt wegen der höheren Effizienz im Fahrbetrieb. 1998 erwarb Vos den von Verfall und Vandalismus betroffenen Bahnhof Pretoria Capital Park railway station , wo heute die Firmenzentrale ihren Sitz hat.
Am 21. April 2010 entgleiste ein Zug während eines routinemäßigen Lokomotiven-Wechsels von einer Elektrolok zu einer Dampflok bei Pretoria, wobei drei Personen ums Leben kamen und 15 der 19 Wagen beschädigt wurden.[4]
Klima
[Bearbeiten]In der vom Zug befahrenen Region herrscht subtropisches Klima mit heißen, feuchten Sommern (Dezember–Februar) mit Nachmittagsgewittern und milden, trockenen Wintern (Juni–August). Im heißesten Monat Januar liegt die Temperatur bei 28 °C am Tag und 21 °C nachts, kältester Monat ist der Juni mit tagsüber 23 °C und 11 °C nachts. Die Küstenregion um Durban ist ganzjährig warm und ideal zum Baden, während die Drakensberge im Winter kühlere Temperaturen mit Nachtfrost und gelegentlich Schnee bieten.
Reisevorbereitung
[Bearbeiten]Beste Reisezeit ist zwischen Juni und August mit lediglich 2 Regentagen pro Monat und angenehmen 25 °C am Tag und 15 °C in der Nacht.
Der Zug wird gern zum Beginn oder Ende einer Südafrika-Reise genutzt. Wegen knapper Sitzplatz-Kapazitäten sind einige Züge über ein Jahr im Voraus ausgebucht. Reservierungen mit entsprechender Vorlaufzeit sind dringend anzuraten. Es gibt gestaffelte Frühbucher-Rabatte. Der Betreiber gibt die Entfernung der „Durban Safari“ mit 800 Kilometern an, die tatsächliche Strecke beträgt 812 km. Zwei Übernachtungen finden im Zug statt, der während der Nacht aber nicht weiterfährt. Der Reisende verpasst also nicht die sehenswerte Flora und Fauna. Nach der dreitätigen Zugfahrt kann die Südafrika-Reise in Durban oder Pretoria/Johannesburg und Umgebung fortgesetzt werden.
Anreise
[Bearbeiten]Die Anreise kann über den 1 Wonderboom Airport (IATA: PRY) (Pretoria) oder den 2 Durban International Airport (ICAO: FADN) erfolgen, da der Zug sowohl von Pretoria als auch von Durban aus startet.
Mehr oder weniger parallel zur Eisenbahnstrecke verläuft zwischen Pretoria und Durban die Autobahn National Route
(615 km). Wer diese kürzere Strecke mit dem Mietwagen fährt, kann sich die Besichtigungen selbst aussuchen und ist nicht auf die wenigen Zughalte angewiesen.
Streckenführung
[Bearbeiten]Die Fahrt mit dem Zug „Durban Safari“ beginnt freitags um 10:00 Uhr in Pretoria und endet nach 812 km und drei Tagen sonntags um 16:00 Uhr in Durban. Die Fahrt ist auch umgekehrt möglich, sie beginnt dann um 10:00 Uhr in Durban. Danach kann mit Rovos Rail in Pretoria der Luxuszug „Cape Town“ auf der Strecke zwischen Pretoria und Kapstadt genommen werden, der auf derselben Strecke wie der Blue Train fährt (1566 km). Verspätungen bei der Ankunft in Pretoria müssen für die weitere Reiseplanung einkalkuliert werden.
Übersicht
[Bearbeiten]Die Entfernung der Natal Main Line zwischen Durban und 2 Volksrust betrug ursprünglich 495 km, Begradigungen und Tunnels haben sie auf heute 460 km verkürzt.
| geografischer Ort | Entfernung in km |
|---|---|
| Pretoria | 0 |
| Johannesburg / Germiston | 76 |
| Newcastle | 310 |
| Ladysmith | 122 |
| Estcourt | 70 |
| Pietermaritzburg | 120 |
| Durban | 114 |
| Gesamtstrecke | 812 |
Der Zug hält nur in Pretoria, Newcastle, Ladysmith, Lidgetton (in der Tabelle nicht enthalten, siehe aber bei den Einzelheiten) und Durban.
Einzelheiten
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Beschrieben wird die Strecke von Pretoria nach Durban:
- 3 Pretoria Capital Park railway station (Pretoria railway station) das 1892 erbaute Bahnhofsgebäude gehört der Rovos Rail und liegt auf einer Höhe von 1280 m. Es gibt ein kleines Museum. Die Abfahrt des Zuges „Durban Safari“ ist für 10:00 Uhr vorgesehen, um 09:00 Uhr beginnt das check-in.
- 4 Johannesburg Park Station hier wird die Lok gewechselt, kein Haltebahnhof.
- 5 Vooruitsig railway station (afrikaans für „Ausblick”), hier kein Zughalt. Aus dem Zug gibt es einen herrlichen Ausblick auf den.
- 1 Majuba Hill 2148 m hoher Berg, wo der erste Burenkrieg am 27. Februar 1881 stattfand.
- 4 Balfour Ortschaft mit 3300 Einwohnern, 1621 m hoch.
- 6 Balfour North Am Bahnhof ist kein Zughalt.
- 7 Standerton train station Am historischen Bahnhof aus 1895 ist kein Zughalt.
- 2 Highveld das „Hochfeld“ ist Teil des südafrikanischen Plateaus mit einer Fläche von ungefähr 400.000 km² und bis zu 1500 m hoch. An der Strecke liegt.
- 8 Laing's Nek der Zug passiert den 1680 m hohen Bergpass durch einen 675 m langen Tunnel, der am 14. Oktober 1891 eröffnet wurde.
- 9 Newcastle railway station am Bahnhof ist kein Zughalt.
- 6 Elandslaagte die Ortschaft (afrikaans für „Antilopenniederung”) ist bekannt durch die Schlacht von Elandslaagte am 21. Oktober 1899 während des Zweiten Burenkriegs.
- 10 Elandslaagte railway station am Bahnhof ist kein Zughalt.
- 3 Drakensberge (afrikaans „Drachenberge“), 1000 km lange Bergkette in Nord-Süd-Richtung, bis zu 3482 m hoch.
- 5 Bushveld (afrikanns: „Buschfeld”), eine 223.000 km² große und zwischen 750 m und 1400 m hohe Savanne mit Gras- und Buschland.
- 7 Ladysmith historisches Ereignis war die Belagerung von Ladysmith während des Zweiten Burenkriegs zwischen dem 2. November 1899 und 28. Februar 1900 durch die Buren.
- 11 Ladysmith railway station Ankunft am Bahnhof gegen 14:00 Uhr; entweder Ausflug zum.
- 6 Spion Kop 1460 m hoher Berg der Drakensberge, wo die Schlacht von Spion Kop vom 23. auf den 24. Januar 1900 während des Zweiten Burenkriegs stattfand; oder.
- 7 Spioenkop Dam Nature Reserve Game Drive von der Spionkop Lodge aus.
- 8 Estcourt am Bahnhof ist kein Zughalt.
- 9 Lions River die regenreiche Gegend liegt in einem Graben, wo 1856 der letzte Löwe erlegt wurde. Ankunft gegen 10:00 Uhr.
- 8 Midmar Nature Reserve die schöne, 10 km² kleine Landschaft um einen See ist leider keinen Zughalt wert.
- 10 Lidgetton Kleinstadt mit 4500 Einwohnern. Zughalt an der.
- 12 Lidgetton railway station Zughalt für einen Ausflug zum Laden.
- 1 Ardmore Ceramics eine 1985 gegründete Galerie mit großem Verkaufsladen für Keramikwaren mit der Kunst lokaler Designer. Dieser Zughalt ist touristisch nicht erforderlich.
- 13 Cedara Tunnel am 28. März 1960 eröffneter, 6023 m langer Eisenbahntunnel, der die Bahnstrecke verkürzt hat.
- 11 Pietermaritzburg mit 230.000 Einwohnern die Hauptstadt der Provinz KwaZulu-Natal, am Bahnhof ist kein Zughalt.
- 9 Paradise Valley der Zug durchquert ein Tal, am Bahnhof ist kein Zughalt.
- 10 Valley of a Thousand Hills das touristisch beliebte „Tal der tausend Hügel“ wird vom Mdloti River durchquert und ist leider keinen Zughalt wert.
- 14 Durban railway station das imposante Bahnhofsgebäude stammt aus 1892. Hier endet die Zugreise mit Rovos Rail.
Wer die Fahrt in Durban beginnt, kann eine Weiterfahrt mit dem Luxuszug „Cape Town“ der Rovos Rail auf der Strecke des Blue Train ab Pretoria einplanen (1566 km).
Zugdaten
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- Zugtechnik
Mit abnehmender Tendenz fahren Dampfloks mit der weltweit ältesten, kommerziell betriebenen Lok aus 1893; eine Lok verbraucht 400 Liter Wasser und 100 Kilogramm Kohle pro Kilometer. Effizienter sind die zunehmend eingesetzten Dieselloks und Elektroloks (letztere nur in Südafrika). Sie fahren auf der Kapspur (1067 mm), maximal 60 km/h (im Durchschnitt 40 km/h) auf oft eingleisiger Strecke.
Ein Zug besteht aus maximal 21 Waggons mit Generatorwaggon, Personalwaggon, 2 Speisewagen (für je 44 Passagiere) und Panoramawaggon mit Lounge am Zugende. Es besteht eine Kapazität von 72 Passagieren in 36 Suites.
- Zugklassen
Die Waggons sind im gehobenen Kolonialstil ausgebaut, innen teakholzverkleidet, mit Sesseln und Sofas im viktorianischen Stil gehalten. Die Suites sind luxuriös ausgestattet und eingeteilt in drei Klassen, Ausstattung und Service entsprechen einem 5-Sterne-Hotel:
- Pullman Suites (36): Suite für 1-2 Personen, ca. 7 m² groß, mit 2 übereinander angeordneten Betten (190 x 75 cm) oder einem Doppelbett (190 x 150 cm). Am Tag werden die Betten zum Sofa umgebaut (Preis: R40.800 pro Person).
- Deluxe Suites (32): für 1-2 Personen, ca. 10 m² groß, mit 2 getrennten Betten (190 x 75 cm) oder Doppelbett (190 x 160 cm) und Sitzecke (Preis R63.000 pro Person).
- Royal Suites (4): für 1-2 Personen, ca. 16 m² groß, 2 getrennte Matratzen oder Doppelbett und Sitzecke, Bad mit Badewanne (Preis: R84.000 pro Person).
- Besonderheiten
Es gibt Kleidungs-Konventionen: Kleidung im Zugabteil informale leichte Freizeitkleidung, im Speisewagen für Herren Jacke mit Krawatte, für Damen Cocktail- oder Abend-Ausgeh-Kleidung. Im Zug ist absichtlich keine moderne Kommunikationstechnik installiert: es gibt kein Radio/TV und kein WiFi an Bord. Die Klimaanlagen sind in jeder Suite einzeln regulierbar.
Unterkunft
[Bearbeiten]Während der Zugfahrt wird zweimal im Zug übernachtet. Hotels sind deshalb nur in Pretoria und Durban erforderlich.
Sicherheit
[Bearbeiten]Siehe auch: Südafrika#Sicherheit
Der Betreiber Rovos Rail sorgt während der Zugfahrt und bei den Ausflügen dafür, dass sich Reisende jederzeit sicher fühlen können. Der Tourist ist von der hohen Kriminalität in Südafrika abgeschirmt.
Literatur
[Bearbeiten]- Jutta Lemcke, ADAC Reiseführer plus Südafrika, Gräfe und Unzer Verlag GmbH, 2020, S. 50 f.; ISBN 978-3956896859.
Einzelnachweise
[Bearbeiten]- ↑ Michael G Gray, Sir Charles Bullen Hugh Mitchell G.C.M.G., World Scientific, 2023 S. 88
- ↑ Stefan Schreier/Hendrik van der Walt, The Kruger National Park, BoD - Books on Demand, 2025, S. 117
- ↑ Terry Wilks, For the Love of Natal, Robinson Publishing, 1977, S. 102; ISBN 978-0620030670
- ↑ iol.co.za (Hrsg.) vom 22. April 2010, Crash costs Rovos Rail R15 million, (englisch)
