Nordlandbahn
| Nordlandbahn | |
| Streckenlänge: 729 km |
Die Nordlandbahn (norwegisch Nordlandsbanen, oder „Polar Express“) bedient eine 729 km lange Eisenbahnstrecke in Norwegen von Trondheim nach Bodø.
Die Strecke führt an sehr vielen Sehenswürdigkeiten vorbei und überquert den Polarkreis.
Hintergrund
[Bearbeiten]Die 1 Nordlandbahn ist die längste norwegische Bahnstrecke, aber nicht die einzige, die über den Polarkreis führt. Sie durchquert sehenswerte Landschaften der kühl-gemäßigten Zone, passiert Fjorde und Gletscher und endet in der Arktis mit weiter Tundra. Der nicht elektrifizierte Zug ist allerdings kein reiner Touristenzug, sondern Teil des norwegischen Personenverkehrs auf der Schiene. Wegen der Häufung der Attraktionen gilt die Nordlandbahn als Panoramazug.
Nur in Skandinavien gibt es Eisenbahnen, die den Polarkreis überqueren. Auch die schwedische Inlandsbanan (zwischen Kristinehamn und Gällivare) und die schwedisch-norwegische Ofoten Railway (zwischen Kiruna und Narvik) passieren den Polarkreis.
Eine weitere norwegische Attraktion ist die Bergenbahn.
Geschichte
[Bearbeiten]
Die Gegend um Trondheim war bereits im Jahre 997 bewohnt, als die Stadt gegründet wurde. Am 29. Juli 1030 fiel in 1 Stiklestad der Wikingerkönig Olaf II. Haraldsson in der Schlacht von Stiklestad, der zum bedeutsamsten Heiligen des gesamten Nordens avancierte.[1]
Der Gleisbau für die Nordlandbahn begann 1876 im Süden zwischen Trondheim und Hell und konnte mit seiner Eröffnung am 22. Juli 1882 beendet werden. Der langsame Baufortschritt führte dazu, dass erst am 30. Oktober 1926 der Bau weiter nördlich bis zur 2 Snåsa station vorangetrieben werden konnte, die Grong station eröffnete am 30. November 1929. Das vorläufige Streckenende war bis 1940 die 3 Gartland station . Eine Beschleunigung des Gleisbaus erfolgte im Zweiten Weltkrieg nach dem deutschen Überfall auf Norwegen am 9. April 1940. Die Besetzung der Ortschaft Mosjøens diente dem strategischen Ziel, die Eisenbahnstrecke Richtung Norden weiterzubauen, um Schweden zu umgehen und den deutschen Nachschub nach Nordnorwegen zu sichern. Die deutsche Wehrmacht sorgte unter anderem dafür, dass im besetzten Norwegen der Bahnhof Mosjøen station von russischen Kriegsgefangenen gebaut und am 5. Juli 1940 eröffnet werden konnte. Nach dem Krieg verzögerte sich die Fertigstellung erneut, das vorläufige Streckenende war 1955 der 4 Kjemåga railway halt . Die Eröffnung der Gesamtstrecke konnte erst am 7. Juni 1962 in Bodø gefeiert werden.[2]
Der langsame Baufortschritt war auch darauf zurückzuführen, dass auf der Strecke 293 Brücken und 154 Tunnel gebaut werden mussten. So etwa wurde 1959 die 246 m lange Brücke 1 Hell Bru gebaut, im August 2011 entstand der 4,4 km lange 5 Gevingåsen Tunnel , gleichzeitig der längste Tunnel auf der Strecke.
Am 30. August 2025 beschädigte ein Erdrutsch um 08:43 Uhr südlich von 2 Ronglan am 3 Hof Kolsan einen Streckenabschnitt der Nordlandbahn und der hier unmittelbar benachbart verlaufenden E6.[3] Wegen des unsicheren Untergrunds sind sowohl die Straße als auch der Zugverkehr für Monate unterbrochen (Stand: November 2025). Der Betrieb ist derzeit eingeschränkt, im Sommer 2026 soll die gesamte Strecke wieder freigegeben werden.
Regionen
[Bearbeiten]Die Nordlandbahn durchquert die Provinzen Trøndelag im Süden und Nordland im Norden; nach letzterer Provinz ist die Bahn benannt.
Klima, Flora und Fauna
[Bearbeiten]Im Westen und Nordwesten Norwegens herrscht ein mildes, vom Golfstrom beeinflusstes maritimes Klima mit viel Regen und feuchten Sommern und schneereichen Wintern fern der Küste. Der Sommer beginnt im Juni und bringt im Juli durchschnittliche Tageshöchsttemperaturen von zwischen 15 °C und 20 °C und endet im August, der Winter im Januar ist frostfrei mit 3 °C am Tag. Deshalb bleiben die Fjorde oft eisfrei. Das Landesinnere weist dagegen ein extremes arktisches Klima auf, mit langen, sehr kalten Wintern (oft unter -40 °C) mit reichlich Schneefall und kurzen, kühlen Sommern.
Am Polarkreis geht am 21. Juni die Sonne nicht unter, dann scheint die Sonne genau 24 Stunden (Mai bis Juli) und am 21. Dezember nicht auf, dann ist es genau 24 Stunden Nacht (November bis Januar). Das fehlende Tageslicht im Winter verstärkt die Kälte.
Unter den 81 Säugetierarten in der Region findet man etwa 150 Braunbären, Elche, Moschusochsen, Rentiere und Wölfe. Es gibt mindestens 547 Vogelarten, darunter Basstölpel, Papageitaucher oder den Seeadler (besonders um Bodø).
In Nordnorwegen gibt es über 2100 Pflanzenarten, mindestens 42 Arten von Koniferen (wie Fichten und Kiefern als Teil des borealen Nadelwalds) und 75 Farnarten, die allesamt dem arktischen Klima widerstehen. Die Baumgrenze liegt bei etwa 300 Metern. Oberhalb wachsen Bergwiesen, Moore, Matten sowie Moose und Flechten.
Reisevorbereitung
[Bearbeiten]Beste Reisezeit ist zwischen Mai und September, wenn die Tage relativ lang sind. Die Nordlandbahn benötigt für die Strecke knapp 10 Stunden, die grundsätzlich am Tag absolviert werden. Deshalb gibt es an Bord des Zuges keine Schlafwagen. Ausnahmsweise zur Mittsommernacht fahren die Züge auch nachts, wo es jedoch hell bleibt. Wer die Strecke Trondheim–Bodø fährt, sollte vor Reiseantritt eine Hotel-Reservierung in Bodø buchen.
Anreise
[Bearbeiten]Der 6 Trondheim Airport (IATA: TRD) befindet sich 35 km nordöstlich der Stadt. Die Flughafen-Expressbusse verbinden den Flughafen mit der Innenstadt etwa alle 15 Minuten und benötigen 40 Minuten für die Strecke.
Per Auto kann die Strecke der Nordlandbahn zwischen Trondheim und Bodø auf der Europastraße E6 in 711 km absolviert werden; sie verläuft mehr oder weniger parallel zur Eisenbahnstrecke. Wer mit dem Mietwagen fährt, kann an der Top-Attraktion des Polarkreises anhalten und Monument und das Polarkreiszentrum besichtigen, was bei einer Zugfahrt nicht möglich ist.
Per Schiff ist Trondheim über den 7 Trondheim harbour (Trondheim havn) zu erreichen. Er wird sowohl von den Hurtigruten als auch von anderen Kreuzfahrtschiffen angelaufen.
Die Fähre Trondheim–Bodø oder zurück verkehrt zwischen 8 Trondheim kystrutekai und 9 Bodø kystrutekai mit einer Fahrtdauer von 24 Stunden. Wer den Zug nach Bodø genommen hat, kann also die Fähre Bodø-Trondheim für den Rückweg nutzen oder umgekehrt.
Streckenverlauf
[Bearbeiten]Die 729 km lange Strecke ist eingleisig und mit Normalspur angelegt. Die Abfahrt in Trondheim ist zweimal täglich um 05:30 Uhr und 08:00 Uhr, die Ankunft nach knapp 10 Stunden um 15:15 bzw. 17:45 Uhr. Seit Januar 2025 gibt es keine Nachtzüge mehr. Die 5 Waggons einschließlich Bordrestaurant werden von einer veralteten, 20,8 m langen Diesellok NSB Di4 von General Motors gezogen, maximale Höchstgeschwindigkeit ist 140 km/h. Der Zug fährt ganzjährig, im Winter sind die Gleise im Norden schneebedeckt. Unterwegs gibt es 293 Brücken und 154 Tunnel. Es werden zwei Klassen angeboten, die 1. Klasse „Premium Pluss“ und die 2. Klasse. Die 1. Klasse bietet mehr Beinfreiheit, breitere Sitze, weniger Sitzplätze pro Reihe, mehr Gepäckraum und oft zusätzliche Annehmlichkeiten wie kostenlose Zeitungen.
Übersicht
[Bearbeiten]

Erwähnt werden nur touristisch wichtige Bahnhöfe (norwegisch stasjon):
| Bahnhof | Entfernung in km |
|---|---|
| 10 Trondheim Central Station | 0 |
| 11 Hommelvik station | 23 |
| 12 Hell station | 8 |
| 13 Stjørdal station | 4 |
| 14 Steinkjer station | 90 |
| 15 Grong station | 95 |
| 16 Namsskogan station | 70 |
| 17 Trofors station | 77 |
| 18 Mosjøen station | 39 |
| 19 Røsså station | 59 |
| 20 Skonseng station | 47 |
| Polarkreis | 67 |
| 21 Fauske station | 95 |
| 22 Bodø station | 55 |
| Gesamtstrecke | 729 |
Unterwegs gibt es 44 Bahnhöfe, einige davon sind Bedarfshaltestellen. Im Regelfall wird an 25 Bahnhöfen angehalten. Die Strecke kann auch umgekehrt befahren werden. Die Rückfahrtzüge fahren 1 Stunde nach Ankunft des Hinfahrtzuges.
Einzelheiten
[Bearbeiten]





- 1 Trondheimsfjord der Zug fährt entlang des Fjords, der mit 130 km Länge der drittlängste Norwegens ist.
- 5 Hommelvik Stadt mit 6000 Einwohnern.
- 6 Hell die Ortschaft mit 2000 Einwohnern kokettiert mit dem englischen Wort für „Hölle” und bietet entsprechende Souvenirs an. Tatsächlich ist der Ortsname abgeleitet aus dem alten Norse-Wort „hellir“, was so viel bedeutet wie „Felsüberhang“. Das Hinweisschild „Helleristninger“ weist auf 13 Felszeichnungen aus 4000 vor Christus hin, darunter 2 lebensgroße Rentiere.
- 2 Hell railway bridge 2016 neu gebaute 200 m lange Stahlbrücke.
- 2 Snåsavatnet der Zug passiert den 121 km² großen See.
- 23 Majavatn station der 1940 gebaute Bahnhof dient als Ausgangspunkt zum.
- 4 Børgefjell National Park am 9. August 1963 eingerichteter Nationalpark, wo eine große Population von Polarfüchsen zuhause ist; 1447 km² groß.
- 11 Trofors ist mit knapp 900 Einwohnern Mittelpunkt der Nordlandbahn, und zwar 367 km von Trondheim entfernt und 362 km nach Bodø. Der Bahnhof Trofors stasjon ist am 5. Juli 1940 eröffnet worden.
- 1 Helgelandstrappa die „Helgelandstreppen“ sind mit 4000 Stufen der längste Steintreppenweg der Welt, gebaut von Sherpas aus Nepal. Eine spektakuläre Zipline kann als Rückweg benutzt werden.
- 3 Fusta brua 41 m lange Eisenbahnbrücke über den Fusta River.
- 5 Vefsnfjord der rund 60 km lange Meeresarm beginnt an der atlantischen Seite bei Tjøtta.
- 6 Drevvatnet ein 4,93 km² kleiner See mit knapp 12 km Uferlänge.
- 24 Mo i Rana station erst am 20. März 1942 eröffneter Bahnhof (in norwegisch kurz: „Mo stasjon”), 498 km von Trondheim und 231 km von Bodø entfernt. Der Bahnhof gehört zur gleichnamigen Stadt mit knapp 19000 Einwohnern.
- 14 Skonseng etwa 1000 Einwohner, nur noch 10 km entfernt von Mo i Rana.
- 8 Stupforsen 120 Meter hoher Wasserfall, vom Zug aus zu sehen.
- 2 Polarkreis (Polarsirkel) höchster Punkt der Strecke mit 680 m. Der Zug hat am Polarkreis 579 km der Strecke (oder 79 % der Gesamtstrecke) zurückgelegt und fährt hier langsamer, damit die Fahrgäste das neben der Strecke liegende Polarkreis-Monument sehen können; an der
befindet sich das Polarkreiszentrum, wo ein überteuertes Polarkreiszertifikat erworben werden kann. - 9 Semska-Stødi ein am 20. August 1976 eingerichtetes, 129,9 km² großes Naturreservat.
- 10 Saltfjellet–Svartisen National Park im September 1989 gegründeter Nationalpark in der Tundra, 2102 km² groß. Zum Nationalpark gehört der vom Zug aus zu sehende.
- 11 Svartisen (deutsch: „Schwarzeisen“), mit einer Fläche von 370 km² Norwegens zweitgrößter Gletscher.
- 15 Lønsdal knapp 11000 Einwohner, 511 m hoch.
- 12 Saltdal Fjord ein 11 km langer Fjord.
- 13 Skjerstadfjord mündet in den Saltstraumen, dem stärksten Gezeitenstrom der Welt und einer der spektakulärsten Angelplätze in Nordnorwegen. Häufigster Fisch beim Angeln ist der Heilbutt.
- 14 Saltfjorden ist ein 4 km breiter und etwa 80 km langer Fjord. Er liegt südlich der Stadt.
Unterkunft
[Bearbeiten]
Wer den Zug morgens in Trondheim nimmt und bis Bodø fährt, kommt dort nachmittags an und kann eine Unterkunft aufsuchen. Die Webseite Booking.com findet für Trondheim 146 Hotels aller Kategorien, vom günstigen 1 Rumi Hostel (Weidemannsvei 41) über das mittlere 2 Chesterfield Hotel (Søndregate 26) bis zum teuren 3 Britannia Hotel aus 1870 (Dronningens gate 5). In Bodø warten 56 Hotels wie etwa das 4 Comfort Hotel Bodø (Sandgata 4). Unterwegs sind die touristischen Fazilitäten begrenzt. Die abgebildete Lodge in Namsskogan, das 5 Nams-Inn , liegt direkt in Bahnhofsnähe und der
. In Mosjøen gibt es 19 Hotels. Darunter befindet sich das 6 Fru Haugans Hotel mit zwei Restaurants, einer Bar und Garten (Strandgata 39).
Sicherheit
[Bearbeiten]Siehe auch: Sicher reisen
Trotz langer Zäune an der Eisenbahnstrecke zwecks Vermeidung von Wildwechseln kommt es häufig zu Unfällen mit Elchen oder Rentieren. Zwischen 1985 und 2017 wurden fast 7400 Tiere überfahren. Der Zug hält bei Wildwechsel nicht an, weil der Bremsweg bei Vollbremsung zu lang ist, um eine Kollision zu verhindern.
Literatur
[Bearbeiten]- Martin Schmidt, Reiseführer Norwegen, Reise-Know-How-Verlag Rump, 2016, S. 733; ISBN 978-3831746248.
Einzelnachweise
[Bearbeiten]- ↑ Ulrich Quack, Norwegen, Iwanowski's Reisebuchverlag, 15. Auflage, 2020, S. 144
- ↑ The Norwegian national bibliography, Norsk bokfortegnelse, Den Norske Bokhandlerforening, 1962, S. 71
- ↑ Bane Nor vom 30 August 2025, Skredet i Levanger (norwegisch)
