Nordkenia
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Nordkenia liegt unfaßt den nördlichen Landesteil von Kenia.
Der Norden Kenias, geprägt vom großen Turkana-See, ist die Heimat vieler kenianischer Völker, darunter auch nomadische Hirtenvölker. Die Region beeindruckt mit spektakulären Wüsten-, Vulkan- und Seelandschaften sowie einer einzigartigen Tierwelt abseits der Touristenpfade.
Regionen
[Bearbeiten]Die Region wird maßgeblich durch das riesige Turkana County im Nordwesten geprägt. Es ist vor allem für den Turkana-See und die kargen Wüstenlandschaften bekannt. Östlich davon schließt sich das Marsabit County an. Diese gewaltige Region wird durch das Marsabit-Zentralmassiv mit seinen Nebelwäldern sowie die trockene Chalbi-Wüste definiert. Südlich davon liegt das Samburu County, das den Übergang vom fruchtbaren Hochland zu den trockenen Ebenen markiert. Der Nordosten besteht aus den flachen und semiariden Countys Wajir, Mandera und Garissa, die kulturell sowie geografisch stark in Richtung Somalia orientiert sind.
Orte
[Bearbeiten]In allen genannten Städten gibt es keine touristischen Attraktionen. Sie sind lediglich Versorgungszentren oder eignen sich als Übernachtungsort auf der Durchreise.
- 1 Kabarnet (~25.000Ew.). Der Ort bietet preisgünstige Unterkünfte in der Nähe einiger wichtiger Sehenswürdigkeiten, darunter der Bogoria-See, der Baringosee, die Tugen Hills, das Kerio-Tal und das Kerio-Escarpment. Die Stadt liegt im ländlichen, halbtrockenen, aber dennoch fruchtbaren Hochland auf einer Höhe von 1.815 Metern. Von der Straße von Marigat, die die Tugenberge hinunterführt, hat man einen grandiosen Ausblick auf den Ostafrikanischen Grabenbruch, der Teil des Großen Afrikanischen Grabenbruchs ist (englisch: Rift Valley), sowie auf den Baringo- und den Bogoriasee und weiter ins Keriotal hinunter.
- 2 Maralal (~30.000 Ew.). Der Tourismus in Maralal ist margibal und die Stadt dient heute hauptsächlich als Ausgangspunkt für Abenteuerreisende, die zum Turkana-See weiterreisen, der etwa zwölf Autostunden nördlich liegt.
- 3 Marsabit (~15.000 Einwohner). Marsabit ist ein Versorgungszentrum für die Umgebung. Die Stadt liegt am Mount Marsabit, einem großen Inselberg vulkanischen Ursprungs. Dieser ragt aus der auf rund 400 m Höhe liegenden Halbwüste bis auf eine Höhe von 1700 m auf. Im Gegensatz zur Umgebung ist der Berg bewaldet und für Ackerbau geeignet. An seiner Südseite leben vor allem Rendille und Samburu, an seiner Nordseite eine heterogenere Bevölkerung aus Borana, Gabbra, Waata, Konso, Burji, Sakuye, Garre und Sidama.
- 4 Moyale (~110.000 Ew.). Grenzstadt zu Äthiopien. Auf den traditionellen Märkten findet man eine interessante Mischung aus verschiedenen Kulturen, besonders auch mit mit Borana- und Somali-Gemeinschaften. (3° 31′ 37″ N 39° 3′ 22″ O)
- 5 Lodwar (85.000 Ew.).
Weitere Ziele
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- 1 Lake Turkana (Ziwa Turkana, Rudolfsee) Er ist ein großer, abflussloser See. Touristische Attraktionen am Turkanasee sind die einzigartige Vulkanlandschaft, archäologische Fundstätten früher Hominiden, eine vielfältige Tierwelt und die faszinierende Kultur der Turkana-Bevölkerung.
- 2 Sibiloi National Park (Hifadhi ya Taifa ya Sibiloi) Abgesehen vom schwach salzigen Turkana-See wird die Landschaft vor allem durch eine aride Halbwüste geprägt. Neben einer Vielzahl von Vögeln und Reptilien kommen diverse Säugetiere wie beispielsweise die Giraffengazelle, die Beisa-Antilope, die Tiang oder der gefährdete Kleine Kudu und Grevyzebras vor.
- 3 Keriotal Der Kerio ist ein Fluss im Rift Valley. Er fließt nordwärts in den Turkana-See. Er ist einer der längsten Flüsse in Kenia und entspringt in Äquatornähe. Er setzt seinen Weg nach Norden fort, häufig durch tiefe und enge Täler, und fließt in einem Delta in den Turkana-See.
- 4 Marsabit National Park (Hifadhi ya Taifa ya Marsabit) Der Park befindet sich am Mount Marsabit in einer Höhe von 400 bis 1.700 Metern über dem Meeresspiegel. Er ist von Wüsten und Halbwüsten umgeben. Während das Tal von Buschland geprägt ist, wird die Landschaft weiter oben am Berg zum Grasland, das von Akazien und Olivenbäumen bewachsen ist. Im Bergwald liegen einige Sümpfe und Frischwasserseen, darunter der Paradiessee, ein wassergefüllter Krater vulkanischen Ursprungs. Im Marsabit-Nationalpark leben unter anderem Giraffengazellen, Netzgiraffen, Große Kudus, Buschböcke, Grevyzebras, Kirk-Dikdiks, Karakals, Löffelhunde, Löwen, Leoparden, Geparden und Hyänen. Die afrikanischen Elefanten sind hier sehr scheu. Außerdem sind dort etwa 400 Vogelarten beheimatet, darunter Siedelweber, Heuglintrappen, Rennvögel, Purpurreiher, Weißbauch-Lärmvögel und Seidenturakos.
- 5 Mount Elgon National Park (Elgon) Der Mount-Elgon-Nationalpark beeindruckt vor allem durch seine weltweit einzigartigen Lavahöhlen, darunter die Kitum-Höhle, in der Elefanten aktiv Mineralien abbauen. Darüber hinaus bietet er unberührte Natur inmitten eines gewaltigen erloschenen Vulkans. Die einsame und ursprüngliche Landschaft, geprägt durch dichte Bergwälder, spektakuläre Wasserfälle und eine vielfältige Tierwelt, eignet sich ideal für Wanderungen abseits der Touristenströme und ist eine Alternative zu den bekannteren Bergen Ostafrikas.
- 6 Saiwa Swamp National Park (Hifadhi ya Taifa ya Saiwa Swamp) Der Saiwa Swamp National Park ist Kenias kleinster Nationalpark und dient primär dem Schutz der seltenen, wasserlebenden Sitatunga-Antilope, die man dort von erhöhten Beobachtungsplattformen aus gut sichten kann. Der Park zeichnet sich durch seine begehbaren Sumpflandschaften und dichten Flusswälder aus, die ausschließlich zu Fuß erkundet werden und neben einer enormen Vogelvielfalt auch seltene Primatenarten wie die De-Brazza-Meerkatze beherbergen.
- 7 Tugen Hills Die Hills sind landschaftlich reizvoll und archäologisch bedeutend, da hier wichtige fossile Funde früher Menschen entdeckt wurden.
- 8 Baringosee (Ziwa Baringo) Er ist bekannt für seine enorme Vogelvielfalt, Nilpferde und für Bootstouren.
- 9 Bogoriasee (Ziwa Bogoria) Er beeindruckt mit heißen Quellen und Geysiren sowie tausenden Flamingos im alkalischen Wasser.
- 10 Kapedo Wasserfall Die spektakulären kochend heißen Wasserfälle stürzen über eine Böschung, bevor sie in den Fluss Suguta fallen. Es ist wie eine Sauna unter den Felsen.
- 11 Chalbi-Wüste (Jangwa la Chalbi) Sie ist eine schneeweiße Salzwüste, die nach Regenfällen kurzzeitig zu einem flachen See werden kann.
- 12 Mathews Range Forest Es ist ein abgelegenes Gebirge mit urzeitlichen Wäldern, das exklusive Wandermöglichkeiten in völliger Abgeschiedenheit bietet.
Hintergrund
[Bearbeiten]Das Gebiet war schon seit jeher von wandernden Hirtenvölkern besiedelt, die sich mit ihrer Lebensweise an die trockenen und oft kargen Umweltbedingungen anpassten. Ethnische Gruppen wie die Samburu, Turkana, Rendille oder Borana entwickelten komplexe soziale Strukturen sowie Wissen über Wasserstellen, Weidezyklen und Tierhaltung. Während der Kolonialzeit rückte Nordkenia nur am Rande in den Fokus der britischen Verwaltung. Das Gebiet galt als abgelegen, schwer zugänglich und wirtschaftlich wenig attraktiv. Diese Vernachlässigung führte einerseits dazu, dass traditionelle Lebensformen länger erhalten blieben als in anderen Teilen des Landes. Andererseits brachte sie auch politische und infrastrukturelle Benachteiligung mit sich, deren Folgen nach der Unabhängigkeit Kenias im Jahr 1963 weiterhin spürbar waren. Grenzziehungen, die wenig Rücksicht auf bestehende Wanderbewegungen nahmen, sowie staatliche Kontrollversuche verstärkten lokale Konflikte um Land und Ressourcen.
Große Teile der Region bestehen aus Halbwüsten und Trockensavannen, in denen Akazien, Dornbüsche und spärliche Gräser das Landschaftsbild bestimmen. Das Klima ist heiß und niederschlagsarm. Regen fällt unregelmäßig und oft in kurzen, heftigen Schauern. Unter diesen Bedingungen hat sich eine an Extreme angepasste Tierwelt entwickelt, zu der Kamele, Ziegen und widerstandsfähige Rinderrassen, aber auch Wildtiere wie Oryxantilopen, Grevy-Zebras und verschiedene Raubtiere gehören.
Eine besondere geologische und ökologische Bedeutung besitzt das Gebiet rund um den Turkana-See, den größten Wüstensee der Welt. Seine Ufer und die angrenzenden Ebenen zählen zu den wichtigsten Fundstätten der Menschheitsgeschichte, da hier zahlreiche Fossilien früherer Hominini entdeckt wurden. Der See wirkt zugleich als Lebensader in einer sonst trockenen Region und beeinflusst lokale Klimabedingungen, Fischerei und Handel.
Sprache
[Bearbeiten]In Nordkenia dominieren neben den Amtssprachen Swahili und Englisch vor allem vielfältige lokale Sprachen wie Turkana, Samburu, Borana und Somali, die tief in der Kultur der dort lebenden Hirtengemeinschaften verwurzelt sind. Englisch wird in allen touristischen Einrichtungen vestanden.
Anreise
[Bearbeiten]Die Anreise nach Nordkenia startet meist in Nairobi. Von Mombasa werden Touren angeboten, wo die Anreise nach Nairobi mit dem Zug erfolgt und man von dort vom Reiseveranstalter abgeholt und zu den gebuchten Destinationen gebracht wird.
Mit dem Flugzeug
[Bearbeiten]Flüge in den Norden starten überwiegend vom Wilson Airport (WIL) in Nairobi, nicht vom internationalen Flughafen Jomo Kenyatta.
- Lodwar (Turkana): Es gibt tägliche Verbindungen (z. B. mit Safarilink oder Skyward Express). Flugzeit: ca. 1,5 Stunden.
- Marsabit / Moyale: Es gibt unregelmäßige Charterflüge oder kleinere Linienflüge, die oft wichtige Versorgungspunkte anfliegen.
Mit dem Fernbus
[Bearbeiten]Mehrere Busunternehmen (z. B. Moyale Liner oder Ena Coach) bedienen die Strecken in den Norden.
- Nach Marsabit/Moyale: Die Straße (A2) ist mittlerweile durchgehend asphaltiert. Die Fahrt nach Marsabit dauert etwa 7,5 bis 9 Stunden.
- Nach Lodwar: Die Strecke ist deutlich anstrengender und dauert oft 12 bis 15 Stunden oder länger, da die Straßenverhältnisse hinter Kitale schwieriger werden können.
Mit dem eigenen Fahrzeug
[Bearbeiten]Für mehr Abenteuer ist eine Fahrt mit einem Geländewagen ideal, um flexibel zu bleiben.
- Nairobi nach Maralal: Ca. 340 km (ca. 6-7 Stunden). Die Strecke führt über landschaftlich reizvolle Hochebenen.
- Nairobi nach Marsabit: Ca. 530 km (ca. 7,5-8 Stunden) über die gut ausgebaute Fernstraße A2.
- Nairobi nach Lodwar: Ca. 600 km. Diese Route erfordert ein robustes Fahrzeug und gute Planung, da sie über Nakuru und Sigor durch teils abgelegenes Gebiet führt.
Sicherheit: In einigen Grenzregionen und sehr entlegenen Gebieten ist es ratsam, sich vorab über die aktuelle Sicherheitslage zu informieren und in Konvois zu fahren. Außerhalb der Hauptrouten nach Marsabit und Lodwar gibt es nur wenige Tankstellen und Werkstätten. Außerdem sollte man immer ausreichend Wasser und Ersatzreifen mitführen.
Mobilität
[Bearbeiten]Der Norden Kenias verfügt traditionell über eine schwache Straßeninfrastruktur mit vielen nicht asphaltierten Strecken. Große Teile der Region sind besonders in der Regenzeit schwer zugänglich, da unbefestigte Straßen dann oft unpassierbar werden. Ein zentrales Projekt der Regierung ist der Ausbau der Isiolo–Mandera Road (ca. 748 km), die Nordkenia mit dem Nordosten des Landes verbindet und eine strategische Bedeutung für Handel und Mobilität hat. Die Strecke soll nach und nach ausgebaut und asphaltiert werden. Bis dahin ist ein Geländewagen unumgänglich. Wenn man keine Rundreise in den Norden über ein Reisebüro buchen möchte, sondern mit einem Mietwagen unterwegs sein will, sollte man unbedingt auch einen ortskundigen Fahrer mitbuchen.
