Nationalpark Amazônia
| Nationalpark Amazônia / Parque Nacional da Amazônia | |
| Fläche: 10.849 km² |
Der Nationalpark Amazônia (portugiesisch: Parque Nacional da Amazônia) ist ein 10.849 km² großer Nationalpark in Brasiliens Bundesstaaten Amazonas und Pará.
Hintergrund
[Bearbeiten]Brasilien hat 74 Nationalparks (portugiesisch: parnas) eingerichtet, davon allein 20 im Amazonas-Gebiet. Sechs Parks von diesen 20 sollen das Ökosystem des Rio Amazonas schützen. Der wichtigste hierunter ist der 1 Nationalpark Amazônia , dessen Name sich auf die Region und nicht den Fluss bezieht. Hauptfluss ist nämlich der 2 Rio Tapajós , ein 1930 km langer Nebenfluss des Amazonas. An seinen Ufern verläuft die südöstliche Parkgrenze. Der schwer zugängliche Park verfügt über keine touristische Infrastruktur und zeigt repräsentativ die Flora und Fauna des Amazonas-Regenwalds. Er ist der erste Nationalpark im Biom des Amazonas-Regenwalds.
Geschichte
[Bearbeiten]Etwa um das Jahr 100 nach Christus lebten hier die indigenen Tapajó[1], die Lebensmittelreste, Fruchtschalen und menschlichen Abfall, zerbrochene Keramik und Asche deponierten. Dies hat zur Fruchtbarkeit des Bodens beigetragen. Später siedelten in dieser Gegend die Asháninka, die Munduruku und die Xingu, auch in der Nähe des Nationalparks (portugiesisch: terra indigena). Die präkolumbianische Besiedlung führte zu mehr als 30 Ausgrabungsstätten.
Die Unzugänglichkeit der Region hinderte auch europäische Entdecker und Forscher. Der Spanier Vicente Yáñez Pinzón sichtete wohl am 7. Februar 1500 die Amazonas-Mündung und nannte den breiten Fluss „Süßwasser-Meer“ (spanisch: mare dulce).[2] Er drang etwa 200 km flussaufwärts vor und kehrte zurück, weil diese Region nach dem Vertrag von Tordesillas vom 7. Juni 1494 Portugal zustand. Als Entdecker des Amazonas gilt Francisco de Orellana, der ab dem 12. Februar 1542 den Fluss von Iquitos stromabwärts fuhr und am 24. August 1542 die Mündung erreichte. Währenddessen entdeckte er am 3. Juni 1452 den Zusammenfluss von Amazonas und Rio Negro, dessen Name bis heute erhalten blieb.[3]
Um 1854 gelangten die Goldsucher (portugiesisch: garrimpeiros) in die Gegend und gründeten in jenem Jahr die Goldminenstadt Itaituba . Es entstanden weit verstreute Goldfelder im unerschlossenen und fast undurchdringlichen Gebiet.
Erste Naturreservate mit niedrigerem Schutzstatus entstanden im peruanischen Regenwald 1940 mit der Pacaya Reserve und 1954 mit der Samiria Reserve, mittlerweile zusammengefasst zur Pacaya-Samiria National Reserve . Erster Nationalpark im brasilianischen Regenwald war der am 31. Dezember 1959 gegründete Araguaia-Nationalpark mit einer Fläche von 5.555 km²[4] im Bundesstaat Tocantins.
Die Eröffnung der Transamazônica
am 27. August 1972 förderte die Einrichtung des am 19. Februar 1974 eröffneten Amazônia-Nationalparks.[5] Die Abgeschiedenheit des Parks mit einem Durchmesser von 710 Kilometern hält die Besucherzahlen jedoch niedrig: im Jahre 2023 besuchten gerade einmal 16.000 Personen den Park.
Klima, Flora und Fauna
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Der Amazônia-Nationalpark liegt in den Inneren Tropen, wo ein tropisches Klima mit ganzjährig konstant heißen Temperaturen tagsüber (27 °C bis 33 °C) und nachts um die 23 °C („Tropennächte“) herrscht. Die relative Luftfeuchtigkeit ist sehr hoch und liegt tagsüber mindestens bei 85 %, nachts über 90 %. Die Regenzeit fällt in den Zeitraum Oktober bis April, die Trockenzeit – in der nicht wirklich Trockenheit herrscht – liegt entsprechend zwischen Juli und September. Die meisten monatlichen Regentage gibt es im April und Oktober (jeweils 20). Auch in der Trockenzeit kann es zu plötzlichem Starkregen (portugiesisch: chuva forte) und Sommerregen (portugiesisch: chuva de verão) kommen, der Straßen innerhalb weniger Minuten überfluten und unpassierbar machen kann.
In Amazonien gibt es mindestens 430 Säugetierarten, darunter Ameisenbären (tamanduas), Faultiere (preguiças), Flussdelphine (botos), Jaguare, Manatis, Ozelots, Tapire oder Wasserschweine (capybaras) und über 50 Affenarten (Brüll-, Kapuziner-, Tamarin-, Totenkopf- oder Wollaffen) mit 13 Arten von Primaten. Es wurden über 450 Reptilienarten gezählt (Kaimane; jacaré), darunter 427 Schlangenarten (Anakondas). Unter den 400 Vogelarten gibt es 6 Arten von Aras sowie Arassaris, Kormorane, Sichler oder Tukane. Zu den mehr als 3000 Fischarten gehören elektrische Aale, Arapaima (pirarucu), Piranhas oder Welse (piraiba). Im Regenwald gibt es über 2,5 Millionen Insektenarten, die unter den tierischen Lebewesen einen Anteil von 90 % erreichen. Es überrascht nicht, dass sie den Wanderer am meisten belästigen.
Über 80000 Pflanzenarten gedeihen im tropischen Klima. Den Regenwald dominieren die 6727 Baumarten wie Gameleira-, Kakao-, Kastanien- und Kautschukbaum, Kapok, Mahagoni oder Würgerfeige. Der höchste Baum ist die Angelim vermelho (faveira) mit 88 Metern. Berühmt ist die Amazonas-Riesenseerose.
Der Amazonas-Regenwald liefert nicht mindestens 20 % des Welt-Sauerstoffs, wie oft kolportiert wird, sondern verbraucht durch Verrottung, Brandrodung und Atmung fast den gesamten produzierten Sauerstoff selbst, so dass sein Nettobeitrag zur globalen Sauerstoffbilanz bei maximal 9 % liegt. Von der „Lunge der Erde“ kann deshalb keine Rede sein.
Da es in der Region einen sehr sauren und sandigen Boden (portugiesisch: terra preta de Índio) gibt, besteht bei Abholzung die Gefahr der Wüstenbildung, die an einigen Stellen bereits zu erkennen ist. In einem Gebiet mit hoher Luftfeuchtigkeit ist dies nicht zu erwarten.
Reisevorbereitung
[Bearbeiten]Beste Reisezeit ist die Trockenzeit zwischen Juli und September, wo sich die durch den Park führende Transamazônica BR-230 als staubige Piste mit gelegentlichen Schlammpassagen präsentiert. Wer die Transamazônica ganz oder teilweise befahren will, benötigt ein Allradfahrzeug und umfassende fahrerische Kenntnis vom Off-Road-driving. Die Naturpiste erfordert höchste physische (und psychische) Belastbarkeit von Mensch und Material. Hier im Westen ist die BR-230 ausschließlich eine Naturpiste, lediglich im Osten ist sie asphaltiert.
Anreise
[Bearbeiten]Per Flugzeug gibt es Inlandsflüge zum/vom 1 Itaituba Airport (IATA: ITB) . In 1 Itaituba können Pauschalreisen in den Nationalpark gebucht werden. Eintrittsgenehmigungen erteilt die dortige 1 ICMBio Itaituba (157 Av. do Paredão).
Mit dem allradgetriebenen Mietwagen kann man von Itaituba über die Transamazônica nach 51 km den Parkeingang erreichen.
Streckenverlauf
[Bearbeiten]Die Transamazônica ist der einzige Parkzugang. Sie verläuft im Südosten und Süden des Parks über 111 km und verlässt den Park, um nach wenigen Kilometern wieder in ihn einzutreten. Diese Prozedur wiederholt sich sehr häufig.
Übersicht
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Zufahrtstore gibt es in Tracoá (51 km von Itaituba) und 2 Uruá , wo sich die meistbenutzten Wanderwege, ein Aussichtspunkt, Stromschnellen und der wichtigste Strand befinden. Von Tracoá aus verläuft die BR-230 über 53 km außerhalb des Parks, bis sie die Brücke über den Rio Tracoá überquert. Im Süden des Parks verlässt die BR-230 nach weiteren 60 km den Park an der Station ICMBio Base Montanha
| geografischer Ort | Entfernung in km |
|---|---|
| ICMBio Base do Tracoá | 0 |
| Buburé | 20 |
| Capelinha São José da Mata | 20 |
| ICMBio Base Montanha | 71 |
| Gesamtstrecke | 111 |
„ICMBio“ ist die Abkürzung für das Instituto Chico Mendes de Conservação da Biodiversidade, einer Bundesbehörde, die für das Management geschützter biodiverser Gebiete zuständig ist. Sie betreibt die drei Besucherzentren.
Einzelheiten
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- 3 ICMBio Base do Tracoá der Nationalpark ist 24 Stunden geöffnet. Eine Eintrittsgebühr gibt es nicht. Hier können orts- und naturkundige Führer gebührenpflichtig angeheuert werden.
- 4 ICMBio Base do Uruá 13 km südlich der Parkgrenze folgt die Basis Uruá. Hier ist der Rio Tapajós 3 km breit. In unmittelbarer Nähe befinden sich:
- 1 Gameleira Trail (portugiesisch: trilha de Gameleira; 6,5 km) zunächst verläuft der Wanderweg am Strand und führt danach an gleichnamigen Gameleira-Bäumen vorbei, dann durch Gemeas-Wälder und vorbei an Kastanienbäumen.
- 3 Cachoeira do Cabano hier durchquert der Rio Tapajós einen felsigen Untergrund, wo er 5 m in die Tiefe stürzt.
- 2 Sawré bap der Strand im Überschwemmungsgebiet des Rio Tapajós.
- 1 Abzweig nach Buburé Aussichtspunkt am Rio Tapajós. Zurück auf der BR-230 folgt.
- 2 Buburé eine Gemeinde am Ufer des Rio Tapajós in der Region, wo sich die meisten Goldminen am Fluss befanden und die stark durch Quecksilber belastet ist.
- 1 Capelinha São José da Mata (São José da capelinha) eine kleine Kapelle, hier beginnt der 20 km lange Capelinha Trail.
- 3 Mambuai-Brücke Holzbrücke über den Igarapé Mambuai.
- 5 ICMBio Base Montanha das Ausfahrtstor aus dem Nationalpark.
Außerhalb des Nationalparks befinden sich an der BR-230 in westlicher Richtung:
- 2 Communidade Nova Esperança ein Flugplatz, der die BR-230 als Landepiste benutzt.
- 4 Igarapé do Limão Brücke über den Igarapé (Nebenarm) des Rio Limão.
- 5 Igarapé Sonrizal Brücke über den Rio Sonrizal.
- 6 Abzweig nach Jacareacanga über die Estrada da Amazônica nach Jacareacanga.
- 7 Igarapé Muiuçu Brücke über den Nebenarm des Rio Muiuçu.
- 8 Rio Abacaxis Brücke über den 610 km langen Rio Abacaxis („Ananas-Fluss“).
Gebühren
[Bearbeiten]Der Parkeintritt ist gebührenfrei. Die empfehlenswerten Führer haben Orts- und Naturkenntnis und kosten pro Tag und Person um die R$ 50. Sie weisen auf 11 Sehenswürdigkeiten, 8 Wanderwege und einen Aussichtspunkt hin.
Aktivitäten
[Bearbeiten]Wandern auf gekennzeichneten Wanderwegen am besten mit Führung, der längste Wanderweg mit 20 km ist der 3 Capelinha Trail in leicht hügeligem Dschungelgebiet, wegen der Klimaverhältnisse sehr anstrengend. Wildtierbeobachtungen sind während der Dschungelwanderungen möglich, Kanufahrten auf dem Rio Tapajos sind gebührenpflichtig.
Unterkünfte
[Bearbeiten]Hotels und Versorgungsmöglichkeiten gibt es im Nationalpark nicht. Im Park kann auf überdachten Hängematten übernachtet werden. Dies ist vorher am Besucherzentrum abzustimmen. Außerhalb des Parks gibt es direkt am Rio Tapajós die 1 Vila Rayol und die 2 Posada Portal do Parque Nacional da Amazônia , zu denen von der BR-230 der 9 Abzweig führt. Die 3 Pousada Portal do Parque Nacional Da Amazônia sollte im Voraus vor der Anreise gebucht werden.
Gesundheit
[Bearbeiten]Diese medizinischen Hinweise sind sorgfältig recherchiert, allerdings erfolgen sie ohne Gewähr. Ein Gespräch mit dem zuständigen Hausarzt oder einer reisemedizinischen oder tropenmedizinischen Beratungsstelle wird bei gesundheitlichen Problemen oder Unsicherheiten empfohlen. Beachte auch: Hinweis Gesundheitsthemen |
Insbesondere der Amazonas-Regenwald ist ein Malaria-, Dengue- und Gelbfiebergebiet. Eine Gelbfieberimpfung ist dort sehr empfehlenswert, gegen die besonders gefährliche Malaria Tropica ist eine Prophylaxe bereits vor Reiseantritt ratsam. Es ist ein ganztägiger Schutz gegen Insekten erforderlich, weil die Gelbfiebermücke (Dengue) tag- und die Anophelesmücke (Malaria) nachtaktiv ist. Ein Moskitonetz sollte in keinem Fall fehlen. Vorsorge gegen Hepatitis A und B sind ebenfalls angeraten. Um den Schutz zu optimieren, sollte einige Monate vor Reiseantritt ein tropenmedizinisch versierter Arzt eingeschaltet werden.
Sicherheit
[Bearbeiten]Siehe auch: Sicher reisen
Siehe auch: Transamazônica#Sicherheit
Der Amazonas-Regenwald ist ein primärer Regenwald, der außerhalb der ausgewiesenen Wanderwege gefährlich werden kann. Insbesondere von Jaguaren, Kaimanen, Schlangen und Spinnen geht Lebensgefahr aus. Diese Raubtiere sind meist gut getarnt, so dass sie vom ungeübten Wanderer nicht erkannt werden können, zumal das feucht-heiße Klima die Aufmerksamkeit verringert.
Literatur
[Bearbeiten]- Lothar Staeck, Entdecke den Amazonas-Regenwald, Natur und Tier-Verlag, 3. Auflage, 2024; ISBN 978-3866592544.
Einzelnachweise
[Bearbeiten]- ↑ die korrekte Bezeichnung für die indigenen Völker von Cacique Chipayo, was möglicherweise der Ursprung des Namens Tapajós ist
- ↑ Leo Bagrow, Imago Mvndi, Taylor & Francis, 1954, S. 46
- ↑ Wolfgang Behringer, Der große Aufbruch, C.H. Beck, 2023, S. 244 ff.
- ↑ Paul Elliott Little, Amazonia: Territorial Struggles on Perennial Frontiers, Johns Hopkins University Press, 2001, S. 135; ISBN 978-0801866616
- ↑ Antonio Augusto Rossotto Ioris/Rafael R. Ioris/Sergei V. Shubin, Frontiers of Development in the Amazon, Bloomsbury Academic, 2020, S. 62

