Qanāṭir el-Cheirīya
| El-Qanāṭir el-Cheirīya · القناطر الخيرية | |
| Gouvernement | Qalyūbīya |
|---|---|
| Einwohnerzahl | 85.958 (2023) |
| Höhe | 20 m |
Qanāṭir el-Cheirīya | |
El-Qanāṭir el-Cheirīya (arabisch: القناطر الخيرية, al-Qanāṭir al-Cheirīya, „die nützlichen/guten Brücken“, auch El Qanater El Khayreya, Kanater, Delta Barrages, Barrage du Nil, Muḥammad-ʿAlī-Barrage) bezeichnet zum einen das zweigeteilte Nilstauwehr unmittelbar hinter der Verzweigung des Nils in den westlichen Rosetta- und den östlichen Damietta-Arm an der Spitze des Nildeltas und zum anderen die im Osten des Damietta-Arms gelegene gleichnamige Stadt im ägyptischen Gouvernement el-Qalyubiya, etwa 25 km nördlich von Kairo. Das sehenswerte Wasserbauwerk wurde in der Mitte des 19. Jahrhunderts errichtet, während die Stadt wenig später entstand.
Bereits die Anreise auf dem Nil stellt einen Höhepunkt des Besuchs dar, natürlich auch das Stauwehr selbst und die weitläufigen Gärten und Parks der benachbarten Stadt bzw. auf der Spitze des Nildeltas.
Hintergrund
[Bearbeiten]Nilstauwehr
[Bearbeiten]Zur Zeit des türkischen Gouverneurs und Statthalters Muḥammad ʿAlī Bāschā (Regierungszeit 1805 bis 1848) gab es bereits erste Überlegungen, den Nil im Bereich der Spitze des Nildeltas aufzustauen, die die landwirtschaftliche Nutzung des Nildeltas ganzjährig zu gewährleisten.
Planung und erste Bauausführungen des Stauwehrs, dem ersten in Ägypten, wurden bereits um 1833 vom französischen Bauingenieur Linant de Bellefonds (1799 bis 1883) begonnen, aber ein reichliches Jahr später wieder eingestellt. Erst ab 1847 wurden neue Entwürfe von Eugène Mougel (auch Mougel Bey, 1808 bis 1890), nun schon unter dem Gouverneur Muḥammad Saʿīd Bāschā (Regierungszeit 1854 bis 1863), in die Tat umgesetzt, und das Bauwerk wurde nach mehreren finanzbedingten Unterbrechungen 1861 offiziell fertiggestellt. Saʿīd Bāschā ließ aus diesem Anlass eine Silbermedaille prägen. Noch während der Bauarbeiten ließ Saʿīd Bāschā im Osten des Ostabschnitts des Wehrs die gleichnamige Stadt Qanāṭir el-Cheirīya anlegen.
Jedoch war das Fundament des Wehrs fehlerhaft ausgeführt worden, und beim ersten Stauversuch 1863 zeigten sich Risse in dem Bauwerk. In der Folge konnte das Wasser nur bis in eine Höhe von 1,5 m aufgestaut werden. Der Bau des Stauwehrs war somit eigentlich eine Fehlinvestition. Die späteren Reparaturarbeiten wurden von Sir Colin Campbell Scott-Moncrieff (1836–1916) geplant. 1896 bis 1898 wurden Baumaßnahmen zur Stabilisierung des Fundaments durchgeführt, so dass in der Folge das Wasser bis zu 4 m Höhe aufgestaut werden konnte. Aber das Wehr wurde in der Folgezeit wieder undicht.
1936–1939 wurde ein zweites, größeres, höheres und stabileres 1 Stauwehr etwa 200–800 m stromabwärts durch die britischen Firma McDonald Gibbs & Co. fertiggestellt, das seinem Zweck nun gerecht werden konnte. Vorausgegangen war die Abschätzung, dass der Neubau wirtschaftlicher als die Reparatur des alten Stauwehrs geworden wäre.
Im Bereich von Qanāṭir el-Cheirīya beginnen auch noch weitere, engere Kanäle (Buḥeira-, Minūfīya-, Taufīqīya-Kanal) zur Wasserversorgung des Nildeltas. Die Landwirtschaft im Nildelta erlebte nach dem Bau des Stauwehrs einen bedeutenden Aufschwung. Trotz der Baumängel diente dieses Stauwehr als Vorbild für weitere Wehr- und Dammprojekte entlang des Nils bis nach Assuan.
Von nicht geringem Interesse sind auch die Parkanlagen zwischen den Nilarmen, die vom britischen Gartendirektor Walter Draper angelegt wurden. Draper schuf über 20 Jahre in Ägypten Gartenanlagen.
Stadt Qanāṭir el-Cheirīya
[Bearbeiten]1 Qanāṭir el-Cheirīya ist eine recht junge Stadtgründung. Wie bereits erwähnt ließ der Gouverneur Saʿīd Bāschā während des Baus des Stauwehr die gleichnamige Stadt am Ostufer des Damietta-Nilarms anlegen. Bei der Volkszählung von 1996 wurden 56.326 Einwohner erfasst. Die Anzahl stieg einer offiziellen Hochrechnung zufolge 2023 auf 85.958 an.[1] Zugleich ist die Stadt das Verwaltungszentrum des umliegenden Kreises. Im Verlauf der Zeit dehnte sich die Stadt nach Süden aus.
Anreise
[Bearbeiten]Mit dem Zug
[Bearbeiten]Mit Vorortzügen kann man von Kairo aus über Schubrā el-Cheima el-Qanāṭir el-Cheirīya. Die Züge fahren z. B. weiter nach Ṭanṭā. Der 1 Bahnhof von el-Qanāṭir befindet sich im Nordosten der Stadt.
Auf der Straße
[Bearbeiten]Wenn man unmittelbar dem Nil folgt, erreicht man nach etwa 25 km el-Qanāṭir el-Cheirīya. Man kann auch die Kairoer Buslinie 210 nutzen, die hinter dem Ägyptischen Museum startet. Über das Stauwehr von 1939 verläuft eine Straße, die das Ostufer des Damietta-Nilarms mit dem Westufer des Rosetta-Nilarms verbindet.
Unmittelbar am Ostende der Stauwehre befindet sich eine 2 Bushaltestelle . Von hier aus fahren auch Minibusse zu Zielen im Umfeld von Qanāṭir el-Cheirīya.
Mit dem Schiff
[Bearbeiten]Am östlichen Nilufer Kairos im Bereich von Maspero starten am Wochenende Ausflugsboote nach Qanāṭir el-Cheirīya, wobei frühmorgens die Hinfahrt gegen 8:00–10:00 und nachmittags gegen 14:00–16:00 die Rückfahrt erfolgt. Freitags ist das Gebiet aber sehr überfüllt.
Mobilität
[Bearbeiten]Die beiden Stauwehre und der Bereich zwischen beiden Nilarmen kann fußläufig erschlossen werden.
Sehenswürdigkeiten
[Bearbeiten]Stauwehre und Parkanlagen
[Bearbeiten]- Das in viktorianischer Zeit angelegte Stauwehr el-Qanāṭir el-Cheirīya (Delta Barrages) ist zweigeteilt. Der Westabschnitt befindet sich bei 2 30° 11′ 4″ N 31° 7′ 0″ O, der Ostabschnitt bei 3 30° 11′ 37″ N 31° 7′ 46″ O. Die Entfernung zwischen beiden beträgt etwa 1700 m. Der Westabschnitt ist 465 m lang und besitzt 61 bogenförmige Durchlässe mit einer Spannweite von je 4,8 Metern und zwei Schiffsschleusen. Der Ostabschnitt ist mit 535 m etwas länger, besaß ursprünglich 71 Durchlässe (später auf 68 vermindert) und ebenfalls zwei Schleusen. Beide Abschnitte verfügen über Torbauwerke im normannischen Burgenstil. An den Enden der beiden Wehre und noch deutlicher in der Mitte befinden sich Torbauwerke.
- Stauwehr
- Mittelteil des Stauwehrs
- Haupttor am Stauwehr
- Tor am Stauwehr
- Insbesondere auf dem Gebiet zwischen beiden Nilarmen gibt es mehrere Parks, Gärten und einen Rummel, als auch mehrere Museen: das 4 Bewässerungsmuseum (متحف الري) in einem früheren Verwaltungsgebäude mit Modellen von Wasserbauwerken, das 5 Wissenschaftsmuseum (متحف علمي) und das 6 Kindermuseum (متحف الطفل) . Die Öffnungszeiten der Museen sind unbestimmt.
- Parkanlage in Qanāṭir el-Cheirīya
- Parkanlage in Qanāṭir el-Cheirīya
- Tor an der Verbindungsstraße beider Abschnitte
Sehenswürdigkeiten in der Stadt
[Bearbeiten]- Am Westrand der Stadt verläuft die Uferstraße, die Corniche.
- 1 Neue Moschee (المسجد الجديد) Moschee mit quadratischem Grundriss und einem Minarett in der Nordostecke. (30° 11′ 43″ N 31° 8′ 10″ O)
- 2 Kirche der hl. Jungfrau Maria (كنيسة السيدة العذراء مريم) Die Kirche gehört zur Diözese Schubrā el-Cheima und ihrer Umgebung. (30° 11′ 40″ N 31° 8′ 18″ O)
Aktivitäten
[Bearbeiten]In den Parkanlagen im Bereich beider Nilarme kann man picknicken. Für Kinder gibt es einen Rummel.
Einkaufen
[Bearbeiten]Küche
[Bearbeiten]Restaurants gibt es im Bereich der Nildeltaspitze und am Ostufer des Damiette-Nilarms in der Stadt el-Qanāṭir el-Cheirīya, insbesondere an der Corniche.
Unterkunft
[Bearbeiten]- Unterkünfte findet man vorwiegend in Kairo.
Sicherheit
[Bearbeiten]Die Stadt gilt als sicher.
Klima
[Bearbeiten]| El-Qanāṭir el-Cheirīya | Jan | Feb | Mrz | Apr | Mai | Jun | Jul | Aug | Sep | Okt | Nov | Dez | ||
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Mittlere höchste Lufttemperatur in °C | 13 | 14 | 16 | 20 | 24 | 26 | 28 | 27 | 25 | 23 | 19 | 15 | Ø | 20.8 |
| Mittlere Lufttemperatur in °C | 19 | 21 | 24 | 28 | 32 | 34 | 35 | 34 | 32 | 30 | 25 | 21 | Ø | 27.9 |
| Mittlere tiefste Lufttemperatur in °C | 7 | 7 | 9 | 12 | 16 | 18 | 20 | 20 | 18 | 16 | 13 | 9 | Ø | 13.8 |
| Niederschläge in mm | 4 | 5 | 3 | 1 | 1 | 0 | 0 | 0 | 0 | 1 | 2 | 5 | Σ | 22 |
Climate-Data.org, eingesehen am 12. Januar 2026. | ||||||||||||||
Gesundheit
[Bearbeiten]- 1 El Qanater El Khaireya Central Hospital (مستشفى القناطر الخيرية المركزي). Tel.: +20 (0)2 4218 0216 Das Zentralkrankenhaus befindet sich im Süden der Stadt. Geöffnet: 24/7. (30° 11′ 27″ N 31° 8′ 27″ O)
Praktische Hinweise
[Bearbeiten]Banken
[Bearbeiten]- Im Bereich des Ostendes des Stauwehrs von 1939 befindet sich an der Corniche die 1 Ägyptische Nationalbank (البنك الأهلى المصري) mit Geldautomaten in der Nähe.
- Eine Filiale der 2 Banque Misr (بنك مصر) (geöffnet So–Do 8:30–15:00) befindet sich im Süden der Stadt. Im Umfeld der Bank in Richtung Corniche gibt es mehrere Geldautomaten.
Polizei
[Bearbeiten]Eine 1 Polizeistation gibt es nördlich der Parkanlagen auf der Spitze des Nildeltas an der Straße über die Stauwehre von 1939.
Post
[Bearbeiten]Ein 2 Postamt (البريد المصري) gibt es in einer südlichen Seitenstraße der Corniche.
Ausflüge
[Bearbeiten]Die Besichtigung von Qanāṭir el-Cheirīya lässt sich mit dem Besuch des Kamelmarkts von 10 Birqāsch verbinden.
Literatur
[Bearbeiten]Stauwehre
[Bearbeiten]- : The Delta barrage of lower Egypt. Cairo: National Printing Dept., 1902.
- : The Delta Barrage. In: Egy.com, Donnerstag, 21. August 1997.
- Neue Bauten in Egypten. In: Die Gartenlaube, ISSN 2568-5473, Nr. 10 (1857), S. 330.
Gartenbau
[Bearbeiten]- : Gardening in Egypt : a handbook of gardening for Lower Egypt. London: L.U. Gill, 1895.
Weblinks
[Bearbeiten]- Eine offizielle Webseite ist nicht bekannt.
Einzelnachweise
[Bearbeiten]- ↑ Egypt: Governorates, Major Cities & Towns. In: Citypopulation.de, abgerufen am 13. Januar 2026.


