Coastal Pacific
| Coastal Pacific | |
| Streckenlänge: 348 km |
Der Coastal Pacific ist ein Panoramazug im Nordosten der Südinsel Neuseelands, der eine Strecke über 348 km von Christchurch bis Picton zurücklegt.
Hintergrund
[Bearbeiten]Die KiwiRail ist der staatliche Betreiber des Touristenzuges 1 Coastal Pacific , der 22 Tunnel durchquert und 175 Brücken überquert und als Panoramazug einzustufen ist. Zu sehen sind wilde Küstenregionen, abenteuerliche Viadukte, die größten Weinanbaugebiete Neuseelands, ein Salzsee[1], aber auch erdbebengefährdete Gebiete.
Geschichte
[Bearbeiten]Aufgrund des Gesetzes Great Southern Railway Act von 1864 begann der Gleisbau der „Great Southern Railway" im Jahre 1865 noch auf der Großspur (1600 mm) bei 1 Ferrymead [2], bevor in ganz Neuseeland am 6. März 1876 die Kapspur (1067 mm) eingeführt wurde. In jenem Jahr wurde die Strecke zwischen Blenheim und Picton eröffnet, die „Main North Line“ von Christchurch Richtung Norden als Teil der 1 South Island Main Trunk Railway konnte im Jahre 1880 bis Waipara fertig gestellt werden, wobei noch einige Bahnhöfe, Brücken und Tunnels fehlten. Die Strecke hatte vor allem die Aufgabe, die Farmen mit Christchurch zu verbinden, so dass überwiegend Güterzüge unterwegs waren. Die Bahnhöfe Blenheim Railway Station folgten 1906, Rangiora Station 1909 und Picton Railway Station 1914. Die „Main North Line“ konnte zwischen Christchurch und Picton am 15. Dezember 1945 eröffnet werden, nachdem sich das nördliche und südliche Ende der Strecke in Kaikōura traf.[3] Von jenem Tag an fuhren auf der Strecke Güter- und Personenzüge, getrieben von Dampfloks. Die Strecke ist bis heute nicht elektrifiziert.
Die Personenzüge hießen zunächst „Picton Express“ bis Dezember 1956, danach verkehrten auf der Strecke Triebwagen. Nachdem der Personenverkehr im Juli 1976 vollständig eingestellt wurde, fuhren hier ausschließlich Güterzüge. Am 25. September 1988 fuhr der erste, touristenorientierte „Coastal Express“ und löste den ehemaligen „Picton Express“ ab. Die Christchurch railway station wurde am 5. April 1993 eröffnet. Im Mai 2000 wurde der „Coastal Express“ in „TranzCoastal“ umbenannt, bevor er im August 2011 wieder seinen heutigen Namen „Coastal Pacific“ erhielt.
Am 13./14. November 2016 ereignete sich das schwere 1 North Canterbury earthquake mit dem Epizentrum um Kaikōura. Das Erdbeben mit einer Magnitude von 7,8 auf der Richterskala beschädigte auf der Eisenbahnstrecke 20 Tunnels und 60 Brücken und machte einige Passagen des State Highway 1South temporär unpassierbar. Das Erdbeben löste in gebirgigen Regionen Erdrutsche aus, die ebenfalls die Gleisanlagen zerstörten. Erst am 1. Dezember 2018 konnte der Betrieb wieder aufgenommen werden.
Regionen
[Bearbeiten]Der Zug durchquert nur die Region Canterbury mit ihren Distrikten Waimakariri District, Kaikōura District und Marlborough District.
Klima, Flora und Fauna
[Bearbeiten]Auf der Südinsel herrscht ein gemäßigtes, ozeanisches Klima mit mildem und sonnigem Sommer und kalten, oft frostigen Wintern. Wegen der Südlichen Alpen / Kā Tiritiri o te Moana hat die Nordostküste – wo der Zug fährt – eine hohe Luftfeuchtigkeit mit viel Regen. Im Sommer zwischen Dezember und Februar liegen die durchschnittlichen Tagestemperaturen zwischen 20 und 30 °C, im Winter (Juni bis August) werden 2 bis 12 °C erreicht. In der westlichen Küstenregion ist nicht mit Schnee zu rechnen. Schnelle Wetterumschwünge sind überall möglich.
Die Südinsel ist ziemlich artenarm. An Land gibt es drei Arten von Fledermäusen, marine Säugetiere sind Pelzrobben (kekeno), Buckelwale, Delphine und Elefantenrobben. Unter den 331 Vogelarten kann der Laie 16 Arten ohne großen Aufwand beobachten wie den flugunfähigen Kiwi (das Nationaltier des Landes, dessen Bewohner oft „Kiwis“ genannt werden), Kākāpō, den frechen Kea (der gerne Autos beschädigt) oder die seltene, wohl nur noch auf der Südinsel vorkommende Takahe.
Es gibt mindestens 8500 Pflanzenarten, die in alpine und ozeanische Flora aufgeteilt werden. Über 80 % der einheimischen Pflanzenarten kommen sonst nirgends in der Welt vor. Mehr als 300 Arten von Gänseblumen wachsen hier. Von den mindestens 215 Baumarten sind die Rimu-Harzeibe, Brauneibe (miro), Neuseeländische Warzeneibe (kahikatea) und die Steineibe (mataī) erwähnenswert. Letztere kann bis zu 28 Metern Höhe erreichen. Die Nikau-Palme ist die weltweit am südlichsten wachsende Palmenart, die noch bis Hokitika vorkommt.
Im alpinen Bereich der Südinsel gibt es wenigstens 3155 Gletscher, wobei der Haupapa / Tasman Glacier mindestens 23 km lang ist und eine Fläche von 101 km² aufweist.
Reisevorbereitung
[Bearbeiten]Beste Reisezeit mit dem Zug ist Dezember bis April. In diesem Zeitraum sind auch die Einheimischen gerne mit dem Touristenzug unterwegs, so dass eine Reservierung bereits einige Monate vor Reiseantritt dringend anzuraten ist. Dabei sollte berücksichtigt werden, dass Neuseeland (ähnlich wie Australien) in den Antipoden (also auf der Gegenseite von Europa) liegt und deshalb eine schwierige Akklimatisierung nach der Ankunft bevorsteht. Vor der Fahrt mit dem Zug sollten mindestens zwei Tage in Christchurch verbracht werden.
Anreise
[Bearbeiten]Mit dem Flugzeug erfolgt die Anreise zum 2 Christchurch International Airport (IATA: CHC) oder zum 3 Picton Aerodrome (IATA: PCN) .
Per Auto/Bus kann der State Highway 1South entweder von Christchurch oder von Picton genutzt werden (341 km). Er verläuft mehr oder weniger parallel zur Eisenbahnstrecke und ist ein idealer Ersatz für Mietwagenfahrer, weil sie nach eigener Entscheidung beliebig anhalten können und nicht auf die wenigen Zwischenstopps der Eisenbahn angewiesen sind.
Streckenverlauf
[Bearbeiten]Der Coastal Pacific verkehrt zwischen Christchurch und Picton oder umgekehrt und benötigt 5 Stunden und 40 Minuten.
Übersicht
[Bearbeiten]Beschrieben wird die Strecke von Christchurch nach Picton.
| Bahnhof | Entfernung in km |
Fahrtdauer in Stunden:Minuten |
|---|---|---|
| 4 Christchurch railway station | 0 | 00:00 |
| 5 Rangiora Station | 30 | 00:30 |
| 6 Kaikōura railway station | 161 | 02:30 |
| 7 Blenheim Railway Station | 128 | 02:10 |
| 8 Picton railway station | 29 | 00:30 |
| Gesamtstrecke | 348 | 05:40 |
Für die umgekehrte Strecke Picton–Christchurch besteht dieselbe Fahrtdauer.
Einzelheiten
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- Christchurch railway station, Troup Drive, Addington, Christchurch, New Zealand hat nur einen Bahnsteig, hier ist Abfahrt um 07:00 Uhr.
- 3 Kainga Vorort von Christchurch mit 200 Einwohnern.
- 2 Waimakariri River Bridge 420 m lange Eisenbahnbrücke, parallel die Autobrücke über den Waimakariri River.
- 4 Kaiapoi um das Jahr 1700 von den Maori gegründet, heute 12.000 Einwohner.
- 1 Coastal Pacific View der Zug fährt direkt am Strand mit schwarzem Sand aus der Vulkantätigkeit.
- 1 Waipara Valley das Tal ist bekannt für seinen Weinanbau mit 26 Weingütern und 80 Weinbergen. Auf den folgenden 19 Kilometern gibt es 14 Tunnel.
- 3 Hurunui River Bridge 706 m lange Brücke über den Hurunui River.
- 4 Waiau Uwha River Bridge 2025 neu erbaute Hängebrücke, 68 m lang und 17 m über dem Waiau Uwha River.
- 5 Conway River Bridge 1937 gebaut und 219 m lang. Erhebliche Erdbebenschäden im März 2017 entstanden an der Eisenbahnbrücke, die wieder repariert wurde.
- 9 Haumuri Bluffs vier Tunnel folgen durch die Felswand, Nr. 1 ist 76 m lang, Nr. 2 (51 m), Nr. 3 ist der Amuri Bluff-Tunnel (975 m) und Nr. 4 (188 m).
- 9 Oaro 975 m langer Haumuri Tunnel, 1943 in instabilem Gelände gebaut. Es folgt der.
- 6 Okaharia Viaduct 1945 erbauter, 115 m langer und 21 m hoher Viadukt.
- 10 Goose Bay hier folgen kurz nacheinander acht Tunnel: Raramai Road-Tunnel (114 m lang), Tunnel Nr. 8 (154 m), Tunnel Nr. 9 (253 m), Tunnel Nr. 10 (100 m), Kowhai-Tunnel (313 m), Parititahi-Tunnel (897 m), Tunnel Nr. 13 (116 m) und Rileys Hill-Tunnel (452 m). Das Erdbeben am 14. November 2016 beschädigte 20 Tunnels und 60 Brücken.
- 2 Hikurangi Marine Reserve knapp 104 km² großes marines Schutzgebiet.
- 3 Canterbury Plains hier beginnt die 98 km lange Küstenstrecke des Zuges.
- 4 Kaikōura Peninsula eine nur 3,3 km lange und 2,4 km breite Halbinsel, von wo aus Walbeobachtungen möglich sind.
- 5 Seaward Kaikōura Range eine bis zu 2608 Meter hohe Bergkette.
- 2 Ōhau Point Ausblick auf die Pelzrobben-Kolonie im Ozean.
- 12 Hapuku es folgen die Tunnel Nr. 15 (217 m), Tunnel Nr. 16 (123 m), Tunnel Nr. 17 (187 m), Shands-Tunnel (209 m), Tunnel Nr. 19 (642 m) und Tunnel Nr. 20 (130 m).
- 10 Waranui railway station (Wharanui railway station) der Zug hält hier nicht. Der Bahnhof war bis 1945 der Endpunkt der Bahnlinie von Picton. Geöffnet: stillgelegt.
- 7 Lake Elterwater hier endet nach 98 km die Fahrt entlang der Küste. Der Zug fährt nun in das Landesinnere der Südinsel.
- 8 Lake Grassmere / Kapara Te Hau der 40 km² große Salzsee wird seit 1943 zur Salz-Gewinnung durch Verdunstung genutzt, die pinke Farbe entsteht durch Algen.
- 7 Awatere River Road-Rail Bridge eine Brücke über den Awatere River aus 1901, Bahn und Straße teilten sich bis 2008 die Brücke (Doppelstockbrücke), seitdem gibt es eine getrennte Straßenbrücke.
- 10 Dashwood Pass 164 m hoher Bergpass für den State Highway 1 und die Eisenbahn.
- 11 Chandlers Lagoon 69 Hektar umfassende Lagunen-Landschaft, etwa 1,4 km lang.
- 12 Marlborough Wine Region 75 % aller Weine von Neuseeland kommen aus dieser Region, der Anbau begann 1973. Um die 160 Weingüter befinden sich auf der 305 km² großen Anbaufläche.
- 13 Waitohi Valley Weinanbaugebiet innerhalb der Marlborough Wine Region.
- 9 Wairau River Bridge 1965 erbaute 293 m lange Brücke über den 169 km langen Wairau River.
- 14 Para Wetlands eine Sumpfebene im Waitohi Valley mit 29 Vogelarten (meist Wasservögel).
- Picton railway station, 3–5B Auckland Street (State Highway 1 Picton–Wharenui), Picton der Coastal Pacific kommt hier um 12:40 Uhr an. Hier endet die Zugfahrt. Vom Bahnhof sind es nur wenige Meter bis zum Picton Harbour.
Bilder
[Bearbeiten]- Der Coastal Pacific verlässt Christchurch Richtung Picton
- Der Bahnhof von Blenheim
- Die Eisenbahnbrücke über den Waiau Uwha River
- Die Opaōa River Bridge
- Die Marlborough Wine-Region im Wairau-Valley
Zugdaten
[Bearbeiten]- Zugtechnik
Eingesetzt werden auf der überwiegend eingleisigen Kapspur (1067 mm) Dieselloks aus den Baureihen 1972-1975 (General Electrics/USA) mit einer Höchstgeschwindigkeit von 105 km/h, die durchschnittliche Geschwindigkeit beträgt 60 km/h. Sie ziehen insgesamt mindestens vier Waggons, einen Speisewagen mit Küche für gehobenes Essen, einen seitlich offenen Aussichtswaggon mit Generator, mindestens einen Panoramawaggon mit größeren Fenstern und Oberfenstern (USB-Anschlüsse und Bedienelemente für das Audio-System, über das touristische Hinweise gegeben werden) und einen Café-Anhänger. Die Waggons wurden 2011 speziell für Fernzüge der KiwiRail angefertigt und werden auch im Northern Explorer auf der Nordinsel und im TranzAlpine auf der Südinsel eingesetzt. Die Sitzplatzkapazität hängt von der Nachfrage ab und liegt üblicherweise bei 150 Personen pro Zug.
- Zeiten
Die Züge fahren zwischen September und April, während der Hochsaison (Dezember bis Februar) täglich und in der Nebensaison (September bis Dezember und März bis April) donnerstags bis sonntags. Der Check-in findet 20 Minuten vor Abfahrt am Bahnhof von Christchurch bzw. am 11 Interislander Ferry-Terminal in Picton (nicht am Bahnhof) statt. Diese ist um 07:00 Uhr in Christchurch oder um 13:40 Uhr in Picton.
- Abfahrt Christchurch: 07:00, Rangiora 07:30, Kaikōura 10:00, Blenheim 12:10, Ankunft Picton 12:40 Uhr.
- Abfahrt Picton: 13:40, Blenheim 14:05, Kaikōura 16:15, Rangiora 16:45, Ankunft Christchurch 19:30 Uhr.
- Zugklassen
Es gibt zwei Zugklassen:
- Scenic Class: Zugänglich sind Panoramawaggons, Fertiggerichte im Café-Anhänger müssen bezahlt werden (Fahrpreis 110 NZ$ pro Person);
- Scenic Plus Class: Zugänglich sind alle Waggons, gehobene Speisen und Getränke werden im Speisewagen serviert (Preis: mindestens 219 NZ$).
- Besonderheiten
Man kann den Zug an einem Haltebahnhof unterwegs verlassen und mit dem nächsten Zug weiterfahren, wenn man vor Abfahrt entsprechende Tickets für Teilstrecken (englisch: legs) bucht. Dabei ist zu berücksichtigen, dass der Zug in der Nebensaison nur viermal in der Woche fährt und an einem Aussteige-Bahnhof gegebenenfalls gleich mehrere Übernachtungen gebucht werden müssen.
Ausflüge
[Bearbeiten]Eisenbahnfans können vom 12 Picton Harbour eine Fähre des Interislander zur Nordinsel nehmen, um vom 13 Wellington Harbour mit dem Touristenzug Northern Explorer zu fahren.
Unterkunft
[Bearbeiten]Der Zug fährt nur tagsüber, so dass Unterkünfte lediglich in Christchurch und Picton erforderlich sind. Der Webseite Booking.com zufolge gibt es in Christchurch 1335 und in Picton 98 Unterkünfte aller Kategorien. Auch an den Aussteige-Bahnhöfen sind ausreichende Hotel-Kapazitäten vorhanden, so beispielsweise in 149 in Kaikōura.
Sicherheit
[Bearbeiten]Siehe auch: Neuseeland#Sicherheit
Allgemein können sich Reisende auf der Südinsel und im Zug sicher fühlen. Kapitalverbrechen kommen nur sehr selten vor, Taschendiebstähle haben jedoch in der letzten Zeit besonders in den Touristenhochburgen Auckland und Wellington leicht zugenommen. Christchurch gilt als sicherste der mittelgroßen Städte Neuseelands.
Literatur
[Bearbeiten]- Denis Dwyer, New Zealand Adventures by Rail, New Holland Publishers (NZ) Limited, 2018; ISBN 978-1869664916.
Einzelnachweise
[Bearbeiten]- ↑ Hans Klüche, Reise-Handbuch Reiseführer Neuseeland, DuMont Reiseverlag, 2013, S. 326
- ↑ Geoffrey B. Churchman/Tony Hurst, South Island Main Trunk, IPL Books, 1992, S. 18
- ↑ The Railway Gazette, Overseas Railway Affairs, Band 84, 12. April 1946, S. 8
