Allee der Vulkane
| Avenida de los volcanes | |
| Streckenlänge: 211 km |
Die Allee der Vulkane (spanisch: Avenida de los volcanes, englisch: Avenue of the Volcanoes, deutsch: Straße der Vulkane) ist eine 211 km lange Panoramastraße in Ecuador von Quito nach Riobamba.
Hintergrund
[Bearbeiten]Technisch ist die 1 Allee der Vulkane ein Teil der 781 km langen Nationalstraße
(Troncal de la Sierra), die wiederum zur Panamericana gehört. Von der in der Sierra der Anden befindlichen Straße aus sind 22 der 73 Vulkane Ecuadors zu sehen.
Geschichte
[Bearbeiten]Am 27. Oktober 1660 brach der Vulkan Guagua Pichincha aus und verdunkelte im Umkreis von 1000 Kilometern das Hochland um Quito.[1] Spätestens seitdem gelangte diese Region in den Fokus der Naturforscher, Geologen und Vulkanologen.
Der Straßenname „Allee der Vulkane“ ist auf den deutschen Naturforscher Alexander von Humboldt zurückzuführen, der am 9. Januar 1802 in Quito eine beschwerliche Reise auf der von ihm so benannten „Allee der Vulkane“ begann, wo auf einer Strecke von etwa 200 Kilometern 22 der 73 Vulkane Ecuadors zu finden sind. Er durchquerte in südlicher Richtung Mulaló (28. April 1802) und Ambato, von wo aus er am 23. Juni 1802 den Chimborazo zu besteigen versuchte, aber auf einer Höhe von 5810 Metern wegen der Höhenkrankheit frühzeitig umkehren musste.[2] Er berichtete von großer Übelkeit, Erbrechen, Schwindel und Zahnfleischbluten.
Am 25. Juni 1908 konnte in der Region von der Ferrocariles del Ecuador die 450 km lange Eisenbahnstrecke zwischen Quito und Guayaquil eröffnet werden. Am 29. Juli 1937 trat Ecuador dem Abkommen über die Panamericana bei, das den Straßenbau der Troncal de la Sierra als Teil dieser internationalen Fernstraße von Quito nach Süden ermöglichte. Sie verläuft mehr oder weniger parallel zur
und wird heute vom abenteuerlichen Touristenzug Tren de la Nariz del Diablo befahren.
Klima, Flora und Fauna
[Bearbeiten]Das Klima entlang der Nationalstraße
entspricht der ecuadorianischen Sierra und ist aufgrund der Höhenlage von mindestens 2500 Metern das ganze Jahr über angenehm gemäßigt und nicht zu heiß – trotz der Nähe zum Äquator. Es ist ein Gebirgs- oder sogar Hochgebirgsklima, gleichgültig, ob der betreffende Teil der Anden in den Tropen, in subpolaren oder polaren Regionen liegt. Beispielsweise hat das nahe dem Äquator liegende und 2850 m hoch gelegene Quito das ganze Jahr über eine monatliche Durchschnittstemperatur von maximal 18 °C, das Tagesminimum liegt bei 8,7 °C. Nachts sinken die Temperaturen bis auf -10 °C. Die Meteorologen bezeichnen dies als „kalttropisch“. Die Temperaturen sind kühl bis mild, wobei der kühle Wind eine wichtige Rolle spielt. Es herrscht meist frühlingshaft warmes Wetter, wobei in den verschiedenen Vegetationszonen von kühleren Höhen bis in wärmere Täler abgewechselt wird. Die Trockenzeit liegt zwischen Juni und August.
Säugende Charaktertiere der ecuadorischen Anden sind Alpaka, Guanaco, Lama, Tapir und Vicuña. Daneben gibt es insbesondere Brillenbären, Gürteltiere, Jaguare und Pumas. Unter den mindestens 90 Vogelarten befinden sich der Anden-Kondor, Flamingos und 124 Kolibri-Arten.
Das Anden-Hochland (spanisch: altiplano) wird an den Berghängen und Tälern durch Andengrasland (spanisch: páramo) beherrscht, wo sich entlang der Straße ausgedehnte Farmen (spanisch: haciendas) befinden. Die Baumgrenze ist vom Klima abhängig und liegt zwischen 400 m in subpolaren Regionen bis 4900 m in tropischen Hochgebirgen. Sie kennzeichnet den Übergang zum „kalten Land“ (spanisch: tierra helada), das als Weideland für Schafe und Lamas genutzt wird. Es ist die Vegetationszone des Páramo. Der Beginn der Tierra Nevada („Schneeland“) liegt bei 4500 Metern, die Schneegrenze bei 4800 Metern. Deshalb sind die Gipfel der höchsten Berge ganzjährig schneebedeckt.
Vulkanologen sprechen von einem aktiven Vulkan, wenn er in den letzten 10.000 Jahren mindestens einmal ausgebrochen ist. Aktivitäten zeigen sich durch Fumarolen, warme Gase, Thermalquellen und Erdbeben.[3] Zu einer Eruption kommt es, wenn unter hohem Druck heiße Lava, Gase und Gestein aus dem Vulkan entweichen und als Fallout im größeren Radius die Landschaft bedecken. Von den drei Eruptionsformen sind in der Region überwiegend die explosive (Lava und Gase werden weit in die Luft geschleudert wie beim Pichincha) und die plinianische (das Material wird in einer Säule auch in höhere Bereiche der Atmosphäre geschleudert wie beim Tungurahua).
Regionen
[Bearbeiten]Die Troncal de la Sierra E35 durchquert die Provinzen Pichincha, Cotopaxi, Tungurahua und Chimborazo.
Reisevorbereitung
[Bearbeiten]Die beste Reisezeit ist die Trockenzeit zwischen Juni und August. Die Troncal de la Sierra E35 kann im Rahmen einer Ecuador-Rundreise ab/bis Quito mit einem Mietwagen oder mit Linienbussen befahren werden. Neun Buslinien wie die Cooperativa de Transportes Patria befahren die Strecke Quito–Riobamba und umgekehrt. Wer die Reise in Quito beginnt, muss sich zunächst zwei bis drei Tage an das Höhenklima akklimatisieren, da ansonsten weder Kondition noch Konzentration für Aktivitäten vorhanden sind.
Anreise
[Bearbeiten]Entweder reist man per Flugzeug zum 1 Mariscal Sucre International Airport (IATA: UIO) in Quito oder zum 2 Chimborazo Airport (ICAO: SERB) in Riobamba an, der allerdings nur für Kleinflugzeuge geeignet ist.
Die Troncal de la Sierra E35 führt als Panamericana Sur von Tulcán an der kolumbianischen Grenze bis nach Macará an der peruanischen Grenze.
Der mehr oder weniger parallel fahrende Tren de la Nariz del Diablo legt dieselbe Strecke zurück, endet aber nahe Guayaquil.
Streckenverlauf
[Bearbeiten]Die Troncal de la Sierra E35 verläuft grob in Nord-Süd-Richtung zwischen Quito und Riobamba oder umgekehrt.
Übersicht
[Bearbeiten]Von Quito aus hat die Allee der Vulkane in Südrichtung nach Riobamba folgende Streckenführung:
| geografischer Ort | Entfernung in km |
|---|---|
| 1 Quito | 0 |
| 2 Tambillo | 38 |
| 3 Machachi | 14 |
| 4 Latacunga | 58 |
| 5 Ambato | 47 |
| 6 Riobamba | 54 |
| Gesamtstrecke | 211 |
Einzelheiten
[Bearbeiten]





- Quito (San Francisco de Quito) gegründet am 6. Dezember 1534, mit 2850 m die höchst gelegene Hauptstadt der Welt[4], mit 1,8 Mill. Einwohnern nur zweitgrößte Stadt in Ecuador und 1978 die erste UNESCO-Stadt des Weltkulturerbes.
- 1 Pichincha (Volcán Pichincha) ein Doppelvulkan, bestehend aus Guagua Pichincha (4776 m) und Rucu Pichincha (4696 m). Alexander von Humboldt bestieg am 28. Mai 1802 den Guagua.
- 2 Ilaló 3169 m hoher Vulkan.
- 3 Pasochoa 4200 m hoher, ruhender Vulkan.
- 7 Mulaló 9.000 Einwohner, am 22. April 1897 gegründet, 3053 m hoch gelegen.
- 4 Cotopaxi National Park (Parque nacional Cotopaxi) am 11. August 1975 gegründeter Nationalpark, 322,75 km² groß. Im Park liegen die Vulkane.
- 5 Cotopaxi (Volcán Cotopaxi) mit 5897 m der höchste aktive Vulkan der Welt. Der perfekt symmetrische Stratovulkan Cotopaxi zerstörte am 9. Dezember 1742, im Mai 1744, am 4. April 1768 und am 26. Juni 1877 die Stadt Latacunga. Alexander von Humboldt erreichte am 29. April 1802 eine Höhe von etwa 4.500 Metern und musste die Besteigung wegen Höhenkrankheit abbrechen. Bis zum Refugio José Rivas (4658 m hoch) kann man mit dem Auto fahren. Er st einer der populärsten Vulkane für Bergsteiger.
- 8 Laguna de Limpiopungu im 3857 Meter hohen See spiegelt sich der Cotopaxi wie in der.
- 9 Laguna Quilotoa 3505 hoher Bergsee.
- Latacunga (San Vicente Mártir de Latacunga) gegründet am 27. Oktober 1584, 77.000 Einwohner, 2770 m hoch. Von Humboldt kam hier am 11. Juni 1802 an.
- 12 Sagoatoa 4104 m hoher Vulkan.
- Ambato (San Juan Bautista de Ambato) Hauptstadt der Provinz Tungurahua, gegründet am 6. Dezember 1698, 177.000 Einwohner, 2530 m hoch. Am 12. Juni 1802 reiste von Humboldt von hier aus nach Riobamba.
- 8 Huachi Grande 11.000 Einwohner, 2882 m hoch. Am 5. August 1949 kam es in der Gegend zu einem starken Erdbeben. Erst am 29. Juli 1957 gegründet.
- 13 Chimborazo Fauna Production Reserve (Reserva de producción de fauna Chimborazo) am 26. Oktober 1987 eingerichtetes, 585,6 km² großes Schutzgebiet mit dem.
- 14 Chimborazo (Volcán Chimborazo) mit 6263 m der höchste Berg Ecuadors. Von Humboldt musste die Besteigung am 23. Juni 1802 auf einer Höhe von 5810 Metern abbrechen. Er gilt als erloschen.
- 9 Urbina am 11. Juni 1916 gegründet, hat 2.800 Einwohner und liegt auf einer Höhe von 2920 m. Der Bahnhof.
- Riobamba (San Pedro de Riobamba) am 15. August 1534 gegründet, 177.000 Einwohner, 2754 m hoch. Am 4. Februar 1797 zerstörte ein Erdbeben die Stadt fast vollständig, sie wurde 1799 etwa 15 km nördlich wieder aufgebaut. Zwischen dem 17. Juni 1802 und 28. Juni 1802 hielt sich hier von Humboldt für Exkursionen auf. Von Riobamba aus zu sehen sind die Vulkane.
- 15 Igualata 4385 m hoher Vulkan.
- 18 Sangay National Park (Parque nacional Sangay) 1979 eröffneter, 5178 km² großer Nationalpark mit den Vulkanen.
- 19 Sangay (Volcán Sangay) namensgebender 5230 m hoher Vulkan, der von Riobamba aus nicht sichtbar ist, dafür aber.
- 20 Tungurahua (Volcán Tungurahua) 5016 m hoher Vulkan, den von Humboldt am 19. Juni 1802 jedoch nicht bis zum Gipfel erklomm. Ein Erdbeben und der gleichzeitige Ausbruch des Vulkans Tungurahua zerstörten am 4. Februar 1797 Riobamba.
Aktivitäten
[Bearbeiten]Besichtigungen der Orte und Architektur, Bergsteigen, Reiten, Wandern oder Radfahren auf der „Trans Ecuador Mountainbike-Route“ mit 1057 km Länge, die sich in ihrem Kern mit der Troncal de la Sierra deckt.
Unterkunft
[Bearbeiten]Die Straße zwischen Quito und Riobamba kann als Tagestour geplant werden. Wegen der Vielzahl der Sehenswürdigkeiten sollten unterwegs Übernachtungen eingeplant werden. Hierfür bieten sich Ambato und Latacunga an. In Ambato gibt es der Webseite Booking.com zufolge 44 Unterkünfte, in Latacunga 40 Unterkünfte aller Kategorien.
Die 1 Hacienda San Agustin de Callo in Latacunga ist das älteste (um 1590 von Inkas erbaut) und außergewöhnlichste Hotel in ganz Ecuador.
Gesundheit
[Bearbeiten]Siehe auch: Höhenkrankheit
Siehe auch: Tropenkrankheiten
Hauptproblem für Reisende wird die Höhenkrankheit (spanisch: soroche) sein. Die extreme Höhenlage von mindestens 2500 m kann zur altersunabhängigen Höhenkrankheit führen. Symptome sind Kopfschmerzen, Übelkeit, Brechreiz, aber auch Atemnot, Kraftlosigkeit, Schwindelgefühle, kurze Blackouts oder Müdigkeit. In der Höhe wird auch ohne jede körperliche Anstrengung schneller geatmet, um die mangelnde Sauerstoffkonzentration auszugleichen. Die körpereigene Atemregulation wirkt dieser nicht entgegen, da sie vornehmlich auf den Kohlendioxidgehalt – den stärksten Atemantrieb des Blutes – reagiert. Zur Akklimatisation kommt es nur, wenn der Körper mehr rote Blutkörperchen produziert. Es braucht zwei bis drei Tage, bis der Anteil der roten Blutkörperchen so erhöht ist, dass auch einfachste Tätigkeiten wie Gehen ohne sofortige Erschöpfung durchgeführt werden können.
Es muss stets viel Wasser getrunken werden (5 Liter pro Person/pro Tag), man sollte sich so wenig wie möglich anstrengen und keinesfalls Alkohol oder Kaffee trinken. Am ersten Tag nach der Ankunft sollte man Ausflüge vermeiden, die Zeit zur Akklimatisierung nutzen und möglichst auch zunächst nicht duschen, um einen Kreislaufkollaps zu vermeiden. Bei ersten Symptomen der Höhenkrankheit sollte ein Arzt aufgesucht werden, der häufig in größeren Städten und Hotels zur Verfügung steht. Sauerstoffflaschen sind in einigen Regionen zu kaufen/mieten. Sollten mögliche Symptome nach den ersten Tagen nicht abgeklungen sein, muss eine vorzeitige Abreise in Betracht gezogen werden, da sich die Situation sonst weiter verschlimmern kann.
Ein permanenter Mückenschutz ist in Quito und unterwegs trotz der Höhenlage ratsam, auch wenn das Malariarisiko sehr gering ist. Aufgrund von tagaktiven Mücken, die Dengue-Fieber übertragen können, wird das Auftragen von Mückenschutzmitteln (Repellents) und das Tragen heller, langer Kleidung empfohlen, besonders in den Abendstunden. Im Zweifel sollte vor Reisebeginn ein mit Tropenkrankheiten vertrauter Arzt aufgesucht werden.
Sicherheit
[Bearbeiten]Die E35 ist außerhalb von Quito anfangs dreispurig ausgebaut, im weiteren südlichen Verlauf wird sie ab Ambato zweispurig, dann auch einspurig. Die Höchstgeschwindigkeit beträgt 90 km/h.
Die tektonisch aktive und instabile Region kann jederzeit durch Erdbeben oder Eruptionen den Reisenden und seine Reiseplanung gefährden.
Literatur
[Bearbeiten]- Daniel Houser/José Nicolás Vélez, Avenida de los volcanes del Ecuador, Ministerio de Turismo del Ecuador/Unidad de Descentralización, 2006; ISBN 978-9978448885,
- Peter Korneffel, Reiseführer Ecuador, Galápagos-Inseln, DuMont Reiseverlag, 2013, S. 199 ff.; ISBN 978-3770177264.
Einzelnachweise
[Bearbeiten]- ↑ Karl Cäsar von Leonhard/Hans Bruno Geinitz (Hrsg.), Berichte über die Versammlungen des Oberrheinischen Geologischen Vereines, Band 8, Schweizerbart’sche Verlagshandlung, 1875, S. 459 ff.
- ↑ Rainer M. Schröder/Anne Dominique de Valon/Berndt Weinberger, Entdecker—Forscher—Abenteurer: Sternstunden der Menschheit, Lingen-Verlag, 1983, S. 80 ff.; ISBN 357020619X
- ↑ Bernd H. Eckhardt, Reiserouten Südamerika, BoD - Books on Demand, 2021, S. 235
- ↑ La Paz in Bolivien ist zwar höher gelegen (3640 m), aber keine offizielle Hauptstadt.
