Helwan

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Helwan (auch Hilwan, Hulwan, Heluan, arabisch: حلوان, Ḥilwān, „süßer [Brunnen]“) ist eine Stadt ca. 30 Kilometer südlich von Kairo am östlichen Nilufer im Gouvernement Kairo. In Helwan leben 230.000 Einwohner (1990).

Ḥilwān · حلوان
Japanischer Garden und moderne Wohnbauten in Helwan
Kurzdaten
Gouvernement: Kairo
Einwohner: 643.327 (2006)
Postleitzahlen: 1xxxx
Telefonvorwahl: (+20) 02
Lage
Lagekarte von Ägypten
Helwan
Helwan

Inhaltsverzeichnis

Hintergrund [Bearbeiten]

Die Stadt wurde in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts 3 Kilometer östlich des Nils und nördlich des gleichnamigen Dorfes ʿIzbat Ḥilwān als Heilbad mit Sanatorien errichtet, deshalb auch die vollständigere Bezeichnung Ḥammāmāt Ḥilwān (arabisch: حمامات حلوان, Bäder von Ḥilwān, frz. Hélouan-les-Bains). Grundlage sind die sicher schon im Altertum bekannten warmen Schwefel- und Solquellen, die 1871 bis 1872 im Auftrage von Ismail Pascha (1830–1895) neu gefasst wurden. Durch die größere Entfernung zum Nil ist die Luftfeuchtigkeit sehr gering. Behandelt wurden Leiden wie Rheuma, Nierenleiden, Lungenkrankheiten, Hautkrankheiten und Katarrhe.

Die Stadt wurde fast reißbrettartig am Fuße des Gebel Ṭura angelegt, die Straßen kreuzten sich im rechten Winkel. Um das Wüstengelände begrünen zu können, musste sogar die Muttererde herangeschafft werden. Im Norden befanden sich eine Pferderennbahn und ein Golfclub. Auf dem Gebel Ṭura wurde eine Sternwarte (Khedivial Astronomical Observatory, 1903–1904) errichtet. Im Osten wurde der Mīdān Ibrāhīm und ein japanischer Garten angelegt.

Das sollte sich aber nach der Revolution von 1952 ändern. Die nun neu errichteten, mit dem Strom des Assuan-Staudamms betriebenen Eisen- und Stahlwerke, Textil- und Zementfabriken nahmen der Stadt jede Chance, als Heilbad weiter zu bestehen. Die Erze stammen aus der Westwüste, hauptsächlich aus el-Manāgim im Osten von el-Baḥrīya, während sich die Abgase auf der Stadt niederlassen. Die ehemalige britische Luftwaffenbasis – zu Beginn des 20. Jahrhunderts angelegt – wird nun von den ägyptischen Luftstreitkräften weiter genutzt.

Am 18. April 2008 wurde per Präsidentenerlass das Gouvernement Gīza neu aufgeteilt und unter anderem das Gouvernement Ḥelwān neu gebildet. Ḥelwān war (natürlich) seine Hauptstadt.[1] Das Gouvernement wurde aber am 14. April 2011 wieder aufgehoben.

Vor dem Ersten Weltkrieg besaß die Stadt ca. 8.000 Einwohner,[2] 1990 lebten hier ca. 230.000, 2006 ca. 643.000 Einwohner.[3]

Im Umkreis der Stadt wurden in den 1940er- und 1950er-Jahren ausgedehnte Friedhöfe aus der vordynastischen und der frühdynastischen Zeit sowie aus dem Alten Reich gefunden und unter Leitung von Zaki Yusif Saad (1901–1982) erforscht.[4]

Anreise [Bearbeiten]

Mit der Metro [Bearbeiten]

Am einfachsten ist die Stadt mit der Kairoer Metro, Linie 1, erreichbar, die Endhaltestelle ist Helwan (29° 50' 56" N 31° 20' 3" O). Davor befinden sich noch die Haltestellen (von Norden) Hada'iq Helwan (Gärten von Helwan, 29° 51' 45" N 31° 19' 28" O), Wadi Hof (29° 52' 45" N 31° 18' 48" O), Helwan University (29° 52' 9" N 31° 19' 13" O) und Ain Helwan (29° 51' 45" N 31° 19' 30" O). Der Preis für eine Fahrt beträgt LE 1.

Mobilität [Bearbeiten]

Eine Eisenbahn- und Autobrücke über den Nil nach Saqqara ermöglicht den schnellen Wechsel auf das Westufer.

Sehenswürdigkeiten [Bearbeiten]

Die Haupsehenswürdigkeit ist sicher der Japanische Garten (29° 50' 55" N 31° 20' 25" O, arabisch: الحديقة اليابانية, al-Ḥadīqa al-yābānīya, „Japanischer Garten“, oder جنينة أربعين حرامي, Ǧuneinat Arbaʿīn Ḥarāmī, „Garten der vierzig Räuber“), eine recht fremdartige, exotische Oase inmitten Ägyptens. Er ist sommers von 9 Uhr bis Mitternacht und winters von 9 bis 22 Uhr geöffnet, der Eintrittspreis beträgt LE 2 (Einheimische) bzw. LE 4 (Ausländer). Der Garten ist einfach zu erreichen: Vom Gebäude der Metrostation einfach immer geradeaus nach Osten laufen oder fahren. Der etwa 200 mal 200 Meter großen Garten wurde in den 1920er-Jahren angelegt und 2008 mit Fördermitteln der Japanischen Botschaft wieder hergerichtet. Ẓūlfiqār Pascha (Zulfugar/Zulficar Pasha), der auch die Errichtung des Andalusischen Gartens in el-Gazīra in Auftrag gab, regte 1917 die Errichtung dieses Gartens als Geschenk für Sultan Hussein Kāmil an.[5] Vom Eingang im Westen führt eine zentrale Promenade zum Ostende des Gartens. Zu beiden Seiten befinden sich Gärten im japanischen Stil mit figürlich zugeschnittenen Bäumen, gewunden Wegen, Kanälen und Brücken, Buddhas und Pagoden. Natürlich gibt es auch Kirsch- und Ahornbäume. Schatten liegt über dem ganzen Garten, die Besucher können auf den Bänken, aber auch auf dem Rasen picknicken und die Kinder spielen. Im Südosten gibt es einen großen künstlichen Teich, an dessen Ufer 30 Buddhastatuen aufgestellt sind. In geringer Nähe gibt es auf einer Anhöhe einen Unterstand, von dem man eine gute Aussicht auf das umliegende Gelände hat.

Promenade im Japanischen Garten
Pagode im Japanischen Garten
Grünanlgen im Japanischen Garten
Buddhafiguren im Japanischen Garten
Kopf einer Gottheit im Japanischen Garten

Östlich des Gartens befindet sich ein zerfallender Palast von König Fārūq (29° 50' 54" N 31° 20' 32" O), der 1941/1942 hier errichtet wurde und zeitweilig zwischen 1955 bis 1970 als Museum diente.[6]

Beim Spazieren durch die Stadt lassen sich noch an einigen Stellen zwischen den zeitlos hässlichen Neubauten die ursprünglichen Villen – bzw. das, was von ihnen übrig geblieben ist – besichtigen.

Palast von König Fārūq
Alte Villa in Helwan
Garten vor dem Wachsfigurenmuseum

Das Wachsfiguren-Museum (29° 51' 36" N 31° 19' 33" O, arabisch: متحف الشمع, Matḥaf asch-Schamʿ, „Wachsmuseum“) etwa 100 Meter südwestlich der Metrohaltestelle Ain Helwan ist schon seit Jahren wegen Renovierung auf unbestimmte Zeit geschlossen. Einige wenige Statuenrepliken von Präsident Gamal Abd en-Nasser (1918–1970), Tutanchamun, vom Vizekönig Muḥammad ʿAlī (1769–1849) und vom Dichter Aḥmad Schawqī (1868–1932, das Original des letzteren befindet sich in seinem Museum in Gīza) sind im Garten des Museums ausgestellt. Im Museum hätte man Szenen wie den Tod Kleopatras VII. (69–30 v. Chr.) und das Treffen von Ṣalāḥ ed-Dīn (1137/1138–1193) und Richard Löwenherz (1157–1199) bestaunen können. Die zuständige Leiterin des Museums, Madame Asmāʾ, Tel. (0)100 177 5418, teilte 2009 mit, dass es noch mindestens zwei bis drei Jahre dauern würde, bis das Museum wieder eröffnet werden könnte.

Aktivitäten [Bearbeiten]

Nordwestlich der Metrohaltestelle Ain Helwan befindet sich noch ein Schwefelbad (29° 51' 47" N 31° 19' 23" O, arabisch: حمام السياحة المعدني, Hammām as-Siyāha al-Maʿdinī, „Touristisches Mineralbad“), das unter den Einheimischen sehr beliebt und deshalb sehr voll ist. Es ist täglich von 8 bis 17 Uhr geöffnet, der Eintrittspreis beträgt LE 4. Das Wasser im unregelmäßig geformten, von vorn (50 Zentimeter) nach hinten (3 Meter) abfallenden Beckens ist normal-warm. Die an der Seite vorhandenen Hochsitze werden von den Jungen gern als Sprungtürme missbraucht. Die Kleiderordnung ist streng: während die Jungen mit Badehose baden können, benötigen Mädchen einen vollständigen Badeanzug. Zum Umkleiden gibt es Kabinen. Die Bademeister achten wohl eher auf die Einhaltung der Sitte als die Vorgänge im Wasser. Für Nichtschwimmer gibt es Reifen. Es gibt einen Getränkeverkauf und einen kleinen Spielplatz. Fotografieren ist nicht gestattet.

Unterkunft [Bearbeiten]

In der Stadt gibt es bisher nur einfache Hotels. Natürlich bietet das nahe gelegene Kairo eine deutlich größere Auswahl.

  • New Helwan Hotel, 29 Sherif St., Helwan Hamamat, Tel.: +20 (0)2 2554 8336. 1-Stern-Hotel mit 31 zumeist Zweibettzimmern.
  • Japan Palace Hotel, 25 Youssef St., Helwan (gegenüber dem Japanischen Garten), Tel.: +20 (0)2 2556 3610, 2558 2116, 2554 2966, Fax: +20 (0)2 2554 2966. 2-Sterne-Hotel mit 33 zumeist Zweibettzimmern.

Lernen [Bearbeiten]

  • Helwan University (arabisch: جامعة حلوان‎). Die öffentliche Universität mit 18 Fakultäten (u.a. Ingenieurwesen, Wirtschaftswissenschaften, Pharmazie, Kunst, Pädagogik) wurde 1975 in Betrieb genommen. Der Bau wurde durch die deutsche Entwicklungshilfe unterstützt.

Gesund bleiben [Bearbeiten]

In Helwan befindet sich Ägyptens älteste und größte psychiatrische Klinik.

Ausflüge [Bearbeiten]

  • Denkbar sind auch Ausflüge in das Gebirge im Nordosten der Stadt. Gebel Maʿṣara und Gebel Ṭura dienten in pharaonischen Zeiten als Kalksteinbrüche. Das Wādī Ḥūf und das Wādī Rischeid bieten sich für Naturliebhaber an. Etwa 13 Kilometer südöstlich der Stadt befindet sich das Wādī Garāwī, in dem 1885 das Stauwerk Sadd el-Kafara aus dem altägyptischen Alten Reich (etwa 4. Dynastie) durch Georg Schweinfurth (1836–1925) entdeckt wurde.[7]

Literatur [Bearbeiten]

  • Baedeker, Karl : Ägypten und der Sûdan : Handbuch für Reisende. Leipzig : Baedeker, 1928 (8. Auflage), S. 171–174.

Weblinks [Bearbeiten]

Einzelnachweise [Bearbeiten]

  1. Leila, Reem : Redrawing the map, Artikel in der Al-Ahram Weekly vom 24. April 2008.
  2. Baedeker, Ägypten und der Sûdan, a.a.O., S. 173.
  3. Population and Housing Census 2006, Central Agency for Public Mobilisation and Statistics Cairo.
  4. Saad, Zaki Y[usef] : The excavations at Helwan : art and civilization in the first and second Egyptian dynasties. Norman : University of Oklahoma Press, 1969.
  5. El-Messiri, Nawal : A Changing Perception of Public Gardens, in: Bianca, Stefano ; Jodidio, Philip (Hgg.) : Cairo: Revitalising a Historic Metropolis, Turin: Umberto Allemandi & C. für Aga Khan Trust for Culture, 2004, S. 221–233.
  6. El-Adawi, Reham : The remains of those days, Artikel in der Al-Ahram Weekly vom 12. September 2002.
  7. Schweinfurth, Georg : Sur une ancienne digue en pierre aux environs de Hélouan, in: Bulletin de l’Institut Égyptien (BIE) : sér. 2, Band 1885,6 (1886), S. 139–145, zwei Karten. – Garbrecht, Günter ; Bertram, Heinz-Ulrich: Der Sadd-el-Kafara : Die älteste Talsperre der Welt (2600 v.Chr.), Braunschweig : Leichtweiss-Institut für Wasserbau der Technischen Universität Braunschweig, 1983, (Mitteilungen / Leichtweiss-Institut für Wasserbau der Technischen Universität Braunschweig ; 81). – Kamil, Jill : The world’s oldest dam, Artikel in der Al-Ahram Weekly vom 16. September 2004.