Grube Messel

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Grube Messel
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Tourist-Information http://www.grube-messel.de
06159–71759-0
Lage
Lagekarte von Deutschland
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Grube Messel

Die Grube Messel ist ein seit 1970 stillgelegter Tagebau, in dem Ölschiefer abgebaut wurde. Sie liegt nahe der hessischen Gemeinde Messel und ist vor allem durch die in ihr erhaltenen Fossilien aus dem Eozän bekannt geworden. Sie wurde am 8. Dezember 1995 in die Liste des Weltkultur- und Naturerbes der Menschheit der UNESCO eingetragen.

Hintergrund[Bearbeiten]

Der Messeler Ölschiefer entstand vor rund 47 Millionen Jahren. Im Explosionstrichter eines Vulkanausbruches bildete sich ein bis zu 300 Meter tiefer See, ein Maar, das durch Sedimentation wieder aufgefüllt wurde. Bis zu 150 m stark ist die Ölschieferschicht, die sich in ca. 1,5 Million Jahren abgelagert hatte.

Von 1859 bis 1970 wurde bituminöser Tonstein, Eisenerz und Braunkohle abgebaut. Der Tonstein (Ölschiefer) wurde zur Gewinnung von Erdölprodukten verschwelt. Die daraus gewonnenen 1 Mio. Tonnen Rohöl entsprechen heute der Füllung eines Supertankers.

Nach dem Abbauende sollte das große Loch als Mülldeponie dienen. 65 Mio. DM wurden bis 1987 für die betriebsbereite Mülldeponie mit Umladestation, Kläranlage und Verwaltungsgebäude investiert. Die Gemeinde Messel reichte hiergegen einen Eilantrag beim Hessischen Verwaltungsgerichtshof in Kassel ein, der daraufhin die Inbetriebnahme wegen gravierender Rechtsmängel des Planfeststellungsbeschlusses verweigert. Daraufhin wollte der Landkreis im Jahr 1992 als Ersatz eine Hochdeponie in 100 m Abstand des Grubenrandes errichten. Dieser Antrag wurde erst 1997 zurückgezogen, wegen rückläufiger Müllentwicklung und wegen der Kosten des Rechtsstreits, die sich bis dahin auf insgesamt 600.000 DM beliefen, die Gemeinde und die privaten Kläger zusammengenommen.

Im Jahr 1991 beantragte das Land Hessen die Aufnahme in die Weltkulturerbe-Liste der UNESCO. Seit Dezember 1995 ist die Fossilienfundstätte daraufhin als Weltnaturerbe der UNESCO anerkannt.

Im Maarvulkan von Messel wurde die Tier- und Pflanzenwelt von vor mehr als 47 Mio. Jahren konserviert. Bekanntester Fund ist das Urpferdchen. Daneben wurden mittlerweile über 150 weitere Arten als Versteinerungen gefunden (Vögel, Reptilien, Insekten, und viele Pflanzenarten). Auch heute noch werden Funde gemacht. Aufsehen erregend war die Vorstellung von Darwinius, einem ausgestorbenen Primaten, der 2009 der Öffentlichkeit präsentiert worden war.

Betreiberin der Grube ist seit 1992 die Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung.

Anreise[Bearbeiten]

Die Grube Messel liegt ca. 2 km südlich des gleichnamigen Ortes.

Mit der Bahn[Bearbeiten]

Messel liegt an der Regionalbahnlinie WiesbadenDarmstadtAschaffenburg mit stündlichem Halt. Vom Bahnhof sind es etwa 1–1,5 km Fußweg bis zur Grube Messel.

Mit dem Bus[Bearbeiten]

Die Buslinie U verkehrt alle zwei Stunden zwischen Darmstadt-Kranichstein über Messel zur Grube Messel. Am Wochenende fährt die Buslinie OF-96 von Heusenstamm über Dietzenbach und Dreieich ebenfalls im Zweistundentakt zur Grube.

Auf der Straße[Bearbeiten]

Die Grube liegt nordöstlich von Darmstadt, etwa auf dem halben Weg nach Dieburg. Großräumige Anfahrt über die Autobahn A5. Über die Landesstraße L3094 kommt man zur Grube, dort ist ein Parkplatz vorhanden.

Kommt man über die A661, kann man die Ausfahrt Langen nehmen und über Offenthal über die Bundesstraße B486 und die L3317 in Richtung Messel fahren.

Aktivitäten[Bearbeiten]

Aussichtspattform (2010)

Aussichtsplattform[Bearbeiten]

Die frei zugängliche Aussichtsplattform etwas abseits des Besucherzentrums lässt einen Blick in die Grube zu. Von hier aus hat man einen Überblick über das gesamte Gelände. Ausführliche Informationstafeln bei der Plattform informieren über das Weltnaturerbe. Daneben gibt es noch zwei Aussichtspunkte auf dem Dach des Besucherzentrums.

Besucher- und Informationszentrum[Bearbeiten]

Das Besucher- und Informationszentrum „Zeit und Messel Welten“ wurde direkt am Rand der Grube Messel errichtet und am 26. August 2010 eröffnet. Es ist kein Museum, sondern als Begegnungsort von Wissenschaft und Öffentlichkeit konzipiert. Die Architektur des Gebäudes ist von der Schichtung des Ölschiefers abgeleitet. Die Besucher „durchwandern“ die Erdschichten. Das Besucherzentrum wird von einer gemeinnützigen GmbH betrieben, die, ebenso wie die Grube Messel selbst, dem Land Hessen gehört.

  • Geöffnet: täglich 10–17 Uhr. Einlass bis 16 Uhr.
  • Eintritt: 10 Euro, ermäßigt (Kinder zwischen 7 und 18 Jahren, Personen ab 63 Jahren, Schwerbehinderte, Studenten, Wehr- und Ersatzdienstleistende, jeweils mit Ausweis) 8 Euro.
  • Führungen durch die Ausstellung für Kleingruppen und einzelne Besucher finden Mo–Fr um 11 und um 14 Uhr statt. Die Teilnahme kostet 14 Euro einschließlich Eintritt. Für größere Gruppen gibt es gestaffelte Preise nach vorheriger Anmeldung. Kinder unter sieben Jahren nehmen kostenlos teil.
  • Es gibt ein umfangreiches Programm mit Führungen durch die Grube Messel. Da die Grube dem Bergrecht unterliegt, ist der Zugang nur im Rahmen von Führungen möglich. Feste Schuhe und wettergerechte Kleidung sind Voraussetzung für eine Teilnahme. Die Teilnehmerzahl ist begrenzt, man sollte sich deshalb vorher telefonisch anmelden.
    • Einstündige Führung als „Grubenspaziergang“. Täglich 12:30 Uhr; Fr. 12:30, 15:30 Uhr; Sa., So., Feiertage: 11:00, 12:30, 14:00, 15:30 Uhr. 7 Euro/Person; Kinder unter 7 Jahren frei.
    • Zweistündige Führung als „Grubenwanderung“, „an den Grabungsplätzen der Forscher vorbei zum artesischen Brunnen auf der untersten Grubensohle“: Freitag 16:30 Uhr; Sonntag 15:00 Uhr. 9 Euro/Person; Kinder unter 7 Jahren frei.
    • Weitere Termine sind der Besucherbroschüre zu entnehmen, u.a. kann man während der Sommerferien den Forschern bei den laufenden Ausgrabungen zuschauen.

Museen[Bearbeiten]

Drei Museen und der Geo-Naturpark Bergstraße-Odenwald stellen Fossilienfunde aus der Grube Messel aus:

  • „Kleine Ausstellung zur Grube“ im Heimatmuseum der Gemeinde Messel. Geöffnet April bis Oktober: Di–Fr 14–18 Uhr, Sa, So u. Feiert. 10–18 Uhr. November bis März: Sa 14–16 Uhr, So 10–12 und 14–16 Uhr. Führungen nach Vereinbarung. Langgasse 2. 64409 Messel. Tel. +49(0)6159–5119. Gezeigt werden „charakteristische Fossilien der Grube“. Eintritt frei. Führungen durch Grube und Museum nach vorheriger telefonischer Anmeldung. Teilnahme 9 Euro; Sonderpreise für Gruppen.
  • Senckenberg-Museum in Frankfurt am Main: Umfangreiche Abteilung mit Fossilienfunden aus der Grube als Teil der Dauerausstellung. Mo–Fr 9–17 Uhr, Mi 9–20 Uhr. Sa, So u. Feiert. 9–18 Uhr. Führungen nach Vereinbarung. Senckenberganlage 25. 63325 Frankfurt/Main. Tel. +49(0)69-7542-0. Eintritt: Erwachsene 16–65 Jahre: 6 Euro, ab 66 Jahre: 5 , Schwerbehinderte ab 50%: 4 Euro, Kinder (6 - 15 Jahre), Schüler u. Studenten: 3 Euro, Frankfurt-Pass Erwachsene: 3  (Kinder: 2 Euro), Familienkarte (2 Erwachsene u. bis zu 3 Kinder zwischen 6 und 15 Jahre): 15 Euro.
  • Hessisches Landesmuseum in Darmstadt: Ausstellung von Fossilien aus der Grube Messel. Friedensplatz 1. 64283 Darmstadt. Tel. 06151-165703. Bis 2013 wegen Renovierung geschlossen.

Unterkunft[Bearbeiten]

Hotels in der Nähe findet man vor allem in Darmstadt, außerdem an anderen Zielen im Odenwald.

Literatur[Bearbeiten]

  • Gerd Mangel: Faszination Welterbe Grube Messel. Kleine Senckenberg Reihe 52. ISBN 978-3-510-61398-4. Verlag Schweizerbart. Begleitbuch zur Ausstellung des Besucherzentrums.

Weblinks[Bearbeiten]


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