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Baḥrīya

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Die Senke[1] el-Bahriya oder el-Bahariya (auch el-Bahriyya, el-Bahariyya, arabisch: الواحات البحرية, al-Wāḥāt al-Baḥrīya, „die nördlichen Oasen“) liegt im Norden der Westlichen Wüste im ägyptischen Gouvernement el-Gīza. Sie ist etwa 350 km von Kairo entfernt und lässt sich auch mit öffentlichen Verkehrsmitteln leicht und preisgünstig erreichen. Der Hauptort der Senke ist die Stadt el-Bāwīṭī. Aufgrund der großen Vielfalt an Landschaften und kulturellen Zeugnissen aus unterschiedlichen Epochen, die man so kaum an einer anderen Stelle Ägyptens findet, ist die Senke gut geeignet, die Besichtigung von Landschaften, Kultur und Erholung miteinander zu verbinden. In der Senke verfügt man über über die beste Infrastruktur aller Senken in der Westlichen Wüste. Die sog. goldenen Mumien und die hier gefundenen Dinosaurierknochen haben die Bekanntheit der Senke gesteigert, nur lassen sie sich vor Ort kaum besichtigen. Der Urlaub in der Wüste ist auch ein lohnendes Ziel für den gemeinsamen Urlaub mit Kindern.

Kamelherde am Gebel ed-Dist
El-Baḥrīya · الواحات البحرية
Gouvernement el-Gīza
Einwohner Etwa 30.000 (2000)
Lage
Lagekarte von Ägypten
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Baḥrīya

Orte[Bearbeiten]

  • Top-Sehenswürdigkeit El-Bawiti ist der Hauptort und Verwaltungssitz des Oasengürtels. In der Stadt befinden sich zahlreiche Hotels, und sie bietet sich aufgrund ihrer zentralen Lage als Ausgangspunkt für Ausflüge sowohl in die nähere Umgebung als auch in die gesamte Senke selbst an. Teil des heutigen el-Bāwīṭī ist das alte el-Qaṣr, das nach einem römischen Triumphbogen benannt ist und noch teilweise seinen dorfhaften Charakter erhalten hat. Im Norden befinden sich ausgedehnte Palmenwälder. El-Bāwīṭī ist Ausgangspunkt eines etwa 15 Kilometer langen Antikenpfades, der u.a. zu den Gräbern von Qārat Qaṣr Salīm (u.a. das Grab des Baennentiu), zu den Kapellen von ʿAin el-Muftillā, zum Tempel Alexanders d. Gr. in ʿAin et-Tibnīya und nach Qārat Ḥilwa führt.
  • Die zweitgrößte Ansiedelung der Senke ist Mandīscha.

Weitere Ziele[Bearbeiten]

Die wichtigsten Sehenswürdigkeiten sind fett hervorgehoben.

Östlich von el-Bawiti[Bearbeiten]

  • Im Osten der Senke befinden sich die Dörfer el-'Agūz, Mandīscha, ez-Zabū, el-Qabāla, 'Ain Tūnī, el-Ḥārra und die moderne Bergarbeitersiedlung el-Manāgim (28° 27' 58" N 29° 10' 55" O). Auch wenn die Neubauten überwiegen, so sind Teile der alten Dorfkerne noch erhalten. Nördlich von 'Ain Tūnī befindet sich das Grab des Scheichs Muhammad el-Qaddafi (siehe unter ʿAin Tūnī).
  • Etwa 7 Kilometer nordöstlich der Stadt el-Bāwīṭī befindet sich der Brunnen Biʾr el-Maṭār.
  • Zu den wichtigsten archäologischen Stätten gehören die römische Siedlung Top-Sehenswürdigkeit Quṣūr Muḥārib mit der 450 Meter westlich der Siedlung gelegenen Kirchenruine Dinīsa und Qaṣr ez-Zabū, ein Felsen mit libyschen Zeichnungen und Inschriften, an einer alten Karawanenroute.
  • Mit einem geländegängigen Fahrzeug lassen sich auf verschiedenen Routen reizvolle Landschaften erkunden: Dies sind u.a. die Wanderdüne Top-Sehenswürdigkeit Ghurūd el-Ghurābī – dies ist ein Ausläufer der etwa 500 Kilometer langen Wanderdünde Ghurd Abū Muḥarrik –, die Hügel Top-Sehenswürdigkeit Gebel el-Maghrafa (Löffelberg) und Gebel ed-Dist (Topfberg), der Top-Sehenswürdigkeit Schwarze Berg (Black Mountain) und mehrere Quellen. Die Felsformationen im Nordosten von el-Bawiti gehören zusammen mit der Schwarzen Wüste zum 2010 eingerichteten Schutzgebiet el-Wāḥāt el-Baḥrīya.

Westlich von el-Bawiti[Bearbeiten]

  • Westlich von el-Bāwīṭī befinden sich mehrere bedeutende archäologische Stätten, die teilweise zum Antikenpfad gehören, der in el-Bawiti beginnt: dies sind die Kapellen aus der Zeit des Königs Amasis (26. altägyptische Dynastie) von Top-Sehenswürdigkeit 'Ain el-Muftillā, der sog. Alexander-Tempel in 'Ain et-Tibnīya, der dem Sonnen-, Wind- und Fruchtbarkeitsgott Amun-Re geweiht war und in dem als einzigen Tempel Ägyptens Alexander der Große dargestellt ist, das Grab des Amenhotep, genannt Huy, vom Beginn der 19. altägyptischen Dynastie in Qārat Ḥilwa, die römische Militärfestung Qārat eṭ-Ṭūb und die spätzeitliche Siedlung Qaṣr 'Allām aus der 26. Dynastie.

Südwestlich von el-Bawiti[Bearbeiten]

  • Zu den landschaftlichen Höhepunkten der Senke zählt sicher die Top-Sehenswürdigkeit Schwarze Wüste. Hier befinden sich zahlreiche Zeugenberge, die mit vulkanischem Basalt oder Dolerit bedeckt sind.
  • Im Südwesten der Stadt, auf dem Weg zur Schwarzen Wüste, befindet sich das berühmte Tal der Goldenen Mumien, das aber für Besucher (ohne Erlaubnis der Antikenbehörde in Kairo) nicht zugänglich ist.

Gebiet von el-Heiz[Bearbeiten]

  • Im Gebiet von el-Ḥeiz gibt es fünf kleine, aber durchaus sehenswerte Weiler: ʿAin Rīs, ʿAin Ṭabl Āmūn, ʿAin el-ʿIzza, ʿAin Gumʿa und el-Gharbīya. Östlich des Gebel el-Manṣaf befinden sich die sog. Lehm- oder Schlammlöwen, die Überreste einer prähistorischen Seenlandschaft darstellen und heutzutage verwittert sind (eine Art von Yardangs).
  • Im Umfeld von Top-Sehenswürdigkeit ʿAin Rīs gibt es mehrere archäologische Stätten wie die Georgs-Kirche und die Reste einer römischen Siedlung und der sog. römischen Festung.

Hintergrund[Bearbeiten]

Namensgebung[Bearbeiten]

Mit Vulkangestein überzogene Hügel in der Schwarzen Wüste
Lehmlöwen bei el-Ḥeiz
Sanddüne Ghurūd el-Ghurābī

Die Senke ist im alten Ägypten unter zwei Namen bekannt. Die Bezeichnung Djesdjes ist erstmalig auf einem Skarabäus aus dem Mittleren Reich erwähnt. Im Neuen Reich findet man diese Bezeichnung nur selten, so z.B. im Luxor-Tempel. Ab der 25. Dynastie wird sie fast ausschließlich benutzt. Die zweite Bezeichnung WḥA.t mḥty.t („die nördliche Oase“) wird fast ausschließlich im Neuen Reich verwendet, so z.B. im hiesigen Grab des Amenhotep, und findet sich nochmals in der Oasen-Liste des Tempels von Edfu.

Seit 45 n. Chr. ist die Senke unter dem Namen Oasis parva (kleine Oase) bekannt. Der griechische Historiker Strabon (63 v. Chr.–23 n. Chr.) nennt sie die zweite Oase, der Historiker Olympiodoros von Theben (5. Jahrhundert n. Chr., byzantinische Zeit) die dritte Oase. In koptischer Zeit wurde sie Oase von Pemdjē (das antike Oxyrhynchos bzw. das heutige el-Bahnasā) und in islamischer Zeit Oase von Bahnasā genannt.[2]

Die heutige Bezeichnung ist الواحات البحرية, al-Wāḥāt al-Baḥrīya, mit der Bedeutung „Nördliche Oasen“ (el-Baḥarīya ist die Aussprache im Dialekt). Der Name wurde aber erst unter dem Vizekönig von Ägypten, ʿAbbās I. Ḥilmī (1813–1854), um 1850 eingeführt, vorher gehörte sie einfach zur Westlichen Wüste.[2] Offensichtlich besaß der südliche Teil der Senke um el-Ḥeiz nie einen separaten Namen.

Lage[Bearbeiten]

Die Senke el-Baḥrīya liegt im Bereich von 27° 40' und 28° 30' N bzw. 28° 35' und 29° 10' O. Sie hat etwa die Form einer Ellipse und erstreckt sich von Nordosten nach Südwesten. Sie ist 94 km lang, bis zu 42 km breit und bedeckt etwa eine Fläche von 2.000 Quadratkilometern. Ihre tiefsten Stellen befinden sich in einer Höhe von etwa 128 Metern. Ihre östlichsten Ausläufer reichen bis auf 190 km an das Niltal heran, ihre nördlichsten sind etwa 400 km vom Mittelmeer entfernt.

Die Senke ist über mehrere Karawanenrouten mit dem Mittelmeer, dem Niltal und anderen Senken in der Westlichen Wüste verbunden, die aber kaum überregionale Bedeutung besitzen (die Entfernungsangaben beziehen sich auf das Erreichen der östlichen Ausläufer der Senke):

  • Die bedeutendste und kürzeste Route ist der Darb el-Bahnasā, der in der gleichnamigen Stadt el-Bahnasā beginnt. Die 190 km lange Strecke konnte von Kamelkarawanen in etwa vier Tagen bewältigt werden. Die Route besaß Abzweigungen nach Samālūṭ, Dalga bei Mallawī, Deir el-Margh und Asyūṭ.
  • Der reichlich 300 km lange Darb el-Gīza führt nach el-Gīza, das heute Teil von Groß-Kairo ist. Die moderne Asphaltstraße Kairo – Stadt des 6. Oktober – el-Bāwīṭī folgt dieser Karawanenroute. Nach etwa 320 km erreicht man el-Manāgim und nach etwa 370 km el-Bāwīṭī.
  • Der Darb el-Faiyūm bzw. Darb er-Raiyān führt über das Wādī er-Raiyān ins el-Faiyūm. Die 240 bis 270 km lange Strecke konnte von Kamelkarawanen in etwa fünf bis sechs Tagen bewältigt werden.
  • Der 420 km lange Darb Sīwa verbindet die Senke mit Siwa und dem Mittelmeer.
  • Zudem führt eine selten benutzte, 380 km lange Route von Burg el-ʿArab am Mittelmeer nach Süden, bis sie auf den Darb el-Gīza trifft.
  • Der Darb Farāfra verbindet die Senke sowohl mit el-Ḥeiz (50 km) und Farāfra (180 km) bzw. ʿAin Dalla 80 km westlich von Farāfra. Diese Route führt weiter nach Abū Minqār und ed-Dāchla.

Landschaft[Bearbeiten]

Die Senke el-Baḥrīya ist eine Vollwüste und außerhalb der Bewässerungsgebiete fast vegetationslos.

Der Wüstengrund besteht aus Sandstein, aus dem zahlreiche Kalksteinzeugen- und -tafelberge herausragen (Nummulitenkalkstein). Der Boden und die Hügel sind teilweise mit Sand, Basalt oder Dolerit und im Süden mit Kalkstein (Kreide) bedeckt ist. An den Rändern der Senke erheben sich Sandsteinmassive bis in etwa 175 Meter Höhe über den Grund. Der Sandstein ist weißlich bis ziegelrot. Der Sandstein ist teilweise reich an Eisenoxid, gelegentlich finden sich Knollen von Brauneisenstein. An einigen Stellen wird der Boden auch mit Salzton bedeckt, man findet im Bereich von el-Ḥeiz sog. Lehm- oder Schlammlöwen.

Im Osten der Senke befinden sich Sanddünen, die kleinere Ghurūd Mandīscha und die Wanderdüne Ghurūd el-Ghurābī, die schon einen Ausläufer der Abū-Muḥarrik-Sanddüne darstellt.

Aufgrund seiner prähistorischen Vorgeschichte kann man Fossilien an mehreren Stellen finden, zum Beispiel im Bereich des Gebel ed-Dist und im Osten im Bereich von el-Ḥārra.

Natürliche Wasseraustritte gibt es nicht (mehr). Es gibt zahlreiche Quellen, die sich zum Teil nur wenige Meter unter der Erde befinden. Seit frühester Zeit bilden Brunnen die Lebensgrundlage, die in der Vergangenheit bis zu 130 m tief gegraben wurden. In den letzten Jahren wurden mehrere Tiefbrunnen angelegt, die eisenhaltiges, warmes Wasser zu Tage fördern. Sie besitzen aber zwei Nachteile: die alten Brunnen trocknen immer stärker aus, und es bilden sich sumpfige Gebiete bzw. Grundwasserhorizonte, weil zu viel Wasser gefördert wird.

Pflanzenwelt[Bearbeiten]

Große Teile der Wüste sind fast vegetationslos. Dort, wo es gelegentlich Wasser gibt, wachsen der dornige ʿAqūl-Strauch, Stachelgräser, Halfa-Gras, Tamarisken und Dattelpalmen, die auf sandigem Grund gedeihen.

Die bewässerten Gebiete werden fast in Monokultur mit Dattelpalmen, Aprikosen-, Zitronen-, Orangen-, Mango- und Olivenbäumen bepflanzt sowie hauptsächlich für den Getreideanbau (Weizen, Hirse und Gerste) benutzt. Dennoch ist die Vielfalt der hier anzutreffenden Pflanzenarten recht hoch. Der deutsche Botaniker Paul Ascherson (1834–1913) fand bei seinem Besuch 1876 in el-Baḥrīya 242 verschiedene Arten, viele aber nur an einer einzigen Stelle.[3]

Früheste Geschichte[Bearbeiten]

Mangrovenwälder, wie man sie heute im Nabq-Naturschutzgebiet auf dem Sinai findet.
Paralititan stromeri

Vor 100 Millionen Jahren (Oberkreide) gab es hier eine völlig andere Landschaft. Die Ebene war von Mangrovensümpfen überzogen, und es gab eine reichhaltige Tierwelt. Der deutsche Paläontologe Ernst Stromer von Reichenbach (1871–1952) entdeckte hier 1912 in der Nähe des Gebel ed-Dist die Überreste verschiedener Spezies wie Fische, Schildkröten, Schuppenkriechtiere, Quastenflosser, Krododile (Stomatosuchus) und eben die Skelette dreier Fleisch fressender Dinosaurierarten: Bahariasaurus ingens (etwa in der Größe des Tyrannosauriers), Carcharodontosaurus und Spinosaurus aegyptiacus.[4] Die im Münchner Naturkundemuseum ausgestellten Skelettüberreste wurden bei einem Bombenangriff 1944 fast vollständig zerstört. 2000 gelangen einem amerikanischen Team unter Leitung von Joshua Smith von der University of Pennsylvania östlich des Grabes des Scheichs Muhammad el-Qaddafi am Gebel el-Fagga (28° 20' 11" N 28° 59' 5" O, arabisch: جبل الفجّة) erneut Saurierfunde: der Paralititan stromeri (jetzt im Ägyptischen Geologischen Museum Kairo, CGM 81119).[5]

Der Paralititan stromeri gehörte zu den massigsten je gefundenen Dinosauriern. Er soll nach Carpenter eine Länge von 26 Metern[6], nach Burness ein Gewicht von 69 Tonnen besessen haben[7] und wurde bezüglich seiner Größe nur noch vom Argentinosaurus übertroffen.

Vulkanische Aktivitäten hat es an verschiedenen Stellen der Senke el-Bahrīya zwischen der Kreidezeit und dem Oligozän (70 ... 30 Millionen Jahre) gegeben. So finden sich Basalt- oder Dolerit-Hügel fast in der gesamten Senke. Sie reichen bis zu den Eisenerzminen von el-Manāgim heran. Zu den wichtigen Hügeln zählen die Basaltplateaus bei Mandīscha, der Schwarze oder Englische Berg (engl. Black Mountain), Gebel Maʿsera, der Gebel el-Ḥafḥūf und die Hügel in der Schwarzen Wüste.

Geschichte[Bearbeiten]

Die Senke el-Baḥrīya war etwa seit dem Beginn des Neolithikums (Jungsteinzeit) ununterbrochen besiedelt. Allerdings ist es noch nicht gelungen, aus allen Zeitepochen archäologische Nachweise zu erbringen.

Obwohl die Senke immer von einer Vollwüste eingenommen wird, kam es zur Zeit der letzten Feuchtperiode von etwa 6900–6100 v. Chr. zumindest im Bereich von el-Ḥeiz zur Ausbildung kleiner, aus Niederschlägen entstandener und somit kurzlebiger Seen (Playa-Seen). Zudem ist denkbar, dass das unterirdische Wasser zu jener Zeit auch noch auf natürliche Weise an die Oberfläche gelangte. Im Bereich von el-Ḥeiz wurden an den Siedlungsplätzen in der Größenordnung einiger Hundert Quadratmeter für nur kleine Personengruppen von Jägern und Sammlern Mahlsteine, Pfeilspitzen, Schaber, Meißel und andere Hornsteinwerkzeuge sowie Straußeneierschalen gefunden.[8]

Obwohl das Klima in der Folgezeit trockener wurde, blieb die Bevölkerung. 2007 gelang es einem tschechischen Archäologenteam unter Leitung von Miroslav Bárta, einen Teil einer Siedlung aus dem mittleren Alten Reich im Bereich von Qārat el-Abyaḍ freizulegen.[9] Dies wäre der früheste Beleg einer Besiedelung in der Westlichen Wüste aus pharaonischer Zeit.

Inschrift „Gouverneur Hebi“ aus der 12. Dynastoe, el-Ḥārra
Darstellung im Grab des Amenhotep, genannt Huy, in Qārat Ḥilwa
Gerichtsszene im Grab des Baennentiu, Qarat Qasr Salim
Sog. Tempel des Alexander d. Gr.

Mindestens seit dem Mittleren Reich befand sich el-Baḥrīya unter ägyptischer Kontrolle.[10] In zwei Wadis nahe el-Ḥārra wurden sieben Felsinschriften gefunden, die von Durchreisenden zu Beginn der 12. Dynastie stammen.[11] Der Papyrus Bulaq 18 (Mitte der 13. Dynastie) führt eine Weinlieferung aus Djesdjes auf, und das Metropolian Museum in New York besitzt einen Skarabäus des Menthuhotep (13. Dynastie, MMA 26.7.276). Zudem benennt Ahmed Fakhry (1905–1973) noch einen Skarabäus mit dem Namen Sesostris, eines Königs der 12. Dynastie.[12] Die erst jüngst von Wissenschaftlern des Institut français d’archéologie orientale freigelegten Gräber bei Qārat eṭ-Ṭūb datieren in die 13. bis 18. altägyptische Dynastie.[13]

Für das Neue Reich gibt es sowohl schriftliche Quellen als auch einige Funde, die belegen, dass während der 18. und frühen 19. Dynastie hier ägyptische Truppen stationiert waren und dass Tribut gezahlt werden musste. Das bedeutendste Zeugnis ist das Grab des Amenhotep, genannt Huy, in Qārat Ḥilwa, das deutlich thebanischen Einfluss verrät. Am Ende der 19. bzw. in der 20. Dynastie wurdw die Senke durch eine libysche Invasion vom Niltal getrennt und war nun weitgehend autonom.

Der Begründer der 22. oder libyschen Dynastie, Scheschonq I. (10. Jahrhundert v. Chr.), herrschte über ganz Ägypten und schenkte auch den Oasen in der Wüste wieder mehr Aufmerksamkeit, nachdem er – zumindest ed-Dāchla – verödet vorfand und den Beamten Wayheset dorthin sandte, um Ordnung zu schaffen.[14] Das Interesse an den Oasen war auch unter Scheschonq V., dessen Thronname auf einer Stele in el-ʿUyūn (ʿAin el-Fuqqānīya) gefunden wurde,[15] ungebrochen.

In der 26. Dynastie erreichte el-Baḥrīya unter den aus Sais stammenden Pharaonen seine erste Blüte – selbst im Niltal gelang es den Herrschern, nochmals ein starkes Staatswesen zu etablieren. Auf dem Gebiet des heutigen el-Qaṣr befand sich die Oasenhauptstadt. Aus der Zeit des Pharaos Amasis sind Tempelbauten und Gräber von Propheten des Chons und des Horus bekannt, die offensichtlich ein und derselben Familie angehörten.

Aus der Folgezeit fehlen Belege. Aber in griechisch-römischer Zeit erlebte die aus Oxyrhynchos (dem heutigen el-Bahnasā) verwaltete Senke wiederum eine Blüte: Alexander der Große ließ an der Stelle des heutigen Qasr el-Maqisba den auf ägyptischen Boden einzigen ihm geweihten Tempel errichten, der zudem über zahlreiche Priester- und Wirtschaftsgebäude verfügte. Aus ptolemäischer Zeit stammen auch zahlreiche Gebäude und die Ibis-Galerien einen Kilometer östlich vom Qārat el-Farārgī. In römischer Zeit bis zum 6. nachchristlichen Jahrhundert waren in der Festung Qārat eṭ-Ṭūb römische Soldaten stationiert. Aus dieser Zeit stammen auch die Siedlungen bei ʿAin Rīs (el-Ḥeiz) und Quṣūr Muḥārib als auch der römische Triumphbogen von el-Qaṣr. Zur Siedlung in el-Ḥeiz gehörten Palastanlagen und Anlagen zur Weinkelterung. Mit einem großen, aber übertrieben Medienrummel wurde die Entdeckung des so genannten Tals der Goldenen Mumien aus dem Jahre 1996 vermarktet: Hierbei handelt es sich um einen griechisch-römischen Friedhof aus dem 3. Jahrhundert v. Chr. bis zum 4. Jahrhundert n. Chr. Bis heute wurden etwa 15 Gräber mit ungefähr 230 Bestatteten freigelegt. Sehr großzügige Schätzungen sprechen von bis zu 10.000 Bestattungen.

Die Nähe zu el-Bahnasā führte dazu, dass sich hier etwa seit dem 3. bzw. 4. nachchristlichen Jahrhundert, also bereits in römischer Zeit, Christen ansiedelten bzw. Einheimische zum Christentum wechselten. Der koptischen Tradition folgend, die aber nicht historisch belegt ist und in diesem Fall im Gegensatz zur Tradition der Westkirche steht, wurde das Evangelium durch den Apostel Bartholomäus in die Oasen gebracht, der später seinen Märtyrertod an der Meeresküste gefunden hatte.[16] Abū el-Makārim (* vor 1160; † nach 1190) berichtete in der Überlieferung durch Abū Ṣāliḥ dem Armenier hierzu: „Hier [in el-Bahnasā] gibt es eine Kirche, die nach dem hl. Bartholomäus benannt ist, der in der Oase el-Bahnasā gemartert wurde. Sein Leib ist in der Kirche in Qarbīl.“[17]

Kirchen gab es in el-Ḥeiz, in ʿAin et-Tibnīya und westlich von Quṣūr Muḥārib. Die bedeutendste Kirche war die von el-Ḥeiz bei ʿAin Rīs. Sie stammt aus dem 7. oder 8. Jahrhundert, soll aber auf das 3. Jahrhundert zurückgehen. Sie war wohl dem hl. Georg geweiht. Da der hl. Georg in Ägypten aber erst seit dem 12. Jahrhundert verehrt wurde, muss die hier ansässige christliche Gemeinde zu dieser Zeit große Bedeutung besessen haben. Es ist möglich, dass die römische Festung in der Nähe der Kirche von el-Heiz als Kloster genutzt wurde. Aus der Zeit zwischen dem Mittelalter und der Neuzeit gibt es kaum noch Informationen zum Christentum in der Senke. Bis ins 14. Jahrhundert war el-Baḥrīya auch Bischofssitz. Das Christentum erlöschte in der Senke erst im 17. bzw. am Beginn des 18. Jahrhunderts mit dem Übertritt der letzten Christen zum Islam.

Die Islamisierung der Senke liegt im Dunkeln. Eine arabische Präsenz ist zwar seit dem 9. Jahrhundert belegt, es gab aber keine dauerhafte Besiedelung.[18] Zudem übten einige libysche Berberstämme uneingeschränkte Vorherrschaft über alle ägyptischen Oasen seit dem 10./11. Jahrhundert aus. Der arabisch-spanischen Historiker el-Bakrī (1014–1094) erwähnt, dass im 11. Jahrhundert Christen und Muslime in el-Ḥeiz zusammen gelebt haben.[19] In der Mameluckenzeit wurde der Senke wieder größeres Augenmerk zuteil, in osmanischer Zeit waren hier wohl auch Soldaten stationiert. Aus dieser Zeit sind aber kaum Funde belegt. Der ägyptische Vizekönig Muhammad ʿAlī (1769–1849) ließ 1813 el-Baḥrīya in seinen Herrschaftsbereich eingliedern. Seit der Mitte des 19. Jahrhunderts war die Senke unter ägyptischer Verwaltung und musste Steuern entrichten. Es gab aber keine ständigen Verwaltungsbeamten vor Ort; die einheimischen Scheichs regelten alle ihre Angelegenheiten bis weit in die 1980er-Jahre selbst.

Für eine kurze Zeit wurde el-Baḥrīya im Jahre 1916 von den libyschstämmigen Sanūsī, einer 1837 entstandenen politisch-religiösen Bewegung, besetzt, die in Libyen und Ägypten einen von den Türken unterstützten Guerilla-Krieg während des Ersten Weltkrieges gegen die britischen und italienischen Kolonialmächte führten. In ihrer nicht einmal ein Jahr dauernden Besatzungszeit errichteten sie hier ihre eigene Zivilverwaltung. Sie wurden im Dezember 1916 von britischen Truppen nach el-Chārga zurückgedrängt. Drei Monate später wurden die britischen Truppen durch ägyptische ersetzt, sie standen aber weiterhin bis 1922 unter britischen Kommando.

Seit 1961 gehörte el-Baḥrīya zum Gouvernement Neues Tal, wurde aber 1968 dem Gouvernement el-Gīza und am 18. April 2008 dem Gouvernement es-Sādis min Uktūbar (6. Oktober) zugeschlagen. Seit 1965 gibt es einen Bürgermeister, der aber über lange Zeit nur geringen Einfluss besaß.

Den wirtschaftlichen Aufschwung erlebte die Senke seit 1960 mit der Erschließung der Eisenerzlagerstätten von el-Manāgim im Osten der Senke, deren Erze in Helwan verhüttet werden. Im Gegensatz zu anderen Senken gibt es hier aber so gut wie keine Neulandgewinnung. Seit der Mitte der 1980er-Jahre etablierte sich hier der Tourismus als neuer Wirtschaftszweig aufgrund der Pionierleistung des Schweizers René Michaud (1929–1986).

Im April 2008 wurde die Senke el-Baḥrīya aus dem Governement el-Gīza herausgelöst und sollte ursprünglich dem Governement el-Minyā zugeschlagen werden, was nicht nur deutlich längere Wege bis in die Gouvernementshauptstadt bedeutet, sondern auch finanzielle Einschnitte mit sich gebracht hätte. Nun passierte etwas, was man in dieser eigentlich eher ruhigen Gegend nicht erwartet hätte: es kam zu massiven Protesten in el-Bāwīṭī, und die Bahnlinie zu den Eisenerzbergwerken von el-Manāgim wurde mehrere Tage lang verbarrikadiert. Man hatte gelernt: seitdem gehört die Senke zum Gouvernement es-Sādis min Uktūbar (6. Oktober), das aber am 14. April 2011 wieder aufgehoben wurde.[20] Jetzt gehört die Senke wieder zum Gouvernement el-Gīza.

Die Senke selbst wurde erst seit dem Beginn des 19. Jahrhunderts von Europäern bereist. Der Italiener Giovanni Battista Belzoni (1778–1823) bereiste die Senke 1818 auf seinem Weg nach Siwa. Ihm folgten 1820 der Franzose Frédéric Cailliaud (1787–1869), 1823/1824 sein Landsmann Jean Raymond Pacho, 1825 der Brite John Gardner Wilkinson (1797–1875), 1874 der deutsche Botaniker Paul Ascherson (1834–1913) bzw. 1876 der deutsche Arzt und Archäologe Rudolf Virchow (1821–1902). Die geografische und geologische Erforschung erfolgte 1897 durch die Briten John Ball (1872–1941) und Hugh J.L. Beadnell (1874–1944). 1900 durchreiste der deutsche Ägyptologe Georg Steindorff (1861–1951) auf seinem Wege nach Siwa die Senke. Die umfangreichsten Forschungsarbeiten wurden hier von 1938 bis zum Beginn der 1970er-Jahre vom ägyptischen Ägyptologen Ahmad Fakhry (1905–1973) durchgeführt. Seit den 1979er-Jahren forschen hier französische, und seit Beginn der 2000er-Jahre infolge der Funde im „Tal der Goldenen Mumien“ auch verstärkt ägyptische und tschechische Archäologen.

Der deutsche Paläontologe Ernst Stromer von Reichenbach (1871–1952) fand hier in 1912 in der Nähe des Gebel ed-Dist die Fossilien dreier Fleisch fressender Dinosaurier, die hier vor 94 Millionen Jahren lebten.[4] 2000 gelangen einem amerikanischen Team unter Leitung von Joshua Smith von der University of Pennsylvania am Gebel el-Fagga erneut Saurierfunde.[5]

2010 wurden weite Teile der Senke zwischen der Schwarzen Wüste und dem Gebel ed-Dist zum Schutzgebiet el-Wāḥāt el-Baḥrīya (arabisch: محمية الواحات البحرية, Maḥmīya al-Wāḥāt al-Baḥrīya) erklärt. Das Schutzgebiet ist 109 Quadratkilometer groß.

Wirtschaft[Bearbeiten]

Zu den bedeutendsten Wirtschaftszweigen in der Senke zählen der Eisenerzabbau von el-Manāgim im Osten der Senke, deren Erze in Helwan verhüttet werden, und der Tourismus. In el-Manāgim befinden sich die bedeutendsten Eisenerzvorkommen Ägyptens.

Im großen Maße wird auch Landwirtschaft betrieben, die aber rückläufig und defizitär ist, was noch durch Arbeitskräftemangel erschwert wird. Zu den Erzeugnissen gehören Datteln (etwa 150.000 Palmen), Oliven (etwa 6000 Bäume), Getreide (Weizen, Hirse und Gerste), Wein, Gemüse und Obst (Äpfel, Pflaumen, Pfirsiche, Aprikosen, Zitronen, Feigen, Mango und Bananen). Mittlerweile ist ein Teil der Dattelpalmen vom Roten Palmen-Rüsselkäfer, der über infizierte Palmen eingeschleppt wurde, befallen. In geringem Maße werden Rinder und Esel für den vorwiegenden Einsatz in der Landwirtschaft gehalten, während Ziegen, Schafe, Hühner, Tauben und Truthähne für den Verzehr gehalten werden. Die Jagd auf Zugvögel wie Tauben oder Kuhreiher aus Europa ist unergiebig.

Auch das Handwerk ist ansässig: Erzeugt wurden Keramiken bzw. werden Flecht-, Web- und Strickartikel, Holzwaren für den Hausbau wie Fenster, Türen und Riegel, Gold- und Silberschmuck wie Finger-, Nasen- und Ohrringe, Arm- und Fußreifen sowie Haarschmuck und Halsschmuck mit Silberanhängern. Aber auch diese Fertigung ist rückläufig, viele Schmuck- und andere Artikel werden jetzt aus dem Niltal bezogen. Die wenigen traditionellen Produkte wurden an Touristen ausverkauft. In den letzten Jahren wurde daher der Versuch unternommen, junge Mädchen für traditionelle Fertigung von Kleidung und Schmuck zu gewinnen, die im Geschäft der Kooperative auch erhältlich sind.

Ein beträchtlicher Teil der Bevölkerung, insbesondere in el-Bāwīṭī, wird heute in staatlichen Einrichtungen und der Verwaltung beschäftigt.

Leben[Bearbeiten]

Ein Musiker aus el-Baḥrīya spielt die Simsimīya
Ein Musiker aus el-Baḥrīya beim Tanz

Die heutige Bevölkerung setzt sich aus mehreren Gruppen zusammen: dies sind zum einen die Alteinwohner mit häufig christlichen Vorfahren, Berber (Beduinen) aus Libyen bzw. von der Mittelmeerküste und halbnomadisch lebende Oberägypter aus dem Raum el-Minyā, die seit etwa 500 Jahren, aber besonders unter der Herrschaft von Muhammad ʿAlī im 19. Jahrhundert vertrieben wurden. Am Ende des 19./20. Jahrhunderts gelangten Sudanesen und Militärflüchtlinge, häufig Sklaven, als Immigranten nach el-Baḥrīya. Seit 1985 wanderten im größerem Maße Nilbauern zu. Während im 19. Jahrhundert nur etwa 5.000 Menschen in der Senke lebten, waren es in den 1950er Jahren etwa 7.000, 1981 16.700 und im Jahr 2000 etwa 30.000.[2]

Die alteingesessen Familien leben auch heute noch in Großfamilien; die Rollenverteilung ähnelt der in arabischen Familien. Große Verehrung genossen die (männlichen und weiblichen) Scheichs, was an ihren Gräbern ablesbar ist.

Der starke Zuzug von Niltalbewohnern insbesondere für die Verwaltung und den Bergbau verändert aber das gesellschaftliche Gefüge im starken Maße.

Traditionelle Musik, Gesang und Tanz werden immer noch gepflegt. So treten professionelle Musiker – meist Bauern mit musikalischer Ader – bei Hochzeiten und anderen Familienfesten, aber auch vor Touristen auf. Die verwendeten Musikinstrumente sind Flöten, die Doppelklarinette Arghūl, die Metallflöte Flaūt, die Trommel Ṭabla oder Darabūka, das Tamburin Req oder Būf sowie das Zupfinstrument Simsimīya. In ihren Liedern singen die Beduinen von ihrer Liebe und vom Leben der Oasenbewohner. Tanz ist sowohl unter Männern und Frauen gebräuchlich. Der bekannteste Tanz ist der Kamelritttanz, der hauptsächlich von Frauen aufgeführt wird und durchaus eine gewisse Anmut besitzt. Der Tanz wird auch von Männern ausgeführt, manchmal in Frauenkleidern, aber häufig mit einem um die Hüfte gewundenen Schal. Dabei fassen die Tänzer meist einen Stock und lassen ihre Hüfte im Tankte der Musik kreisen.

Sprache[Bearbeiten]

Da die Bevölkerung ursprünglich berberischen Ursprungs war und die Segnungen der ägyptischen Film- und Fernsehindustrie die Senke erst spät erreichten, unterscheidet sich das hier gesprochene Arabisch merklich von dem des Niltals. Hier werden das Dschīm (ǧ) und das Qaf (q) in der für das Hocharabische gewohnten Weise gesprochen bzw. wird das Qaf nicht weggelassen oder durch g ersetzt. Das stimmlose und stimmhafte th werden hier auch wie t oder d gesprochen. Auch gibt es Wörter, die im Arabischen fehlen, oder Wörter mit anderer Bedeutung als im modernen Arabisch. So ist z.B. das Wort für Brunnengemarkung, ḥaṭṭīyā, im Arabischen nicht bekannt. Das Wort dār wird in seiner ursprünglichen Bedeutung als offener Wirtschaftshof, nicht als Haus, benutzt.[2]

Das nur in el-ʿAgūz verwendete Sīwī ist seit den 1970er-Jahren ausgestorben.

Anreise[Bearbeiten]

Die Oase el-Baḥrīya ist über die asphaltierte Fernverkehrsstraße 10 an Kairo oder Farāfra angebunden.

Mit dem Linienbus ist el-Baḥrīya von Kairo oder Farāfra aus erreichbar. Der Bus hält in der Senke in el-Manāgim, Mandīscha und el-Bāwīṭī. Informationen zu den Busfahrzeiten gibt es im Artikel el-Bāwīṭī.

Mobilität[Bearbeiten]

Ein Großteil der Straßen und Wege in den größeren Gemeinden ist asphaltiert. So sind auch die bedeutenden archäologischen Stätten mit PKW, Fahrrad und in gewissem Maße auch zu Fuß erreichbar.

Für Exkursionen in die Wüste ist aber die Verwendung geländegängiger Fahrzeuge notwendig, die es aber hier vor Ort in ausreichender Zahl gibt. Wer ein derartiges Fahrzeug samt Fahrer mieten möchte, wende sich am besten an das Management seines Hotels oder Camps. Der Preis hängt von der zurückgelegten Strecke ab und beträgt etwa 120 Euro pro Tag und Person. Bei längeren Touren liegt die Mindestteilnehmerzahl in der Regel bei 4 Personen.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Der Großteil der Sehenswürdigkeiten befindet sich im Raum Bawiti und el-Heiz.

Aktivitäten[Bearbeiten]

El-Baḥrīya ist Ausgangspunkt für Exkursionen in die Wüstengebiete, die mit (wüstentauglichen) Motorrädern oder Allradfahrzeugen unternommen werden können. Aufgrund der guten Infrastruktur startet der Großteil der Touren in die Westwüste von hier.

Im Norden und Nordosten von el-Bawiti gibt es mehrere warme Brunnen, die zum Baden einladen: Biʾr Ramla (arabisch: بئر رملة, „der Sandbrunnen“, 2 km entfernt), Biʾr en-Naqba (بئر النقبة, „der durchbohrte Brunnen“, 3 km entfernt), der schwefelhaltige Brunnen Biʾr el-Maṭār in der Nähe eines ehemaligen Flugplatzes aus dem Ersten Weltkrieg (بئر المطار, „der Flugplatzbrunnen“, 7 km entfernt) und Biʾr el-Ghāba (بئر الغابة, „der Waldbrunnen“, 11 km entfernt). 900 Meter östlich von Mandīscha befindet sich an der Nordseite der Fernverkehrsstraße der Brunnen Biʾr es-Sīqām (arabisch: بئر السيقام). Frauen sollten sich jedoch den hiesigen Gepflogenheiten anpassen: sie sollten beim Baden voll bekleidet und ihre Bekleidung sollte undurchsichtig sein – und am besten sollten sie im Dunkeln baden.

Küche[Bearbeiten]

Restaurants finden Sie nur in der Stadt el-Bāwīṭī.

Nachtleben[Bearbeiten]

Gelegentlich treten in den Hotels von el-Bāwīṭī einheimische Musiker auf.

Unterkunft[Bearbeiten]

Hotels[Bearbeiten]

Der Großteil der Hotels befindet sich direkt in el-Bāwīṭī oder in seiner unmittelbaren Nähe. Damit man die Hotels schneller findet, gibt es hier deren Auflistung nach Orten:

El-Bāwīṭī
Alpenblick Hotel Oasis, Bedouin Castle Hotel & Safari, Deeb Safari Hotel and Camp, Desert Safari Home, El-Beschmo Lodge, International Hot Spring Hotel (2 Sterne), New Oasis Hotel and Safari, Oasis Panorama Hotel (1 Stern), Old Oasis Hotel and Safari, Qasr el-Bawity, Sandrose Hotel, Sands Baharia, Western Desert Hotel.
Biʾr el-Maṭār
Desert Rose Eco Lodge
El-ʿAgūz
Palms Valley Hotel (3 Sterne).
Ez-Zabū/Bir el-Ghaba
El Beyt Hotel.

Die Hotels sind meist einfach. Nur wenige Hotels entsprechen etwa dem 3-Sterne-Standard.

Camps in der Senke[Bearbeiten]

Die Situation der Camps ist schwierig. Neue Camps entstehen, sind meist nicht wirtschaftlich und verschwinden wieder. Deshalb gibt es hier nur eine kleine Übersicht von Camps mit längerer Tradition.

Aufgrund ihrer abgelegenen Lage eignen sich die Camps fast nur für motorisierte Reisende.

  • Camel Camp (Oasis Heritage Camp) (etwa 2 km östlich von el-Bawiti), Tel.: +20 (0)2 3847 3666, 3847 2163, Mobil: +20 (0)122 710 7965, Fax: +20 (0)2 3847 3666, Mobil-Fax: +20 (0)122 710 7965, E-Mail: camelcamp2004@yahoo.com. (28° 20' 46" N 28° 54' 2" O). Das Camp verfügt über einfache Zimmer mit bis zu vier Betten, Schrank und zugehöriges Bad in traditioneller Architektur. Beduinisches Frühstück. Kosten LE 40 inkl. Frühstück (Stand 9/2007).
  • Eden Garden Camp, 'Ain el-Guffāra (10 Kilometer südöstlich von el-Bawiti, 3,5 Kilometer östlich vom Gebel el-Hafhūf), Tel.: +20 (0)2 3847 3727, Mobil: +20 (0)122 731 1876, E-Mail: info@edengardentours.com. (28° 18' 3" N 28° 56' 22" O). Camp in der Nähe einer heißen Quelle mit Hütten (LE 45 pro Person) und Doppelzimmer (LE 150 pro Person).
  • Nature Camp (Nature Lodge), Bir el-Ghaba, Tel.: +20 (0)2 3984 1550, 3847 3643, Mobil: +20 (0)122 165 3037, (0)122 450 4012. (28° 25' 44" N 28° 56' 21" O). Das Nature Camp ist 17 Kilometer von el-Bawiti entfernt, befindet sich 7 Kilometer nördlich von ez-Zabu und besteht seit 2003. Es verfügt über zwölf Hütten mit zwei Betten oder Doppelbett und vier Zimmer in einem festen Gebäude, davon zwei mit Bad. In einem separaten Gebäude gibt es Toiletten, Waschbecken und Duschen. Im Restaurant werden alle Mahlzeiten geboten, die Küche ist 24 Stunden in Betrieb. Alle Zimmer gibt es für denselben Preis: LE 75 (Übernachtung, Frühstück), LE 100 (Halbpension), LE 125 (Vollpension). Das Camp verfügt über fünf Fahrzeuge und Fahrer. Man arbeitet mit Khaset expeditions zusammen.

Kommunizieren[Bearbeiten]

Die Telefonvorwahl für el-Baḥrīya ist wie für Kairo 02 bzw. 00202 von Deutschland aus. Seit 2007 sind alle Telefonnummern achtstellig, den vormals siebenstelligen Telefonnummern wurde eine 3 vorangestellt. Mobiltelefonnummern sind hiervon nicht betroffen.

Sicherheit[Bearbeiten]

In der Senke gibt es Militärposten an mehreren Stellen entlang der Fernverkehrsstraße 10: so z.B. am östlichen Rand der Senke östlich von el-Manāgim und am südlichen Ortsrand von el-Bawiti. Sie kontrollieren gelegentlich Papiere und Linienbusse bzw. notieren die Kennzeichen der Fahrzeuge. Hier gilt im Wesentlichen: Ruhe bewahren.

Die Senken in der Westlichen Wüste gehören zu den sichersten in Ägypten. Kriminalität gibt es (fast) nicht.

Bei ausgedehnten und schwierigeren Wüstentouren sollte man sich an erfahrene Fahrer wenden. In den Hotels oder Camps wird man Ihnen behilflich sein.

Klima[Bearbeiten]

In der Senke herrscht kontinentales Wüstenklima verbunden mit hoher Trockenheit und erheblichen Temperaturschwankungen um 20 Grad zwischen Tag und Nacht. Die Temperaturen können im Winter sogar unter Null Grad fallen. Im April werden Temperaturen um etwa 35 °C mittags und 15 °C nachts, im August um etwa 40 °C mittags und 20 °C nachts erreicht. Regenfälle stellen eine absolute Ausnahme dar, die Regendauer überschreitet wenige Minuten nie.

Die klimatischen Verhältnisse sind vergleichbar zu Assuan. Die Senke kann das ganze Jahr über bereist werden. Beste Reisezeit ist von Oktober bis April.

Baḥrīya Jan Feb Mrz Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez    
Mittlere höchste Lufttemperatur in °C 20 22 25 31 35 37 37 37 34 30 26 21 Ø 29.6
Mittlere Lufttemperatur in °C 12 14 18 22 26 29 30 29 27 23 18 14 Ø 21.8
Mittlere tiefste Lufttemperatur in °C 5 7 10 14 18 20 21 21 19 16 11 7 Ø 14.1
Niederschläge in mm 1 1 1 1 0 0 0 0 0 0 0 0 Σ 4

Gefürchtet sind die Sandstürme, die Chamsīn (arabisch: خماسين, Chamāsīn, oder خمسين, Chamsīn) genannt werden. Dies sind heiße Süd- und Südostwinde, die den Wüstensand aufwirbeln und mit sich fortreißen. Die Entstehungsursache sind Tiefdruckgebiete im Mittelmeerraum. Die Stürme können ganzjährig auftreten, ihre Hauptsaison sind die Monate März bis Mai (ein Zeitraum von 50 Tagen nach Frühlingsanfang – auf den Zeitraum bezieht sich auch das arabische Wort), auch im Herbst treten sie gehäuft auf. Die Stürme dauern mehrere Tage an und sind in weiten Teilen Ägyptens anzutreffen. Weit gefährlicher, aber örtlich begrenzter, sind die Sandwirbelwinde, Soba'a genannt. Hier muss man in jedem Fall Augen und elektronische Geräte schützen. Die Stürme tragen nicht selten dazu bei, dass Flugpläne nicht mehr eingehalten werden. Im Jahr 2006 trat der erste Sandsturm bereits Ende Februar auf (Einheimische sagten, dass sie das seit 20 Jahren nicht erlebt hätten), irgendwo im Staub waren sogar die Pyramiden kaum zu erkennen.

Klarkommen[Bearbeiten]

Weitere praktische Informationen findet man im Artikel el-Bāwīṭī.

Ausflüge[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Kartenblatt NH-35-16 (Baḥarîya Oasis) der U.S. Army
  • Populärwissenschaftliche Darstellungen:
    • Vivian, Cassandra: The Western Desert of Egypt : An Explorer’s Handbook. Kairo : The American University in Cairo Press, 2008, ISBN 978-977-416-090-5, S. 39–81 (in Englisch).
    • Hawass, Zahi: Das Tal der Goldenen Mumien : die neueste und großartigste archäologische Entdeckung unserer Tage. Bern; München; Wien : Scherz, 2000, ISBN 978-3-502-15300-9.
    • Willeitner, Joachim: Die ägyptischen Oasen : Städte, Tempel und Gräber in der Libyschen Wüste. Mainz : von Zabern, 2003, (Zaberns Bildbände zur Archäologie), ISBN 978-3-8053-2915-6, S. 89–103.
    • Fakhry, Ahmed: The oases of Egypt. Vol. II: Bahrīyah and Farafra Oases. Cairo : The American Univ. in Cairo Pr., 1974, ISBN 978-977-424-732-3 (englisch).
  • Wissenschaftliche Darstellungen:
    • Ball, John ; Beadnell, Hugh John Llewellyn: Baharia Oasis : its topography and geology. Cairo : National Print. Dep., 1903.
    • Bliss, Frank: Oasenleben : die ägyptischen Oasen Bahriya und Farafra in Vergangenheit und Gegenwart. Bonn : Politischer Arbeitskreis Schulen (PAS), 2006, (Beiträge zur Kulturkunde ; 23), ISBN 978-3-921876-27-5 (Pb), ISBN 978-3-921876-28-2 (Leinen). Das Buch enthält eine umfangreiche ethnografische Darstellung der Senken Bahriya und Farafra. Es enthält zudem eine umfangreiche Literaturliste zum Vertiefen. Das Buch muss über den Verlag bestellt werden.
    • Fakhry, Ahmed: Bahria Oasis (2 Bände). Cairo : Government Press, 1942–1950 (englisch).
    • Al-Wāḥ al-Baḥrīya. In: Timm, Stefan (Hg.): Das christlich-koptische Ägypten in arabischer Zeit ; Band 6: T – Z. Wiesbaden : Reichert, 1992, ISBN 978-3-88226-561-3, S. 2926–2943.
  • Karten:
    • Russische Generalstabskarten, Maßstab 1:200.000, Karten H-35-XXXV (Эль-Бавити [El'-Bawiti]) und H-35-XXXVI (Эль-Харра [El'-Charra]), 1976.
    • U.S. Army Map, Maßstab 1:250.000, Karte NH-35-16 (Baḥarîya Oasis), 1955.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Der Begriff Oase ist ungeeignet, dies setzte voraus, dass das gesamte Gebiet über Vegetation verfügen müsste. Vielmehr befinden sich in der Senke zahlreiche Oasen.
  2. 2,0 2,1 2,2 2,3 Bliss, Frank, a.a.O., S. 45, 71.
  3. Ascherson, Paul: Bemerkungen zur Karte meiner Reise nach der Kleinen Oase in der Libyschen Wüste. In: Zeitschrift der Gesellschaft für Erdkunde zu Berlin, ISSN 1614-2055, Bd. 20 (1885), S. 110–160, insbesondere S. 151–158.
  4. 4,0 4,1 Stromer, E.: Ergebnisse der Forschungsreisen Prof. E. Stromers in den Wüsten Ägyptens : II. Wirbeltierreste der Baharîje-Stufe (unterstes Cenoman). 13. Dinosauria. In: Abhandlungen der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Mathematisch-Naturwissenschaftliche Abteilung, ISSN 0005-6995, Bd. N.F. 22 (1934), S. 1–79.
  5. 5,0 5,1 Smith, Joshua u.a.: A Giant sauropod dinosaur from an Upper Cretaceous mangrove deposit in Egypt. In: Science, ISSN 0036-8075, Bd. 292,5522 (2001), S. 1704–1706, doi:10.1126/science.1060561.
  6. Carpenter, Kenneth: Biggest of the Big : A critical re-evaluation of the mega-sauropod Amphicoelias fragillimus Cope, 1878. In: Foster, John R. (Hg.): Paleontology and Geology of the Upper Jurassic Morrison Formation. Albuquerque : New Mexico Museum of Natural History and Science, 2006, (Bulletin / New Mexico Museum of Natural History & Science ; 36 ; ISSN 1524-4156), S. 131–138.
  7. Burness, G. P. ; Flannery, T.: Dinosaurs, dragons, and dwarfs : the evolution of maximal body size. In: Proceedings of the National Academy of Sciences of the United States of America (PNAS), ISSN 0027-8424, Bd. [N.S.] 98,25 (2001), S. 14518–14523.
  8. Hassan, Fekri A.: Baharia Oasis. In: Bard, Kathryn A. (Hg.): Encyclopedia of the Archaeology of Ancient Egypt. London, New York : Routledge, 1999, ISBN 978-0-415-18589-9, S. 164.
  9. El-Aref, Nevine : The tale of a city, Bericht der Al-Ahram Weekly vom 9. August 2007.
  10. Giddy, Lisa L. : Egyptian Oases : Bahariya, Dakhla, Farafra and Kharga During Pharaonic Times, Warminster : Aris & Phillips Ltd., 1987, S. 15 f., 40–44, 62–64, 66, 95, 146–149, 161–163.
  11. Castel, Georges ; Tallet, Pierre: Les inscriptions d’El-Harra, oasis de Bahareya. In: Bulletin de l’Institut français d’archéologie orientale (BIFAO), ISSN 0255-0962, Bd. 101 (2001), S. 99–136, 612 f.
  12. Fakhry, Ahmed : The oases of Egypt. Vol. II: Bahrīyah and Farafra Oases, 1974, a.a.O., S. 57, Fußnote 2.
  13. Colin, Frédéric: Un fort romain dans le désert d’Égypte. In: Pour la Science <Paris>, ISSN 0153-4092, Nr. 295 (2002), S. 76–82.
  14. Gardiner, Alan Henderson: The Dakhleh stela. In: Journal of Egyptian Archaeology (JEA), ISSN 0075-4234, Bd. 19 (1933), S. 19–30, Tf. 5–7.
  15. Fakhry, Ahmed : Bahria Oasis, a.a.O., Band 2, S. 87–90, Abb. 73, Tf. lii, liii. Die Stele wurde von Paul Ascherson 1876 gefunden, siehe [Ascherson, Paul]: P. Ascherson’s Reise nach der Kleinen Oase. In: Globus : illustrierte Zeitschrift für Länder- und Völkerkunde, ISSN 0935-0535, Bd. 30,5 (1876), S. 72–76, insbesondere S. 75 links. Der Thronname ʿ3-ḫpr-Rʿ, Mit großer Gestalt, ein Re, wurde von Karl Richard Lepsius fälschlich Thutmosis II. zugeordnet. Fakhry führte aus, dass es deutlich wahrscheinlicher ist, dass er zu Scheschonq V. (früher als Scheschonq IV. bezeichnet) oder seinem Nachfolger Osorkon IV. gehört.
  16. Koptisches Synaxar (Martyrologium) zum 1. Tūt, (Coptic Orthodox Church Network).
  17. Abû Sâliḥ the Armenian ; Evetts, Basil Thomas Alfred : The churches and monasteries of Egypt and some neighbouring countries attributed to Abû Sâliḥ, the Armenian, Oxford : Clarendon Press, 1895, S. 214 f. inklusive Fußnote 5, Fol. 75 a. Verschiedene Nachdrucke, z.B. Piscataway : Gorgias Press, 2001, ISBN 978-0-9715986-7-6. Der Ort Qarbīl ist sonst nicht belegt.
  18. In den 1930er- bzw. 1940er-Jahren wurden in el-Qaṣr zehn arabisch beschriftete Steinscherben (Ostraka) gefunden, die von Grohmann in das 3. Jahrhundert AH (9. Jahrhundert AD) datiert wurden. Fakhry dagegen datierte die Funde in die (früh)mamelukische Zeit (13./14. Jahrhundert). Siehe: Grohmann, Adolf: Einige arabische Ostraka und ein Ehevertrag aus der Oase Baḥrīya. In: Studi in onore di Aristide Calderini e Roberto Paribeni ; 2: Studi di Papirologia e antichitá orientali. Milano : Casa ed. Ceschina, 1957, S. 499–509. Fakhry, Ahmed, 1974, a.a.O., S. 71, Fußnote 2.
  19. El-Bekri, Abou-Obeid ; Slane, William MacGuckin de : Description de l’Afrique septentrionale, Paris : Impr. Impérial, 1859, S. 38 f.
  20. Essam El-Din, Gamal : Musical chairs, Bericht der Al-Ahram Weekly vom 24. April 2008; Reem Leila : Redrawing the map, Bericht der Al-Ahram Weekly vom 24. April 2008.
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