Argentinien

Aus Wikivoyage
Welt > Amerika > Südamerika > Argentinien
Wechseln zu: Navigation, Suche

Argentinien ist das achtgrößte Land der Erde und bietet Reisenden eine große Vielfalt an Landschaften. Von reißenden Wasserfällen in tropischen Urwäldern über die unendliche weite Ebene der Pampa bis hin zu staubtrockenen Hochwüsten und Gletschern ist alles zu finden.

Die Städte, besonders die Hauptstadt Buenos Aires, sind als sehr aktive Kulturzentren bekannt. Berühmt ist als Kulturprodukt vor allem der Tango, der in den Slums der Hauptstadt um 1900 entstand. In vielen Orten findet man zudem barocke Architektur aus der Kolonialzeit, auch wenn sich diese oft den Platz mit modernen Hochhäusern teilt.

Lage
noframe
Flagge
Flagge von Argentinien
Kurzdaten
Hauptstadt: Buenos Aires
Staatsform: Bundesrepublik
Währung: 1 Argentinischer Peso (AR$)
= 100 Centavos
Fläche: 2,77 Mio km²
Bevölkerung: 40,1 Mio
Sprachen: Spanisch
Religionen: Römisch-Katholisch 92 %, Protestanten 2 %
Telefonvorwahl: +54
Internet TLD: .ar
Zeitzone: UTC -3 (MEZ - 4)

Inhaltsverzeichnis

Regionen [Bearbeiten]

Reiseregionen
  Pampa: Provinz Buenos Aires ·  La Pampa ·  Süden von Santa Fe ·  Osten von Córdoba
Das wirtschaftliche Kernland Argentiniens liegt im zentralen Osten des Landes. Es ist eine weite Grasebene, die heute intensiv landwirtschaftlich genutzt wird, insbesondere zur Viehzucht, weshalb sie manchmal scherzhaft „die größte Kuhweide der Welt“ genannt wird. In dieser Region liegen die meisten großen Städte des Landes, unter anderem die Hauptstadt Buenos Aires.
  Mesopotamia: Entre Ríos ·  Corrientes ·  Misiones
Mesopotamia, Zwischenstromland, wird der Nordosten des Landes genannt, der sich zwischen den beiden Flüssen Río Paraná und Río Uruguay befindet. Während der Süden flach ist, sind im Nordosten, in der Provinz Misiones, niedrige Gebirgszüge zu finden. Die Wasserfälle von Iguazú sind die größte Sehenswürdigkeit der Gegend.
  Chaco: Formosa ·  Chaco ·  Santiago del Estero ·  Norden von Santa Fe ·  Laguna Mar Chiquita
Eine flache Buschsavannenlandschaft, die westlich an Mesopotamien anschließt. Während der Osten feucht ist und landwirtschaftlich intensiv genutzt wird, hat der Westen im Winterhalbjahr eine lange Trockenperiode mit häufigen Dürren. Dort liegt der Impenetrable, ein undurchdringlicher Busch-Urwald.
  Sierras Pampeanas: Sierras de Córdoba ·  Sierra de San Luis ·  Sierra de Valle Fértil ·  Sierras de La Rioja ·  Sierras de Catamarca
Ein Mittelgebirgsgebiet in Zentral- und Westargentinien. Die Gebirgszüge erreichen in einigen Fällen Höhen von bis zu 6000 Meter und sind meist von trockenem Buschland bedeckt. Am bekanntesten als Touristenziel sind die Sierras de Córdoba in der gleichnamigen Provinz.
  Cuyo: Mendoza ·  Andenraum von San Juan ·  Andenraum von La Rioja
Schließt westlich an die pampinen Sierren an. Er umfasst im Westen die Zentralanden und im Osten eine flache bis hügelige Trockensteppe, in der jedoch dank der künstlichen Bewässerung Wein angebaut wird. Bekannt ist der Cuyo für sein besonders sonniges Klima.
  Patagonien: Río Negro ·  Neuquén ·  Chubut ·  Santa Cruz ·  Tierra del Fuego
Der Süden Argentiniens, südlich des Rio Colorado ist eine trockene Buschsteppe mit einem windigen, aber milden Klima. Die Gegend ist dünn besiedelt, besitzt aber viele Sehenswürdigkeiten wie die Halbinsel Valdés.
  Nordwestargentinien: Jujuy ·  Tucumán ·  Salta ·  Andenraum von Catamarca
Das Grenzgebiet zu Chile und Bolivien ist von vielfältigen Gebirgslandschaften zwischen der Hochebene Puna auf 3500 m Höhe und subtropischen Urwaldgebieten geprägt und ist das Gebiet Argentiniens mit den meisten Bauwerken aus der Kolonialzeit.
Pampa Nordwestargentinien Chaco Mesopotamia Sierras Pampeanas Cuyo Patagonien PatagonienRegionen in Argentinien

Städte [Bearbeiten]

Kongressgebäude in Buenos Aires
Gasse im Zentrum von Córdoba

Die meisten großen Städte Argentiniens, insbesondere die Hauptstadt Buenos Aires, wirken von ihrem Flair her sehr europäisch, da sich in ihnen viele Einwanderer aus Europa niedergelassen haben. Buenos Aires etwa gilt als "das Paris Südamerikas". Besonders die Städte im Norden des Landes wirken dagegen schon eher so, wie man sich in Europa Lateinamerika vorstellt - bunter, chaotischer und auch ärmer.

Neben der Kolonialarchitektur, die nur vereinzelt wirklich sehenswert ist (vor allem in Salta und Córdoba), sind die argentinischen Städte architektonisch oft von der Zeit zwischen 1900 und 1930 dominiert. Stile wie Art Nouveau und Art Decó finden sich fast in allen größeren Ortschaften. Das Kulturleben ist oft reichhaltig und jede Stadt hat dabei ihre eigenen Stärken und Lokalspezialitäten, wegen des Mangels von Veranstaltungskalendern muss man sich jedoch meist von Einheimischen beraten lassen, selbst die Touristeninformationen kennen sich nicht immer gut aus.

Die größten Städte:

  • Buenos Aires (2,8 Mio. Einwohner, Ballungsraum ca. 11,5 Mio.), die Hauptstadt und bei weitem größte Stadt Argentiniens mit einer sehenswerten Kulturszene.
  • Córdoba (1,4 Mio. Einwohner), die Metropole des Binnenlandes, mit viel Kultur und kolonialen Bauten
  • Rosario (1,2 Mio. Einwohner), Hafenstadt am Río Paraná mit angenehm-subtropischer Atmosphäre
  • Mendoza (900.000 Einwohner), die größte Stadt Westargentiniens, eine sehenswerte Oasenmetropole
  • San Miguel de Tucumán (750.000 Einwohner), die heiße, nachtaktive Hauptstadt des Nordwestens, gelegen in einer idyllischen subtropischen Landschaft
  • La Plata (600.000 Einwohner), moderne und saubere Hauptstadt der Provinz Buenos Aires
  • Mar del Plata (540.000 Einwohner), größter Badeort am Atlantik, mit über zwei Millionen Besucher im Jahr
  • Salta (500.000 Einwohner), die am besten erhaltene Kolonialstadt des Landes, gelegen in einem idyllischen Tal.
  • San Juan (470.000 Einwohner), Oasenmetropole nahe der Anden, mit guten Ausflugsmöglichkeiten
  • Santa Fe (460.000 Einwohner), Hafenstadt am Río Paraná mit dem altehrwürdigen Flair des 19. Jahrhunderts
  • Resistencia (380.000 Einwohner), die heiße "Stadt der Skulpturen" am nördlichen Río Paraná
  • Corrientes (330.000 Einwohner), gegenüber Resistencia, bekannt für ihre Bauten und ihren heißen Karneval
  • Posadas (320.000 Einwohner), moderne Hauptstadt der Provinz Misiones
  • Bahía Blanca (300.000 Einwohner), Hafenstadt am Atlantik, mit sehenswertem Zentrum und Hafen
  • Neuquén (300.000 Einwohner), größte Stadt Patagoniens, an zwei Flüssen gelegen
  • San Salvador de Jujuy (280.000 Einwohner), in bewaldeten Bergen gelegene Hauptstadt der Provinz Jujuy mit kolonialem Zentrum und sehenswerter Kulturszene

Kleinere, aber touristisch interessante Orte:

Weitere Ziele [Bearbeiten]

Hintergrund [Bearbeiten]

Typische Landschaft Nordwestargentiniens: das Valle Calchaquí bei Santa María del Yocavil (Provinz Catamarca)
Die feuchte Pampa, eine endlose Graslandschaft
Los Gigantes in den Sierras de Córdoba
Der Chaco, typische Landschaft der Provinz Formosa
Die Südanden in der Provinz Chubut

Das Land an der Südspitze Südamerikas erstreckt sich über 3500 km von Nord nach Süd und damit von den Tropen bis in die polaren Zonen von Feuerland und den subantarktischen Inseln. Es ist trotz seiner vielfältigen landschaftlichen und kulturellen Attraktionen noch nicht vom Massentourismus heimgesucht worden, wenn man von einigen begrenzten Orten absieht. In vielen Regionen ist der Reisende trotz unglaublicher Natur noch weitgehend auf sich allein gestellt.

Das Land war in den letzten Jahren vor allem wegen der Wirtschaftskrise 2001/ 02 in den Schlagzeilen. Doch die in den Medien gezeigten sensationslüsternen Bilder von gewalttätigen Demonstrationen haben wenig mit der Realität zu tun - keinesfalls ist im Land die Anarchie ausgebrochen. Mehr: Die Argentinier sind ein ziemlich ruhiges Volk, die "dem schlechten Wetter ein gutes Gesicht" zeigen, wie ein populäres Sprichwort lautet. Der Reisende wird deshalb feststellen, dass trotz gelegentlicher und durchaus berechtigter Meckereien über Politiker sich die Menschen auf keinen Fall das Leben von der wirtschaftlichen Situation verderben lassen. Wenn es irgendwie geht, wird ein "Asado" (Rindfleischgrillplatte) gegrillt, getrunken und gefeiert.

Geschichte

Ungefähr um 15000 vor Christus kamen die ersten Menschen in die Region des heutigen Argentiniens. Bis zur Ankunft der Spanier im 16. Jahrhundert entwickelten sich verschiedene sesshafte und nichtsesshafte Stammeskulturen. Ab dem 13. Jahrhundert expandierte das Reich der Inkas zunehmend nach Süden und nahm im 15. Jahrhundert weite Teile Nordwestargentiniens ein.

Die Spanier begannen ab 1516 mit der Eroberung und Kolonisation Argentiniens. Von Peru aus wurde der Nordwesten des Landes und vom Osten aus das Flusssystem des Río de la Plata eingenommen. Die älteste Stadt des Landes ist das 1553 gegründete Santiago del Estero, 1580 wurde Buenos Aires als erste dauerhafte Ansiedlung an der Küste gegründet. Die Spanier fügten die argentinischen Gebiete, die ihnen zunächst wenig bedeutend erschienen, dem Vizekönigreich Peru hinzu. 1776 wurde das Vizekönigreich Río de la Plata abgespalten, das neben Argentinien auch Bolivien, Paraguay und Uruguay umfasste. Seine Hauptstadt wurde das bis dahin fast nur als "Schmugglerhafen" bekannte Buenos Aires, das zu diesem Zeitpunkt das ersehnte eigenständige Handelsrecht erhielt und so schnell seine Einwohnerzahl vervielfachen konnte und sich zum unumstrittenen Zentrum des Landes entwickelte.

Die Mai-Revolution von 1810 in Buenos Aires war Ausdruck erster Unabhängigkeitsbestrebungen und führte zu einer ersten autonomen Regierung. Ein Jahr später spaltete sich Paraguay aus dem Länderverbund als erster unabhängiger Staat der Region ab. Nach blutigen Kämpfen wurde die Unabhängigkeit schließlich am 9. Juli 1816 im Befreiungskrieg gegen die Spanier ausgerufen. In der Folgezeit spalteten sich dann Bolivien (1825) und Uruguay (1828), lange ein Zankapfel mit Brasilien, von den Vereinigten Provinzen des Río de la Plata, dem Nachfolger des Vizekönigreiches, ab.

Die weitere Entwicklung Argentiniens im 19. Jahrhundert war durch Diktaturen und einen langen Bürgerkrieg zwischen Buenos Aires und den restlichen Provinzen geprägt, der bis 1861 andauerte. In einem Krieg mit Paraguay (1864-1870) konnte Argentinien bisher unbesetzte Teile der Provinzen Misiones, Formosa und Chaco hinzugewinnen. Zwischen 1875 und 1885 wurden auch die südlichen Provinzen, bis dahin nur juristisch Teil Argentiniens, den Indianern in einem grausamen Vernichtungskrieg abgeknüpft und effektiv ins Staatsterritorium eingegliedert.

Ab 1880, als die Feindseligkeiten im Land weitgehend beendet waren und Buenos Aires endgültig zur Hauptstadt auserkoren wurde, setzte eine verstärkte Zuwanderung vor allem aus Italien und Spanien ein. In dieser Zeit wurden die politischen Geschicke des Landes hauptsächlich von den reichen Großgrundbesitzern bestimmt. Ein seit den frühen 1890er Jahren bestehender Grenzkonflikt zwischen Chile und Argentinien konnte 1902 durch den britischen König Edward VII. beigelegt werden. In der Folge wurden Patagonien und Feuerland neu aufgeteilt.

Erst 1912 wurde nach langen Bürgerunruhen eine wirkliche Demokratie mit universellem Wahlrecht eingeführt. Diese Phase währte jedoch nur kurz, ab 1930 wurde die Politik durch den Wechsel zwischen Militärdiktaturen und demokratischen Regierungen geprägt. Die 1930er Jahre gingen als berüchtigtes Jahrzehnt (décade infame) in die Landesgeschichte ein; in ihnen bestand lediglich ein korruptes Abbild einer Demokratie. Ab 1943 putschten sich verschiedene Militärregierungen in die Macht.

Im Zweiten Weltkrieg blieb Argentinien offiziell neutral und wurde Ziel vieler Flüchtlinge aus Europa. Negative Bekanntheit erlangte Argentinien nach dem Krieg als Fluchtort für hochrangige Nazis, unter anderem Adolf Eichmann und Josef Mengele. 1946 wurden bei den ersten freien Wahlen seit 20 Jahren Juan Domingo Perón nach einer steilen Karriere beim Militär Präsident Argentiniens, der mit seiner an einem "Dritten Weg" zwischen Kapitalismus und Kommunismus orientierten Ideologie die Politik des Landes nachhaltig beeinflusste. Nach dem Zweiten Weltkrieg setzte die massive Industrialisierung in das bisher von der Landwirtschaft geprägte Land ein. Perón führte weitgehende Rechte für Arbeitnehmer ein, die ihn bei dem armen Teil der Bevölkerung sehr beliebt machten. Nach einer Wirtschaftskrise Anfang der 1950er Jahre nahm seine Beliebtheit jedoch ab, 1955 wurde er nach schweren Unruhen zum Rücktritt gezwungen.

Die Zeit zwischen 1955 und 1983 war durch politische Instabilität und wechselnde Zivil- und Militärregierungen geprägt. Der Unmut der Bürger über diese Situation entlud sich in zahlreichen Volksaufständen und Guerilla-Aktivitäten. Auch Perón, der zwischen 1974 und 1975 kurzzeitig wieder Präsident wurde, konnte den wirtschaftlichen Abstieg nicht stoppen. Ab 1976 installierte sich eine rechte Militärjunta unter Jorge Rafael Videla, unter deren Führung über 30.000 Menschen unter dem Vorwand der Guerilla-Bekämpfung "verschwanden" und umgebracht wurden. In dieser Zeit begannen auch erneute Grenzstreitigkeiten mit Chile (die zehn Jahre später friedlich beigelegt werden) und im April 1982 besetzt Argentinien die zu Großbritannien gehörenden Falklandinseln (argentinisch Islas Malvinas). Am 14. Juni 1982 endete der Falklandkrieg mit der Kapitulation Argentiniens, was den Abstieg der Militärregierung besiegelte. Sie hinterließ ihren Bürgern eine schwere Wirtschaftskrise und Auslandsschulden, unter denen das Land noch heute leidet.

Ab 1983 zog die Demokratie wieder in das Land ein. Neuer Präsident wurde Raúl Alfonsín, der jedoch nach einer schweren Wirtschaftskrise 1989 mit Hyperinflation zurücktrat. Nachfolger wurde Carlos Menem von der Peronistischen Partei, der mit der Kopplung des Dollar an den Peso scheinbar endlich die ersehnte wirtschaftliche Stabilität schaffte. Ab 1998 führte diese Geldpolitik jedoch zu einer weiteren schweren Wirtschaftskrise, in deren Folge Menems Partei PJ zunächst 1999 abgewählt und sein Nachfolger Fernando de la Rúa nach Unruhen im ganzen Land Ende 2001 zurücktrat. Bis 2003 wurde das Land von einem Interimspräsidenten und nach einer chaotischen Wahl 2003 vom eher linksorientierten Peronisten Néstor Kirchner geführt. Unter Kirchner erholte sich das Land wirtschaftlich wieder und die Unruhen nahmen ab.

2007 wurde seine Ehefrau Cristina Fernández zur Präsidentin gewählt. In ihrer Regierungszeit kam es zu einer zunehmenden Spaltung zwischen Regierung und Opposition, die insbesondere von den Agrarverbänden unterstützt wird. 2008 wurde das Land nach einer Exportsteuererhöhung für landwirtschaftliche Produkte durch einen monatelanger Bauernstreik mit Straßenblockaden gelähmt, was dem Ansehen der Kirchner-Regierung stark schadete und zu deren Wahlniederlage in der Parlamentswahl 2009 führte.

Geografie

Aconcagua (6959m)
Die Iguazú-Wasserfälle in Misiones

Etwa ein Drittel Argentiniens kann als Gebirge angesehen werden. Das Land wird im Westen von den Anden begrenzt, dem höchsten Gebirge Amerikas. Hier liegt der höchsten Berg der westlichen Hemisphäre, Aconcagua mit 6959 m Höhe, sowie der höchste Vulkan der Welt, Ojos del Salado mit 6893 m Höhe. Der gesamte Nordwesten des Landes ist von zahlreichen Gebirgszügen durchzogen, die verschiedenen Vegetationszonen angehören. Der Osten Argentiniens ist abgesehen von einigen niedrigeren Gebirgszügen in den Provinzen Misiones und Buenos Aires flach. Hier liegt die berühmte, endlose Pampa-Ebene. Der Süden, Patagonien, ist dagegen ein Schichtstufenland mit Mesetas, tiefen Canyons und bis zu 3000 m hohen Mittelgebirgen.

Argentinien hat insgesamt etwa 4700 km Atlantikküste. Der nördliche Teil davon (in der Provinz Buenos Aires bis Bahía Blanca) fällt relativ flach zum Meer hin ab und ist von Dünen, weiten Sandstränden und kurzen Steilküsten geprägt. In Nordpatagonien gibt es ein ausgedehntes Wattenmeer, das etwa von Bahía Blanca bis Viedma reicht. Südlich von Viedma dominiert eine Steilküste mit Buchten und vorgelagerten Sandstränden. Im südlichen Feuerland dagegen ist die Küste bergig und felsig.

Die wichtigsten und längsten Flüsse sind der Río Paraná und der Río Uruguay im Osten des Landes, die sich im breiten Río de la Plata vereinigen und in den Atlantik münden. Weiterhin bedeutend, aber weniger wasserreich und in der Trockenzeit z.T. nur Bäche, sind der Río Bermejo-Teuco im Norden, der Río Salado im zentralen Osten und der Río Bermejo-Salado-Desaguadero, der sich durch den gesamten Westen bis nach Patagonien hinzieht. Im Süden befinden sich die Flüsse Río Colorado, Río Neuquén-Negro, Río Chubut, Río Deseado, Río Santa Cruz und Río Gallegos, die die Südanden nach Osten hin entwässern.

Größter See Argentiniens ist die Laguna Mar Chiquita in der Provinzen Córdoba und Santiago del Estero, ein flacher Salzwassersee mit 5770 Quadratkilometern Fläche. Es folgen mit weiten Abstand die Seen der Südanden, wo sich am Fuß der Berge eine endlose Kette von Seen herausgebildet hat, wie der Lago Argentino (1.400 qkm) und der Lago Viedma (1050 qkm). Ebenfalls viele Seen gibt es in der Pampa-Ebene, die meist nur sehr flach sind, aber bei längeren Regenzeiten beträchtliche Ausmaße annehmen können und dann oft sehr viele Orte und Straßen überschwemmen.

Flora und Fauna

Die Flora und Fauna Argentiniens ist in den jeweiligen Gebieten sehr unterschiedlich.

Es gibt vier Urwaldgebiete: der subtropische Regenwald von Misiones, der ebenfalls subtropische Nebel- und Regenwald in Tucumán und Salta, der gemäßigte, inzwischen fast vollständig abgeholzte Feuchtwald am Río Paraná und Río de la Plata (selva marginal) und der subpolare Regenwald der Südanden. Während die ersteren beiden Vegetationszonen sehr artenreich und dicht sind, ist dies für den Wald am Río Paraná und dem der Südanden weniger der Fall. In den subtropischen Urwäldern gibt es z.B. diverse Affenarten, viele Vogelarten (z.B. Tukane, Kolibris), Reptilien und Amphibien sowie eine Vielzahl von Insekten.

Der Trockenwald des Chaco wird wegen seiner teils wertvollen Bäume wie Algarrobo, Quebracho etc. stark von der Forstwirtschaft ausgebeutet. Auffällig ist in ihm die Vielfalt von Kakteen-Arten. Er ist Heimat verschiedener Kleintiere, Hasen, Mäuse, Füchse und Vizcachas (großes Nagetier) aber auch Raubtieren wie dem Jaguar und dem Puma. Eine ähnliche Flora und Fauna findet man in der trockenen Pampa, in den Sierras Pampeanas, in den Ebenen des Cuyo im Westen sowie in der patagonischen Meseta, die zusammengefasst als "Monte" bezeichnet werden. In einigen Seen der gesamten halbtrockenen Gegenden kann man Flamingos finden.

Auf der Puna und in den Anden besteht die Vegetation hauptsächlich aus dürren Gräsern und Dornsträuchern. An Tieren stechen insbesondere die verschiedenen Lama-Arten hervor. Das häufigste ist das Guanaco, das in ganz Argentinien bis weit nach Patagonien verbreitet ist. Nur im Nordwesten findet man auch das normale Lama und das wegen seiner Wolle vom Aussterben bedrohte Vicuña. Bemerkenswert ist auch der Kondor, der größte Raubvogel der Welt, mit einer Flügelspannweite von bis zu drei Meter. Er ist auch in den Sierras Pampeanas anzutreffen.

Die weiten Flächen der Pampa waren ursprünglich baumlos, eingeführte Baumarten gedeihen jedoch sehr gut. Die wilde Fauna beschränkt sich wegen der Ausrottung durch den Menschen auf Kleintiere wie Hasen und Gürteltiere.

Die Atlantikküste ist Heimat einer Fülle von Meerestieren. Es gibt eine Reihe von Wal- und Delphinarten, am nächsten an die Küste kommen die Ballena Franca Austral, der Orca ("Killerwal") und der Tonina (der schwarz-weiße Commerson-Delphin). Zudem gibt es Seehunde, See-Elefanten, Seelöwen und Robben. Die Fischarten sind unzählbar, heraus stechen verschiedene kleinere Hai-Arten insbesondere in Nordpatagonien. In einigen Buchten Südargentiniens leben Pinguine.

Anreise [Bearbeiten]

Einreisebestimmungen [Bearbeiten]

EU-Bürger sind von der Visapflicht befreit und benötigen zur Einreise nur einen gültigen Reisepass. Ein Rückflug- oder Weiterflugticket wird manchmal, aber nicht immer verlangt. Das Touristenvisum, das man kostenlos bei der Einreise erhält, dauert 90 Tage und kann einmalig gegen eine Zahlung von 100 AR$ (ca. 25 €) bei jeder Niederlassung des Ausländeramtes (Dirección Nacional de Migraciones, in jeder Provinzhauptstadt zu finden) um weitere 90 Tage verlängert werden.

Flugzeug [Bearbeiten]

Die Anreise geht in der Regel über die Hauptstadt Buenos Aires und kann an zwei Flughäfen erfolgen. Der internationale Ministro Pistarini (umgangssprachlich Ezeiza genannt) wird von zahlreichen Fluglinien angeflogen - oft jedoch mit Zwischenstopp noch in Europa oder auch Brasilien.

Der Flughafen befindet sich ca. 40 km südlich der Stadt. Man gelangt entweder mit einem der privaten Taxi/ Remises in die Innenstadt oder mit einem Shuttlebus (Manuel Tienda León). Es gibt auch einen Linienbus (Linien 8 und 51) in die Innenstadt, der aber sehr lange benötigt (ca. AR$ 2,50); für Preisbewusste ist es eher empfehlenswert, mit den Taxi oder Bus (Linie 502) in die nahegelegene Stadt Ezeiza zu fahren und dort den Zug zum Bahnhof Constitución zu nehmen. Die richtigen Preise sind auch im Flughafen ausgeschildert - wer sicher sein möchte, fragt aber am besten den Taxifahrer nochmal.

Der zweite Flughafen von Buenos Aires Jorge Newbery (umgangssprachlich Aeroparque) liegt viel näher an der Stadt am Río de la Plata, im Stadtteil Palermo. Somit sind die Preise für die Zufahrt entsprechend geringer. Von hier aus erreicht man alle wichtigen und größeren Ziele innerhalb Argentiniens sowie nach Uruguay, manchmal gehen aber auch Verbindungen nach Santiago de Chile oder Lima. In vielen Fällen muss man zwischen beiden Flughäfen umsteigen, um zu Zielen im Landesinneren zu gelangen. Hier empfiehlt sich die Buslinie Manuel Tienda León (ca. 1 Std 20 Min).

Der einzige weitere Flughafen Argentiniens mit Direktverbindungen in die meisten Nachbarländer sowie nach Mittelamerika ist Córdoba. Internationale Verbindungen aus den Nachbarländern gibt es außerdem zu den Flughäfen in Rosario, Mendoza, Tucumán, Río Gallegos und Salta.

Der Luftraum über Chile und Teilen Südamerikas war im Frühjahr 2011 von der Aschewolke des chilenischen Vulkans Puyehue gestört, zahlreiche Flüge fielen aus. Eine Liste mit Links zur Wetterlage und Flugverkehrsinformationen findet sich im Portal Flugreisen.

Bahn [Bearbeiten]

Es gibt derzeit keine offiziellen internationalen Personenzugstrecken, über die man nach Argentinien einreisen kann. Die einzige Strecke ist die von Antofagasta (Chile) nach Salta, auf der ein Güterzug mit Passagierbeförderung operiert. Auch diese Strecke wurde jedoch Ende 2005 vorläufig wegen dem schlechten Streckenzustand geschlossen. Bis 2010 wurde nur ein Touristenzug auf dieser Strecke, der Tren a las Nubes reaktiviert, der jedoch die chilenische Grenze nicht erreicht.

Bus [Bearbeiten]

Internationale Verbindungen gibt es aus den Nachbarländern Chile, Uruguay, Paraguay und Brasilien in die größten Städte, insbesondere Buenos Aires und Córdoba, sowie in die grenznahen Orte. Aus Peru und Bolivien kommend muss im Grenzort umgestiegen werden, nachdem man die Grenze zu Fuß oder per Taxi durchquert.

Auto und Motorrad [Bearbeiten]

Von allen Nachbarländern aus führen gute, geteerte Straßen nach Argentinien hinein. Siehe dazu auch: Panamericana. Zu beachten ist, dass die meisten Grenzübergänge nach Chile an Paßstraßen liegen, die im Winter zumindest zeitweise geschlossen sind. Ausnahme ist der neue Paso de Jama in der Provinz Jujuy (Verbindung zwischen Antofagasta und Jujuy/ Salta), auch die Strecke Santiago-Mendoza ist meist gut befahrbar.

Schiff [Bearbeiten]

Der größte Hafen ist die Stadt Buenos Aires. Alle öffentlich zugänglichen Schiffe aus Europa kommen hier an, ob Frachter oder Passagierschiff, letztere gibt es nur selten. Im alten Hafen von Buenos Aires (Puerto Madero) kommen Autofähren aus Montevideo und Colonia del Sacramento (Uruguay) an.

Mobilität [Bearbeiten]

Fast alle wichtigen touristischen Ziele, bzw. wirtschaftlich wichtigen Orte in Argentinien sind per Flugzeug zu erreichen und werden meist täglich angeflogen. Die einzigen größeren Airlines, die die Argentinienkrise um die Jahrtausendwende überlebt haben, sind Aerolineas Argentinas/ Austral (auch international) die staatliche LADE (im Süden) und LAN Argentina (Ableger von LAN Chile), daneben gibt es regionale Gesellschaften wie Sol, Silver Sky und Andes, die vom Komfort mit den Billigfluglinien Europas vergleichbar sind, aber nur wenig günstiger als die großen Gesellschaften ausfallen - dafür bieten sie oft auch Querstrecken zwischen kleineren Städten an. Drehkreuz des nationalen Flugverkehrs ist Buenos Aires mit seinen zwei großen Flughäfen Ministro Pistarini (Ezeiza) und Jorge Newbery.

Die Flugpreise sind teurer als die entsprechenden Busverbindungen und auch teurer als europäische "Billigflieger", doch auf Grund der großen Entfernungen im Land zeitlich oft gerechtfertigt. Fast alle Airlines verlangen jedoch von Touristen einen höheren Flugpreis als von Einheimischen (Aufschlag um 20 bis 40 Prozent), da die billigste Tarifklasse subventioniert wird und Residentes (in Argentinien Wohnenden) vorbehalten ist.

Die Bahn spielt in Argentinien derzeit eine geringe Rolle im öffentlichen Transport. Da lange Zeit kaum Geld für die Instandhaltung der teilweise sehr weitläufigen Streckennetze ausgegeben wurde, wurden die meisten Verbindungen stillgelegt. Besonders nach 2004 wurden aber zahlreiche Strecken wiedereröffnet, da die Kirchner-Regierung den Passagierzugbetrieb wiederbeleben will. Eine Modernisierung war damit jedoch bisher nicht verbunden. Seit der Menem-Ära gibt es Pläne für ein Hochgeschwindigkeitsnetz, 2008 unterschrieb die Regierung einen Vertrag mit Alstom, das auch den französischen TGV betreibt, für eine Neubaustrecke zwischen Buenos Aires und Córdoba. Das Projekt liegt jedoch derzeit auf Eis, mit einer baldigen Realisierung ist kaum zu rechnen.

Fernreisezüge gibt es zwischen Buenos Aires und mehreren Orten in der Provinz (unter anderem Mar del Plata, Pinamar, Bahía Blanca) sowie nach Rosario, Córdoba, Posadas und San Miguel de Tucumán. Viele dieser Strecken, insbesondere die in der Provinz Buenos Aires, werden zeitweise wegen Reparaturen stillgelegt, es empfiehlt sich daher den aktuellen Stand im Satélite Ferroviario, einer unabhängigen, regelmäßig aktualisierten Website mit allen Fahrplänen und Preisen, abzufragen. In Patagonien gibt es in der Provinz Río Negro die Zugstrecken Viedma - San Antonio Oeste - Ingeniero Jacobacci - Bariloche und den "Alten Patagonien-Express" (El Trochita) von Ingeniero Jacobacci nach Esquel, der aber unregelmäßig und meist nur auf Teilstrecken als Touristenzug verkehrt.

Der Zustand der Züge ist variabel, hat sich in den Jahren nach der Wirtschaftskrise jedoch gebessert, insbesondere auf den Langstrecken und in den höheren Klassen. Dennoch brauchen sie oft deutlich mehr Zeit als ein Überlandbus auf der gleichen Strecke. Ausnahmen sind die gut ausgebauten Strecken an die Orte an der Atlantikküste. Dafür sind die Züge deutlich preisgünstiger als die Busse, haben ein Restaurant und manchmal auch ein Kino oder sogar einen Disco-Wagen an Bord und bieten die Möglichkeit, einen Schlafwagen zu mieten und oft auch das Auto mitzunehmen (Autoreisezüge).

Im Großraum Buenos Aires gibt es mehrere Regional- und S-Bahn-Verbindungen. Auch um Resistencia im Nordosten gibt es einen Vorortzug sowie zwei Regioalbahnen, gebaut wird außerdem eine Stadtbahn in Mendoza sowie ein Vorortzug in Córdoba; auch in Entre Ríos gibt es einige Regionalverbindungen.

Die Busverbindungen in Argentinien sind sehr gut. Sie stellen meist die günstigste und populärste Fortbewegungsmöglichkeit dar. Besonders zwischen den größeren Orten (z.B: CórdobaBuenos Aires) verkehren sie mehrmals täglich, für Strecken ab 500 km werden meist Nachtfahrten angeboten. An Ticket-Schaltern, in Reisebüros oder direkt am Busterminal kann man sich sein Ticket kaufen, einige große Linien bieten inzwischen auch die Möglichkeit, das Ticket online zu buchen. Die Busse sind in der Regel komfortabel, sauber und haben Klimaanlage. Bei längeren Strecken kann man zwischen semi cama oder cama-Sitzplätzen wählen; dabei lassen sich die Sitze umklappen und zu Liegen umfunktionieren, so kann man bei Über-Nacht-Busfahrten schlafen. Diese sind sehr zu empfehlen, da auf Grund der großen Entfernungen in Argentinien ein Fahrt leicht 14 bis 24 Stunden dauern kann. Achtung: Einige Linien haben einfach die "normalen" Busse in Semi-Cama umbenannt, besonders für größere Personen sind diese ziemlich eng! Eine Website, auf der man die aktuellen Verbindungen und Preise (leider fehlen zahlreiche Busgesellschaften) abfragen kann, ist Central de Pasajes. Für Busverbindungen von Buenos Aires aus lassen sich die aktuellen Abfahrtszeiten und Preise für alle Busunternehmen bei Omnilineas abfragen, zumindest für alle größeren oder touristisch interessanten Reiseziele. Das Preissystem ist weitgehend standardisiert, nur wenige Anbieter bieten wirkliche Schnäppchen. Man muss mit etwa 35 bis 45 Peso pro 100 km rechnen, besonders abgelegene Strecken sind z.T. aber auch deutlich teurer.

Mietwagen gibt es an allen größeren Flughäfen, wobei besonders internationale Firmen wie Avis verbreitet sind. Die Kosten belaufen sich auf etwa 250 Peso pro Tag für einen Kleinwagen, größere Autos kosten entsprechend mehr. Besonders in abgelegenen Gebieten ist das Mieten eines Geländewagens fast Pflicht, denn oft ist man auf Schotterpisten angewiesen.

Trampen ist in Argentinien nur auf vielbefahrenen Straßen und in Tourismusgebieten zu empfehlen - es sei denn, man bringt eine Menge Geduld mit. Am besten fragt man Lastwagenfahrer an Tankstellen, die gegen kleine Gefälligkeiten oder gratis oft gerne Reisende mitnehmen. Als Tramper sollte man sich nicht allzu lässig anziehen, da die argentinischen Autofahrer sehr misstrauisch sind und einen für einen Dieb halten können. Insbesondere weite Kapuzenpullis, Baseball-Caps und weite Jeans machen die Sache schwieriger. Vollkommen aussichtslos ist es auch, in einer Großstadt auf Autofahrer zu warten - man muss meist einige Kilometer nach außerhalb fahren, etwa mit einem Lokalbus. Gute Infos übers Trampen in Argentinien bekommt man auf der Website Autostop Argentina, das auch ein Wiki betreibt.

Mitfahrgelegenheiten: In ländlichen Gebieten ist es üblich, sich an eine bekannte Stelle (z.B. eine Plaza) zu stellen, wo dann Autos anhalten, die die Strecke regelmäßig fahren, und etwas Geld (fürs Benzin) verlangen. Hier muss man die Einheimischen fragen, was üblich ist. Die spanische Internet-Mitfahrzentrale Viajamos Juntos hat zudem 2007 ein Argentinien-Seite eingerichtet, diese ist zur Zeit allerdings noch wenig besucht.

Für Europäer ist die Zählung der Hausnummern verwirrend, die mit dem Schachbrettmuster zu tun hat, das in nahezu allen Städten des Landes als Grundriss verwendet wird. Diese werden von einem zentralen Punkt aus berechnet und stellen eine ungefähre Entfernungsangabe in Metern zu den Straßen, die sich an diesem Punkt kreuzen, dar. Bei jedem vollständigen Häuserblock (der jeweils etwa 100 Meter umfasst) erhöht sich die Angabe um 100 Nummern. So bedeutet beispielsweise die Hausnummer 1830 etwa eine Entfernung von 18 Blocks und 30 Metern zu den sich am Referenzpunkt kreuzenden Straßen. In Buenos Aires ist dieser beispielsweise die Plaza del Congreso (siehe Buenos Aires/Zentrum).

Sprache [Bearbeiten]

Offizielle Landessprache ist Spanisch ("español" oder "castellano" genannt), mit deutlichen Unterschieden zum Standardspanisch. In Buenos Aires und anderen Touristenzentren kann man damit rechnen, bei den wichtigsten Dienstleistungen mit Englisch auszukommen, ansonsten sind die Englischkenntnisse der Bevölkerung insbesondere auf dem Land begrenzt, obwohl Englisch in der Schule überall Pflichtfach ist.

Aussprache

Die argentinische Aussprache unterscheidet sich ein wenig vom Schulspanisch. Das Doppel-L (ll) wird nicht wie j, sondern wie ein weiches sch ausgesprochen, ähnliches gilt für das y, das ebenfalls wie ein weiches sch ausgesprochen wird. Ein S in der Wortmitte wird oft zu einem weichen, kaum hörbaren ch verschliffen. In Zentral- und Nordwestargentinien wird das gerollte r zu einem hybriden, weichen rsch.

Grammatik

Die Du-Form ist anders geformt und akzentuiert: Man benutzt statt das Pronomen Vos und in der Verbform wird die letzte Silbe betont. So wird aus dem kastilischen Tu puedes in Argentinien Vos podés. Das Vosotros ("ihr") wird durch die Höflichkeitsform ustedes ersetzt. Außerdem wird die Form des pretérito perfecto (z.B. he viajado) kaum verwendet und durch das pretérito indefinido (z.B. viajé) ersetzt. Die jeweilige standardspanische Form wird jedoch auch problemlos verstanden.

Einige Wörter bedeuten im argentinischen Spanisch etwas anderes als im traditionellen Spanischen und können so ungewollt für Heiterkeit sorgen. Insbesondere das im Spanischen häufige Verb coger ("nehmen") ist in Argentinien ein Vulgärausdruck für Geschlechtsverkehr und wird daher durch tomar oder agarrar ersetzt.

Sprachen der indigenen Völker

Vereinzelt in ländlichen Gebieten werden noch die Sprachen der indigenen Völker („pueblos indígenas“), zum Beispiel das Quechua, das Guaraní und das Mapudungun, gesprochen. Es leben immer noch ungefähr eine Million Menschen mit indianischer Herkunft in Argentinien, allerdings sprechen im Gegensatz zu den Nachbarländern fast alle auch Spanisch. Eine Ausnahme sind die Toba (auch qom) und Wichi in Formosa, Chaco, Salta und Jujuy, die in abgelegenen Gebieten in sehr primitiven Verhältnissen und großer Armut leben und meist Analphabeten sind.

Einkaufen [Bearbeiten]

Preistabelle (Stand 12/2012)
Produkt Peso
(AR$)
€uro Kurs 6,20 AR$=1 €
1 kg Weißbrot 8,00 - 13,00 1,30 - 2,00
Coca-Cola 2l 10,00 - 14,00 1,70 - 2,80
1 kg Rindfleisch, Rippe 35 - 50 6,50 - 9,50
1 l Bier (Supermarkt) 7,00 - 11,00 1,10 - 1,80
1 l Bier (Bar) 18 - 35 3,20 - 6,50
Eintritt Kino 20 - 40 3,20 - 7,50
Menü (günstig) 30 - 50 5,00 - 8,50
Rindfleischteller mit Beilagen (Mittelklasserestaurant) 50 - 80 9 - 15
Herberge / Hostel-Bett ("Dorms") 40 - 80 7,50 - 15
Hotel ** DZ 200 - 300 38 - 55
Campingplatz 2 Pers + Zelt 30 - 60 5,50 - 11
Bus Buenos Aires - Córdoba 300 - 440 45 - 60
Flug Buenos Aires - Ushuaia (einfach, Tiefpreis Economy) 925-1450 150 - 220

Das Preisniveau Argentiniens ist mit dem der meisten europäischen Staaten vergleichbar. Bis in die frühen 1990er Jahre hinein war Argentinien für seine chronische finanzielle Instabilität berüchtigt, Abwertungen um jährlich 100 % und mehr waren keine Seltenheit, die für Reisende oft Vergünstigungen brachten. Nach einer stabilen Phase der Parität zwischen Peso und Dollar zwischen 1991 bis 2001 fiel der Argentinische Peso (abgekürzt ARS, im Land $), die Währung des Landes, gegenüber dem Dollar infolge der Wirtschaftskrise erneut auf weniger als einen Drittel seines vorherigen Wertes. Dadurch wurde Argentinien für Reisende aus Europa und den USA kurzfristig deutlich billiger. Seit 2007 liegen die Preise wegen der hohen Inflation nur noch in wenigen Fällen (Energie, ÖPNV, einige Lebensmittel sowie im Norden auch Miete) deutlich unter dem Niveau Europas. Nur eine deutliche Abwertung des Peso 2009 um 30 % infolge der weltweiten Finanzkrise verhinderte eine weitere relative Verteuerung. Insgesamt sind von den Preisen her Buenos Aires und Südpatagonien am teuersten, Zentral- und Ostargentinien etwa in der Mitte und Nordargentinien am billigsten.

Der Wechselkurs beträgt derzeit (Ende 2012): 1 Euro = 6,10 AR$ bzw. 1 US-Dollar = 4,80 AR$. Die Schwankungen zwischen Euro und Dollar sind dabei deutlicher als die zwischen Peso und Dollar, da die Zentralbank den Preis des Dollars durch Interventionen stabil hält, auch wenn seit 2009 auch hier eine Tendenz zur Abwertung (ca. 10 bis 15 % im Jahr) besteht, die sich nach 2011 infolge der anhaltend hohen Inflation verschärft hat.

Das Feilschen (genannt hacer precio, "[einen besseren] Preis machen") ist in Argentinien normalerweise nicht üblich, zumindest nicht in Geschäften. Bei Verkäufen von gebrauchten Waren unter Privatleuten, auch auf Anzeigenplattformen im Internet, ist es jedoch durchaus möglich, über den Preis zu reden; mehr als 10-15 % Rabatt lassen sich aber kaum herausschlagen.

Devisenbeschränkungen: Im November 2011 trat ein Gesetz in Kraft, nach dem Personen, die ausländische Devisen erwerben wollen, eine Bescheinigung über ihre Einkünfte vorlegen müssen. Ob dies auch für Touristen gilt, ist umstritten, laut einigen Berichten kam es zu Problemen beim Rücktausch verbliebener Peso in Dollar oder Euro. Man sollte also vorsichtshalber nicht zu viel Geld umtauschen. In die andere Richtung (Kauf von Peso gegen Devisen) gibt es keine Beschränkungen. Man sollte den auf dem Schwarzmarkt verlockend hohen Kursen aber besser widerstehen: Es gibt immer wieder Berichte über Betrügereien beim schwarzen Geldwechsel. Möglich ist allerdings das Ausnutzen der deutlich höheren Kurse in den Nachbarländern, z.B. Uruguay. Ein Trip in diese Länder kann daher zu einer preisgünstigen Angelegenheit werden, wenn man sich in der Nähe der Grenze aufhält.

Souvenirs

Besonders beliebt bei Ausländern sind die argentinischen Lederprodukte, die deutlich billiger als in Europa sind und zudem stilistisch eine eigene, traditionelle Handschrift tragen. Auch traditionelle Accessoires wie Mate-Becher, Ponchos, traditionelle Musikinstrumente aber auch Schmuck werden immer wieder gern gekauft.

Jeder Ort hat meistens mindestens einen Kunsthandwerkermarkt, auf dem traditionelle und moderne Gegenstände angeboten werden. Dort sind die Souvenirs oft deutlich billiger als in den Souvenirshops in den Stadtzentren. Auch kann man davon ausgehen, das Souvenirs einer bestimmten Region (z.B. die traditionellen Musikinstrumente des Andengebiets) vor Ort am billigsten sind und es auch die größte Auswahl gibt.

Täglicher Bedarf

In Argentinien gibt es in jedem Ort Supermärkte aller Größenordnung (große Supermärkte werden hipermercados genannt), in denen man alle benötigten Lebensmittel und oft Kleidung und Schreibwaren erhalten kann. Typisch für die Vorstädte sind ausserdem Tante-Emma-Läden, die manchmal günstiger sind als die jeweiligen Supermärkte sind. Besonders beliebt sind seit Ende der 1980er die shoppings, große Galerien nach US-Vorbild mit einer Vielzahl Geschäften und oft auch Kinos, Restaurants und kleinen Freizeitparks für Kinder.

Kleidung aller Art ist in Argentinien etwa so teuer wie in Europa, Markenkleidung kann jedoch auch deutlich teurer sein. Dabei ist zu beachten, dass insbesondere bei Schuhen Übergrößen (ab ca. 41 bei Frauen und 45 bei Männern) nur schwer zu bekommen sind. Das Gleiche gilt auch für Hosen, hier gibt es jedoch zumindest in Großstädten spezielle Läden für Übergrößen.

Küche [Bearbeiten]

Essen [Bearbeiten]

Das Asado, eine traditionelle Grillmahlzeit mit zahlreichen Fleischsorten
Locro - ein Mais- und Bohneneintopf. Er gilt als Nationalgericht Argentiniens.

Schon alleine das Essen kann es wert sein nach Argentinien zu reisen. Die Gastronomie ist im Artikel Essen und Trinken in Argentinien beschrieben.

Obwohl das Frühstück eher spartanisch ist, gibt es auch hier bereits leckere Gebäckspezialitäten (golosinas und facturas), besonders typisch sind hier die Criollos, kleine Kekse aus Blätterteig. Man kann auch gemütlich in ein Restaurant frühstücken gehen, hier bekommt man als desayuno completo, das nicht mehr als ein paar Pesos kostet, Orangensaft, Kaffee, Wasser, Criollos, Toast, Medialunas, Dulce de Leche und Butter. Eier, Käse und Wurst sind im argentinischen Frühstück nicht vorhanden.

Sicher das populärste Essen ist das Asado, bei dem verschiedene Arten von Rindfleisch inklusive Innereien und pikanten Würstchen ("chorizos") meist im Garten gegrillt werden und dann mit verschiedenen Salaten zusammen gegessen werden. In Restaurants wird das Asado parrillada genannt. Hier bekommt man solange verschiedene Fleischsorten serviert, wie es der Magen erlaubt.

Wer aber denkt, in Argentinien gibt es nur blutiges Steak, der irrt sich. Sicherlich hat man es als Vegetarier etwas schwerer, da es auf der Speisekarte der meisten Restaurants kaum Gerichte ohne Fleisch gibt. Pizza Magherita gibt's aber überall, die sind in der Regel auch sehr schmackhaft und meistens mit einem dickeren Teig als in Europa. In großen Städten gibt es aber auch Vegetarier-Imbisse. Wer die Möglichkeit hat selber zu kochen, sollte sich für ein paar Pesos an kleinen Obst- und Gemüseständen jede Art von Obst und Gemüse kaufen und sich in der Küche austoben.

Beliebt sind außerdem Nudelgerichte, Fisch (fast nur an der Küste), Hähnchen, Milanesa (Schnitzel) und viele Sandwich-Arten und Burger (also Fleisch in Brot). Besonders empfehlenswert sind auch die Spezialitäten aus dem Norden Argentiniens: empanadas (gefüllte Teigtaschen), humita (zerkochter Mais mit Paprika in Blättern serviert) und locro (Eintopf mit Fleisch, Würstchen und Mais sowie einer ganzen Reihe von Gewürzen), der als Nationalgericht des Landes gilt.

Die Portionen sind sehr üppig und oft gibt es auch sehr günstige Menü-Angebote, bei denen Vorspeise, Salat und Nachtisch mitinbegriffen sind. Häufig sind die tenedor libre oder diente libre, "All-You-Can-Eat"-Restaurants, in dem man sich selbst an einem Buffet für einen Fixpreis bedienen kann, sooft man möchte. Bei sehr günstigen Angeboten ist aber Skepsis wegen der Qualität angebracht.

Empanadas. Nicht immer sind sie so groß wie auf diesem Foto!

McDonalds hat in diesem Land etwas das Nachsehen, denn verglichen mit all den Restaurants ist es eher teuer und langweilig. Außerdem gibt es eine ganze Armada von Fast-Food-Ständen und -Restaurants, die meist billiger als McDonalds sind (z.B. Moustachys, Pumper Nic, Discapanch etc.).

Vielleicht noch ein kleiner Tipp: wenn man zum Essen geht, sollte man etwas Zeit mitbringen und sich nicht aufregen, wenn alles etwas langsamer und gelassener zugeht.

Zuletzt noch zu den Süßigkeiten. Alles was in Argentinien nicht salzig ist, ist extrem süß, das "Dulce de Leche", eine sehr süße Karamellcreme, ist fast in jedem Gebäck vorhanden. Es gibt ganze Supermärkte in denen es nichts als Süßigkeiten gibt und wenn man eine Straße entlanggeht, sollte man es sich nicht nehmen lassen, an einem der vielen Kioske ein Alfajor (kleiner Mini-Kuchen mit Dulce de Leche) für einen Peso zu kaufen und zu genießen.

Trinken [Bearbeiten]

Der Mate, das Nationalgetränk Argentiniens

Bekannt im Ausland ist der argentinische Wein, der zu den besten der Welt gezählt wird und verglichen mit europäischen Weinen, insbesonders bei Qualitätssorten sehr günstig ist. Er wird meist im Westen des Landes angebaut. Empfehlenswert sind unendlich viele Marken, z.B. Trapiche, Postales del Fin del Mundo und San Felipe. In letzter Zeit sind viele "Modeweine" (z.B. New Age, Freeze, Suá und O2) erschienen, die meist Schaumweine mit wenig Kohlensäure und einem milden Geschmack sind. Das Bier ist dagegen vom Geschmack sehr einheitlich und von der Qualität her durchschnittlich (Marken: Quilmes, Isenbeck, Bieckert, Schneider und Palermo sowie die ausländischen Biere Brahma, Warsteiner, Corona, Stella Artois und Heineken). Wer auf deutsches Bier nicht verzichten kann, kann es in den Supermärkten der Kette Jumbo und (weniger Auswahl) Vea/Disco erwerben. Branntweine einheimischer Fabrikation sind sehr billig, ausländische Importe jedoch recht teuer.

Ein besonders typischer Modedrink ist seit den 1990ern Fernet Branca mit Cola, fernet con coca oder fernando. Von diesem eigentlich aus Italien stammenden Kräuterlikör wird in Argentinien die Mehrheit der Weltproduktion verbraucht, insbesondere in der zentralargentinischen Cuarteto-Szene rund um Córdoba.

Kaffee wird in Argentinien sehr häufig getrunken und ist meist sehr stark gesüßt, im Café oder Restaurant bekommt man den Zucker aber natürlich separat. Café con leche ist ein Milchkaffee, während café cortado Kaffee mit einem Schuss Milch ist. Al revés (umgekehrt) bedeutet dagegen, dass der Milchanteil den Kaffeeanteil übersteigt.

Das argentinische Nationalgetränk ist Mate, ein Kräutertee, der aus einer Kalabasse mit Röhrchen getrunken wird. Das Mate-Trinken ist ein wahres Ritual, dabei trinken alle Mitglieder einer Gruppe aus einem einzigen Matebecher.

Limonaden internationaler Marken (wie Coca-Cola etc.) gibt es in Argentinien überall, Fruchtsäfte sind dagegen seltener und relativ teuer. Neuerdings haben sich viele Marken von gesüßten Diät-Limonaden mit Fitness-Image (z.B. Ser, Magna) etabliert. Mineralwasser wird meist ohne Kohlensäure getrunken. Eine günstige Alternative zum normalen kohlensäurehaltigen Mineralwasser ist Soda, mit Kohlensäure versetztes normales Trinkwasser, das geschmacklich kaum vom Mineralwasser zu unterscheiden und gesundheitlich völlig unbedenklich ist.

Nachtleben [Bearbeiten]

In Argentinien startete das Nachtleben früher gewöhnlich erst richtig ab etwa 2.00 Uhr. Seit Mitte der 2000er Jahre, verstärkt seit 2009 gibt es allerdings in Buenos Aires und den Hauptprovinzen sowie im Norden zum Teil strenge Sperrstundenregelungen oder Alkoholsperrstunden, so dass sich die Öffnungszeiten der Nachtlokale etwas nach vorne verschoben haben. Die vorher beliebten Afterhours sind seit dieser Zeit in Buenos Aires und Córdoba verboten oder in den illegalen und privaten Bereich abgewandert. Inzwischen ist es daher ideal um ca. 0-1 Uhr loszuziehen, auch um lange Schlangen zu vermeiden.

In allen größeren Städten gibt es eine Vielzahl von Bars, Pubs, Clubs und Diskotheken für jeden Geschmack (nur die Gothic-Szene hat etwas das Nachsehen, dafür gibt es viel lateinamerikanische Musik). Selbst jedes Dorf hat sein boliche, in dem die jungen Leute freitags und samstags die Nacht verbringen.

Es gibt grob gesagt vier Arten von Diskotheken. Einmal gibt es die typischen Mainstream-Clubs, die eine Mischung aus Rock, etwas Dancefloor und lateinamerikanischer Musik spielen. Dann gibt es alternative Rock- und Reggae-Clubs mit Live-Musik und wechselnden Musikstilen, manchmal auch Theatershows. Zum dritten trifft man immer häufiger auf reine Techno- und House-Diskotheken, oft im oberen Preisspektrum, und last but not least die traditionellen "bailantas", in denen nur lokale Varianten der lateinamerikanischen Musik (insbesondere Cumbia und Cuarteto) gespielt werden und die besonders von der Arbeiterjugend besucht werden.

Alkohol darf man in Argentinien erst mit 18 Jahren konsumieren. Es gibt aber spezielle Diskotheken für Jugendliche unter 18, sogenannte matinés, die früher schließen und in denen kein Alkohol verkauft wird. Das Gegenstück sind die boliches para mayores, in denen nur Besucher ab einem bestimmten Alter (meist ab 30) eingelassen werden.

Schwule- und Lesbenclubs gibt es nur in den größten Städten; in kleinen Großstädten ab 100.000 Einwohnern gibt es jedoch meistens mindestens einen Club, in dem ein schwul-heterosexuell gemischtes Publikum ausgeht (oft Techno-Clubs). In kleineren Orten (Ausnahme: bekannte Touristenorte) ist allerdings die bei der Landbevölkerung verbreitete Intoleranz gegen Schwule oft ein Problem.

Unterkunft [Bearbeiten]

Hotels [Bearbeiten]

Das Luxushotel Llao Llao in Bariloche. Eine derart spektakuläre Lage hat auch ihren Preis.

In Argentinien gibt es mehrere Arten von Unterkünften neben normalen Hotels. Hosterías sind meist größere Landhotels mit Garten und oft mit Swimmingpool, aber weniger Komfort als in normalen Hotels, wobei sich die beiden Bezeichnungen Hotel und Hostería ein Stück weit überschneiden und sich die Preise kaum unterscheiden. Hotels und Hosterías werden mit Sternen (ein bis fünf Sterne) kategorisiert, die Auskunft über Preis und Leistungen geben und etwa mit den internationalen "Stern-Kategorien" übereinstimmen - ein Stern gilt als einfache Unterkunft, zwei Sterne als Mittelklasse, drei Sterne gehobene Mittelklasse, vier Sterne Oberklasse und fünf Sterne Luxusklasse.

Residenciales und Hospedajes sind kleine, eher einfache Hotels; oft muss hier das Bad geteilt werden. Sie sind in die Kategorien "A" und "B" eingeteilt, wobei die B-Residenciales oft nur das Nötigste bieten, also z.B. keinen Fernseher. Albergues und Hosteles sind mit Jugendherbergen bzw. Hostels vergleichbar, nehmen aber Gäste aller Altersgruppen auf. In ihnen kann man neben Zimmern auch einzelne Betten mieten, diese Mehrbettzimmer sind oft sehr eng, dafür können die Betreiber oft Fremdsprachen und es gibt auch meist Schließfächer für Wertsachen. Die Hotelpreise sind verglichen mit Europa immer noch recht günstig, mit Ausnahme der obersten Preisklasse.

Zu beachten ist, das auch Stundenhotels sich mit "Hotel" bezeichnen. Sie sind meist erkennbar an ihrer Beleuchtung (rot-rosa), ihrem Namen und dem Zusatz "albergue transistorio" oder "hotel alojamiento".

In einigen argentinischen Städten insbesondere an stark befahrenen Fernstraßen gibt es auch Motels nach US-amerikanischem Vorbild, bei denen man mit dem Auto bis vors Schlafzimmer fahren kann.

Campen [Bearbeiten]

Campingplätze gibt es in Argentinien reichlich, fast jedes Dorf hat irgendwo einen Zeltplatz. Es gibt zwei Preissysteme: entweder man zahlt pro Person und pro Zelt bzw. Auto (der Normalfall) oder man zahlt einen Pauschalpreis für eine Parzelle (parcela), letzteres System ist besonders in großen Touristenorten üblich. Der Preis eines Platzes ist meistens eher von seiner Lage als von seinem Komfort abhängig. Camping Municipal nennen sich meist sehr preisgünstige Campingplätze, die von der jeweiligen Gemeinde verwaltet werden. Die Ausstattung der Campingplätze ist mit Ausnahme der Hochpreisplätze in den Touristengebieten mit Europa nicht ganz zu vergleichen; viele Campingplätze in abgelegenen Gebieten bieten nur minimalen Komfort (z.B. kein warmes Wasser) und sind manchmal auch vollkommen schattenlos. Dafür liegen besonders diese Plätze oft in sehr idyllischen Naturlandschaften und kosten nur minimale Gebühren.

Freies Campen ist eigentlich nur dort erlaubt, wo darauf ausdrücklich hingewiesen wird - insbesondere in Natur- und Nationalparks, wo es fast immer kleine Campingflächen gibt. In der Praxis wird dieses Verbot aber in einsamen Gebieten fast nie beachtet. Ist ein Gebiet klar als Privatgrundstück erkennbar (z.B. durch einen Zaun oder ein Haus), sollte man immer den Besitzer um Erlaubnis zum Campen und auch zum Betreten des Gebietes fragen - man riskiert sonst, für einen Dieb oder Landstreicher gehalten zu werden! Auch an Tankstellen kann oft gecampt werden, einige haben sogar Duschen, da dort auch Fernfahrer übernachten.

Eine Warnung: In vielen Gebieten insbesondere im Zentrum und Westen Argentiniens ist die Waldbrandgefahr sehr hoch! Man sollte daher beim Feuermachen aufpassen und entsprechende Verbote bitte berücksichtigen! Durch das unachtsame Verhalten von Campern brennen jedes Jahr Zehntausende Hektar Wald und Buschland ab.

Lernen und Studieren [Bearbeiten]

Viele argentinische Universitäten haben Kooperationsprogramme mit deutschen Universitäten. Ausführliche Informationen sind auf der Website des Deutschen Akademischen Austauschdienstes sowie auf den Seiten der jeweiligen Universitäten selbst zu finden. Man kann in Argentinien mittels eines Studentenvisums jeden gewünschten Grad erlangen, allerdings nicht an allen Universitäten (besonders kleinere Unis nehmen keine Ausländer an).

Bedeutende Universitäten sind die Universidad de Buenos Aires (UBA), die Universidad Nacional de Córdoba (UNC) und die Universidad Nacional de La Plata (UNLP); ebenso die landesweite Universidad Tecnológica Nacional (UTN). Es gibt auch viele private Universitäten, die jedoch den zweifelhaften Ruf genießen, es sei unmöglich, dort durch eine Prüfung zu fallen. Am besten wird meistens die Universidad Católica bewertet, die Filialen in mehreren Städten Argentiniens hat und von der Qualität mit den staatlichen Unis vergleichbar ist. Sie gilt allerdings in der Behandlung der Studenten als sehr konservativ.

Schüleraustauschprogramme gibt es ebenso in vielen argentinischen Städten.

Spanisch-Sprachkurse in Argentinien sind insbesondere nach 2002 sehr beliebt geworden. Hauptsächlich in den Metropolen Buenos Aires, Córdoba, Rosario und Mendoza, aber auch in einigen kleineren Städten gibt es Einrichtungen zum Spanischlernen. Einige Kurse sind auch mit Praktika verbunden.

Arbeiten [Bearbeiten]

Jobs für Ausländer gibt es besonders in der Tourismusbranche (z.B. als mehrsprachiger Führer oder auch als Kellner) und in der Bildung, vor allem für Sprachkurse. Dabei ist die englische Sprache am wichtigsten. Auch Callcenter-Mitarbeiter mit Fremdsprachenkenntnissen sind begehrt.

Weiterhin ist nach der Wirtschaftskrise 2002 der IT-Bereich geradezu explodiert. In vielen Städten herrscht hier Arbeitskräftemangel, weshalb man z.B. in der Softwarebranche mit entsprechenden Kenntnissen gute Chancen auf einen nach argentinischen Verhältnissen sehr gut bezahlten Job hat. Auch Ingenieure und ausgebildete Techniker aus anderen Sparten sind sehr begehrt.

Wer als Ausländer ein reguläres Arbeitsverhältnis eingeht, muss über seinen künftigen Arbeitgeber ein Arbeitsvisum beantragen, das jedes Jahr oder alle 2 Jahre erneuert werden muss; nach drei Jahren wird die unbefristete Aufenthaltserlaubnis gewährt. Für das Arbeitsvisum benötigt man einen Arbeitsvertrag, weiterhin muss sich der Arbeitgeber (egal ob natürliche oder juristische Person) in einer Datenbank der Ausländerbehörde einschreiben und dabei beweisen, dass er seinen Steuerzahlungen und anderen Verpflichtungen nachkommt. Seit 2007 kann man diese Aufenthaltsgenehmigung auch beantragen, wenn man ursprünglich als Tourist eingereist ist - die Regierung will damit die illegalen Einwanderer dazu bringen, sich zu registrieren, um die weit verbreitete Schwarzarbeit einzudämmen. Genaueres unter der Website der argentinischen Ausländerbehörde.

Feiertage [Bearbeiten]

Termin Name Bedeutung
1.1. Año Nuevo Neujahr
Februar Feriados de Carnaval Rosenmontag und Fastnachtsdienstag
24.3. Día de la Memoria Gedenktag an den Militärputsch 1976
2.4. Día de Malvinas Gedenktag an den Falklandkrieg
März/April Jueves Santo Gründonnerstag (arbeitsfrei)
März/April Viernes Santo Karfreitag
1. 5. Día del Trabajo Tag der Arbeit
25. 5. Día de la Patria Nationalfeiertag (Tag der Mairevolution)
20. 6. Día de la Bandera* Tag der Fahne
9. 7. Día de la Independencia Unabhängigkeitstag
17. 8. Día de San Martín* Todestag von San Martín
12. 10. Día del Respeto a la Diversidad Cultural* Tag der Entdeckung Amerikas. Früher Día de la Raza, 2010 umbenannt.
22. 11. Día de la Soberanía Nacional Gedenktag an die Schlacht von Obligado (1845)
8. 12. Día de la Inmaculada Concepción Mariä Empfängnis
24. 12 Nochebuena Heiligabend (arbeitsfrei)
25. 12. Navidad Weihnachten
31.12. Fin de año Silvester (arbeitsfrei)


Die mit "arbeitsfrei" gekennzeichneten Tage sind keine gesetzlichen Feiertage. Viele Geschäfte haben an diesen Tagen halbtags geöffnet. Die mit einem Stern gekennzeichneten Feiertage sind beweglich, was bedeutet, dass der Tag in der Regel auf den nächstgelegenen Montag verlegt wird. Dies geschieht, um den Tourismus anzukurbeln und mehrere "kleine Ferien" zu schaffen, auch weil in Argentinien die Urlaubszeit deutlich kürzer als in Europa ist.

Zu erwähnen ist noch der Día del Estudiante am 21. September, der Tag der Schüler und Studenten. Schulen und Universitäten haben an diesem Tag geschlossen. Es gibt außerdem eine ganze Reihe regionaler und lokaler Feiertage. Weiterhin sind wichtige jüdische und islamische Feiertage für die Anhänger der jeweiligen Religion arbeitsfrei.

Sicherheit [Bearbeiten]

Trotz der sensationalistischen Medienberichte ist die Kriminalität in Argentinien nicht besonders viel höher als etwa in Europa, die Mordrate geht seit der Jahrtausendwende sogar wieder zurück (2002 lag sie laut Justizministerium bei 9,2, 2008 bei 5,8 pro 100.000 Einwohnern). Es gibt allerdings in fast allen Städten "rote Zonen", in denen häufig Überfälle vorkommen; dies sind oft ärmere Stadtviertel und Slums (bekannt als villas miserias). Solche Viertel sollte man, wenn es sein muss, nur in Begleitung und nur tagsüber besuchen. Man sollte sich am Besten bei Einheimischen erkundigen, da die Kriminalitätsschwerpunkte oft wechseln. Im Gegensatz zu vielen Ländern Lateinamerikas sind die Gegenden rund um die Busbahnhöfe dagegen fast immer sicher (Ausnahme: die Villa 31 in Buenos Aires, die man aber nicht durchqueren muss, wenn man zum Busbahnhof geht). In kleinen Orten braucht man um sein Hab und Gut keine Angst zu haben - die Einheimischen lassen hier sogar das teure Mountainbike ohne Schloss stehen!

Tipps:

  • Taschendiebe nutzen das Gedränge in Bussen und U-Bahnen aus. Daher sollte man Wertsachen (sehr begehrt sind z.Zt. Digitalkameras) nicht in Rucksäcke oder hintere Hosentaschen packen.
  • Armbanduhren, Schmuck und Kameras kann man - Vorsicht vor Taschendieben vorausgesetzt - in Stadtzentren problemlos tragen, in einigen Außenbezirken aber nur dann, wenn es sich nicht um wertvolle Objekte handelt.
  • Gruppen von Jugendlichen, die sich in Außenbezirken großer Städte auffällig versteckt halten (z.B. hinter Bäumen oder in Büschen), sollte man grundsätzlich aus dem Weg gehen, da es sich hier häufig um Kleinkriminelle handelt, die für ein paar Peso Passanten überfallen. Generell gilt, das solche Gruppen vorzugsweise kleine, schmächtige Opfer auswählen, vor großen, muskulösen Personen aber Respekt haben. Dies gilt natürlich nicht, wenn die Gruppen bewaffnet sind.
  • Hotels sind so gut wie immer sicher, ein generelles Sicherheitsproblem gibt es jedoch auf Campingplätzen in großen Touristenzentren, da diese manchmal mangelhaft abgesperrt sind. Es empfiehlt sich, das Zelt mit einem kleinen Kofferschloss abzuschließen (die meisten Einheimischen machen das auch so) und wertvolle Wertsachen bei der Platzverwaltung oder in einem guardaequipaje (Gepäckaufbewahrungsdienst, anzutreffen vor allem an Busbahnhöfen) abzugeben. Diesen Diensten kann in der überwiegenden Anzahl der Fälle problemlos vertraut werden, im Zweifelsfall kann man oft auf einem Zettel angeben, was man abgibt, und diesen dann unterschreiben - dann haftet der Dienst für den Schaden (Achtung: Einige Dienste lassen sich aus Angst, selber überfallen zu werden, nicht auf so etwas ein! Am besten ist es also manchmal, nichts zu sagen und die Sachen so unauffällig wie möglich z.B. in Kleidung oder Schlafsäcken verstecken). Auf einigen Busbahnhöfen gibt es auch Schließfächer.
  • Kreditkarten und größere Geldmengen sollte man an der Haut tragen und entsprechende Beutel kaufen. Diese werden selbst bei einem Überfall so gut wie nie entdeckt.
  • Ist man in gefährlicheren Gebieten unterwegs, sollte man eine kleinere Geldmenge bei sich haben, um den Dieben im Fall eines Überfalles "etwas bieten" zu können - sonst können diese sehr aggressiv werden, selbst Morde sind deswegen schon vorgekommen. Die Höhe dieses Betrags richtet sich nach dem Aussehen, Krawattenträger etwa sollten nicht weniger als 100 AR$ bei sich haben.

Gesund bleiben [Bearbeiten]

Besondere Gesundheitsrisiken gibt es im größten Teil Argentiniens nicht. Im Norden sind vereinzelt tropische Krankheiten insbesondere in den Urwaldgebieten von Misiones, Tucumán und Salta aufgetreten, darunter am häufigsten das Dengue-Fieber. Eine rein theoretische Gefahr besteht in diesen Gegenden auch, an Malaria zu erkranken, in der Praxis tritt diese Krankheit jedoch nur sehr selten auf und ein Prophylaxe ist nur dann notwendig, wenn man sich über eine längere Zeit in abgelegenen Gebieten in der freien Natur aufhält (z.B. bei längeren Trekkingtouren in den Urwaldgebieten). Aids ist in Argentinien mit einer HIV-Prävalenz von 0,6% etwa so verbreitet wie in den USA, gefährdet sind vor allem Personen mit häufigen informellen, ungeschützten Sexkontakten sowie Besucher von Bordellen, deren hygienischer Standard meist miserabel ist, auch weil sie in einer rechtlichen Grauzone arbeiten (Prostitution ist offiziell illegal und wird als "Anbahnung von Kontakten" in speziellen Bars verschleiert).

Das Essen und Trinken kann fast immer problemlos genossen werden. Vorsicht bei empfindlichen Mägen ist geboten bei extrem preisgünstigen Angeboten, insbesondere in tenedor libre-Restaurants (s.o.) und Ständen auf der Straße. Man muss aber besonderes Pech haben, sich bei solchen Fällen eine Lebensmittelvergiftung zu holen.

Krankenhäuser und Ärzte gibt es in Städten häufig. Bei staatlichen Krankenhäusern, die kostenlos sind, sind aber lange Wartezeiten auf eine Behandlung oft die Regel. Deshalb sollte der, der es sich z.B. durch eine Reiseversicherung leisten kann, eine Privatklinik vorziehen, auch um die staatlichen Krankenhäuser für die freizuhalten, die auf sie angewiesen sind.

Klima und Reisezeit [Bearbeiten]

Argentinien hat Anteil an einer großen Vielfalt von Klimazonen. Die beste Reisezeit variiert je nach Gebiet: in Patagonien das Sommerhalbjahr, im Zentrum (Buenos Aires, Santa Fe, Córdoba, Mendoza) Frühling und Herbst und im Norden das trockene Winterhalbjahr (der Sommer ist dort sehr feucht). Alle Großstädte können im Hochsommer drückend heiß werden, im Januar sind sie zudem wie ausgestorben, da viele Menschen dann in den Urlaub fahren.

In der Pampa-Region (z.B. Buenos Aires) und in Mesopotamien ist das Klima gemäßigt bis subtropisch und das ganze Jahr über feucht. Die Sommer sind schwülwarm (durchschnittliche Höchsttemperaturen 28 °C in Buenos Aires und um 33 °C in Misiones) und die Winter kühl bis mild (15 °C in Buenos Aires, um 22 °C in Misiones). Der Wettercharakter wechselt zwischen längeren Sonnenperioden und wolkigem Regenwetter, das manchmal mehrere Tage andauern kann. Die Regenfälle sind oft sehr intensiv. Häufig sind auch starke Winde.

Zentral- und Nordwestargentinien (z.B. Córdoba, Mendoza und Tucumán), die Sierras Pampeanas und der Chaco sind im Winterhalbjahr sehr trocken. Die Sommer sind heiß und relativ feucht (durchschnittliche Höchstemperatur 32°C in Córdoba, drückende 37°C in Formosa) und die Winter trocken-mild (19 °C in Córdoba, 24 °C in Formosa). Am regnerischsten sind die Monate November und Dezember. Trockenste Gegend der Region ist die Puna mit nur 80 - 300 mm Niederschlag im Jahr, während die subtropischen Urwälder in Tucumán bis zu 1200 mm abbekommen, und trotzdem im Winter oft Dürreperioden erleben.

Patagonien ist das ganze Jahr über trocken, mit etwas mehr Regen im Winter als im Sommer. Ausnahme sind die Südanden und das südliche Feuerland, die das ganze Jahr über deutlich feuchter sind. Die Temperaturen sind das ganze Jahr über generell mild, klaffen aber weit zwischen Nord und Süd auseinander. San Antonio Oeste hat etwa eine Durchschnitts-Höchsttemperatur von 32 °C im Sommer, in Comodoro Rivadavia liegt sie bei 25 °C und in Ushuaia nur bei 15 °C. Im Winter ist der Unterschied etwas geringer, hier erreichen San Antonio und Comodoro Rivadavia 12 °C, Ushuaia immer noch 3 °C.

Regeln und Respekt [Bearbeiten]

Die Verhaltensweisen sind generell recht ähnlich wie in Europa, insbesondere wie im Mittelmeerraum.

  • Kleidung und Erscheinungsform: Das früher gängige Klischee, das man in Argentinien in Städten nur vornehm gekleidet ins Zentrum gehen sollte, gilt heute nicht mehr - auch kurze Hosen sind in Stadtzentren anzutreffen. Dennoch stimmt es, dass die Argentinier vor allem beim Ausgehen und insbesondere zum Essen in feinen Restaurants sehr viel Wert auf ihre Kleidung und das Aussehen generell legen. Auch im Alltag sollte man auf eine einigermaßen gepflegte Erscheinung achten - sonst wird man in eine Ecke mit Vagabunden und Hippies gesteckt, die besonders bei älteren Argentiniern verhasst sind. Und: Auch die jung-alternativen Argentinier legen Wert darauf, was sie anziehen, insbesondere Frauen achten sehr auf figurbetonte Kleidung.
  • Verhalten: Viele Argentinier versuchen stets, nett und freundlich zu ihren Mitmenschen zu bleiben, einfach um gut dazustehen - selbst wenn diese ihn eigentlich gar nicht interessieren. So kann man sich etwa als Ausländer in einer Kneipe sicher sein, von vielen Leuten zum „Asado“ eingeladen zu werden - und wundert sich dann, wenn der Betreffende sich am nächsten Tag nicht einmal mehr an seinen Namen erinnert. Oder: Man fragt auf der Straße nach dem Weg und wundert sich, dass obwohl der Angesprochene anscheinend perfekt Bescheid wusste, die Auskunft falsch war. Das kann bei Auswärtigen als Oberflächlichkeit missverstanden werden, gehört jedoch zur argentinischen Kultur dazu und trägt ausserdem zu einer angenehmen Atmosphäre bei. Deshalb sollte man auch nicht alles glauben, was einem erzählt wird.
  • Schlangestehen und Nummernziehen: Kurios dürfte auf Mitteleuropäer, die ein „heißblütiges Temperament“ der Argentinier erwarten, die Disziplin wirken, mit der Argentinier bei vielen Anlässen Schlange stehen. Selbst an Bus- und Bahnhaltestellen gibt es Markierungspunkte, hinter denen man sich in Reih und Glied aufstellt. Niemals wird dagegen versucht, sich in einer solchen Schlange vorzudrängeln - es gilt als äußerst unhöflich, nicht einmal Jugendliche tun es... In fast allen Behörden, aber auch in Läden ist es dagegen üblich, eine Nummer zu ziehen, die dann entweder über eine Anzeigetafel oder durch Ausrufen angekündigt wird. Nur: Um die Nummer zu bekommen, muss man oft erst einmal Schlange stehen...
  • Ladies First: Im ganzen Land gilt immer noch streng das "Ladies First". Es ist in Bussen, U-Bahnen usw. üblich, insbesondere älteren Frauen den Platz anzubieten. Frauen, insbesondere Mütter mit kleinen Kindern, werden in Schlangen auch oft von den Männern vorgelassen.
  • Essen und Trinken: Ins Restaurant geht man zwar fein gekleidet, einen Dresscode gibt es jedoch nur in einigen sehr exklusiven Lokalen. Essen auf der Straße und im Bus ist recht unüblich und wird von älteren Argentiniern als unhöflich angesehen, auch wenn es sich bei jungen Leuten zu etablieren scheint. In Langstreckenbussen gilt das natürlich nicht, dort wird sogar häufig eine Kleinigkeit serviert. In fast ganz Argentinien, außer in einigen kleinen Ortschaften, ist der Alkoholgenuss in der Öffentlichkeit verboten. Die Durchsetzung dieses Verbots ist allerdings unterschiedlich, in Parks etwa oder am Strand nehmen es die Ordnungshüter nicht so genau wie auf der Straße. Fällt man allerdings als betrunken auf, kann man fast sicher sein, dass sich die Polizei um einen kümmert. Insbesondere nachts an Nachtleben-Schwerpunkten gibt es oft Polizeikontrollen, bei denen Betrunkene, manchmal leider aber auch unbeteiligte Passanten für einige Stunden in eine Ausnüchterungszelle gesteckt werden. Diesen Kontrollen am besten aus dem Weg gehen. In den meisten Städten, u.a. in Buenos Aires und Córdoba, gibt es Alkoholverkauf-Sperrstunden (für Kioske und Geschäfte meist 23 oder 24 Uhr, für Bars und Diskotheken 5 oder 6 Uhr). Diese Gesetze werden aber nicht immer respektiert.
  • Viveza Criolla: Zu den in den Medien häufig kritisierten „argentinischen Tugenden“ gehört die sogenannte viveza criolla, die „einheimische Schlauheit“. Gemeint ist die angebliche Gewohnheit der Argentinier, durch Tricksereien zu allen möglichen Vorteilen zu kommen und Unwissende übers Ohr zu hauen. Beispielsweise, wenn für eine Ware oder Dienstleistung ein höherer Preis von Ausländern als von Inländern verlangt wird oder das Wechselgeld im Taxi in einer schon lange nicht mehr gültigen Währung (z.B. australes) gegeben wird. Zwar sind solche Gaunereien nicht generell zu erwarten, sie können aber durchaus vorkommen. Vielleicht ist es deshalb vorteilhaft, sich erst einmal über die üblichen Preise zu informieren, besonders wenn man eine größere Investition, etwa einen Auto- oder Hauskauf, vorhat.
  • Partnerschaft und Sexualität: In Bezug auf heterosexuelle Partnerschaften ist Argentinien inzwischen fast so liberal wie in Europa - man kann durchaus seine romantischen Gefühle in der Öffentlichkeit zeigen. Allenfalls in dörflichen, abgelegenen Gegenden stößt zu wildes Knutschen immer noch auf Ablehnung. Sex in der Öffentlichkeit ist allerdings überall eine Ordnungswidrigkeit, wenn es also sein muss, aufpassen dass niemand zuschaut. Dafür gibt es eine große Anzahl Stundenhotels (hotel alojamiento / albergue transistorio, umgangssprachlich telo). Eine Besonderheit sind die sogenannten villa cariño, meist abgelegene Straßen, in denen sich eine Vielzahl von Pärchen in ihren Autos treffen und man zum Teil sogar Essen und Getränke ans Auto bestellen kann.
  • Hinweise für Schwule und Lesben: Bei Homosexuellen ist das Land mit der Toleranz leider noch nicht ganz so weit wie Mitteleuropa, auch wenn sich die Verhältnisse nach der Demokratisierung 1983 und besonders seit Antritt der Mitte-Links-Regierung ab 2003 stark gebessert haben. Öffentliches Küssen insbesondere zwischen zwei Männern kann aber immer noch als Erregung öffentlichen Ärgernisses gelten und für einige Stunden auf der Polizeiwache sorgen. Da argentinische Frauen generell recht unbefangen miteinander umgehen, haben es lesbische Pärchen einfacher als Männer. Schwule riskieren auch oft hämischen Spott von traditionell Macho-orientierten Argentiniern. Grundsätzlich gilt: Die Großstädte, aber auch Touristenorte, sind liberaler als Kleinstädte und Dörfer. In den In-Vierteln von Buenos Aires (insbesondere Palermo und Recoleta), Córdoba und Rosario sowie in den Großstädten Patagoniens ist dagegen auch das öffentliche Ausleben der Homosexualität problemlos möglich. Es gibt weiterhin in jeder Großstadt Institutionen wie kulturelle und politische Vereine, Medien und Fanzines, Bars und Clubs für Homosexuelle, die sich aktiv gegen die Diskriminierung zur Wehr setzen und Lobbyarbeit betreiben.
  • Nacktbaden: Nacktbaden und FKK generell ist außerhalb gekennzeichneter Gebiete verboten und kann als Ordnungswidrigkeit geahndet werden. Manchmal erhält man selbst für öffentliches Umziehen eine Verwarnung. Aber wie überall gilt auch hier „wo kein Kläger, da kein Richter“, und angesichts der vielen einsamen Seen und Strände können auch Nacktbader auf ihre Kosten kommen. Es gibt auch einige wenige FKK-Strände und FKK-Camps (campamento nudista oder campamento naturista), auf der Seite Ser Nudista findet man eine Liste organisierter FKK-Bereiche. „Oben Ohne“ (topless) wird zwar toleriert, ist aber oft Anziehungspunkt für Gaffer und kann spöttische Kommentare zur Folge haben, da argentinische Frauen in dieser Hinsicht recht prüde sind. Man braucht aber keine Angst vor US-amerikanischen Verhältnissen zu haben, insbesondere was kleine Kinder betrifft - wenn diese nackt am Strand herumtoben, schert sich niemand darum.

Post und Telekommunikation [Bearbeiten]

Das Kommunikationsnetz ist in Argentinien mit Ausnahme von sehr abgelegenen Gebieten sehr gut ausgebaut und durchaus mit Europa vergleichbar.

Telefon

Viele Argentinier haben heute einen Festnetzanschluss, selbst in abgelegenen Gebieten. Für Reisende gibt es häufige Telecentros mit Telefonkabinen und oft auch Fax- und Internetanschluss. Auch öffentliche Telefonapparate (nur selten "Zellen") sind zu finden, die entweder mit normalen Münzen oder mit Spezialmünzen (cospeles) funktionieren (Telefonkarten sind unüblich). Zu beachten ist, das Ferngespräche und auch internationale Gespräche deutlich teurer sind als in Europa. Dies liegt an dem Quasi-Monopol der beiden größten Gesellschaften Telecom und Telefónica. Es gibt allerdings eine bestimmte Art Telefonkarten, wo das Sprechen deutlich verbilligt wird (z.B. Tarjeta Blah!).

Handys haben heutzutage fast alle Argentinier. Fast überall hat man eine Antenne in der Nähe. Neben dem (erst 2003 voll ausgebauten!) GSM-Netz gibt es außerdem das in den USA übliche CDMA-Netz sowie immer noch analoge Netze. Seit 2007 gibt es in einigen Großstädten auch UMTS. Mobilfunkgesellschaften sind Movistar (Telefónica), Personal (Telecom), Claro (América Móviles) und Nextel. Zu beachten ist, dass nicht alle europäischen GSM-Handys auch in Argentinien funktionieren, da hier die Netze GSM 850 und 1900 benutzt werden (in Europa meistens GSM 1800). Ein gebrauchtes Handy einfacher Bauart kann man aber ab etwa 100 Pesos inklusive Ummeldung erstehen; wie in Europa gibt es Prepaid-Karten oder monatliche Tarife.

Beim Anruf vom Ausland aus auf ein argentinisches Handy wird der Ländervorwahl 0054 eine "9" hintenangehängt, danach kommt erst die Städtevorwahl (ohne 0) und Rufnummer (ohne 15 am Anfang). Z.B. Anruf nach Buenos Aires: 0054-9-11-XXXX XXXX. Beim Anruf ins argentinische Festnetz gilt dies nicht!

Hinweis: In den Jahren 2011/2012 haben sich zahlreiche Vorwahlen geändert, auch von größeren Städten. Es kann also vorkommen, dass z.B. im Internet noch alte Vorwahlen zu finden sind. Mit der Mobilfunknummer *120 (Sternchen-120) oder *611 (Nextel) kann man sich nach den neuen Nummern erkundigen. Eine offizielle Liste der Änderungen gibt es beim Wirtschaftsministerium.

Internet

Bereits in den frühen 1990er Jahren wurde das Internet in Großstädten von vielen Argentiniern genutzt - heute ist das Web allgegenwärtig. DSL und Kabelmodem-Dienste gibt es ab etwa 100 AR$ im Monat je nach Bandbreite, Dial-Up-Services sind inzwischen nur noch in abgelegenen Gebieten relevant.

Internetcafés (cibercafé oder cíber) waren in den späten 1990er Jahren und bis etwa 2007 weit verbreitet, heute haben jedoch viele Argentinier einen festen Anschluss. Dennoch findet man selbst in Kleinstädten immer irgend einen Ort, an dem man sich mit dem Netz verbinden kann kann (meist in einer Telefonzentrale, Telecentro genannt), auch WLAN-Zonen (WiFi) haben sich verbreitet. Internetcafés kosten meist zwischen 3 und 7 Pesos pro Stunde, in großen Städten manchmal weniger, in kleinen Orten dagegen eher mehr. Auch die meisten Hotels von der Mittelklasse aufwärts bieten Internetanschlüsse oder WLAN an. In einigen Großstädten (Teile von Buenos Aires, Córdoba und Rosario, gesamte Provinz San Luis) ist das Internet innerhalb von staatlich geförderten WLAN-Zonen gratis, allerdings sind einige Dienste wie Filesharing blockiert.

Kleinere, abgelegene Orte haben oftmals jedoch keinen DSL- oder Kabelmodem-Dienst. Dort muss man sich noch mit analogen Modem-Anschlüssen begnügen. Allerdings wird das Netz recht schnell ausgebaut.

Post

In Argentinien gibt es mehrere Postgesellschaften, die größte ist der Ex-Monopolist Correo Argentino, daneben gibt es OCA, sowie für den Paketversand UPS und DHL.

Wertvolle Sendungen nach Argentinien sollten nicht mit dem Correo Argentino (also auch nicht mit der Deutschen Post oder DHL), sondern mit UPS und ähnlichen Diensten geschickt werden, es ist häufig zu Diebstählen oder Verlusten des ganzen Paketes gekommen. Der Zoll ist mit einem Pauschaltarif von 50 % für Privatleute sehr teuer, aber auch mit einer (schwierig zu erhaltenen) Importlizenz muss man wegen der hohen Mehrwertsteuer mit Werten über 35 Prozent rechnen.

Der Inlandsversand ist dagegen sicher. Hier gibt es die günstige und sichere Alternative der encomienda; dabei wird das Paket bei einer Busgesellschaft (meist am örtlichen Busbahnhof) abgegeben. Der Empfänger muss es dann ebenfalls am Busbahnhof bei Vorlage des Ausweises abholen. Das ist natürlich nur dann möglich, wenn die Strecke von einer Buslinie bedient wird. Eine weitere Möglichkeit sind comisionistas, Mini-Unternehmer, die im eigenen Auto Post auf bestimmten Strecken befördern. Sie sind oft flexibler als die Busgesellschaften, liefern direkt an den Empfänger und sind kaum teurer.

Literatur [Bearbeiten]

  • Dirk Bruns (Hrsg.) Argentinien, Hayit Verlag, 1998, ISBN-10: 3896074881. Sehr empfehlenswerter Reiseführer mit guten Hintergrundinfos.
  • José Friedl Zapata Argentinien - Ländermonographie, 1978, sehr gute Geschichts- und Hintergrundinformationen, trotz des etwas älteren Datums für Interessierte sehr zu empfehlen.

Weblinks [Bearbeiten]

Koffer Hotel.svg Dieser Artikel wird von der Gemeinschaft als besonders gelungen betrachtet und wurde daher am 12. September 2008 zum Empfehlenswerten Reiseführer gewählt.